Lerntipp 29. Die Vergessenskurve

Sie ist über 100 Jahre alt und eine der interessantesten Erkenntnisse der psychologischen Lernforschung. Sie wird trotz ihres hohen und somit ehrwürdigen Alters erstaunlich wenig beachtet wird: Die Vergessenskurve. Herrmann Ebbinghaus hat sie um 1885 entdeckt und in vielen Versuchen genauer untersucht. Er stellte fest, dass nach dem ersten mühsamen Erlernen eines Gedichtes dieses dann leider noch nicht endgültig und auf Dauer im Gehirn gespeichert ist.

Ganz im Gegenteil: Überlässt man nun das Gedicht nun seinem Schicksal und prüft es etwa nach einer Stunde, ist im Durchschnitt etwa die Hälfte wieder verschwunden. Jeder neue, frisch eingeprägte Inhalt versickert also mit beachtlicher Geschwindigkeit irgendwo zwischen unseren Gehirnwindungen. Und das geht immer so weiter. Zwar wird die Kurve mit der Zeit glücklicherweise bald etwas flacher, doch bleibt im Schnitt nicht mehr als etwa ein Fünftel im Gedächtnis hängen. Das bedeutet also, dass es nicht die Masse des Lernens bringt, das sture sogenannte "Überlernen", sondern wirklich die Regelmäßigkeit des kurzen Lernens! Also anstatt Eure Energie in extremes lernen zu stecken, empfiehlt es sich, die Lernzeiten besser über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Mit gehäuften Wiederholungen, also dem lernen des gesamten Stoffes, lässt sich die Vergessenskurve nämlich leider auch nicht überlisten. Im Gegenteil: Viel besser ist es, immer nur so lange zu lernen, bis Ihr einen neuen Inhalt gerade eben beherrscht. So über einen Zeitraum zelebriert, benötigt Ihr dann zwar auch noch Wiederholungen.

Aber: die Wiederholungszeiten werden logischerweise immer kürzer, da vom vorherigen Mal immer mehr hängen bleibt im Kopf. So kommt Ihr zügig und sicher auf Eure benötigten 100% des Lernens. Ihr sorgt mit einem festen, aber kurzen Lernrhythmus dafür, dass der Lernstoff sich dauerhaft und sicher einprägt. Zum Abruf dann jederzeit bereit. So könnt Ihr diese Vergessenskurve ihrem Schicksal überlassen und nicht anders herum.