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Was können wir sicher wissen? - Referat



Was können wir sicher wissen?


1. Die Erde ist keine Scheibe.
2. Im Klassenraum ist es wärmer als draußen.
3. 2 + 3 = 5
4. Heute Abend geht die Sonne unter.
5. Wenn alle Menschen sterblich sind und Sokrates ein Mensch ist, dann ist Sokrates sterblich.
6. 1000.000.000 : 1000 = 1000.000
7. Die Wettervorhersage für übermorgen ist korrekt.
8. Es gibt ein Weiterleben nach dem Tode.
9. Alle Junggesellen sind unverheiratet.
10. Die Tafel im Klassenraum ist grün (bzw. schwarz, grau usw.).
11. Der Mount Everest ist 8863 m hoch.
12. Zitronen schmecken sauer.
13. Der Satz des Pythagoras gilt.
14. Es gibt intelligentes Leben auf anderen Planeten.
15. Beim Verbrennen wird Sauerstoff verbraucht.
16. 13 ist eine Unglückszahl.

“Ordnen Sie den einzelnen Behauptungen jeweils einen Gewissheitsgrad von 1 (ungewiss) bis 4 (völlig gewiss) zu. Überlegen Sie, worauf sich diese Gewissheit jeweils stützt und fassen Sie jeweils die Aussagen in einer Gruppe zusammen, deren Gewissheitsgrad auf dem gleichen Grund beruht.”

Satz 1 ist meiner Meinung nach völlig gewiss und ich ordne ihm aufgrund dessen den Gewissheitsgrad 4 zu. Dass die Erde eine Scheibe sei, war bis zum Jahre 1522, als Magellan die Welt umsegelte und damit bewies, dass man nicht über einen Rand “am Ende der Welt” fallen konnte, ein immer noch gängiges Weltbild. Doch seit diesem Tag an ist nicht nur sicher, dass die Erde keine Scheibe ist, vielmehr weiß man jetzt auch sicher, dass sie eine kugelförmige Gestalt hat. Diese Vorstellung wird auch durch andere Beobachtungen gefestigt, wie z.B. der Schatten, den die Erde auf den Mond wirft und die dadurch entstehende “Mond-Sichel”.
Die beiden Philosophen Locke und Descartes hätten wohl beide nichts gegen diesen Satz einzuwenden, denn er ist ein Beispiel für wissenschaftliche Erkenntnisse, die sowohl auf Empirismus (Locke: Sinnliche Erfahrung ist die einzig gültige Quelle einer Erkenntnis), als auch auf Rationalismus (Descartes: Nur rationales, vernünftiges Denken führt zu einer wahren Erkenntnis) und
Deduktion (logische Schlussfolgerung von sicheren Tatsachen) beruhen, d.h. sie wurden sowohl praktisch als auch unter logischen Gesichtspunkten überprüft und für “wahr” befunden.
Deshalb haftet wissenschaftlichen Erkenntnissen eine sehr starke Gewissheit an, an der man zwar zweifeln könnte, sie jedoch nicht mit logischen Argumenten wiederlegen kann.
Ich verlasse mich auf diese Erkenntnis auch, weil ich sie selbst nachprüfen und nach-erfahren kann. Das verstärkt meine Sicherheit, gegenüber dem Satz “Die Erde ist keine Scheibe” ganz immens.
Satz 2 erscheint mir mit Sicherheit weniger gewiss als voriger Satz. Er hängt zu sehr von der jeweiligen Situation ab, als dass ich ihn als eher gewiss bezeichnen könnte. Nicht zwingend überall, zu jeder Jahreszeit, mit egal wie vielen Menschen im Raum wird darin eine höhere Temperatur gemessen. (Denn so muss meiner Meinung nach der Satz verstanden werden; nicht dass es jemandem wärmer erscheint, was auf subjektivem Empfinden beruhen würde.) In einer ganz bestimmten Situation mit festen Voraussetzungen könnte dieser Satz jedoch durchaus gewiss sein. Satz 2 bekommt von mir nur den Grad 2 zugeschrieben, da er nicht verallgemeinert werden kann. Ob eine Aussage gewiss ist, hängt also auch davon ab, ob sie dies überall, zu jeder Zeit und in jeder Situation ist.
Satz 3 ist eine mathematische Erkenntnis, die von mir aufgrund ihrer Logik und Nachprüfbarkeit den höchstmöglichen Gewissheitsgrad, also eine 4, erhält.
Zu Satz 4 ist zuallererst zu sagen, dass dieser Ausdruck auf der ehemaligen und falschen Annahme beruht, die Erde sei der Mittelpunkt des Weltalls und alle Planeten, so auch die Sonne, drehten sich um sie. Außerdem beinhaltet der Satz auch, dass die Sonne untergeht, also “im Meer versinkt”.
Vielmehr dreht sich die Erde jedoch um die Sonne und um ihre eigene Achse, was wiederum, wenn sich die Erde von der Sonne wegdreht, den Eindruck erweckt, die Sonne “gehe unter”. Im Allgemeinen ist die Falschheit dieses Satzes bekannt, und es wurde einfach kein neuer Ausdruck für das Phänomen gefunden.
Was die Gewissheit des Satzes angeht, so gehe ich von oben erklärter “Verbesserung” aus und ordne ihm eine 3 zu. Das ist interessant, wo doch Satz 2 aufgrund seiner Unzulänglichkeit in Sachen Ort eine schlechtere Note bekommen hat. In bestimmten nordischen Ländern gibt es nämlich Tage, an denen die Sonne nicht “untergeht”, denn Erde und Sonne stehen dann in einem bestimmten Winkel zueinander, der die Sonne zwar wandern, aber nicht verschwinden lässt. Und wer im Flugzeug weit genug nach Westen fliegt, der wird auch keinen Sonnenuntergang sehen. Wer allerdings in unseren Breitengraden lebt, dem erscheint diese Behauptung völlig gewiss, denn bis jetzt ist ja auch noch “nichts dazwischengekommen” was die Erde aus ihrer normalen Bahn geworfen hätte. Daher ist der Satz für mich “eher gewiss”, denn er ist auf einen größeren Raum verteilt und meiner Erfahrung nach auch zulässig. Dass er jedoch nicht völlig gewiss ist, zeigen die obigen Beispiele.
Satz 5 ist einer der wenigen Sätze, gegen deren Sicherheit und Gewissheit nichts sprechen kann, denn er bedingt sich selbst. Er basiert auf reiner Logik und seine Schlussfolgerung behauptet nicht, gültig zu sein, sondern ist nur das Zusammenspiel zweier Faktoren, die zuvor gegeben wurden. Die Bedingung “wenn” spielt bei der Sicherheit dieser Logik eine wichtige Rolle. Wäre der Konditionalsatz nicht da (!) so könnte der Satz durch die Behauptung, dass Sokrates in den Köpfen der Menschen weiterlebt, angefochten werden. So aber erschließt sich der Gewissheitsgrad aus seiner unabhängigen Logik, und lautet 4.
Satz 6 ist genauso wie Satz 3 eine Erkenntnis der Mathematik und selbst erfahren, also auch sehr gewiss.
Satz 7 halte ich für nicht sehr gewiss (Grad 2), was mich jedoch nicht davon abhält, an ihn glauben zu wollen. Es kommt trotz dem weit fortgeschrittenem Wissens- und Qualitätsstandard der Wettervorhersage manchmal zu Fehleinschätzungen, oder aber zu Wetterumschwüngen, die unvorhersehbar waren. Gerade was “übermorgen” angeht, halte ich für weniger gewiss, als z.B. morgen. Ich persönlich verlasse mich erstaunlicherweise trotzdem “bis zu einem gewissen Grad “auf die Vorhersage, trotz meiner gegenteiligen Erfahrung.
Den 8. Satz, welcher ein Jenseits voraussetzt, halte ich für nicht gewiss (Grad 1), denn er ist mehr eine Frage des Glaubens als allem anderen. Er ist weder naturwissenschaftlich irgendwie erwiesen, noch durch Empirie belegt, was verständlicherweise auch schwer funktionieren würde. Auch rationalistisch ist er nicht beweisbar. Nichtsdestotrotz halten ihn unzählige Menschen für wahr und folglich gewiss, denn religiöse Schriften wie die Bibel etwa, erzählen von einem Leben nach dem Tod entweder im Paradies oder im schlimmsten Fall in der Hölle. Und das, was wir glauben, erscheint uns sicher.
Da man aber auf den Glauben reduzieren muss, kann ich keine Gewissheit feststellen.
Satz 9 wie auch der folgende Satz 10 beinhalten Definitionen, aus denen
logisch geschlussfolgert werden kann, dennoch gibt es Unterschiede.
Der Begriff “Junggeselle” bedeutet schon per definitionem “alleinstehend”, also auch unverheiratet. Jeder, der den Begriff versteht (Descartes: Intuition, d.h. Einsehen durch Vernunft) , wird ihn damit verbinden können.
Wer einen Begriff von einer Farbe wie grün hat, der kann (solange er nicht “farbenblind” ist) einer hierzulande gewöhnlichen Tafel diese (oder eben eine andere) Farbe zuordnen. Nicht zu vergessen ist aber auch der Umstand, dass die Farbe eines Gegenstands auch von Lichtverhältnissen, Beschmutzung, etc. abhängt. Aufgrund der Veränderlichkeit der Farbe erscheint eine Tafel manchmal eben nicht grün, wohingegen der Zustand, dass ein Junggeselle ein unverheirateter Mann ist, unveränderlich bleibt.
Hinzuzufügen ist noch, dass Satz 10 anscheinend von einem ganz bestimmten Klassenraum ausgeht. Er ist aus genannten Gründen nur “eher gewiss” (3). Satz 9 ist eine allgemeine Aussage, er ist in hohem Grade “gewiss” (4).
Satz 11 ist laut meinem Lexikon nicht gewiss, denn dort ist “der höchste Berg der Erde” nur 8848 m hoch, aber seit dem Druck dieses Buches sind auch schon einige Jahre vergangen, in denen die Messtechnik weiter verfeinert wurde (z.B. misst man jetzt auch mit Hilfe von Satelliten, und peilt mit besseren Geräten). Ich halte diesen Satz für “eher gewiss”, aber nicht völlig gewiss, denn auf den Berg an der Grenze zwischen Tibet und Nepal wirken Kräfte ein, die sein Gesicht mit Sicherheit verändern.
Also muss für eine sichere Erkenntnis nicht nur der Ort unbedeutend sein, sondern auch die Zeit.
Satz 12 erscheint mir auf den ersten Blick “völlig gewiss” zu sein, denn tatsächlich verlasse ich mich in sehr großem Maße auf meine Erfahrung. Wenn ich es aber recht überlege, gebe ich ihm den Gewissheitsgrad 3, denn damit wird hoffentlich deutlich, dass ihn ihm eine gewisse Sicherheit zugestehe, jedoch auch nicht leugnen kann, dass er weniger sicher ist als logisch und rational begründbare Sätze, denn er beruht auch auf subjektiven Erfahrungen.
Dass Zitronen sauer statt süß, scharf oder salzig sind, ist eine allgemeine Übereinkunft, die im Alltag nicht angezweifelt wird. Dennoch muss man sehen, dass solche Definitionen angezweifelt werden können. So wie es Menschen mit sogenannter “Farbenblindheit” (s.a.: Satz 10) gibt, so gibt es auch Menschen, die anders schmecken. Sie haben dann zwar vielleicht einen Begriff von “sauer”, ordnen ihn aber anderen Dingen zu. Dadurch, dass sie in der Minderheit sind, verlässt sich die Allgemeinheit nicht auf ihren Eindruck des Geschmacks einer Zitrone.
Eine große Menge von Menschen, die sich einer Meinung sind, übt eine große Kraft aus gegenüber Andersdenkenden, oder in diesem Fall eben “Anders-Schmeckenden”.
Ebenso wie Farben sind auch Geschmacksrichtungen sinnliche Eindrücke, bei denen ich aufgrund dessen eine gewisse Skepsis für angebracht halte. Aber trotzdem ist der Satz für mich nicht “eher ungewiss”, im Gegenteil. Ich glaube das M. Descartes damit nicht sehr zufrieden wäre.
Bei Satz 13 ist es wieder eine mathematische Erkenntnis, die vorgestellt wird. Genaugenommen gehört er zur Geometrie und besagt, dass in einem rechtwinkligen Dreieck die Summe von zwei, über den Katheten gebildeten Quadraten genauso groß ist wie das Quadrat über der Hypotenuse (a²+b²=c²).
Von der Wahrheit dieses Satzes habe ich schon zu oft genug Gebrauch gemacht, als dass ich ihm keine absolute Gewissheit zugestehen könnte. Wie man es auch dreht und wendet, kein Argument bringt den Satz des Pythagoras ins Wanken, obwohl ich ihn nicht rational erklären könnte.
Satz 14 ist ungewiss, soweit ich weiß. Wissenschaftler in aller Welt untersuchen die Frage, ob auf anderen Planeten überhaupt Leben existiert, oder sogar Leben, dass über niedere Bakterien hinausgeht, also das Prädikat “intelligent” erhalten könnte. Bis zum heutigen Tag jedoch wurde nirgendwo auf einem mit der gegenwärtigen Technik erreichbaren Planeten derartiges gefunden und bis in ferner Zukunft halte ich eine solche Entdeckung für unwahrscheinlich.
In seiner Art der Aussage ist dieser Satz mit Satz 8 verbunden, denn er ist auch eine Frage des Glaubens, welche polarisiert. Während letzterer jeglicher Grundlage entbehrt, fußt die Theorie des außerirdischen Lebens wenigstens darauf, dass es Milliarden von Sonnensystemen mit Mengen an Planeten gibt, die ich mir nicht mehr vorstellen kann. Immer noch werden neue Sterne “entdeckt” und sie müssten alle erkundet werden, um die Theorie zu bestätigen, oder sie entgültig aufgeben zu können. Es wäre wohl tatsächlich eine einzige große Platzverschwendung, wenn wir die Einzigen wären. Ich ordne Satz 14 den Gewissheitsgrad 1 zu, denn er ist mit Sicherheit (noch) ungewiss.
Satz 15 ist das Produkt von Empirismus, der überall auf der Welt nachgeprüft werden kann. Es ist eine naturwissenschaftliche Erkenntnis, dass der Vorgang des Feuers und des Verbrennens ohne Sauerstoff unmöglich ist. Soweit ich weiß, ist noch jede Flamme erloschen, die in einem luftdichten Raum stand. Ich diesem Satz den 3. Grad der Gewissheit, denn er ist nicht unbedingt rational erklärbar. In diesem Fall ist der Unterschied zwischen 3 und 4 nicht groß.
Ich möchte noch anmerken, dass ich bewusst einen Unterschied zu Satz 1 gemacht habe, weil dieser nur aussagt, die Erde sei keine Scheibe und nicht was sie sonst sei. Der vorliegende Satz ist jedoch viel einseitiger.
Satz 16 sagt aus, 13 sei eine “Unglückszahl”. Dies ist meiner Meinung nach aber absolut ungewiss, denn was für den einen eine Unglück verheißende Zahl ist, denn er verbindet mit ihr vielleicht schlechte Erfahrungen oder dergleichen, das kann für jemand anderen eine Zahl sein, die an besonderes Glück erinnert und deshalb “Glück bringt“.
In unserer Kultur ist nun ausgerechnet die 13 eine “böse” Zahl, und man hat irgendwie immer ein leicht befremdliches Gefühl an einem “Freitag, dem 13.” Dabei könnte es auch eine andere Zahl sein, und mit Sicherheit gibt es
auch Menschen, die von so etwas noch nie gehört haben.
Weder rationalistisch noch, soweit ich weiß, empiristisch lässt sich der Glaube an Unglückszahlen bestätigen, also ist der Glaube an solche Zahlen rein subjektiv und spekulativ und basiert auf keinerlei Grundlage.




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