Die Rolle von Rock-Musikmagazinen im Zeitalter des sich wandelnden Printmarktes

Bachelorarbeit

Studiengang Ressortjournalismus

Fakultät Wirtschafts- und Allgemeinwissenschaften

Hochschule Ansbach

Olivia Barth-Jurca

Betreung: Prof. Dr. Martin Müller
Zweitgutachten: Prof. Renate Hermann

Abgabedatum: 12.03.2013

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

"Die Zeitungen sind die Sekundenzeiger der Geschichte."
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Schopenhauer mag die Umstände des 19. Jahrhunderts treffend beschreiben, im 21. Jahrhundert ist sein Zitat jedoch nicht mehr passend. Medien in gedruckter Form gelten als überholt und nicht mehr zeitgemäß. Immer häufiger liest und hört man von Zeitungen, welche insolvent gehen und vom Markt verschwinden. Das sogenannte "Zeitungssterben" ist präsenter denn je und keineswegs sind hiervon nur Tageszeitungen, wie kürzlich die Financial Times Deutschland und die Frankfurter Rundschau, sondern auch Magazine und Publikumszeitschriften betroffen. Trotz sinkender Auflagenzahlen decken die Einnahmen häufig nicht die entstehenden Kosten. Zunächst werden Stellen eingespart und Ausgaben minimiert, bis letztendlich das gesamte Produkt eingestellt wird. Als Beispiel kann das Wochenmagazin Prinz angeführt werden, welches seit Januar 2013 nicht mehr in gedruckter Form sondern nur noch als Onlinemagazin erscheint. Auch die ganz großen Magazine unseres Landes haben, wie im Folgenden noch erörtert wird, sinkende Auflagenzahlen zu verzeichnen. Auffallend ist, dass im Bereich der Rock-Musikmagazine keine Rede vom Verschwinden der Produkte ist. Das Printsterben scheint in diesem Bereich nicht anzukommen. Die Zahlen von Auflagen und Abonnements schwanken oder stagnieren. Es stellt sich die Frage, wer die Käufer von Rock-Musikmagazinen und welche die Gründe für den Absatz solcher Produkte sind. Antworten sollen unter anderem mithilfe einer Umfrage in der Zielgruppe gefunden werden.

Zunächst wird die Marktsituation von Tages- und Wochenpresse untersucht. Anschließend folgt ein Vergleich mit der Landschaft der Rock-Musikmagazine. Im dritten Kapitel wird die Rolle von Rockmusik im klassischen Journalismus untersucht und die Entstehung der Rock-Musik-Fachpresse skizziert, wobei auch die dazugehörige Subkultur näher zu betrachten ist.

Im empirischen Teil der Arbeit wird die Nutzung von Medien im Rock-Musik-Bereich analysiert, wobei der Schwerpunkt auf den Printmagazinen liegt. Mithilfe einer Onlinebefragung wird ein breites Spektrum an Daten zum Nutzerverhalten und zu den Erwartungen an ein Musikmagazin gesammelt, welche Aufschluss über die Bedürfnisse der Zielgruppe geben sollen.

Während der Literaturrecherche für diese Arbeit, konnte ich feststellen, dass bislang keine wissenschaftlichen Arbeiten zu dem Thema "Rock-Musikmagazine" vorliegen. Diese Bachelorarbeit soll erste Erkenntnisse liefern und die Grundlage für weitere Forschungen bilden.

2. Printmarkt und Rock-Musikmagazine: Die Entwicklungen im Vergleich

Wie bereits erwähnt, berichten die Medien immer häufiger von Redaktionen, die geschlossen werden und von Zeitungen und Zeitschriften, die vom Markt verschwinden. Am 15. Januar gab die WAZ-Mediengruppe, welche mit rund 500 Titeln das drittgrößte Verlagshaus Deutschlands darstellt, bekannt, dass die Redaktion der Westfälischen Rundschau mit ihren 120 Redakteuren komplett eingestellt wird. Die Zeitung soll weiterhin planmäßig erscheinen, jedoch mit übernommenem Inhalt von Zulieferern befüllt werden. Hierzu schreibt die Nachrichtenagentur dpa am 15. Januar: "Die Redaktion wird geschlossen, aber die Zeitung soll weiterleben. Was die WAZ-Gruppe mit ihrer 'Westfälischen Rundschau' macht, ist eine Notoperation. Ob der Patient überlebt, entscheiden die Leser." (www.nordbayern.de/1.2629315, Stand: 17.01.13) Bereits zwei Monate zuvor wurde bekannt, dass die Frankfurter Rundschau massiv Stellen gestrichen hatte und Insolvenz anmelden musste. (vgl. www.nordbayern.de/1.2548207, Stand: 17.01.13)

Nach gescheiterten Sanierungsversuchen stellte die Traditionszeitung Abendzeitung Nürnberg im November 2012 den Betrieb ein (vgl. www.nordbayern.de/1.2391493, Stand: 17.01.13) und auch das Stadtmagazin Prinz erscheint seit Januar 2013 nur noch als kostengünstigere Onlineversion. (vgl. www.nordbayern.de/1.2502527, Stand: 17.01.13)

Noch viele weitere Titel könnten in diesem Zusammenhang genannt werden. Diese Entwicklung spiegelt die Instabilität des gesamten Marktes wider, was auch durch die Statistiken im folgenden Kapitel belegt wird.

2.1. Printsterben und die Aussichten

Die Welt der Massenmedien befindet sich im Wandel. Der klassische Printmarkt mit Zeitungen und Zeitschriften verliert zunehmend an Lesern und an Relevanz. Laut der folgenden Grafik des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger ist die Gesamtauflage der Tageszeitungen in Deutschland in den letzten zehn Jahren um beinahe 33 Prozent gesunken. Der Grafik ist auch zu entnehmen, dass eine Erholung dieses Trends nicht zu erwarten ist, da die Zahlen konstant rückläufig sind.

Entwicklung der verkauften Auflage der Tageszeitungen in Deutschland

Abbildung 1: Entwicklung der verkauften Auflage (in Mio.) der Tageszeitungen in Deutschland Quelle/Grafik: BDVZ, 2012

Mögliche Gründe für dieses Phänomen gibt es viele. Einer davon ist, dass die Leserschaft veraltet und keine neuen Nutzer mehr nachkommen. Das morgendliche Ritual des Zeitunglesens gehört bei jungen Menschen nicht mehr zum modernen Tagesablauf. So kommt es zum Anstieg des Durchschnittsalters der Zeitungsnutzer: "Zeitungsleser sind auf dem Weg zum Friedhof. Die Nicht-Zeitungsleser verlassen gerade das College." (http://www.stiftung-nv.de/143773,1031,140878,-1.aspx, Stand: 19.12.12, Warren Buffet) Die Statistik der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. zeigt, dass der größte Anteil von Tageszeitungslesern über 60 Jahre alt ist. Nicht einmal 40 Prozent aller 14 bis 19-Jährigen und nur knapp die Hälfte aller 20 bis 29-Jährigen lesen regelmäßig eine Tageszeitung. Es kann also von einem Aussterben der Leserschaft im Zeitungsbereich gesprochen werden, was mit nachfolgendem Balkendiagramm veranschaulicht wird.

Reichweiten der Tageszeitungen 2011 nach Alter / Leser pro Ausgabe in Prozent

Abbildung 2: Reichweiten der Tageszeitungen 2011 nach Alter / Leser pro Ausgabe (LpA) in Prozent Quelle: Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. 2011, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Des Weiteren wird oftmals die Expansion des Onlinemarktes als Grund für die schwindenden Absatzzahlen im Zeitungswesen angeführt. Nachrichtenseiten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Dieses Phänomen dürfte vor allem mit den Faktoren Zeit und Geld zusammenhängen. Das Einholen von Informationen über das Tagesgeschehen, beispielsweise über Politik oder Nachrichten aus der ganzen Welt, ist im Internet für den Großteil der Gesellschaft nahezu kostenlos. Laut Statistischem Bundesamt besaßen im vergangenen Jahr 81 Prozent aller Haushalte in Deutschland einen Computer und 79 Prozent einen Internetzugang und die Tendenz diesbezüglich steigt stetig. (vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/ EinkommenKonsumLebensbedingungen/AusstattungGebrauchsguetern/Tabellen/ZeitvergleichAusstattung_IKT.html, Stand: 21.01.2013) Zudem sind Nachrichtenportale im Internet deutlich schneller und aktueller am täglichen Zeitgeschehen als die gedruckte Konkurrenz. Im Minutentakt laufen bei vielen Seiten die Nachrichten aus aller Welt ein, während die gedruckte Zeitung dem Konsumenten das Tagesgeschehen erst am nächsten Tag übermitteln kann.

Wie bereits erwähnt, ist der Rückgang der Auflagenzahlen keinesfalls allein ein Problem der Tagespresse und Zeitungen. Die folgende Grafik, welche sich auf Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., kurz IVW, stützt, zeigt eindeutig einen stetigen Rückgang der Auflagenzahlen auch im Bereich von Wochenmagazinen wie Der Spiegel, Stern und Geo, welche zweifelsohne zu den beliebtesten und größten Publikumsmagazinen Deutschlands zählen. Doch auch diese "Riesen" können sich der Krise in der Print-Branche nicht verwehren und müssen 5 mit sinkenden Absatzzahlen kämpfen. Abbildung 3 beschreibt deutlich den Fall der Auflagen der drei oben genannten Publikationen. Der Spiegel beispielsweise mit einer Millionenauflage musste in den letzten vier Jahren einen Rückgang von knapp 10 Prozent hinnehmen. Beim Magazin Stern gestaltet sich die Situation mit beinahe 20 Prozent Leserverlust sogar noch dramatischer.

Quartalsweise Auflagenentwicklung der Magazine Der Spiegel, Stern und Geo

Abbildung 3: Quartalsweise Auflagenentwicklung der Magazine Der Spiegel, Stern und Geo Quelle: Daten VWI, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Da die Leserschaft veraltet und die jüngere Generation vermehrt das Internet nutzt, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren, sinken die Auflagen von klassischen Printmedien wie Tageszeitungen und Zeitschriften drastisch und kontinuierlich.

2.2. Marktsituation bei Rock-Musikmagazinen

Der Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt bewegt sich in einer sich weiter zuspitzenden Krise. Eben dieser Abwärtstrend scheint sich bei einschlägigen Rock-Musikmagazinen nicht einzustellen. Den Zahlen der IVW (Abbildung 4) ist zu entnehmen, dass die Auflagenzahlen, verglichen mit denen aus Abbildung 3, bei den großen Magazinen des Rock-Bereiches wie Visions, Musikexpress und Metal Hammer lediglich schwanken oder nur zu einem geringen Teil sinken. Der Markt ist hier demnach längerfristig stabiler als jener der klassischen Printpresse. Gerade das Beispiel des Magazins Visions zeigt, dass der Markt zwar gelegentliche Einbußen zu verkraften hat, sich dann jedoch sprunghaft erholt. So bleiben beim Metal Hammer die Zahlen nahezu konstant und der Musikexpress konnte seine Auflage in den letzten vier Jahren sogar um knapp 5 Prozent steigern.

Quartalsweise Auflagenentwicklung der Magazine Visions, Metal Hammer und Musikexpress

Abbildung 4: Quartalsweise Auflagenentwicklung der Magazine Visions, Metal Hammer und Musikexpress Quelle: Daten VWI, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Die Leserschaft von Rock-Musikmagazinen ist im Schnitt weit jünger als die von Tageszeitungen und Massenzeitschriften. Einer Leserumfrage zufolge liegt das Durchschnittsalter der Leser des Magazins Visions gerade einmal bei 28 Jahren. (vgl. Mediadaten Visions 2012) Auch der Metal Hammer gibt an, dass 61 Prozent seiner Leser im Alter von 29 bis 39 Jahren sind. (vgl. Mediadaten Metal Hammer 2012) Der Musikexpress kommt in der Alterssparte von 29 bis 39 Jahre auf einen Anteil von 50 Prozent. (vgl. Mediadaten Musikexpress 2012) Wie bereits im vorangegangenen Kapitel festgestellt wurde, verzeichnen Tageszeitungen und Massenzeitschriften eine sehr viel ältere Leserschaft.

Prägend für diese jüngere Generation ist der tägliche Zugang zum Internet, welcher sie, wie bereits erwähnt, kostenlos und schnell mit umfassenden Informationen und Insiderwissen bedient. Auch hier stellt sich die Frage, welche Gründe die Leser zum Kauf eines Printproduktes im Bereich Rock-Musik bewegen. Dieser Aspekt wird im weiteren Verlauf untersucht.

Trotz des jüngeren Alters der Leser und der daraus resultierenden Internetaffinität sind Rock-Musikmagazine vom Aussterben des Zeitungswesens nicht betroffen.

3. Rock-Musikmagazine und ihre Entstehung

Der Zeitschriftenmarkt scheint nahezu unerschöpflich in seiner Vielfalt. Für jedes Nischenthema und Hobby, mag es noch so klein sein, scheint es ein Magazin zu geben. Allein in Deutschland kommt man auf 10.000 Titel, was auch im internationalen Vergleich eine sehr hohe Zahl darstellt. So kommen die USA und Kanada zusammen nur auf ca. 820 Titel. (vgl. Menhard/Treede, 2004 S. 39) Laut der IVW ist die Gesamtzahl der bei der Institution gemeldeten Publikumszeitschriften in den letzten Jahren leicht angestiegen. Es überrascht also nicht, dass auch im Bereich der Musik die Auswahl groß ist. In den letzten Jahrzehnten haben sich zahlreiche Publikationen auf den subkulturellen Bereich der Rock-Musik spezialisiert und sich eine beachtliche Leserschaft erarbeitet. Dass der Absatz bei diesen musikspezifischen Magazinen seit Jahren im Vergleich zu anderen nicht rückläufig ist, wurde bereits erläutert. In diesem Kapitel wird näher auf den Hintergrund und die Entstehung von Rock-Musikmagazinen eingegangen.

3.1. Rolle von Rock-Musik im klassischen Printjournalismus

"Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief, wie die Musik - eben weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt."
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Musik unterschiedlicher Genres nimmt bei jedem Individuum eine Rolle im täglichen Leben ein, wobei diese groß, untergeordnet oder sogar unterbewusst sein kann. Beinahe jede Tageszeitung und auch Magazine wie der Stern, Der Spiegel oder Neon widmen sich auf speziellen Kulturseiten oder im Feuilleton, egal ob in Form von Rezensionen, Konzertberichten oder Vorschauen, dem Feld der Musik.

3.1.1. Desinteresse der Presse

Festzustellen ist, dass Rockmusik, besonders Genres wie Metal und Punk, kaum eine Rolle in der Tages- oder Wochenpresse und in Kulturredaktionen im Allgemeinen einnimmt, was wohl auf die fehlende Massenkompatibilität sowie das geringe Ansehen in weiten Teilen der Gesellschaft zurückzuführen ist. (vgl. Poultidis 2008, S. 24) So stellt auch Karl Bruckmaier fest, dass sogar populäre Musik, also Popmusik, im Feuilleton als "jugendlicher Problemfall" gilt. (vgl. Bruckmaier 1992, S. 108) Pop- und Rockmusik hielten nur sehr langsam und unstetig Einzug in die als sehr konservativ geltenden Kulturredaktionen. Weiter formuliert Bruckmaier: "Popmusik konnte [...] als eigenständige "Kunstform" wahrgenommen werden. [...] Dass dies hauptsächlich für Musikzeitschriften, nicht aber für die führenden Feuilletons in der Tages- oder Wochenpresse gilt, ist bedauernswerte Tatsache." (Bruckmaier 1992, S. 109) Der Autor Mike Seifert geht mit Bruckmaier konform und bezeichnet Zeitungen als "schwerfällige Institutionen", welche "jahrelang nach demselben Muster dahinbrödeln, und das am liebsten in den Feuilleton-Reservaten". (Mike Seifert, Rock Hard Ausg. 1/1992, S.33) Zum allergrößten Teil finden Themen wie Theateraufführungen, Opern-Premieren, Kunst, Literatur und klassische Konzerte Platz auf den Kulturseiten der Medien. Subkulturelles Leben und damit auch ganze Szenen und Strömungen werden allzu oft völlig von der Berichterstattung ausgeklammert. "Kultur ist so vielfältig wie die Menschheit. Kultur ist 'multikulturell'. Vom Feuilleton der Massenmedien lässt sich das nur eingeschränkt behaupten." (Reus 1995, S. 24)

Einer der bedeutendsten Gründe für die solide Situation im Bereich der Fachpresse zum Thema Rock- und Alternative Musik dürfte demnach darin liegen, dass für gewisse Sparten in den Feuilletons kaum Platz ist und sich diese Situation in naher Zukunft auch nicht zu ändern scheint. Ob der Leser sich aufgrund dessen ein Medium "seines Vertrauens" sucht und an diesem festhält, wird im Laufe der Arbeit untersucht.

3.1.2. Fehlende Fachkenntnisse und Authentizität

"Manches, was da von jeglicher Fachkenntnis unbefleckt, aber in bildreichen Sätzen geschrieben wird, ist drollig, anderes einfach nur unverschämt."
Mike Seifert, Rock Hard Ausg. 1/1992, S.32

In der Boulevardpresse werden das Rock-Genre und seine Anhänger nicht ignoriert, jedoch wird meist ein völlig verzerrtes und mit Vorurteilen behaftetes Bild transportiert. Fachwissen scheint in den seltensten Fällen vorhanden zu sein und sowohl Fans als auch Musiker werden in höchstem Maße verallgemeinert und klischeebelastet dargestellt. (vgl. Reus 1995, S. 113) Die Publikumszeitschrift Der Spiegel bezeichnet in einem Artikel von 1989 über die Tournee der Metal-Band Slayer den Heavy Metal als "vom Ruch der Hirnlosigkeit befreit" und beschreibt die Szene weiter als "Rockmusik-Sparte, die bisher als Rückzugsgebiet der Denkfaulen und Gehörschwachen in zweifelhaftem Leumund stand." (Autor unbekannt, Der Spiegel, Ausg. 2/1989) Abgesehen von der herablassenden Wortwahl des Autors und seiner verallgemeinernden Haltung, lässt der Text jede Fachkenntnis und jegliches Insiderwissen vermissen. Auch die aktuelle Berichterstattung zu dem Themengebiet unterscheidet sich hinsichtlich des Inhaltes kaum und eine positive Entwicklung scheint sich nicht einzustellen. So schreibt beispielsweise Enrico Ahlig im Onlineauftritt der BILD Zeitung: "Immerhin erinnert er jeden echten Fan an den normalen Wacken-Festivalbesucher: lange Haare, langer Bart, dicker Bauch... mehr als ein gemütliches 'Ho-Ho-Ho' bekommt ein durchzechter Metal-Fan nachts sowieso nicht mehr aus seinem Bart." (www.bild.de/unterhaltung/musik/weihnachtsgeschenke/die-besten-geschenktipps-fuer-metal-fans-27715472.bild.html, Stand 10.01.2013) Hier werden das Genre und die Fans auf reißerische Art verallgemeinert und ein negatives Grundbild vermittelt. Diese Art der Berichterstattung kann kaum als solider Journalismus verstanden werden.

1992 erschien im Magazin Rock Hard eine sehr bezeichnende Glosse mit dem Titel "Hammermusik für Behämmerte?", in welcher der Autor Mike Seifert Bezug auf die konservative Haltung der Feuilletons und die Problematik bei der Berichterstattung nimmt. Seifert stellt fest, dass die meisten deutschen Zeitungen Rock-Musik und deren Fans nicht ernst nehmen. "Die Musik selbst nämlich spielt höchstens die zweite Geige in der kritischen Betrachtung derartiger Journalisten." (Seifert, Rock Hard Ausg. 1/1992, S.33)

Der Erfolg der Fachpresse im Bereich der Rock-Musik lässt sich nicht nur durch das Fehlen von Berichterstattungen, sondern auch durch mangelndes Fachwissen und die nicht vorhandene Akzeptanz der Tages- und Wochenpresse erklären. Diese Punkte müssen im Verlauf der Arbeit überprüft werden.

3.2. Charakterisierung der Rock-Subkultur

Schwendtler (1971, S. 19) definiert Kultur als die "Summe aller Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Weltordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einer konkreten Gesellschaft." Subkultur ist demnach ein Teil der Gesellschaft, welcher sich in den von Schwendtler genannten Punkten von der Allgemeinheit unterscheidet.

Zunächst scheint es schwierig, die Rockszene im Allgemeinen zu definieren. Die zahlreichen Strömungen wie Punk, Metal, Indie usw. unterscheiden sich in Werten und Ansichten, aber auch in optischen Merkmalen, wie Kleidung und der Verwendung von Symbolen. Ihnen gleich ist jedoch die Auflehnung gegen gewisse gesellschaftliche Normen und die daraus resultierende Inakzeptanz. Für Poultidis (2008, S. 62) ist der Rock- und Heavy-Metal-Bereich ein perfektes Beispiel für eine Subkultur mit einer Identität, die sich deutlich abhebt von der Superkultur. Der Grad der Popularität einer Subkultur hängt für ihn von seiner Komplexität und Verständlichkeit ab. (Poultidis,2008, S. 62) Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der Rock-Musikbereich aufgrund der geringen Anzahl von Anhängern und der Ablehnung der Gesellschaft durch einen sehr starken Zusammenhalt innerhalb der Subkultur geprägt ist und die Individuen ein starkes Interesse an den Entwicklungen innerhalb der Szene haben. Die Anhänger der Rockszene gelten als besonders interessierte Leser und konsumieren in einem für eine Subkultur beachtlichen Maße diverse Medien zum Thema Rock-Musik (vgl. Poultidis 2008, S. 24). Als Fan von Rockmusik hält man sich bezüglich des Lieblingskünstlers oder des Lieblingsrepertoires für einen Spezialisten und möchte alles über die präferierten Bands und die Entwicklungen innerhalb der Szene wissen. (vgl. Ovenbeck 2005, S. 15) Auch die Zahlen an Abonnements von einschlägigen Magazinen bestätigen die Treue der Leserschaft. Die geringen Schwankungen und der durchschnittlich zunehmende Trend lassen darauf schließen, dass nur wenige Leser eines Rock-Musikmagazins ein Abonnement kündigen und sogar immer mehr Leser hinzukommen.

Quartalsweise Abonnementsentwicklung von Rock-Musikmagazinen

5: Quartalsweise Abonnementsentwicklung von Rock-Musikmagazinen Quelle: Daten VWI, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Laut einer Umfrage des Magazins Visions sammeln 74 Prozent der Leser die Ausgaben regelmäßig und schaffen sich somit ein Archiv an. (vgl. Mediadaten Visions 2012) Anders als die Konsumenten der kurzweiligen Popmusik mit "One-Hit-Wondern", wel che nur kurzzeitig erfolgreich sind, und einem Musikgeschmack, welcher sich an variierenden Charts und Trends orientiert, sind Rockliebhaber eher um Ganzheitlichkeit bemüht. Die meisten sind darauf bedacht, nicht nur ein Lied eines Künstlers zu kennen, sondern sich ein allumfassendes Fachwissen anzueignen, welches die Discografie und die Biografie einer Band oder eines Künstlers einschließt. Wie bewiesen wurde, sind die klassischen Printmedien kaum in der Lage, dieses zu leisten und so ist der Interessierte auf die Fachpresse in Form von Musikmagazinen angewiesen.

3.3. Entstehung der Fachpresse im Rock-Musik-Bereich

"Zeitschriften sind alle periodischen Druckwerke mit kontinuierlicher Stoffdarbietung, die mit der Absicht eines zeitlich unbegrenzten Erscheinens mindestens viermal jährlich herausgegeben werden, soweit sie keine Zeitungen sind." (Menhard/Treede 2004, S. 16) Um die Entstehung der Fachpresse im Rock-Musik-Bereich besser nachvollziehen zu können, wird die Etablierung von drei führenden Titeln im Folgenden beispielhaft erläutert.

3.3.1. Entstehung und Entwicklung des Musikexpress

Der Musikexpress ist ein im Axel Springer Verlag monatlich erscheinendes Musikmagazin, welches sich hauptsächlich auf Rock, Pop und vor allem den Indie-Bereich spezialisiert hat und eine der wichtigsten Publikationen dieser Genres darstellt. (vgl. http://www.indiepedia.de/index.php?title=Musikexpress) 1955 wurde das Magazin von Paul Acket in Den Haag gegründet, bevor das deutsche Pendant 1969 den Markt erreichte. Als eines der ältesten deutschsprachigen Musikmagazine feierte der Musikexpress 2009 sein 40. Jubiläum mit einer Sonderausgabe, in welcher der damalige Chefredakteur Christian Stolberg die Entstehung und Entwicklung in seinem Artikel "40 Jahre ME" skizzierte, was für dieses Kapitel als Grundlage dient.

In dem selben Jahr, in dem die Rockwelt mit dem Woodstock-Festival einen legendären Sommer erlebte, wurde 1969 auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt mit dem Erscheinen des Musikexpress eine Lücke geschlossen. Der Ursprung liegt keineswegs im bis dahin als "Pop-Mutterland" geltenden England, sondern in Holland, wo der Veranstalter Paul Acket, welcher nicht zuletzt seine eigenen Veranstaltungen bewerben wollte, das Magazin ins Leben rief. Da die Nachfrage in Deutschland anstieg, wurde die erste deutschsprachige Ausgabe im August unter der Leitung von Ruud van Dulkenraad in Köln produziert. Später wurden die Redaktionsräume nach München verlegt. (vgl. Stolberg, 2009 S. 45)

Zur Gründungszeit fand Rock-Musik in den Medien wie Radio und Fernsehen nicht statt und so konnten deutsche Fans, die ihre Lieblingskünstler nur von den Plattencovern kannten, mit dem Musikexpress endlich tiefer in die Welt des Rock und Pop eintauchen. Bis in die späten 70er Jahre genoss der Musikexpress eine nahezu monolithische Stellung als praktisch einziges Magazin für Rock-Pop-Fans. In den 80er Jahren wurde das Zeitschriftenangebot, beispielsweise mit dem Magazin Spex, immer vielfältiger. Auch das Aufkommen von kostenlosen Kundenzeitschriften von Plattenläden und Labels veränderte die Musikexpress-Welt. 1983 wurde das Magazin von dem Schweizer Verleger Jürg Marquard aufgekauft, fusionierte mit dem Magazin Sound und wurde als Musikexpress/Sounds weitergeführt. Mit der Gründung des deutschen Rolling-Stone-Magazins wurde der Konkurrenzdruck abermals größer. (vgl. Stolberg, 2009 S. 45) Im Jahr 2000 wurde der Musikexpress vom größten Verlagshaus Deutschlands, dem Axel Springer Verlag, aufgekauft und konnte wieder unter alleinigem Namen erscheinen. Zwei Jahre später hatte auch der Rolling Stone den selben Herausgeber.

Bereits 1979 wurde mit Musikbeilagen experimentiert und eine sogenannte "Flexi-Disk", ein Vorreiter der CD, mit zwei Liedern in das Heft integriert. Seit 1996 wird jedem Heft eine Musik-CD beigelegt, welche die besprochene Musik erlebbar machen soll und zu einem wichtigen Merkmal geworden ist. Es folgten erfolgreiche Bücher und die CD-Sampler "Made in Germany", beliebte Sonderhefte und Jahresrückblicke. Im Jahr 2002 nahm die Redaktion unter www.musikexpress.de ihre Aktivitäten im Netz auf und erfreut sich seither einer wachsenden und aktiven Community. (vgl. Stolberg, 2009 S. 45)

2010 zog die Redaktion von München nach Berlin um und Severin Mevissen wurde Chefredakteur. (vgl. Stolberg, 2009 S. 45)

3.3.2. Entstehung und Entwicklung des Metal Hammer

Der Metal Hammer erscheint monatlich in einem Tochter-Verlag des Axel Springer Verlags. Schwerpunkte des auch international vertriebenen Musikmagazins sind harte Rock-Musikgenres. Die Entstehung der deutschen Ausgabe ist geprägt von Idealismus und Willensstärke. (vgl. Poultidis, 2008, S. 83) Anlässlich des 20. Geburtstags des deutschen Metal Hammer verfasste der Redakteur Andreas Schöwe im Jahr 2005 einen Artikel über die Entstehung und Entwicklung des Magazins, der als Grundlage für dieses Kapitel dient.

"Wir wollten Freaks als Mitarbeiter haben, also Leute, die der Szene eng verbunden sind, talentierte Newcomer erkennen können und glaubwürdig rüberkommen."
Andreas Schöwe, Metal Hammer, Ausgabe 1/2005

Vor der Gründung des Metal Hammer in Deutschland mussten sich die Metal-Fans mit Informationen aus ausländischen Magazinen zufrieden geben. England war mit zahlreichen Blättern, wie beispielsweise Kerrang!, Vorreiter für nationale Publikationen. 1984 gründete Wilfried Rimensberger, welcher als London-Korrespondent für das Magazin Musik Szene tätig war, den Metal Hammer. Die beliebte "Rock Pop - The Heavy Metal Show" fand in der Dortmunder Westfalenhalle statt. Somit war der Zeitpunkt günstig im Januar 1984 die erste Ausgabe des Metal Hammer in die deutschen Kioske zu bringen. (vgl.: Schöwe 2005, S. 69)

Gleich zu Beginn wurde die Nähe zu den Fans, also den potentiellen Lesern, auf Musik-Festivals gesucht und auch eigene Konzerte, wie die "Metal Hammer Roadshow", eigene Festivals und eine eigene Award-Verleihung organisiert, bei der die Leser direkt die besten Bands wählen konnten. 1985 enthielt das Heft die erste Form einer Musikbeilage, eine "Flexi-Disc". Im selben Jahr expandierte das Magazin und brachte eine Ausgabe in Großbritannien heraus, welche zudem in Skandinavien, den USA und in Japan vertrieben wurde. Das Blatt gewinnt in der Metal Szene immer mehr an Gewicht und gilt mittlerweile als Impulsgeber für Fans, aber auch für Labels und Konzertveranstalter. (vgl. Schöwe 2005, S. 70)

Die Expansion 1987 nach Frankreich, Spanien und Griechenland entpuppte sich als finanzielles Fiasko und so wurde die deutsche Ausgabe an den schweizerischen Herausgeber Marquard verkauft. Zunächst fusionierte der Metal Hammer kurzzeitig mit dem Magazin Crash. 1990 übernahm Peter Burtz die Stelle als Chefredakteur, und brachte zwei Jahre später das Metal Hammer Video-Magazin auf den Markt. Im selben Jahr startete eine Kooperation mit dem Musiksender VIVA. Für die Sendung "Metalla" wurde Markus Kavka als Moderator verpflichtet. (vgl.: Schöwe 2005, S. 70)

In den späten 90er Jahren galt die einstige Metal-Institution als nicht mehr authentisch. Immer populärere Musikrichtungen fanden Einzug in das Heft und auf das Cover. Viele einstmals treue Metal-Hammer-Fans wandten sich daraufhin vom Blatt ab. 1998 gewann die Redaktion unter Robert Müller das Vertrauen der Leser zurück und verschreibt sich seither wieder den harten Musik-Genres. Der Verleger aus der Schweiz verkaufte das Magazin 1999 an den Axel Springer Verlag, welcher eigens hierfür den Tochter-Verlag "AS Young Mediahouse GmbH" gründete. Der ehemalige Chef-Redakteur der Visions, Thorsten Zahn, übernahm 2001 Müllers Posten und leitet den Metal Hammer bis heute.

3.3.3. Entstehung und Entwicklung des Visions-Magazins

Die monatlich erscheinende Zeitschrift Visions ist eine der auflagenstärksten deutschen Musikzeitschriften, deren Hauptfokus auf den Genres Alternative Rock, Emo und Indie Rock liegt. (vgl. http://www.indiepedia.de/index.php?title=Visions, Stand: 30.01.2013) Das Magazin erscheint im Visions Verlag GmbH. Auch hier ist die Entstehung geprägt von Herzblut und Konsequenz, was schon durch den Untertitel "Musik aus Leidenschaft" angedeutet wird. Zum 23. Jahrestag erschien 2012 ein Jubiläumsheft, in welchem der Leiter der Online-Redaktion Matthias Möde in seinem Artikel "Von Fans für Fans" einen Überblick über die Geschichte von Visions verschafft. Dieser dient als Grundlage für das folgende Kapitel.

"Es ging in erster Linie immer darum, mit smarten Leuten, die definitiv 'lost in music' sind, ein bestmögliches Magazin zu produzieren."
Lohrmann, Visions Ausgabe 100

1989 bastelte der 18-jährige Daniel Oeding in seinem Kinderzimmer an einem Fanzine1 für Black- und Death-Metal namens Psychopath. Der heutige Herausgeber Michael Lohrmann stieg zur vierten Ausgabe als Autor ein und gab dem Heft seinen heutigen Namen Visions. Die noch jungen Gründer mussten sich die Produktion eines Printheftes nach dem Motto "learning by doing" selbst beibringen. "Ich habe vieles im Alleingang gemacht, in meinem Kinderzimmer an einem Peacock-Rechner aus zweiter Hand", sagt Lohrmann heute, "von der Themenauswahl über Interviews und Texte bis hin zu Druck, Vertrieb und Buchhaltung". (vgl. Möde, 2012, S. 9) Während andere Hefte, wie Spex und Rock Hard, bereits an den deutschen Bahnhofskiosken angekommen waren, blieb Visions bis zur siebten Ausgabe lediglich bei Konzerten und in vereinzelten Plattenläden erhältlich.

1992 wurde der größte Schritt in Richtung Professionalität gewagt: Nachdem Lohrmann den Innland-Presse-Vertrieb für sein Projekt gewinnen konnte, erschien im März 1992 die erste Ausgabe im Handel. Statt der erwarteten 50.000 Stück wurden nur 3.000 Exemplare verkauft und auch die Kosten der folgenden Hefte konnten durch den Kioskverkauf bei weitem nicht gedeckt werden, was zu einem finanziellen Defizit von 300.000 Euro führte. Um das Projekt aus den roten Zahlen zu holen, legte Lohrmann dem Blatt 1993 eine Musikkassette bei und weckte damit das Interesse der Leser. Weitere Beigaben sanierten Visions von Grund auf und das Magazin ist seit 1996 schuldenfrei. Ein Jahr später lag zum ersten Mal statt einer Kassette eine Visions-CD bei. Der "All-Areas"-Sampler gilt bis heute als Qualitätsmerkmal für das Magazin. (vgl. Möde, 2012, S. 9)

1: Duden: Zeitschrift für Fans bestimmter Personen, Sachen oder Themen

1996 wurden in Dortmund die ersten offiziellen Büro- und Redaktionsräume eröffnet. Durch Visions-Parties, zunächst regional dann landesweit, und die Präsenz auf Festivals, wie dem "Bizarre-Festival", wurde die Nähe zu den Lesern gestärkt. "Visions wird von Leuten gemacht, die sich mit der behandelten Musik identifizieren können." (Anders, 1994, S. 3) 1998 wurde Marcel Anders von Dirk Siepe als Chefredakteur abgelöst.

Unter der Leitung von Jens Mayer begann 1995 der erste Onlineauftritt www.visions.de. Siepe verließ 2004 nach zehn Jahren Visions und Ingo Neumayer wurde Chefredakteur. Als Vorläufer für heutige Apps wurde 2006 mit "Visions Weekly", ein wöchentliches E-Paper, gestartet. Derzeitiger Chefredakteur ist Dennis Plauk. (vgl. Möde, 2012, S. 10)

4. Nutzungsanalyse von Rock-Musikmagazinen basierend auf einer Onlinebefragung

4.1. Forschungsgegenstand

Forschungsgegenstand der folgenden Analyse sind deutschsprachige Rock-Musikmagazine, welche in gedruckter Form erscheinen. Nachdem auf den Vergleich zwischen klassischen Printmedien, wie Tageszeitungen und Publikumszeitschriften und Rock-Musikmagazinen sowie deren Entstehung eingegangen wurde, sollen nun die Leser in den Vordergrund der Untersuchung rücken. In den folgenden Kapiteln wird das Nutzerverhalten von Rock-Musikliebhabern in Bezug auf Rock-Musikmagazine mittels einer Befragung untersucht. Gegenstände der forschungsleitenden Fragen sind Motivation und Bedürfnisse der Leser. Die zentrale Frage lautet etwa: "Wer kauft und liest Rock-Musikmagazine aus welchen Gründen?"

Ein besonderes Augenmerk bei der Datenerhebung und -auswertung soll auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Anhängern verschiedener Musikgenres gelegt werden. Einen weiteren Schwerpunkt der Befragung bilden die Nutzung von klassischen Medien und dem Internet als Vergleichswerte und die damit verbundene Erwartungshaltung und das Meinungsbild diesbezüglich.

4.2. Forschungsfrage und Hypothese

In diesem Abschnitt wird das Erkenntnisinteresse in einer konkreten Forschungsfrage zusammengefasst.

Forschungsfrage: Aus welchen Gründen hält sich der Absatz von Rock-Musikmagazinen konstant?

Es wird eine Hypothese formuliert, welche es zu verifizieren gilt. Anhand dieser Ergebnisse kann die Forschungsfrage beantwortet werden. Da bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema "Rock-Musikmagazine" vorliegen, soll diese Untersuchung als Ausgangslage für nachfolgende Forschungen gelten. Das bedeutet auch, dass der Fragebogen so erstellt wurde, dass möglichst viele relevante Aspekte analysiert werden können. Somit wird an manchen Stellen nicht in die Tiefe gegangen, um den Rahmen der Bachelorarbeit nicht zu sprengen.

Hypothese: Rock-Musikmagazine sind das Medium, welches die Bedürfnisse der Zielgruppe am besten bedient.

4.3. Forschungsmethode

Um die benötigten Resultate zu erzielen, wurde die Onlinebefragung als methodisches Instrument gewählt. Onlineumfragen werden im Gegensatz zu physischen Fragebögen mittels eines Links in einem Browser von den Befragten ausgefüllt. Für die Wahl dieser Methode sprachen mehrere Gründe.

Onlineumfragen sind leichter zu realisieren, da sie eine kostengünstige und wenig zeitintensive Erfassung ermöglichen. Diese Daten sind objektiver als beispielsweise jene über Telefon oder Face-To-Face-Befragungen, da der Fragensteller hier keinen Einfluss auf das Antwortverhalten des Befragten haben kann. Da für die Teilnehmer eine höhere Anonymität gewährleistet ist, antworten diese freier und wahrheitsgemäßer. (vgl. http://www.marktforschung-online.eu/online-befragungen/ vorteile-und-nachteile-von-online-umfragen, Stand 30.01.2013)

Wie bereits festgehalten wurde, ist die Zielgruppe von Rock-Musikmagazinen im Durchschnitt unter 30 Jahre alt und gehört damit zur internetaffinen Bevölkerungsgruppe.

Eine besondere Herausforderung stellte das Herantreten an die sehr spezielle Zielgruppe von "Rock-Musikanhängern" dar. Um diese unspezifische und sozial heterogene Bevölkerungsgruppe so exakt wie möglich abzubilden, wurde der Fragebogen auf der Homepage des renommierten, privaten Rock-Radiosenders Star FM Nürnberg (http://nbg.starfm.de) sowie auf dem Internetauftritt der Musikzentrale Nürnberg (www.musikzentrale.com) platziert. Des Weiteren wurde in einschlägigen Rock-Musik-spezifischen Foren (z.B. www.ringrocker.de) und Facebook-Gruppen auf die Befragung hingewiesen und zur Teilnahme eingeladen.

4.4. Fragebogen

Der Fragebogen wurde mit Hilfe von Google-Drive erstellt. Er umfasst insgesamt 22 Fragen. Die ersten drei Fragen dienen der Erhebung von sozial-demografischen Daten. Mit einer Frage erfolgt die Genre-Kategorisierung der Teilnehmer. Die Fragen fünf, sechs und sieben geben Aufschluss über das Nutzverhalten von klassischen Medien und deren subjektive Klassifizierung. Weitere Fragen thematisieren die Ansprüche und Anforderungen an Rock-Musikmagazine. Zwei Fragen liefern Informationen über die Nutzung von Onlineangeboten. Die letzte Frage zu den Gründen für den Kauf von Rock-Musikmagazinen, welche auch die einzige fakultative Frage darstellte, konnte durch eine freie Texteingabe beantwortet werden. Die Beantwortung erfolgte mittels Auswahl einer Antwortmöglichkeit oder der Bewertung eines Sachverhaltes in einem Raster. Der gesamte Fragebogen befindet sich im Anhang A.

4.5. Durchführung

Zunächst wurde der Fragebogen, in einem sogenannten Pretest, an einer Gruppe von zehn Personen vorab getestet, um sprachliche Unklarheiten auszuräumen und somit die Qualität der Umfrage zu sichern. Des Weiteren ließen sich aus ihm bereits erste Tendenzen ableiten, um den Erfolg der Befragung zu optimieren. Nach diesem Testlauf wurden letzte Änderungen vorgenommen. Die Onlinebefragung startete am 24. Januar 2013 und endete nach 20 Tagen Laufzeit am 12. Februar 2013. Unter dem Link https://docs.google.com/spreadsheet/viewform?fromEmail=true&formkey=dG-tuS3R6NzNfTndkdDRENkdMVjVZSUE6MQ war der Fragebogen erreichbar. Der Rock- Radiosender Star FM aus Nürnberg veröffentlichte den Link in einer eigenen Rubrik auf dem Onlineauftritt (www.nbg.starfm.de) und teilte diesen auch auf seiner Facebook-Seite. Auch die Musikzentrale e.V. Verein zur Förderung der regionalen Musikszene veröffentlichte den Link auf ihrer Homepage unter www.musikzentrale.com. Zudem wurde der Link im Rock-Musik-Onlineforum Ringrocker (www.ringrocker.com) und in Rock-Musik-spezifischen Gruppen auf Facebook veröffentlicht. Es beteiligten sich 574 Probanden an der Umfrage, davon waren 357 männlich und 217 weiblich. Die Daten wurden vom Programm Google-Drive direkt gespeichert und mussten nicht manuell erfasst werden, womit eine weitere Fehlerquelle ausgeschlossen werden konnte. Die Auswertung wurde mit Hilfe der Programme Open Office und Google Drive durchgeführt.

5. Darstellung und Auswertung der Ergebnisse

5.1. Angaben zu den Teilnehmern

Das Genre der Rock-Musik gilt weithin als Männerdomäne. Diese Annahme wird von den Forschungsergebnissen untermauert. Der männliche Anteil an Anhängern der Rock-Musikszene überwiegt mit 62 Prozent gegenüber dem weiblichen. Der Altersdurchschnitt beträgt 27,02 Jahre und mit 53 Prozent sind über die Hälfte berufstätig. Die zweite große Gruppe bilden mit 39 Prozent Studenten und Schüler ab. Es ergibt sich, wie bereits festgestellt wurde, eine vergleichsweise junge und gebildete Bevölkerungsgruppe, welche sich zudem durch Internet-Affinität.

5.2. Beliebteste Musik-Genres

Die Tages- und Wochenpresse befasst sich, wie bereits untersucht, mit verschiedenen Arten von Musik unterschiedlich intensiv. In bestimmten Bereichen wurden Defizite und mangelnde Fachkompetenz festgestellt. (vgl. Kapitel 3.1.) Um die Forschung weiter zu führen und bisherige Ergebnisse zu verifizieren, ist es also unerlässlich, eine Kategorisierung und Gewichtung der einzelnen Musik-Genres vorzunehmen. Hier zeichnen sich drei große Themengebiete deutlich ab: Alternative, Metal und Punk sind, gefolgt von Indie und Hardcore/Metalcore, die gefragtesten Musikgenres unter den Befragten Rock-Musik-Liebhabern.

Bevorzugte Musikrichtung

Abbildung 6: Bevorzugte Musikrichtung Quelle: Eigene Datenerhebung Grafik: Google Docs, 2013

5.3. Medien-Nutzungsgewohnheiten in Bezug auf Rock-Musik

Es wurde bereits festgestellt, dass die Zielgruppe der Rock-Musikmagazin-Leser im Durchschnitt 27 Jahre alt ist. In Kapitel 2.1. ist festgehalten, dass diese Bevölkerungsgruppe in besonders hohem Maße das Internet zur Informationsbeschaffung nutzt. Das wird durch die Untersuchungsergebnisse bestätigt: 67 Prozent der 574 Befragten geben an, das Internet als häufigste Quelle zu bevorzugen, wenn es darum geht, sich über Neuigkeiten aus der Welt der Musik zu informieren. 56 Prozent der Befragten nutzen das Radio sehr häufig oder sogar am häufigsten. Dieser relativ hohe Wert ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Befragung unter anderem unter Hörern des Radiosenders Star FM Nürnberg durchgeführt wurde, welcher auf Rock-Musik und die Berichterstattung zu diesbezüglich relevanten Themen spezialisiert ist. Für 68 Prozent der Nutzer spielt das Fernsehen nur eine untergeordnete Rolle im Rock-Musikbereich und so nutzen sie dieses nur selten bis nie. Dass Rock-Musik in der Tagespresse eine nur untergeordnete Rolle spielt, wurde bereits in Kapitel 3.1 erläutert. Auch unter den Befragten gaben 71 Prozent an, die Tageszeitung selten oder nie zu diesem Themenbereich zu konsultieren. Magazine werden mit 55 Prozent von über der Hälfte der Teilnehmer gelesen. Dem gegenüber stehen hingegen 34 Prozent derer, die Magazine selten bis nie lesen.

Mediennutzungsverhalten im Bereich Rock-Musik

Abbildung 7: Mediennutzungsverhalten im Bereich Rock-Musik Quelle: Eigene Datenerhebung, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Das Angebot an Rock-Musikmagazinen ist vielfältig. Zu den bekanntesten Blättern zählen, wie auch die Erhebung zeigt, Metal Hammer, Rolling Stone, Visions und Musikexpress. 29 Prozent geben an, das Magazin Metal Hammer bis zu fünfmal im Jahr zu kaufen und mit 57 Prozent haben über die Hälfte aller Befragten diese schon einmal gelesen. Bei Visions und Musikexpress sind es mit 18 und 21 Prozent geringfügig weniger Nutzer, die diese Hefte regelmäßig kaufen. 42 Prozent haben bereits das Magazin Visions gelesen und 37 Prozent den Musikexpress. Mit 39 Prozent gibt über ein Drittel der Befragten an, zwischen einem und fünf Musikmagazine im Jahr zu beziehen. Unter den Teilnehmern werden 44 Magazine als Abonnement bezogen.

Bekanntheit von Rock-Musikmagazinen

Abbildung 8: Bekanntheit von Rock-Musikmagazinen Quelle: Eigene Datenerhebung, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Das Medium Internet wird von den Probanden am häufigsten zu Informationszwecken genutzt. Das Radio hat mit speziellen Rock-Sendern eine relativ hohe Relevanz, ebenso Rock-Musikmagazine, von denen der Metal Hammer, das Visions Magazin und der Rolling Stone die bekanntesten und beliebtesten sind. Fernsehen und Zeitung haben kaum eine Bedeutung in diesem Bereich.

5.4. Häufigkeit und Kompetenz der Berichterstattung

Der Erfolg von spezifischen Rock-Musikmagazinen kann darauf zurückgeführt werden, dass andere, klassische Medien selten oder nie über gewisse Musiksparten berichten. (vgl.: Kapitel 3.1.1.) Auch die Umfrage bestätigt diese Aussage. Besonders im Bereich der Tageszeitungen findet die Berichterstattung zu Rock-Themen laut der Wahrnehmung der Befragten zu bis zu 85 Prozent gar nicht bis selten statt. Bei den Publikumszeitschriften sind es ganz ähnliche Werte und auch der TV-Markt bietet nur selten spezifische Informationen und Beiträge. Neben den musikspezifischen Magazinen, die zu 42 Prozent häufig und zu 27 Prozent sehr häufig über die bevorzugte Musikrichtung der Befragten berichten, wird hier auch das Medium Radio als verlässliche Quelle genannt.

Häufigkeit der Berichterstattung über bevorzugte Musikrichtung

Abbildung 9: Häufigkeit der Berichterstattung über bevorzugte Musikrichtung Quelle: Eigene Datenerhebung, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Den Grafiken neun und zehn ist zu entnehmen, dass die Qualität der Berichterstattung in direktem Zusammenhang mit ihrer Häufigkeit steht. Je öfter also ein Medium über ein bestimmtes Genre berichtet, desto hochwertiger wird die Berichterstattung vom Nutzer bewertet. So ergibt sich, dass Konsumenten zu 71 Prozent bei Tageszeitungen ein schlechtes bis sehr schlechtes Fachwissen im Bereich der Rock-Musik voraussetzen. Auch Publikumszeitschriften schneiden hier nur geringfügig besser ab. 42 Prozent bewerten die Berichterstattung im TV immerhin als teils gut, während sie dem Medium Radio mit 30 Prozent eine sehr gute Fachkenntnis zutrauen. 37 Prozent aller Teilnehmer der Umfrage schätzen die Fachkompetenz von Rock-Musikmagazinen für sehr gut ein und fast die Hälfte (46 Prozent) bewertet diese als gut. Von allen klassischen Medien haben musikspezifische Magazine demnach die größte Fachkompetenz.

Fachkompetenz der Berichterstattung über bevorzugte Musikrichtung

Abbildung 10: Fachkompetenz der Berichterstattung über bevorzugte Musikrichtung Quelle: Eigene Datenerhebung, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Die teils großen Schwankungen in Qualität und Häufigkeit der Berichterstattung in den unterschiedlichen Medientypen erklären das Nutzerverhalten der Zielgruppe. Rock-Musikmagazine weisen in beiden Punkten das größte Vertrauen der Rock-Musikliebhaber auf.

5.5. Themenschwerpunkte von Rock-Musikinteressierten

Im Zuge der Umfrage galt es im weiteren Verlauf auf die Bedürfnisse der befragten Zielgruppe einzugehen. Es wurden zehn Themengruppen den Interessens-Stufen "sehr wichtig", "teils wichtig", "unwichtig", "stört mich" und "egal" zugeordnet. Dabei kristallisieren sich vier große Interessensschwerpunkte heraus: unbekannte Bands, CD-Rezensionen, Stories und Interviews und Konzert-/Terminkalender. Neue Bands kennenzulernen stellt den bedeutendsten Aspekt dar und ist für 57 Prozent sehr wichtig und für 40 Prozent teils wichtig (insgesamt 97 Prozent). Die CD-Rezension erreichte in den Kategorien "sehr wichtig" und "teils wichtig" 92 Prozent. Textbeiträge, wie Stories und Interviews, finden 44 Prozent sehr wichtig und beinahe ebenso viele teils wichtig. Ein Tour- bzw. Konzertkalender ist für 56 Prozent aller Befragten sehr wichtig. Den Nutzern ist die Berichterstattung über Konzerte nur teils wichtig und auch Buchvorstellungen und DVD-Reviews sind für die Mehrheit von geringem Interesse. Als unwichtig stellten sich Leserbriefe und Charts heraus. Sogar störend werden von dem größten Anteil aller Befragten Beiträge der Kategorie "Games", also Computer- und Konsolenspiele, eingestuft.

Heftbeilagen wie CDs, DVDs oder Poster sind für die meisten nur teils wichtig oder sogar unwichtig für die Kaufentscheidung. Die ausschlaggebenden Faktoren, welche ein Magazin ansprechend machen, sind allen voran erste visuelle Eindrücke. Für 85 Prozent aller Teilnehmer der Umfrage ist eine ansprechende Titelstory wichtig. Neben dem Inhalt spielt für 92 Prozent das Layout und somit die optische Gestaltung und Anordnung eine übergeordnete Rolle beim Evaluieren von Musikmagazinen.

5.6. Onlinemagazine und Printmagazine im Vergleich

Wie bereits in Abbildung 7 dargestellt wird, ist die am häufigsten genutzte Informationsquelle der Zielgruppe über Rock-Musik-relevante Themen das Medium Internet. Obwohl 83 Prozent aller Befragten angeben, es zu bevorzugen, ein Magazin in Papierform in der Hand zu halten, nutzen 67 Prozent das Internet am häufigsten. Auch in puncto Seriosität und Ausführlichkeit der Berichterstattung liegen Rock-Musikmagazine in gedruckter Form gegenüber Onlineangeboten weit vorne. 65 Prozent schätzen es, gedruckte Magazine sammeln zu können, um sich so ein Archiv anzulegen. Auch sind diese, wie die Umfrage ergab, für die meisten Nutzer angenehmer zu lesen. Im allgemeinen Vergleich geben 59 Prozent an, das Gesamtpaket eines Onlinemagazins zu präferieren. Die Aspekte, die gegenüber den Vorteilen eines Printmagazins für den Erfolg von Onlineangeboten sorgen, sind die geringen bis nicht anfallenden Kosten (vgl.: Kapitel 2.1.) und die schnelle Geschwindigkeit und somit Aktualität von Onlineangeboten. 89 Prozent geben an, auch die gezielte Suche, beispielsweise nach bestimmten Bands, besonders zu schätzen.

Dabei scheinen die Onlineauftritte von bestehenden Print-Musikmagazinen nur eine untergeordnete Rolle beim Nutzerverhalten zu spielen. Gibt der Großteil aller Befragten an, das Internet als häufigste Quelle zum Thema Rock-Musik heranzuziehen, so geben 40 Prozent an, die Homepages der einschlägigen Magazine nur gelegentlich zu besuchen und fast 20 Prozent besuchen diese nie. Das lässt den Rückschluss zu, dass Rock-Interessierte neben den Print-Redaktionen andere onlinespezifische Angebote zu diesem Themengebiet vermehrt nutzen.

Nutzung von Onlineauftritten von Print-Musikmagazinen

Abbildung 11: Nutzung von Onlineauftritten von Print-Musikmagazinen Quelle: Eigene Datenerhebung, Grafik: Olivia Barth-Jurca, 2013

Trotz des Erfolgs und der Vorteile der gedruckten Rock-Musikmagazine, bevorzugt die Mehrheit der Befragten das Gesamtpaket der Onlinemagazine, wobei Onlineauftritte von Printausgaben nur eine geringe Relevanz haben.

6. Fazit

Der Bereich der Rock-Musik wird in der klassischen Presse, wie den Tageszeitungen und den Publikumszeitschriften, meist ausgeklammert. Ist eine Berichterstattung zu finden, mangelt es dieser nicht selten an Authentizität und fundiertem Fachwissen. Die durchgeführte Umfrage zeigte einen klaren Zusammenhang zwischen Häufigkeit der Berichterstattung, der Kompetenz und dem Nutzverhalten der Leser. Gerade der Bereich der härteren Musik-Genres wie Metal, Punk und Hardcore ist hierfür exemplarisch. Da die Redakteure der klassischen Medien keine Kenntnis zu diesem Themenbereich vorzuweisen haben, bleibt auch die Berichterstattung aus, was wiederum dazu führt, dass junge Leser abwandern und sich ein anderes Medium suchen, um ihr Bedürfnis nach Information zu stillen. Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass man sich über das Internet am schnellsten einen Überblick verschaffen kann und auch für die gezielte Suche dieses Medium zu bevorzugen ist, da es an Aktualität und Quantität kaum zu überbieten ist. Die Onlineauftritte von Print-Musikmagazinen haben nur einen geringen Anteil an diesem Nutzerverhalten. Da sich die Zielgruppe jedoch als ganzheitlich interessiert zeigt und auf eine ausführliche, authentische und gewissenhafte Berichterstattung fokussiert ist, konnten sich Rock-Musikmagazine zusätzlich durchsetzen. Während andere Printmedien schwindende Absatzzahlen und sinkende Auflagenzahlen vermelden, bleiben diese Nachrichten bei Rock-Musikmagazinen aus. Wie auch die Entstehungsgeschichten einzelner Blätter zeigen, ist die Rock-Szene von Leidenschaft und Glaubwürdigkeit geprägt. In der Regel sind die Leser, welche sich als Teil einer Subkultur verstehen, ihrem Magazin treu und lesen dieses über viele Jahre hinweg.

Die Nutzungsanalyse hat des Weiteren ergeben, dass der Großteil der Rock-Musik-Interessierten zu etwa zwei Dritteln aus Männern besteht. Betrachtet man die Band-Landschaft in diesem Bereich, liegt die Quote an Frauen sogar relativ hoch. Viele der Befragten gaben bei der freien Texteingabe an, selbst als Musiker tätig zu sein und somit die Rock-Musikmagazine als Fachpresse zu nutzen, um über neueste Entwicklungen und Erscheinungen auf dem Laufenden zu sein.

Es ist abzusehen, dass Onlinemagazine an Zulauf gewinnen werden. Jedoch müssen sich Rock-Musikmagazine in gedruckter Form auch in Zukunft weiterhin etablieren und halten können, da diese das größte Vertrauen der Rock-Musikliebhaber genießen.

Durch die teilweise kontroversen Ergebnisse dieser Arbeit in Bezug auf die Medienberichterstattung wird deutlich, dass die Etablierung dieses Themengebietes in der Wissenschaft von Nöten wäre. Bislang wurde der Aspekt der populären oder subkulturellen Musikgenres von der Kommunikationswissenschaft kaum beachtet. Diese Bachelorarbeit soll als Grundlage für weitere Auseinandersetzungen mit dem Themengebiet Rock-Musik-Journalismus dienen.

Die Forschungsfrage "Aus welchen Gründen hält sich der Absatz von Rock-Musikmagazinen konstant?" kann folgendermaßen beantwortet werden:

Rock-Musikmagazine schließen die Lücke im Rock-Musikbereich, welche andere Medien hinterlassen und informieren die Zielgruppe am umfassendsten und am kenntnisreichsten.

Die Ergebnisse dieser Forschung untermauern die Hypothese "Rock-Musikmagazine sind das Medium, welches die Bedürfnisse der Zielgruppe am besten bedient."

Quellenverzeichnis

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Ovenbeck, P. (2005): Einleitung in: Ovenbeck, Peter (Hrsg.): Musikjournalismus, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH

Poultidis, D. (2008): Heavy-Metal-Journalismus. Musikjournalismus im Heavy-Metal-Genre und seine Ausprägungen. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller

Reus, G. (1995): Ressort: Feuilleton - Kulturjournalismus für Massenmedien. Konstanz: UVK Medien Ölschläger

Schwendtler, R. (1971): Theorie der Subkultur. Köln/Berlin: Kniepenhauer und Witsch

Seifert, M. (1992): Hard Rock und Heavy Metal in der "seriösen" Presse - Hammermusik für Behämmerte. In: Rock Hard, Ausgabe 1/1992. Dortmund, Rock Hard GmbH

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Internetquelle 4: Stadtmagazin "Prinz" erscheint nur noch online www.nordbayern.de/1.2502527 Aufgerufen am :17.01.13

Internetquelle 5: Zukunft des Journalismus www.stiftung-nv.de/143773,1031,140878,-1.aspx Aufgerufen am: 19.12.12

Internetquele 6: Ausstattung mit Gebrauchsgütern www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedin gungen/AusstattungGebrauchsguetern/Tabellen/ZeitvergleichAusstattung_IKT.html Aufgerufen am: 21.01.13

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Internetquelle 9: Visions http://www.indiepedia.de/index.php?title=Visions Aufgerufen am: 30.01.2013

Internetquelle 10: Vorteile und Nachteile von Online-Befragungen http://www.marktforschung-online.eu/online-befragungen/vorteile-und-nachteile-von- online-umfragen Aufgerufen am: 30.01.2013

Erklärung

"Ich versichere, dass ich die Arbeit selbständig angefertigt, nicht anderweitig für Prüfungszwecke vorgelegt, alle genutzten Quellen und Hilfsmittel angegeben sowie wörtliche und sinngemäße Zitate gekennzeichnet habe."

Anhang

Anhang A: Fragebogen

Nutzung von Rock-Musikmagazinen

Die Umfrage wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit zum Thema "Rock-Musikmagazine im Zeitalter des sich wandelnden Printmarktes" erstellt. Die Fragestellerin bedankt sich bereits im Voraus bei allen Teilnehmenden!

Der hier angehängte Fragebogen ist nicht funktionsfähig und dient nur der Darstellung!

Alter*

Geschlecht*

Tätigkeit*






Bevorzugte Musikrichtung*














Welche Medien nutzt Du, um Dich über Neuigkeiten aus der Welt der Musik zu informieren?*

TV Radio Zeitung Magazin /
Zeitschrift
Internet
Am häufigsten
Sehr häufig
Häufig
Ab und zu
Selten
Nie

Wie häufig wird in folgenden Medien über Deine bevorzugte Musikrichtung berichtet?*

Tageszeitung Zeitschrift (nicht musikspezifisch -
z.B. Stern, Spiegel, Neon)
Radio TV
Sehr häufig
Häufig
Ab und zu
Selten
Nie

Wie schätzt Du die Fachkompetenz der folgenden Medien über Deine bevorzugte Musikrichtung ein?*

Tageszeitung Zeitschrift (nicht musikspezifisch -
z.B. Stern, Spiegel, Neon)
Radio TV
Sehr gut
Gut
Teils gut
Schlecht
Sehr schlecht

Wie viele Genres soll ein Musikmagazin behandeln?*




Welche Magazine hast Du schon gelesen?*













Welches Magazin kaufst Du wie häufig?*

Metal Hammer Musikexpress Visions Anderes
Abo
Monatlich
6-11 pro Jahr
4-5 pro Jahr
1-3 pro Jahr
Nie

Wie häufig wird in speziellen Musikmagazinen über Deine bevorzugte Musik berichtet?*





Wie schätzt Du die Fachkompetenz der speziellen Musikmagazine über Deine bevorzugte Musikrichtung ein?*





Wie viel würdest Du für ein Musikmagazin ausgeben, das wöchentlich erscheint?*






Wie viel würdest Du für ein Musikmagazin ausgeben, das monatlich erscheint?*






Welche Themen sind Dir in einem Musikmagazin wichtig?*

Sehr wichtig Teils wichtig Unwichtig Stört mich Egal
CD-Rezensionen
Neue Bands kennenlernen
Tourdaten / Konzertkalender / Festivalkalender
Stories / Interviews
Konzertberichte
Leserbriefe
Charts
Film / DVD
Bücher
Games

Welche Gimmicks und Aspekte sind Dir an einem Musikmagazin wichtig?*

Sehr wichtig Teils wichtig Unwichtig Stört mich Egal
CD- / DVD-Prämie beim Abo
CD- / DVD-Beilage im Heft
Gewinnspiele / Verlosungen
Give-Aways wie T-Shirts etc.
Poster im Heft
Vorteile (z.B. beim Buchen von Konzerttickets)
Ansprechende Titelstory
Layout

Vorteile von Printmagazinen gegenüber Onlineangeboten?*

Trifft zu Trifft teils zu Trifft nicht zu
Besser und schneller zu lesen
Archivieren / Sammeln
Schöner etwas in der Hand zu haben und zu blättern
Magazine haben schöneres Layout / Fotos
Kein Computer / Internet benötigt
Überall leicht mitzunehmen
Ausführlicher
Seriöser
Gimmicks und Geschenke
Abo, Lieferung nach Hause

Vorteile von Onlineangeboten gegenüber Printmagazinen?*

Trifft zu Trifft teils zu Trifft nicht zu
Schnellere Infos / aktueller
Gezielte Suche (z.B. nach Bands)
Jederzeit verfügbar
Schöner am Rechner / Tablet zu sitzen
Ausführlicher
Seriöser
Geringe bis keine Kosten

Welches Produkt bietet für Deinen Musikgeschmack und Dein Informationsbedürfnis das bessere Angebot?*


Wie oft nutzt Du die Onlineauftritte von Print-Musikmagazinen?*






Warum kaufst/liest Du Rock-Musikmagazine? Falls nicht zutreffend: Warum kaufst/liest Du Magazine?