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Troy Davis - Referat



Fakten

Name: Troy Anthony Davis
Geburtsdatum: 09.10.1968
Sterbedatum: 21.09.11
1991 zum Tode verurteilt
Nationalität: Afroamerikaner

Kindheit

Troy Davis war das älteste Kind von Joseph Davis. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er noch klein war. Er wuchs mit seinen vier Geschwistern im Stadtteil Cloverdale von Savannah (Georgia) auf. Die Schule brachte er mit knapper Not zu Ende.

Der Mord

Am 18.08.1989 kam Troy Davis mit einem Freund von einer Party zurück, als sie Zeugen wurden, wie ein Mann namens Sylvester „Redd“ Coles sich mit einem Obdachlosen um ein Bier stritt. Marc MacPhail, ein Polizist, der gerade außerhalb seines Dienstes war, wollte den Streit schlichten und wurde dabei totgeschossen, ein Schuss ins Herz und einen ins Gesicht.

Redd Coles sagte der Polizei später, er habe gesehen wie Troy Davis mit einer Waffe in der Hand den Obdachlosen bedroht habe und den Polizisten umgebracht habe.

Verurteilung und Hinrichtung

1991 wurde Davis zum Tode verurteilt. Die Verurteilung beruhte auf Aussagen von 34 Zeugen, 7 davon haben ihre Aussagen inzwischen zurückgezogen. Sie sagten, die Polizei habe Druck auf sie ausgeübt und ihnen gedroht die Mordanklage gegen sie zu stellen, wenn sie nicht das aussagen, was die Polizei hören will. Ein anderer Zeuge sagt, er habe immer wieder gesagt, dass er nicht gesehen habe, dass Troy Davis den Polizisten umgebracht habe, doch die Polizei protokollierte, was sie wollte. Der Hauptbelastungszeuge ist Redd Coles. Davis sagte bis zu seinem Tod, dass er unschuldig sei und dass Redd Coles Marc MacPhail umgebracht habe. Doch Davis Haus wurde durchsucht, Beweise für seine Schuld sind aber nicht aufgetaucht: Es wurde keine Tatwaffe gefunden, keine Fingerabdrücke, keine DNA-Spuren. Einzigster Beweis: Die Aussage von Redd Coles. Doch Redd Coles stand kurze Zeit selber in Verdacht, Marc MacPhail umgebracht zu haben, so wie es auch Troy Davis behauptet.

Im amerikanischen Strafrecht gilt: Für eine Verurteilung muss die Schuld des Angeklagten über jeden Zweifel erhaben sein. Ringen sich aber 12 Geschworene trotzdem zu einem Schuldspruch durch, dann ist dieses sakrosankte Prinzip außer Kraft gesetzt. Denn ein Fehlurteil wird so gut wie nie aufgehoben. Da es gut begründete Zweifel an seiner Tat gab, gab es weltweite Proteste:

- Das Europarlament hat die Amerikaner um Gnade gebeten
- Es gab eine Liste, die Gnade für den 42-Jährigen fordert. Circa eine Millionen Menschen haben auf dieser Liste unterschrieben, u.A. der Papst Benedikt XVI, Ex-US-Präsident Jimmy Carter, der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, die Eu-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die Popband R.E.M., Sänger Harry Betafonte, Schauspielerin Mia Farrow
- Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der US-Justiz Versagen vor. Sumit Bhatacharyya (USA-Experte der deutschen Amnesty-Sektion) : „ Der 42-Jährige wurde mit der Giftspritze getötet, obwohl es große und gut begründete Zweifel an seiner Schuld gab.“
- Volker Beck, parlamentischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, in Berlin: „Einen Menschen aufgrund zweifelhafter Beweise zu töten, verstößt eklatant gegen die freiheitlichen Grundwerte der USA, gegen die Menschenrechtspakte und gegen das geltende Völkerrecht.“
- Frühere französischer Minister Robert Badinster: „Das ist eine Niederlage für die Menschheit.“
- Vor dem Gefängnis versammelten sich bis zu 700 Demonstranten, die gegen die Hinrichtung protestierten.
- In Paris kamen 150 Menschen auf die Place de la Concorde und trugen Plakate mit Fotos von Davis.

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1991 wurde Davis zum Tode verurteilt. Mehrfach beantragte er , dass sein Verfahren wieder aufgenommen werde, ohne Erfolg. Im Juli 2007 hätte er dann hingerichtet werden sollen, doch ein Begnadigungsausschuss gewährte weniger als 24 Stunden vorher einen Aufschub. Ein jahr später schritt der oberste Gerichtshof ein und stoppte Davis’ Hinrichtung. Wenige Monate später stoppte ein Berufungsgericht eine weitere geplante Hinrichtung. Am 17.08.2009 entschied der Oberste Gerichtshof der vereinigten Staaten, dass Troy Davis, aufgrund der vorgebrachten Zweifel, das Recht auf eine Anhörung habe. Der Oberste Gerichtshof gab Troy Davis die Chance, seine Unschuld zu beweisen, doch das gelang seinen Anwälten nicht. Das oberste Berufungsgericht und der Oberste Gerichtshof von Georgia hielten das Todesurteil aufrecht. Drei Monate nach Abschluss der Anhörung verkündete Richter Moore sein Urteil: „ Der Fall ist zwar nicht vollkommen wasserdicht, die meisten Mitglieder würden jedoch Mr. Davis wieder wegen Mordes an Officer MacPhail verurteilen. Ein Bundesgericht kann sich nicht anmaßen, das Urteil einer Jury zu missachten, wenn die Unschuld des Angeklagten nicht zweifellos bewiesen ist.“
Eine Richterin, die ihn 1991 verurteilt hatte, sagte: „ Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätte ich Troy Davis nicht zum Tode verurteilt.“

Am 21.09.2011 wurde er mit einer Giftspritze getötet, in der Nähe von Jackson, Georgia. Um 23.08 Uhr (Ortszeit) würde er für offiziell tot erklärt.
Georgia sorgt nicht zum ersten Mal für Aufregung: 1996 wurde ein offenbar geistig zurückgebliebener Angeklagter zum Tode verurteilt, obwohl er keinen Verteidiger hatte.

Doch der 42-Jährige Afroamerikaner Troy Davis ist tot, trotz weltweiten Protesten und Empörung. Bis zur letzten Sekunde beteuerte er seine Unschuld.
Seine letzen Worte waren: „Ich möchte mich an die Familie MacPhail wenden. Ihr sollt wissen, trotz der Situation in der ihr seid, dass ich nicht derjenige bin, der euren Sohn, euren Vater, euren Bruder getötet hat. Ich bin unschuldig. Der Vorfall in jener Nacht ist nicht meine Schuld. Ich hatte keine Waffe. Alles, worum ich bitte, ist, dass ihr den Fall genauer anschaut und so letztlich die Wahrheit seht. Ich bitte meine Familie und Freunde, den Kampf weiter zu kämpfen. Gott möge den Seelen derjenigen gnädig sein, die mir das Leben nehmen. Gott segne eure Seelen.“

Fremdwörtererklärung

Eklatant: skandalös
Sakrosankt: unverletzbar
Kontrovers: bestreitbar
Untermauern: festigen
Delinquent: Verurteilter
Injektion: Einspritzung
Exekution: Hinrichtung




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