Elternratgeber 22: Selbstständigkeit fördern

Selbstständigkeit sollte früh erlernt werden, helfen Sie Ihrem Kind dabei! Wer immer hilft, ist zwar lieb, aber es bringt wenig. Wir wissen das aus Erfahrung. Wenn zu viel geholfen wird, gerade bei den Hausaufgaben, verlässt sich das Kind darauf und strengt sich gar nicht mehr richtig an. Das ist wirklich so. Auch Kinder haben es gerne bequem!

Oder aber, Ihr Kind sucht einfach Ihre Nähe. Natürlich sollte man dieses Bedürfnis dann nicht schroff zurückweisen. Es genügt dann vollauf, wenn Sie Ihrem Kind klarmachen, dass es nun bitte erstmal alleine arbeiten soll. Wenn es dann beispielsweise in einer halben Stunde noch nicht weiter ist, helfen Sie natürlich gerne. Oder aber Sie stellen gemeinsame Zeit in Aussicht. Das sieht dann beispielsweise so aus: "Wenn Du in einer halben Stunde fertig bist, dann können wir gerne ein Spiel spielen oder raus gehen". Ihr Kind hat also die gemeinsame Zeit als Ziel und wird sich bemühen, diese auch zu bekommen.

Hier ein paar Tipps, wie Sie gut zur Selbstständigkeit erziehen können:

  1. Zuerst soll Ihr Kind schwierige Aufgaben selbst versuchen zu lösen. Natürlich bekommt es Hilfe, aber doch bitte nicht, wenn es sich mit der Aufgabe noch nicht mal befasst hat.
  2. Wenn es nicht weiterkommt, hinterfragen Sie bitte genau, WAS es hier nicht versteht. Oftmals ist es ein kleiner feiner Denkknoten, der sich dann sogar schon beim hinterfragen löst. Gehen Sie hier also schrittweise vor:
    • Das Kind versucht, die Aufgabe mit seinen Worten zu erklären
    • Das Kind erklärt genau, an welcher Stelle es nun nicht weiterkommt
    • Das Kind soll bitte erst selbst versuchen, seine Frage zu beantworten. Erst wenn es das nicht schafft, sind Sie am Zug

Erklären Sie so sachlich wie möglich, wie es nun hier weitergeht. Erklären Sie Ihrem Kind aber auch gleich, wo es die Antwort hätte finden können. Beispielsweise hat es mit Fachbegriffen Probleme, dann hilft nachschlagen im Schulbuch oder in Lexika. Es soll einfach lernen, dass es sich zur Not auch selbst helfen muss, Sie sind ja nicht immer zur Stelle, vor allem nicht in der Schule bei Schulaufgaben.

Was auch gerne vergessen wird: Wie sieht es mit den Mitschülern aus? Wir haben das selbst erlebt. Jede Minute der Freizeit wird mit den Freunden verbracht. Aber wenn mal Lernprobleme auftauchen, da kann man diese nicht mal anrufen? Quatsch. Dafür sind Freunde da! Animieren Sie also Ihr Kind, auch mal bei Lernproblemen oder nicht verstandenen Aufgaben Rat bei den Freunden zu suchen. Quasi alle Kinder helfen gerne und sind evtl. auch mal froh, ihrerseits bei Schwierigkeiten anrufen zu können.

Uns fiel es selbst auf, es passiert leider öfter als man denkt, dass Lehrer unverständlich erklären. Also so gut wie gar nicht. Vergewissern Sie sich in solchen Fällen bei anderen Eltern der Klasse, ob es deren Kindern auch so geht oder ob nur Ihr Kind nicht versteht. Wenn Sie merken, dass wirklich schlechte Erklärungen hinter den Problemen stecken, dann bitten Sie den Lehrer in der nächsten Sprechstunde oder per Notiz darum, dass die verlangten Aufgaben bitte auch richtig erklärt werden. So vermeiden Sie, dass Ihrem Kind Faulheit unterstellt wird.

Auch Lehrer werden gerne auf Fehler hingewiesen, auch sie müssen am Ende des Schuljahres gute Ergebnisse vorweisen. Erziehen Sie Ihr Kind also zur Selbstständigkeit. Hilfe annehmen ist wichtig, sich aber erstmal selbst zu helfen ist besser. Sie sind da, machen Sie dies Ihrem Kind klar, aber Sie wollen auch, dass es ein selbstständiger Mensch wird, welcher gut zu recht kommt. Glauben Sie uns, richtig erklärt, wird Ihr Kind das gerne so annehmen.