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Vom Wandtelefon zum Handy Die Revolution in der Kommunikationstechnologie unter besonderer Berücksichtigung des mobilen Telefons. - Referat



1. Einleitung
Von frühster Zeit an hatten die Menschen den Wunsch, miteinander zu kommunizieren. Soweit wie man sehen und hören konnte, war es möglich, sich optisch zu verständigen. Schon ab ca. 3.500 v. Chr. verständigten die Menschen sich mit Rauchzeichen, Trommeln und Signalfeuern. Mit Briefen konnten größere Entfernungen überbrückt werden. Den ältesten bekannten Brief versandten die Ägypter etwa 2.700 v. Chr., dieser war auf Papyrus geschrieben.
Schon 100 Jahre v. Chr. besaßen die Gallier den Vorläufer des Telefons: das Ruftelefon. Sie schrien sich durch Röhren zu. In dem von anderen Klängen abgeschirmten System überwanden Schallwellen immerhin relativ große Entfernungen „unbeschadet“.

Mit der Erfindung des Telefons änderten sich die jahrhundertelangen Erfahrungen der Menschheit: das Hören einer Stimme war nicht mehr mit der Anwesenheit einer Person verbunden. Die telefonische Kommunikation ist audiozentriert, d.h. die Verständigung erfolgt ausschließlich über Stimme und Ohr. Was heute selbstverständlich erscheint, war zu Anfang verwirrend und gewöhnungsbedürftig. Miteinander sprechen ohne sich sehen, fühlen und riechen zu können, war revolutionär. (vgl. Ausstellungskatalog: Mensch/Telefon, Aspekte telefonischer Kommunikation, 2000, S. 7)

2. Wie alles begann
a. Die wichtigsten Erfinder der Telekommunikation

 Samuel B. Morse (1791-1872)
Die Erfindung des Telegraphen und dem dazugehörigen Morsealphabet von 1836 ist „Eine der bedeutsamsten Schlüsselinnovationen in der Geschichte der Fernkommunikation“ (Oliver Götze Museum für Kommunikation aus
P.M. History, 06/2013, S.79). Samuel B. Morse und Carl August von Steinheil übermittelten die Zeichen mit elektrischen Impulsen über Drähte an den Empfänger, diese wurden auf Papier gedruckt, entschlüsselt und als Telegramm zugestellt.

Das Wort „Tele“ kommt aus dem Griechischen und heißt „fern“.
Die Telekommunikation war geboren. Über neuerrichtete Telegrafenlinien verbreiteten sich Nachrichten schnell über Land und ab 1850 sogar über das Meer.
Es ist bis heute umstritten, wer der wahre Erfinder des Telefons ist. Besonders drei Männer waren entscheidend an der Erfindung und Verbesserung des Sprachübermittlungsapparates beteiligt.

 Antonio Meucci (1808-1889)
Dem Italiener Antonio Meucci, der nach Amerika ausgewandert war, gelang es, einen Fernsprecher zu entwickeln, den er 1860 der Öffentlichkeit vorstellte.
Wegen eines Unfalles und dem darauffolgenden Geldproblem war er gezwungen, einige seiner Erfindungen zu verkaufen, darunter war auch sein Telefon. Später setzte er seine Arbeit fort, stellte 1871 einen Patentantrag, welcher aus Geldmangel 1873 seine Gültigkeit verlor.

Meucci verwendete einen mit Draht umwickelten Zinnschlauch, dessen Enden zu einer Zunge aus Kupfer führten, die mit einer Batterie verbunden waren.
Mit diesem Instrument, sprach er vom Keller seines Wohnhauses mit seiner kranken Frau im dritten Stock. Als weitere Verbesserung baute er einen mit einer Drahtspule umwickelten Eisenkern zur Verbesserung der Sprachüber-tragung in seinen Apparat. Später konstruierte er noch ein hölzernes Gehäuse und ein Mundstück aus Pappe an sein Instrument, das er als sprechenden Telegraphen bezeichnete. Seine Verdienste um das Telefon erkannte der US Kongress 2002 an und er gilt seitdem als Miterfinder des Telefons. Er verstarb als armer Mann im Alter von 81 Jahren.

 Johann Phillip Reis (1834-1874)
Ein weiterer Erfinder war der deutsche Physiker Johann Philipp Reis.
Er war der Sohn eines Bäckersmeisters und stammte aus dem hessischen Gelnhausen. Er hatte eine höhere Ausbildung erhalten und war Lehrer für Physik und Mathematik.

Er verbrachte jede freie Minute in seinem physikalischen Labor, einer umgebauten Scheune. Sein liebstes Forschungsgebiet war es, „Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung zu reproduzieren.“
Er baute den ersten Apparat, der die menschliche Sprache elektrisch übertrug.

Zwischen 1858 und 1863 entwickelte er drei verschiedene, jeweils verbesserte Prototypen eines Telefons. Reis gestaltete sein Telefon in Anlehnung an das menschliche Ohr. Dies gelang ihm, indem er über eine hölzerne Ohrmuschel, die er für seinen Physikunterricht entwickelt hatte, eine Wursthaut spannte, um das menschliche Trommelfell nachzuahmen.

Ein auf der Membran befestigtes Platinplättchen und ein Platinstift simulierten die Gehörknöchelchen. Dieser Platinkontakt war Teil eines durch eine Batterie betriebenen Stromkreises. Sprach man in dieses Ohr hinein, geriet die Membran in Schwingungen und erzeugte eine Modulation des Stromes. Die so erzeugten akustischen Schwingungen wurden in Stromimpulse auf den Empfänger übertragen

Der Empfänger war eine Spule, in der eine Stricknadel steckte. Diese Spule wurde vom "zerhackten" Strom durchflossen, wodurch die Nadel Töne hervorbrachte. Zur Verstärkung der Töne setze Reis ein Holzkästchen als Resonanzboden ein. Quelle

Am 26. Oktober 1861 hielt Reis in Frankfurt am Main einen Vortrag über die Fortpflanzung musikalischer Töne auf beliebige Entfernung. Dabei führte er den Fernsprecher zahlreichen Mitgliedern des physikalischen Vereins erstmals öffentlich mit der Durchsage „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ vor.
Mit solchen spontanen und skurrilen Sätzen wollte er verhindern, dass man glaubte, seine Sätze seien abgesprochen.

Obwohl die Konstruktion funktionierte beachteten die Wissenschaftler Reis Erfindung nicht. Vielleich lag es auch daran, dass die Übertragung nur einseitig möglich und die Qualität der Töne sehr schlecht war. Trotz allem verbesserte Reis den Apparat bis 1863 wesentlich und verkaufte ihn in größeren Mengen weltweit als wissenschaftliches Demonstrationsobjekt. So kamen auch Exemplare in die USA und England. (vgl. www.wikipedia.de, Erfindung des Telefons, S. 3, 20.09.2013)
Phillip Reis wusste um seine eigene Genialität. Und verzweifelte daran, dass seine Zeitgenossen sie einfach nicht erkennen wollten. Unheilvoll an Tuberkulose erkrankt, zog er Anfang Januar 1874 ein bitteres Fazit seines Lebens. „Ich habe der Welt eine große Erfindung geschenkt“, sagte er zu einem engen Freund auf dem Sterbebett, „anderen muss ich nun überlassen, sie weiterzuführen. Wenige Tage später starb er, gerade mal 40 Jahre alt.
(vgl. www.land-der-erfinder.de, S. 2, 20.09.13)

 Alexander Graham Bell (1847-1922)
Alexander Graham Bell war Lehrer für taubstumme Kinder. Als der gebürtige Schotte eine Privatschule für „Stimmphysiologie“ eröffnete, begann er sich verstärkt seinem Hobby, der Physik, zu widmen. Bell, der im Besitz von Gerätschaften und Unterlagen von Meucci war und in Edinburgh ein Reis-Modell gekauft hatte, nutze diese als Grundlage für seine Forschungen.

Er betrieb Versuche zur Mehrfachtelegrafie. Er übertrug die Töne verschiedener Stimmgabeln über eine Leitung. Mit einem Elektromagneten und einer Stimmgabel verwandelte er elektrische Signale wieder in Töne. Bell erkannte schon bald, dass zur Übertragung von Sprache eine stetige Stromänderung notwendig war. Mit seinem Assistenten Thomas A. Watson, entdeckte er durch Zufall am 2.Juni 1875 die notwendigen Zusammenhänge, um ein elektrisches Sprechtelefon zu bauen.

Das Grundprinzip ihrer Konstruktion war die Umwandlung von Membran- in elektrische Schwingungen. Im Gegensatz zur Reis`schen Erfindung unterbrach Bell den Stromfluss nicht, sondern ließ ihn im Rhythmus von Schallwellen schwingen.

Die Erfindung wird als „Apparat für die telegrafische Übertragung von sprachlichen oder anderen Tönen“ 1876 patentiert.
1877 wurde die „Bell Telephone Association“ gegründet. Bell musste 600 Patentprozesse über sich ergehen lassen, da viele andere Erfinder plötzlich behaupteten, sie hätten vor ihm das Telefon erfunden. Rasant verbreitete sich das Telefon. 1922 verstarb Bell als schwerreicher Mann im Alter von 75 Jahren. In diesem Jahr waren in den USA schon 14.374.000 Haushalte an das Telefonnetz angeschlossen. (www.wasistwas.de, S. 2, 07.01.2014)

b. Die erste Telefonverbindung und die ersten Ortsnetze in Deutschland
Am 26. Oktober 1877 begann in Deutschland die Geschichte des Telefons mit einer 2 km langen Teststrecke in Berlin. Als der erste Versuch mit zwei Bell- Telefonen gelang, sagte Generalpostmeister Heinrich von Stephan: “Meine Herren, diesen Tag müssen wir uns merken“. (Buch: 50 Klassiker der Erfindungen S.160 Zeile 7-9)
Für weitere Versuche beauftragte von Stephan die Firma „ Siemens & Halske“, weitere Telefone anzufertigen. Schon ab November produzierten sie täglich 200 Telefone, die zum größten Teil an Privathaushalte verkauft wurden. Statt der Bezeichnung „Telefon“ prägte von Stefan die amtliche Bezeichnung „Fernsprecher“.
In amerikanischen Städten breiteten sich Telefonnetze rapide aus.
In Berlin bestand jedoch kein Interesse daran, Wohnungen, Fabrikanlagen und Geschäfte in Verbindung zu bringen. Das Telefon wird als amerikanischer Schwindel und Humbug abgetan. Über die Ignoranz seiner Zeitgenossen ist von Stephan äußerst empört und lässt für den Fernsprecher Werbung machen.

Erst Anfang1881 wurde die erste Fernsprechvermittlungsstelle in Berlin mit acht Teilnehmern in Betrieb genommen, bis April waren es schon 48 Teilnehmer und im ersten Fernsprechverzeichnis standen 94 Teilnehmer. Man nannte es spöttisch das „Buch der Narren“. Die Börse war mit der Nummer 1 eingetragen, desweiteren waren vor allem Banken Fabriken, Geschäfte und ein Hotel verzeichnet. (vgl. Ausstellungskatalog: Mensch/Telefon, Aspekte telefonischer Kommunikation, 2000, S. 13)
Auf Drängen von Unternehmern wurden weitere Stadtfernsprechnetze eingerichtet, neben Berlin hatten Ende 1881 Köln, Hamburg, Frankfurt am Main, Mannheim und Breslau ein Ortsnetz.

In Deutschland gab es Ende 1897 etwa 144.000 Sprecherstellen in 529 Orten.

c. Die Technik entwickelt sich
Anfangs wurden Telefonate noch per Hand vermittelt, man musste erst einmal das nächste „Amt“ anrufen und die Nummer des gewünschten Teilnehmers ansagen. Die Verbindung wurde vom Personal manuell, durch das Umstöpseln von Kabeln an Schaltschränken hergestellt. Diese Tätigkeit wurde erst nur von Männern ausgeübt, bald wurden diese allerdings vom „Fräulein vom Amt“ ersetzt, da die höhere Frauenstimme besser zu verstehen war.
Jede Vermittlerin hatte rund 200 Teilnehmer zu bedienen, durch diese Überforderung kam es zu Fehlern bei der Verbindung und langen Wartezeiten.

Der Amerikaner Almon Strowger, ein Bestatter, glaubte, dass seine Gespräche mitgehört und nicht ordnungsgemäß verbunden wurden, er ärgert sich sehr über die Missstände bei der Handvermittlung. Er wand sich der Entwicklung eines Selbstwählsystems zu. 1889 hatte er den „Hebdrehwähler“ entwickelt und ersetzte die problembelastete Tastatur am Teilnehmerapparat durch eine „Wählscheibe“. Diese beiden Elemente bildeten bis in die jüngste Zeit die Kernelemente der Selbstwählanlagen.

Kurz vor der Jahrhundertwende erwarb die deutsche Reichspost eine Selbstwählanlage aus Amerika. Diese wurde eingehend erprobt, erweitert und 1908 wurde die erste Selbstwählanlage mit 1600 Anschlüssen in Hildesheim in Betrieb genommen. Alle Benutzer waren begeistert, nach und nach wurde auf
„Wählbetrieb“ umgestellt. Die Umstellung erforderte erhebliche Investitionen in neue Ämter und Telefone mit Wählscheibe. Schritt für Schritt musste „das Fräulein vom Amt“ dem technischen Fortschritt weichen. Eine direkte Durchwahl bis Amerika war aber erst 1970 möglich

Schnell wurde der Ausbau von Freileitungen vorangetrieben, allerdings stieß man bald auf technische und wirtschaftliche Grenzen.
Je größer die Entfernung wurde, desto schlechter wurde die Verständigung. Diesem Problem trat man mit dickeren Kabeln entgegen. Für die Freileitung Berlin-Köln wurden 300 Tonnen Bronzedraht verbraucht, eine kostspielige Angelegenheit. Die Freileitungen waren erheblichen Belastungen durch die Natur ausgesetzt. Im Winter 1908 kam es zum Ausfall von 13.300 km Leitung durch Sturm und Vereisung. Die einzige Möglichkeit dies zu umgehen war der Ausbau unterirdischer Fernnetze. Ermöglicht wurde dies durch immer besser werdende Technik.

1930 gab es in Deutschland rund 3,2 Millionen Telefonanschlüsse.
Mitte der fünfziger Jahre begann in Westdeutschland der Ausbau der „Selbstwählferndienste“ und schon bald konnte man darüber ins Ausland telefonieren. Die Funktionsweise der Telefone veränderte sich bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts kaum.
Es wurde lediglich von manueller auf automatische Vermittlungstechnik umgestellt. Durch weitere Entdeckungen im Bereich der Mikroelektronik wurden Telefone immer moderner. 1974 gab es die ersten Tastentelefone, 10 Jahre später das erste schnurlose Telefon für das Festnetz.

Zwischen 1981 und 1988 wurde die
Glasfasertechnik in 7 deutschen Städten erprobt und schließlich auch eingesetzt. Das erste transatlantische Glasfaserkabel zwischen Deutschland und den USA kam 1992 zum Einsatz.
Heute gleicht das Telefonnetz in Verbindung mit Satelliten einem großen Computernetz.

3. Das erste mobile Telefon
a. Die rasante Entwicklung des Handyzeitalters

Die Entwicklung der mobilen Kommunikation reicht bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. 1918 startete die Deutsche Reichsbahn erste Tests zu mobilen Telefonie. Diese Tests wurden auf der militärischen Bahnstrecke zwischen Berlin-Zossen erprobt. Ab 1926 wird auf der Strecke Berlin-Hamburg erstmals eine mobile Funkübertragung für Fahrgäste der 1. Klasse eingerichtet. Das hieß die Fahrgäste konnten in einem speziellen Abteil telefonieren, von dem sie aus das Fräulein von Amt anriefen, die dann die Verbindung schaltete.

Das A-Netz startet als erstes nationales Mobilfunknetz 1958. Die Bundespost nahm damit das erste analoge mobile Netz in Betrieb. Einer der ersten Nutzer war Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Dabei musste noch jedes Gespräch über die rund 16 Kilo schwere Sende- und Empfangsanlage von den Angestellten in der Telefonvermittlung per Hand weitergeleitet werden.

Etwa 15.000 DM kostete ein Gerät zum mobilen Telefonieren. Zum Vergleich rund 5.000 DM zahlte man für einen VW Käfer. Auch tragbar waren die Telefone keineswegs. Zum massiven Hörer mit Schnur gesellten sich klobige Blechbüchsen mit viel Technik im Inneren. Dadurch fanden die meisten mobilen Telefone ihren Einsatz im Auto. Es waren fasst 600 Vermittlungskräfte nötig, um die 11.000 Teilnehmer zu bewältigen. 1968 war es das größte zusammen-hängende Mobilfunknetz der Welt, welches 1977 abgeschaltet wurde.
Bis 1968 konnten Besitzer eines Mobiltelefons immerhin schon in bis zu 80 Prozent des Bundesgebietes telefonieren.

Um die drohende Überfüllung des A-Netzes durch seine 11.000 Nutzer abzuwenden startet 1972 das analoge B1-Netz, welches bis 1994 in Betrieb blieb. Die Umstellung von manueller auf automatische Vermittlung wurde in diesem Netz realisiert. Damit wurde das Fräulein vom Amt von der Technik überrollt und war somit nicht mehr nötig. 1978 verkündete die Bundespost den flächendeckenden Betrieb mit 150 Sendestationen. Dadurch konnten nun auch die Verwandten in Österreich oder den Niederlanden von unterwegs erreicht werden. Trotzdem war es immer noch nicht möglich, während des Gesprächs die Funkzelle zu verlassen. Andernfalls brach die Verbindung ab und das Telefonat musste neu begonnen werden. Die Anrufer mussten dafür die genaue Position ihrer mobilen Gesprächspartner wissen und die entsprechende Ortsvorwahl mit angeben. Nach 7 Jahren war dieses Netz mit 13.000 Nutzern vollständig ausgelastet. 1980 wurde das B2-Netz zugeschaltet und auf fast 27.000 Teilnehmer erweitert.

1986 wurden diese beiden Netze vom C-Netz für bis zu 400.000 Benutzer abgelöst. Dieses Netz brachte zwei wichtige Neuerungen. Zum einen das „Roaming“ und das „Hand Over“. Beim Roaming war es nun möglich, jeden Teilnehmer überall zu erreichen. Man musste nicht mehr seine genaue Position wissen. Zusätzlich kommt das „Hand Over“, also der Wechsel der Funkzelle während des Telefonats ohne Verbindungsabbruch. Erst durch diese beiden Neuerungen, wurde das Handy populär. Zwischen 5.000 und 8.000 DM kosteten damals die neuen Geräte, wie etwa das Alcatel Poctel C3/SEM, auch liebevoll „Pocky“ genannt. Es wog immer noch gut ein Pfund und hatte nach heutigen Kriterien eine absurde Klappantenne. 1993 zählte die Bundesrepublik schon
800.000 C-Netz-Kunden. Auch wurde langsam der Besitz eines mobilen Telefons gesellschaftsfähiger, wenn auch von der breiten Masse immer noch belächelt.

Am 7. September 1987 begann der schwerfällige Umstieg ins digitale Zeitalter. An diesem Tag einigten sich Vertreter der Telekommunikationsfirmen aus 13 europäischen Ländern auf die Etablierung des GSM-Standard (Groupe Spéciale Mobile). Dieser Standard versprachen stets freie Frequenzen, kein monatelanges Warten auf eine Rufnummer, problemlose Verbindungen ins Ausland und natürlich bessere Sprachverbindungen.

Symbol dieser Ära war das Motorola Dynatac 8000X. Man bezeichnete es auch als „Der Knochen“. Es kam am 21.September 1983 auf den Markt. Es war wie eine Flasche Wasser 800 Gramm schwer und länger als eine DIN-A4-Seite.
Für ausgiebige Gespräche war es nicht geeignet, da ihm schon nach einer halben Stunde der Strom ausging. Trotzdem kostete der Urvater aller Handys stolze 3.500 Dollar. Das Mobiltelefon, das wegen seiner Form auch „Stiefel-Phone“ genannt wurde, verschwand schnell wieder vom Markt und war somit ein Flop. Und dennoch: Kaum ein Gegenstand hat die Welt so sehr verändert wie dieser.

Der Dynatac-Erfinder war Martin Cooper. Er hatte bereits in den 70er-Jahren die Idee: Warum nicht Mobilfunk für alle? Als ihm die Idee kam, arbeitete der damalige Motorola-Ingenieur an einem mobilen Gerät für den Polizeifunk.
Als seine Idee geboren war, stand er einige Wochen später auf einer Straße in New York und rief triumphierend die Konkurrenzfirma an.
„Die Leute dachten, ich sei verrückt“, sagte Cooper. „Weil ich an ein Telefon dachte, das man einfach in die Tasche stecken kann.“
Es dauerte aber dann noch 10 Jahre, bis das erste mobile Telefon klein genug und reif fürs Massenpublikum war. (vgl. www.focus online.de, S. 3, 30.03.2014)

1992 erfolgte dann in Deutschland das erste digitale Gespräch über ein Mobiltelefon via dem D2-Netz von Mannesmann (heute: Vodafone). Einen Tag später zog DeTeMobil (heute: T-Mobile) nach. Dadurch verbesserte sich die Sprachqualität deutlich und kleine, leichtere Handys wurden möglich.

Zwei Jahre darauf telefonierten eine Millionen Deutsche, ein Jahr später bereits zwei Millionen per Handy. Die Kosten waren damals noch sehr hoch.
Die Geräte, wie zum Beispiel das Nokia 1011, wogen ca. 475 Gramm.
Eine solche komplette Telefonanlage im Taschenformat kostete damals noch im Schnitt ca. 2.500 DM.

1993 wurde die Lizenz zum Aufbau eines dritten Funknetzes, dem
E-Netz erteilt. Nach der Einführung des E-Plus Netz 1994/95 kam es zu größerem Wettbewerb unter den Mobilfunkanbietern und zum Preisverfall der Tarife und der Handys.

Hinzu kam das Versenden von Faxen und Datenübertragungen. Desweiteren wurde der Short Message Service (SMS) eingeführt.

2000 startete in Deutschland das Universale Mobile Telecommunications Systems (UMTS), die „3.Generation“ des weltweit digitalen Mobilfunkstandard. Es umfasst erweiterte multimediale Dienste, einen schnelleren Datenaustausch und eine größere Übertragungsrate über satteliten- und erdgestützer Sendeanlagen.

2006 kommt es zur Entwicklung eines weltweit einheitlichen Standards dem Long Term Evolution (LTE). Es ist die 4. Generation des digitalen Mobilfunkstandard und wird 2010 in Deutschland eingeführt.

Bereits 2008 hingen rund 3,3 Milliarden Handys weltweit am Netz.
Immer schneller wurden es immer mehr: Während es knapp 20 Jahre dauerte, bis die erste Milliarde verkauft war, brauchte die zweite Milliarde gerade einmal vier Jahre, die dritte sogar nur halb solange. 80 Prozent der Weltbevölkerung hat mittlerweile Anschluss an ein Handy-Netz. Von den Küsten im Süden Indiens bis zur Spitze des Kilimandscharo – Sendmasten stehen fast überall.
„Das Handy ist revolutionär“ sagen Kommunikationsforscher. Es hat unser Sozialleben und den Arbeitsmarkt verändert. Das Telefonieren hat eine neue Bedeutung bekommen, jemand ruft nicht ein Haus oder Büro an, sondern gezielt eine bestimmte Person. (vgl. www.focus online.de, S. 5, 30.03.2014)

4. Vor- und Nachteile der Handykommunikation

Das Handy erfüllt sowohl soziale als auch wirtschaftliche Funktionen.
Es ermöglicht den Menschen, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Die revolutionäre Entwicklung des Handys ist Ausdruck der gesellschaftlichen Veränderungen, die in den vergangenen Jahren immer rasantere Formen angenommen haben. Die Welt befindet sich im Wandel der Globalisierung. Um auf dem Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance zu haben, muss man mobil und vor allem flexibel sein. Diese Mobilität repräsentiert das Handy. Man ist immer da, anwesend, durch das Telefon immer erreichbar.

Die Entwicklung des Mobilfunks ist durch drei Aspekte geprägt:
Die Schnelligkeit seiner Ausbreitung, das sogenannte Erreichbarkeitsdilemmma sowie seine Auswirkungen auf das Verhältniss von Öffentlichkeit und Privatheit. (vgl. Ausstellungskatalog: Mensch/Telefon, Aspekte telefonischer Kommunikation, 2000, S. 85)

a. Verbunden mit der Welt:
 Das Handy ermöglicht uns, mit der Familie und Freunden schnell in Kontakt zu treten, auch wenn man weit weg ist. Die Möglichkeit, sich schnell auszutauschen oder sich zu verabreden.
 Das Handy schafft Sicherheit: man kann von überall Notrufe absetzen, wir können Navigations- und Ortungssysteme nutzen.
 Eltern können im Notfall den Aufenthaltsort ihres Kindes bestimmen.
 Rund um die Telefonkommunikation wurden viel Arbeitsplätze
geschaffen.
 Mit einem Smartphone kann man nicht nur telefonieren, es hat noch viele weitere Funktionen. Es hat eine Kamera, eine Uhr, man kann Musik hören. Es ist jederzeit möglich, aktuelle Informationen abzurufen. Mit der Internetfunktion kam Arbeiten und Lernen, in sozialen Netzwerken kommunizieren. Sehr viele Nutzer vertreiben sich mit den vielfältigsten Spielen die Zeit.

b. Schalt doch mal ab!:
 Die Kehrseite der permanenten Erreichbarkeit ist die Gefahr der plötzlichen Störung bzw. des damit verbundenen Stresses, stets zu jeder Tag- und Nachtzeit verfügbar zu sein. Zunehmend ist ein regelrechtes Management der Erreichbarkeit notwendig, das auch die selbst gewählte Abschottung beinhaltet – aus Rücksicht auf andere wie zur Wahrung der eigenen Privatsphäre. Für viele Menschen ist eine Trennung von Beruf und privatem Leben kaum noch möglich.
 Die menschliche Kommunikation ist durch die Handys zwar schneller aber oft auch oberflächlicher geworden und führt somit häufiger zu Missverständnissen. Hinzu kommt, dass Klingeltöne und lautes Reden in der Öffentlichkeit andere stören können.
 Viele brauchen das Gefühl von ständiger Erreichbarkeit wie die Luft zum Atmen. Ist diese Verbindung zur Welt getrennt, meldet sich sofort das schlechte Gewissen und die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen oder nicht rechtzeitig zu erfahren. Viele Menschen geraten in eine Sucht der Erreichbarkeit. Nichts muss mehr ungesagt bleiben, das Mitteilen wichtiger Nachrichten als auch bedeutungsloser Kleinigkeiten ist zum Lebensinhalt geworden. Bei vielen führt das auch in die Überschuldung durch teure und undurchsichtige Handyverträge. (vgl. www.Hilfreich.de, Handy- immer erreichbar, Vor- oder Nachteil?, S.1, 10.01.2014)
 Die Fähigkeit bei Kindern und Jugendlichen Probleme selbständig zu lösen, nimmt ab, da die Eltern immer erreichbar sind und ihren Kindern permanent per Handy zur Seite stehen. Was auch dazu führen kann, dass Eltern ihre Kinder ständig kontrollieren.
 Gesundheitlich schädigende Aspekte sind z.B. der Elektrosmog und die damit verbundende Strahlenbelastung, die z.B. Gehirntumore hervorrufen kann.
 Die Lebensdauer eines Handys beträgt ca. 18 Monate.
Immer neuere und schnellere Technik führt dazu, dass die Anschaffung eines aktuellsten Modells für jeden einzelnen erforderlich scheint. Sondermüll in unvorstellbaren Mengen entsteht und die Ressourcen an Rohstoffen für die Produktion von Handys sind oft schon erschöpft. Hinzu kommen unfähre Arbeits- und Lebensbedingungen für Menschen, die in den Ländern leben, in denen die Produktion von Handys stattfindet.
 Bei jedem Telefonat per Handy hinterlässt der Anrufer eine Datenspur. Durch ein Handy ist es daher möglich, den Besitzer auf bis zu 10 m zu orten. Datenschutz ist daher noch ein weitreichendes Thema für die Zukunft. Ein Beispiel dafür war das Abhören des Handys von der Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel durch die Amerikaner.

Menschen können innerhalb eines Tages ans andere Ende der Welt reisen oder mit ihren Freunden virtuell in Verbindung treten. Ist man nicht erreichbar verstößt man damit gegen das Gesetzt der Gesellschaft, ganz selbstverständlich da zu sein.



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