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Zufriedenheit philosophisch betrachtet - Referat



"Die Älteren von früher haben den Jungen gesagt: Es kommt darauf an, mit dem, was man hat, und mit dem, was man ist, zufrieden zu sein. Diese Elementarform von Lebensklugheit ist durch massenmediale Trends hinweggefegt worden. Wir leben in einer Gesellschaft aus Stars, die nur noch nicht entdeckt sind. In jedem Ego tickt die Zeitbombe: It could be you."
(Peter Sloterdijk: Vom Menschen zum Monstrum. Interview mit Michael Hesse, Frankfurter Rundschau, 18. 9. 2014)

"Du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst" - mit Aussagen wie dieser wirft heute so gut wie jeder Prominente um sich, um seine Fans dazu zu ermutigen.
Wenn Justin Bieber es geschafft hat, warum kannst du es nicht auch schaffen? Es ist auf jeden Fall wert, auf die Versprechen der großen Stars zu hören und es zu versuchen. Oder doch nicht?

Peter Sloterdijk spricht im Interview mit Michael Hesse ein Thema an, das heute so omnipräsent ist wie nie zuvor.
"Wir leben in einer Gesellschaft aus Stars, die nur noch nicht entdeckt sind" - in diesem Satz findet der Leser durchaus viel Ironie. Tatsächlich besteht die heutige Gesellschaft aus immer mehr Menschen, die sich zu etwas Größerem berufen fühlen. Jeder will anders, besonders, besser sein. Die Wahrheit ist dennoch unbestreitbar: Nicht jeder ist dafür gemacht, ein Star zu werden. Nicht jeder hat das so gern genannte Zeug zum Star.

Doch welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um dieses Zeug zum Star zu haben?
Talent - das ist wohl das erste, was vielen dazu einfallen würde. Doch reicht Talent wirklich aus, um ein Star zu werden und vor allem, ein Star zu sein? Nein.
Laut einer Studie besitzt jeder Mensch durchschnittlich sieben individuelle Begabungen, mit denen er theoretisch gesehen Erfolg haben könnte. Dennoch steht die Chance auf Welterfolg gefühlt eins zu mehreren Millionen.

Tatsächlich ist der mächtigste Faktor bei dieser gnadenlosen Selektion des Ruhms in den meisten Fällen nichts Anderes als Glück. Wäre unsere Geschichte in einigen, für das Ganze gesehen irrelevanten Aspekten anders gelaufen, wären heute mit Sicherheit nicht dieselben Menschen an der Spitze der Charts oder in den Highlights der YouTube Videos zu finden. Manche Menschen waren wohl einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Etwas, das in großen Teilen nicht nur vom Faktor Glück, sondern genauso von der eigenen Einstellung zum Leben abhängt, ist die zweifellos sehr wertvolle Fähigkeit, mit dem eigenen Haben und Sein zufrieden zu sein. Ein Großteil unserer Bevölkerung lebte früher einen absolut bescheidenen Lebensstil. Aber hatte man in früheren Zeiten überhaupt eine Wahl? 
Hatte man nicht viel Besitz, so blieben einem zwei Möglichkeiten: Entweder man versuchte, damit zufrieden zu sein, oder man war unzufrieden. Einen Versuch, aus dem Alltag auszusteigen und plötzlich ein gefeierter Sänger oder Schauspieler zu werden, konnte sich der durchschnittliche Mensch gar nicht erst leisten.

Heute steht uns inzwischen eine dritte Möglichkeit offen. So streben nun immer mehr Leute immer höhere Ziele an - und im Grunde ist das Prinzip des Ehrgeizes eine absolut positive Eigenschaft des modernen Menschen. Das konstante Streben nach mehr Erfolg und die Aussicht auf dementsprechende Erfolgserlebnisse gibt ihm Motivation; einen Sinn, einen Grund, für den sich all die Arbeit und Bemühung lohnt. Der Mensch von heute braucht diese ständige Veränderung und vor allem Verbesserung für ein erfolgreiches und folglich erfülltes Leben.

Die Frage danach, inwieweit dieses Streben nach Größe, Masse und Schnelligkeit gut ist, ist sicherlich keine, die man leicht pauschal beantworten kann. So hat dieser Ehrgeiz
viele gute und viele schlechte Seiten. Tatsache ist in jedem Fall, dass es dem Menschen guttut, sich Ziele zu setzen und diese Schritt für Schritt zu erreichen - solange dies in Maßen geschieht. Ich möchte also keinesfalls behaupten, dass man durch dieses permanente Streben nach mehr nie zufrieden sein sollte. Im Gegenteil. So gebe ich Sloterdijk absolut Recht; Zufriedenheit ist wohl der beste und einfachste Weg zu einem glücklichen Leben. Aber was heißt es überhaupt, zufrieden zu sein mit dem was man hat? Zufriedenheit beschreibt nicht die Eigenschaft, ausnahmslos alles für perfekt zu halten und keinen Drang danach zu haben, Neues zu erreichen. Viel mehr ist Zufriedenheit die Fähigkeit eines Menschen, mit den bestehenden Umständen des eigenen Lebens grundsätzlich im Frieden zu sein. Ein gesundes Maß an Ehrgeiz wird dadurch keinesfalls ausgeschlossen.

Allerdings fällt dieses Zufriedensein vielen Menschen gar nicht so leicht. Es liegt schließlich in der Natur des Menschen, sich zu konkurrieren und demnach mit anderen zu messen. Der Vergleich mit anderen führt auf direktem Wege zu Neid, und Neid führt schnell zu Unzufriedenheit.

Zufriedenheit ist also eine Kunst, die ein Mensch erst erlernen muss. Diese Kunst, zufrieden zu sein, wurde laut Sloterdijk "durch Massenmedien hinweggefegt".
Tatsächlich ist die Macht der Massenmedien heute größer und bedeutsamer als je zuvor. Vor allem die sozialen Netzwerke wie Instagram und YouTube haben einen enormen und heute unvermeidbaren Einfluss auf Kinder, Jugendliche und nicht zuletzt Erwachsene.

Das Internet gilt als Fluch und Segen zugleich. So bietet es unzählige Möglichkeiten, von denen frühere Generationen nicht zu träumen wagten. Der moderne Mensch kann mithilfe des Internets nahezu alles und jeden erreichen. Alles steht ihm offen.

Auch unsere prominenten Vorbilder sind uns dadurch so nahe wie niemals zuvor und gewinnen daher nicht wenig Faszination seitens ihrer oft noch sehr jungen Fans. Zusätzlich geblendet von motivierenden Aussagen dieser Stars geht aus diesen Einflüssen eine Generation aus sich nach Ruhm und Erfolg sehnenden jungen Menschen hervor; oder wie Sloterdijk es beschreibt "eine Generation aus Stars, die nur noch nicht entdeckt wurden".

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Zufriedenheit zweifellos der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sein kann. Es ist eine zeitlos gute Einstellung, stets das wertzuschätzen, was man hat und ist. Dennoch ist es wichtig, einem gewissen Maß an Ehrgeiz nachzugehen und sich immer wieder neue Ziele zu setzen. Denn nichts desto trotz braucht der Mensch ein Ziel, einen Sinn, wofür es sich zu arbeiten und zu kämpfen lohnt.




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