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Ungebetene Gäste - Unsere heimlichen Untermieter - Referat



Ungebetene Gäste - Unsere heimlichen Untermieter


Keiner ist allein – auch nicht in den eigenen vier Wänden. Viele heimliche Untermieter fühlen sich dort pudelwohl. Geradezu rasant breiten sie sich aus, wenn die Eigentümer ausgezogen sind. Mäuse, Spinnen und Silberfischchen leben dann im Paradies.


Wer glaubt in seiner Wohnung oder in seinem Haus alleine zu leben, irrt sich gewaltig: Unsere vier Wände teilen wir mit einer Vielzahl heimlicher Untermieter. Die fühlen sich dort mindestens genauso wohl wie wir – oft noch besser, wenn wir selbst ausziehen und ihnen eine sturmfreie Bude überlassen. Dann können sich Mäuse, Spinnen, Kellerasseln und Silberfischchen so richtig austoben. Oder der Schleimpilz sich ungestört im Gemäuer und in Stoffen ausbreiten. Auch wenn wir viele unserer Mitbewohner nie zu Gesicht bekommen – wir können sicher sein: Sie sind unter uns.


Ungebetene Gäste - Vom Wüstenbewohner zum Wohnungs-Verwüster

Hausmäuse haben ihren Namen zu Recht, denn sie leben durchweg in der Nähe des Menschen. Mus musculus, wie die Biologen den kleinen Nager nennen, ist neben dem Homo sapiens das meistverbreitete Säugetier der Welt. Ursprünglich stammt er aus den Steppen Zentralasiens. Als blinder Passagier auf Schiffen, versteckt in Mehl- und Getreidelieferungen, hat sich der Schädling über die ganze Erde ausgebreitet.

Haben sich Mäuse einmal in einem Gebäude angesiedelt, vermehren sie sich explosionsartig. Ein Weibchen kann zehnmal pro Jahr jeweils bis zu zwölf Junge bekommen. Diese wiederum sind bereits nach sechs Wochen geschlechtsreif. Überleben alle Jungen und deren Nachkommen, werden so innerhalb eines Jahres Tausende von Tieren gezeugt.

Mäuse nagen unentwegt. Nichts ist vor ihnen sicher – von elektrischen Kabeln bis zu den Wänden: Die Winzlinge können eine ganze Wohnung verwüsten. Dazu verderben sie mit ihren Kot- und Urinabsonderungen Lebensmittelvorräte und übertragen Krankheiten wie Salmonellen, Typhus und die Weilsche Gelbsucht. Kein Wunder, dass der Mensch seine heimlichen – oder besser unheimlichen – Untermieter jagt.


Anpassungsfähige Schmarotzer

Doch als ehemaliger, von zahlreichen Fressfeinden verfolgter Steppenbewohner, hat die Hausmaus Verhaltensmuster und Strategien entwickelt, mit denen sie sich auch gegen menschliche Mäusejäger behaupten kann. So sind die flinken Tiere auch gute Kletterer: Problemlos können sie Wände und Rohre hoch laufen – und sind bei Gefahr blitzschnell verschwunden.

Mit dieser Fähigkeit gelangen die Mäuse auch in jedes Haus. Dort bieten ihnen Ritzen, Löcher oder versteckte Winkel genügend Obdach. Als Nistmaterial reichen Papier und Lumpen. Einen eigenen „Wasseranschluss“ braucht das Mäuseheim nicht, da der normale Wassergehalt menschlicher Nahrungsmittel den Tieren genügt. Sie sind sehr anpassungsfähig und fressen alles, was sie im Haus finden. Deshalb brauchen die Hausmäuse auch keinen Wintervorrat anzulegen. Am liebsten verspeisen sie Süßigkeiten aller Art, Käse, Früchte, Körner und Fleischspeisen. Wenn nichts davon in Reichweite ist, vergreifen sie sich sogar an Kerzenwachs und Seife, deren Fettgehalt ihnen hilft, die mageren Zeiten zu überbrücken.


Unaufhaltsame Nachtwanderer

Ihre Streifzüge unternehmen Mäuse meist nachts und sind somit schwer zu entdecken. Die Sinne der Tiere sind der Dunkelheit angepasst: Kurzsichtig und farbenblind verlassen sie sich hauptsächlich auf ihren Tastsinn. Mit ihren Schnurrbarthaaren berühren sie Wand und Boden und ertasten sich so ihren Weg. Aus diesem Grund bewegen sich Mäuse vorwiegend an Wänden oder anderen Orientierung bietenden Oberflächen entlang.

Ist ein Hindernis im Weg, wissen Mäuse sich Zugang zu verschaffen: Nicht umsonst gehören sie zu den Nagetieren. Ihre Zähne wachsen ständig nach und müssen dauernd benutzt werden: Nur so bleiben diese kurz und scharf. Auf der so genannten Mohsschen Härteskala haben Nagetierzähne einen Wert von 9,6. Zum Vergleich: Derjenige von Diamanten liegt bei 10. Mit diesen Werkzeugen können sich Mäuse selbst durch dicke Holztüren nagen, auch wenn dies nächtelange Arbeit erfordert.


Ungebetene Gäste - Nützliche Krabbler

Doch es gibt auch nützliche Hausgenossen, die uns bei der Schädlingsbekämpfung tatkräftig unterstützen: die Spinnen. Die Begegnung mit ihnen sorgt zwar vor allem bei weiblichen Hausbewohnern meist für Aufregung, doch nur etwa zwei Dutzend der über 30.000 Spinnenarten sind für Menschen gefährlich.


Nicht alle Achtbeiner spinnen

Die Zitterspinne ist in fast jedem Haus anzutreffen. Doch mit ihrem kleinen, fast durchsichtigen Körper und den langen dünnen Beinen fällt sie nicht besonders auf. Für ihre großflächigen Netze bevorzugt Pholcus phalangioides ruhige Ecken in trockenen, geheizten Räumen. Bei Gefahr beginnt sie im Netz zu zittern, wodurch ihre Konturen verschwinden und Fressfeinde sie nicht mehr wahrnehmen können.

Den Zitterspinnen ähneln mit ihren langen, dünnen Beinen die Weberknechte. Diese allerdings gehören zu den so genannten Spinnentieren: Anders als bei den Spinnen ist ihr Körper nicht in Hinter- und Vorderleib gegliedert, sondern bildet eine Einheit. Weberknechte besitzen außerdem keine Spinndrüsen und
können deswegen auch keine Netze anfertigen. Sie verspeisen hauptsächlich tote Insekten oder Larven und gelten eher als harmlose Aufräumer denn als Räuber.


Kraftpakete mit Biss

Ein auffälligerer und weniger harmloser Mitbewohner ist die größte Spinne Europas, die Tegenaria gigantea oder Winkelspinne. Braun gefärbt, mit bis zu 18 Millimetern Körperlänge und einer Spannweite der Beine bis über 7 Zentimeter bleibt sie nicht lange unbemerkt. Meist begegnet man männlichen Exemplaren, die – auf der Suche nach einem Paarungspartner – durch ein offenes Kellerfenster oder einen Türspalt ins Haus gelangt sind. Dank ihrer langen Beine kann die Winkelspinne bis zu vier Stundenkilometer schnell laufen – was sie auch nötig hat: Denn ihr Netz klebt nicht und bevor die Beute entwischt, muss sie mit einem tödlichen Biss schnell zuschlagen. Ihre Beißorgane sind so kräftig, dass sie auch die menschliche Haut durchdringen können. Was ziemlich schmerzhaft ist, aber nicht weiter gefährlich.

Kräftig zubeißen können auch die sechsäugigen Spinnen der Gattung Dysdera. Sie besitzen einen ungewöhnlich spitzen Kiefer, mit dem sie am liebsten den harten Panzer ihrer bevorzugten Beute durchbohren: der Kellerassel.


Ungebetene Gäste - Manche mögen’s klamm

Viele unserer Hausgenossen sind darauf angewiesen, dass es sehr feucht ist – zum Beispiel die Kellerasseln. Sie sind mit den Krebsen verwandt und atmen ebenfalls durch Kiemen. Diese müssen stets mit einem Feuchtigkeitsfilm überzogen sein: Trocknen sie aus, dann sterben die Tiere.

Die Verwandtschaft der Kellerasseln mit den Krebsen zeigt sich auch darin, dass die Weibchen ihre Eier in einer Tasche an der Bauchseite tragen. Wenn die bis zu siebzig Jungtiere schlüpfen, sehen sie den erwachsenen Asseln bereits sehr ähnlich. Zunächst sind sie weiß. Insgesamt häuten sie sich 14 Mal und sind nach etwa drei Monaten ausgewachsen. In der Natur ist Procellio scaber sehr nützlich, denn er trägt zur Produktion des Humus bei. In feuchten Kellern kann er jedoch pflanzliche Vorräte schädigen.


Chaos im Weinkeller

Feuchte Keller sind auch der ideale Wohnsitz für die Spezies Limax flavus: die Kellerschnecke. Vor allem Biergeruch zieht sie an. Das Kriechtier weidet auf den Oberflächen alter Flaschen und verspeist verschimmelte Bierhefe. Ist diese verzehrt, bleiben noch die modrigen Etiketten – selbst edle Weinflaschen werden nicht verschont. Denn das alte Papier enthält nahrhafte Zellulose, welche die Kellerschnecke problemlos verdaut. Das Chaos im Weinkeller ist vorprogrammiert, denn ohne Aufschrift können die Jahrgänge nicht mehr identifiziert werden.


Gäste aus der Urzeit

Von nicht weniger unappetitlichen Dingen wie Staub, Schmutz und Hautschuppen ernährt sich das Silberfischchen. Der lichtscheue Untermieter verspeist jedoch liebend gerne auch stärkehaltige Stoffe, etwa Kleister. Neben Tapetenkleister steht auf seiner Speisekarte auch Papier, das mit Mehlkleister geklebt ist. Die Folge: Bilder, Zeichnungen und Bücher kommen zu Schaden. Als lebendes Fossil bewohnt Lepisma saccharina seit über 300 Millionen Jahren die Erde. Optisch hat sich das Urinsekt seitdem kaum verändert: Es ist etwa 12 Millimeter lang und besitzt einen silbrigen Kopf, bestückt mit zwei langen Geißelantennen. Seine schlängelnden Bewegungen erinnern an die eines Fisches. Doch zu sehen sind die kleinen Flitzer meist nur, wenn man nachts etwa im Bad plötzlich das Licht anmacht. Denn Silberfischchen sind Nachtlebewesen, tagsüber verstecken sie sich in feuchtwarmen Ecken.


Wohnungssuche ohne Grenzen

Im feuchten Holz von Häusern und Rohbauten fühlt sich eine seltsame Kreatur wohl: der Schleimpilz. In seiner Fortpflanzungsphase vollzieht er eine wundersame Wandlung: Seine einzelnen Zellen strömen zusammen und verschmelzen zu einer gigantischen vielkernigen Riesenzelle, dem so genannten Plasmodium. Dieser Organismus nimmt dann die Form einer Schnecke an und bewegt sich auch so. Auf seinem Weg nimmt der Pilz Bakterien und andere winzige Lebewesen auf und verdaut sie.

Nichts kann solche unheimlichen Untermieter von ihrer Suche nach einem geborgenen Platz in unseren vier Wänden abhalten. Auf der Jagd nach feuchtem Holz durchdringt die Trockenfäule selbst vergipstes Mauerwerk. Der so genannte Gartenpilz quetscht sich sogar unter den Fußbodendielen hindurch, um einen Weg ins Hausinnere zu finden.

Quelle(n) für dieses Referat: -Internet -Encarta -Eltern




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