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Textgebundene Erörterung „Jugendliche in Deutschland: Ich will was leisten und das ist gut so!“ - Referat



Der Text „Jugendliche in Deutschland: Ich will was leisten und das ist gut so“ wurde von Inge Kloepfer Verfasst und am 11.03.2012 in der FAZ veröffentlicht.
Die Autorin beleuchtet, dass es laut eigener Aussagen von Schülern richtig und wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder fördern und von ihnen auch etwas verlangen. Darüber hinaus geben unter Leistungsdruck stehende Jugendliche sogar an „ihr Leben besonders zu genießen“ (Z.56). Jugendliche würden den Ansporn ihrer Eltern erwarten, unterstützen und ihren eigenen Kindern noch mehr abverlangen.

In der Einleitung gibt die Autorin ihre These an, die sie im Rest des Artikels begründet und linear Erörtert. Ein großer Teil der Menschen würde sich irren, Jugendliche leiden nicht unter den Erwartungen ihrer Eltern, sie würden mehr Ansporn und Ermunterung erwarten (Vgl. Z 1-4). Im folgenden Abschnitt gibt die fünfzehnjährige Lorena an, dass ihre Eltern „schon richtig Druck“ (Z.5) machen, doch diese Aussage wird von der Schülerin selbst damit beschönigt das ihr Leben trotzdem Spaß mache. Dass Lorena „kein Blatt vor den Mund nimmt“ (Z. 6f) lobt die Autorin, da in der Heutigen Gesellschaft Eltern eine solche Aussage unangenehm wäre. Eine Rhetorische Frage spricht hier den Leser an und lässt ihn darüber nachdenken ob man öffentlich zugeben würde, dass die Kinder ordentlich unter Leistungsdruck stehen (Vgl. Z. 8ff). Mit diesem Beispiel möchte die Autorin zeigen, dass Leistungsdruck, welcher „die Vertreter des pädagogischen Mainstreams in Deutschland erschaudern“ (Z. 11) lässt und auch in der Gesellschaft verpönt ist, für Jugendliche kein Problem darstellt.

Wenn man diese nach ihrem Lebensgefühl befragt bekäme man ihre „geballte Energie zu spüren“ (Z. 21). Durch das Einsetzen einer Hyperbel spitzt die Autorin die Motivation der Jugendlichen zu um den Leser mehr davon zu überzeugen, dass es wirklich stimmt wie Jugendliche aus ihrer Sicht zu Leistung und Druck stehen. „Leistungsdruck und Lebensfreude“ (Z. 22) würden sogar gut zusammenpassen. Diese Alliteration verstärkt sprachlich die angebliche Zusammengehörigkeit des Begriffspaares und überdeckt die wenig gestützte Argumentation der Autorin. Es würde laut Inge Kloepfer schon im jungen Alter erkannt werden, dass Erfolg und Spaß am Leben zusammengehören. Die „angeblich so überforderten Kinder“ (Z. 24f) seien vermutlich mehrheitlich weit weg von Überforderung.

Im dritten Abschnitt stützt die Autorin ihre Argumentation auf eine Umfrage bei der 120 Gymnasiasten „zwischen 12 und 18 Jahren irgendwo in Deutschland“ (Z. 34f) 30 Fragen zu Lebensgefühl, ihrem Verhältnis zu Leistung, Belohnung und Bestrafung und viele weitere Fragen beantworten mussten. Durch die Aufzählung der vielen Bereiche in denen die Befragten Fragen beantworteten wird von der geringen Anzahl an Teilnehmern der Studie abgelenkt, die kaum repräsentativ für alle deutschen Schüler sein kann. Dabei gaben vier Fünftel der Befragten an unter einem „erheblichen Erwartungsdruck ihrer Eltern zu stehen“ (Z. 44f). Es würden mittlerweile neben der Kritik an Eltern die ihre Kinder vernachlässigen auch jene kritisiert die ihre Kinder vermeintlich überfordern. Doch entgegen dieser Kritik geben unter Leistungsdruck stehende Jugendliche an „ihr Leben besonders zu genießen“ (Z. 57), und eigenen Kindern „würden sie später noch viel mehr abverlangen“ (Z.58). Mit dem einbauen dieser Studie zeigt die Autorin, dass das Bedürfnis und der Wunsch von Jugendlichen vorhanden ist eine immer bessere Förderung und Herausforderung ihrer Eltern zu erhalten.

Im vierten Abschnitt wird auf das Beispiel der chinesischen Tigermutter Amy Chua hingewiesen, die ihre Kinder unter militärischem Drill und „unter Androhung drakonischer Strafen“ erzieht (Z. 64) Diese schwer kritisierte Übermutter stellt sie als Kontrast zu den Jugendlichen in Deutschland dar, die laut Inge Kloepfer „einen Gutteil davon“ (Z. 66) einfordern. Im folgenden Abschnitt wird anhand von Zitaten zweier Jugendlichen begründet, dass sie trotz hoher Erwartungen ihrer Eltern viel Spaß am Leben hätten.
Jugendliche bräuchten den persönlichen Erfolg „nicht für die Turbokarriere nach Abitur und Studium“ (Z. 87) sondern weil sie mittlerweile verstanden hätten, dass es Erfolg und Anerkennung braucht um glücklich zu sein. Zu Beginn seien Jugendliche wie beispielsweise Marlene, die sehr gut Klavier spielt nicht glücklich über den Ansporn ihrer Eltern gewesen, doch ist sie im Nachhinein froh gedrillt geworden zu sein da sie sonst niemals so gut geworden wäre. Mit der rhetorischen Frage „Wer strengt sich ausschließlich freiwillig an?“ (Z. 90f) hinterfragt die Autorin bestehende Wertvorstellungen der Leser, die der Meinung seien könnten, der Ansporn sollte aus dem Kind selber kommen. Im letzten Abschnitt rechnet Inge Kloepfer mit allen ab, die diese aus ihrer Sicht falschen Vorstellungen teilen. „Drill, Selbstdisziplin, Erwartungsdruck (das alles) sind längst Unworte im Jammer-Deutschland“ (Z.104f). Mit einem Neologismus („Jammer-Deutschland“) und Klimax spitzt sie zu wie Erwachsene ein falsches Bild haben von den Wünschen der Jugendlichen und immer gegen alles sind. Ängste der Eltern würden auf die Heranwachsenden projiziert werden, womit „die jungen Menschen von heute wenig anfangen“ (Z. 117) könnten, da diese in der Gegenwart statt der Zukunft leben würden. Als Schlussfolgerung sagt die Autorin „Es lohnt sich, sie zu fragen“ (Z. 129) womit sie aussagt das zu wenig mit den Jugendlichen geredet wird und viele Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Die Thesen der Autorin werden auf einige wenige Beispiele angewendet und durch kaum repräsentative Studien gestützt. Die fehlende Tiefe wird durch eine beschönigende Ausschmückung versucht auszugleichen.

Auf die These „Jugendliche in Deutschland seien nicht überfordert“ wird innerhalb des gesamten Textes eingegangen und neue Aspekte hinzugefügt. So begründet die Autorin, dass für Jugendliche Erfolg und Lebensfreude einander bedingen und zusammengehören.

Mit Zitaten einzelner Jugendlicher soll ein Pauschalurteil gefällt werden. Sie folgert aus der Aussage eines Mädchens das gut mit Leistungsdruck zurechtkommt und zufrieden mit seinem Leben ist, dass aus der Sicht von Jugendlichen das Leben „auch mal stressig“ (Z. 31) sein darf. Eine Umfrage bei der 120 Gymnasiasten befragt wurden soll dafürsprechen wie alle Jugendliche zu bestimmten Themen stehen. Zum einen ist eine Umfrage von 120 Menschen kaum repräsentativ für Millionen von Jugendlichen, darüber hinaus besucht nur ein Bruchteil aller Schüler das Gymnasium. Schüler aus anderen Schularten könnten ganz andere Einstellungen zu Leistungsdruck haben, die weder im vorliegenden Text noch in der Studie berücksichtigt werden obwohl sich der Text auf alle Jugendlichen in Deutschland bezieht. Das gekonnte benutzen der Rhetorik soll vermutlich von der fehlenden Substanz und Aussagekraft von Argument und der Studie ablenken.

Teilweise sind die Aussagen des Textes auch in sich nicht stimmig. So sagt die Autorin erst aus, dass die Jugendlichen ihren Kindern „später sogar noch mehr abverlangen“ (Z. 59) würden als es von ihnen wurde. Im Folgenden wird jedoch in einem Zitat eines Schülers ausgesagt, dass er seine Kinder eines Tages versuchen würde „sie noch mehr zum Lernen zu motivieren“ (Z. 79f). Zwischen Motivation und
Abverlangen liegen aber immense Unterschiede. „Motivation“ spiegelt eine positive Beziehung und ein Druckfreies aber gefördertes herangehen an lernen wider, während „Abverlangen“ eher auf Druck und Stress zurückzuführen ist. Auch das Zitat von Milena „Das Motto Meiner Eltern ist schon immer: Wir gehen davon aus, dass ihr euer Bestes gebt“ wird von der Autorin geschickt aus dem Kontext gerissen. Für Inge Kloepfer steht es für Eltern die viel von ihren Kindern erwarten und darauf aus sind, dass diese immer hundert Prozent geben und perfekt handeln. Vermutlich möchte die Schülerin damit eher Aussagen, wie glücklich sie darüber ist, dass ihre Eltern stolz auf sie sind sobald sie sich anstrengt egal was für ein Ergebnis daraus resultiert. Doch egal wie ihre Aussage verstanden und ausgelegt wird sind die Zitate von einer Hand voll Jugendlicher kaum Aussagekräftig für alle Jugendliche in Deutschland.

Mit ihren Amateurhaften, kaum Aussagekräftigen Beispielen und der Studie versucht Inge Kloepfer sogar Expertenmeinungen zu entkräften. So versucht sie dafür zu sprechen was Kinder und Jugendliche eigentlich wollen, nämlich laut ihr „Leistungsdruck (und) Herausforderung“ um damit auszudrücken das Erziehungswissenschaftler und Pädagogen an den Wünschen und Bedürfnissen der Heranwachsenden vorbeiarbeiten. Doch diese sind Experten und haben sich Intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es ist kaum glaubhaft, wenn eine Autorin versucht sich mit einer schlecht repräsentativen Studie und einigen Zitaten gegen die Experten in diesem Themengebiet auflehnt. Außerdem gibt es noch Stimmen, die auch von Jugendlichen kommen, die überfordert sind nicht nur mit dem Leistungsdruck der von den eigenen Eltern kommt, sondern mit dem Druck der von Schule, den Freunden, der Familie und der Gesellschaft aufgebaut wird. Jugendliche die mit 15 Jahren an einem Burnout leiden, Depressionen haben, Essstörungen entwickeln da diese für sie wie etwas scheinen das sie selbst bestimmen und kontrollieren können und Jugendliche die sich selbst verletzen oder Selbstmordgedanken entwickeln. Durch die einseitige Argumentation des Textes wird den Menschen die unter dem System oder Leistungsdruck leiden keine Stimme gegeben und Leistungsdruck, Stress und Ansporn als das Idealbild verkauft.

Das Beispiel der Chinesin Amy Chua die aufgrund ihrer Erziehungsmethoden stark kritisiert wird, wirkt im vorliegenden Text als Extrembeispiel wodurch Leistungsdruck und Erziehungsmethoden die weniger drastisch sind als die der Tigermutter harmloser, ja fast schon normal wirken lassen. Anstrengung wird in dem Text als etwas Wichtiges, erstrebenswertes angesehen, doch obwohl alle aufgeführten Beispiele dies bestärken sagt Inge Kloepfer selbst, dass sich kaum jemand freiwillig anstrengen will. Wenn Erfolg und Anerkennung für Jugendliche so wichtig wäre wie es in dem Text versucht wird zu vermitteln, warum strengt sich dann nahezu keiner freiwillig an? Inge Kloepfer sagt selbst, dass jeder erfolgreich sein möchte aber keiner freiwillig dafür arbeiten würde. Doch in jeder Schule merkt man, dass dies nicht nur der Fall ist. Es gibt Jugendliche die Träume haben wie Medizin zu studieren oder ein Rechtsanwalt zu werden. Diese arbeiten (meist) aus eigenem Interesse und Motivation um ihrem Traum Schritt für Schritt nähre zu kommen. Außerdem wird in der Psychologie zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden, also Motivation die von der Person selbst oder von Außenstehenden Personen kommt. Studien haben gezeigt, dass Menschen die intrinsisch motiviert sind ein Ziel zu erreichen intensiver, nachhaltiger und langfristiger dafür arbeiten. Das bestärkt die Annahme, dass Leistungsdruck der von außen zugeführt wird nicht das erreichen kann, was eine innere Überzeugung schafft und eher gegenteilig wirkt. Durch zu hohem Druck und Erwartungen die kaum erfüllt werden können, geben Schüler schneller auf und fühlen sich schlecht und wertlos.

Die Autorin gibt auch an, dass Kinder „zur Projektionsfläche von Ängsten und Sehnsüchte“ (Z. 119) ihrer Eltern geworden sind und ihre Kindheit mehr und mehr Idealisiert wird. Doch dies lässt sich auch mit einem Blick auf die Erziehungsmethoden widerlegen. Die Generation der Eltern von den Jugendlichen heutzutage wurde unter einem sehr strengen, konservativen Elternhaus groß. Diese haben dafür gesorgt, dass die Kinder lernen, eine Ausbildung machen und nicht vom richtigen Weg abkommen. Doch nach diesem Autoritären Erziehungsstil folgte die „Laisser-faire“ Pädagogik, die darauf aus ist das Kinder und Jugendliche ihre eigenen Erfahrungen machen. Das bedeutet, dass Eltern heutzutage eigentlich viel weniger Druck auf ihre Kinder ausüben als das früher der Fall war. Aufgrund der heutigen finanziellen Möglichkeiten wird heute jedoch mehr Geld für Förderung wie Nachhilfe oder Hobbies ausgegeben.

Alles in allem stimme ich den Aussagen im Text kaum zu. Die Autorin sagt aus, dass Jugendliche Leistungsdruck wollen und sogar von ihren Eltern einfordern. Sie verallgemeinert ihre Aussagen, die mit Zitaten von wenigen Jugendlichen gestützt werden, auf alle Jugendliche in Deutschland was meiner Meinung nach selbst mit einer hinreichenden Argumentation fraglich wäre. Auch stellt sie nur die beiden Extreme dar- Extremer Leistungsdruck und Vernachlässigung der Kinder. Zwischen diesen beiden Extremen „Erziehungsmethoden“ gibt es aber noch ein breites Spektrum an Erziehungsstrategien die nicht nur Schwarz oder Weiß sind. Es ist wichtig zu sehen das es Millionen von Jugendlichen in Deutschland gibt, die alle Unterschiedliche Lebensbedingungen, Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse haben und alle haben auch Unterschiedliche Einstellungen zu Schule und Leistung. Diese Wunderbare Pluralität sollte bestehen bleiben und auch in einem solchen Text erwähnt werden. Bestimmt gibt es Jugendliche die Leistungsdruck und den Ansporn ihrer Eltern brauchen und damit gut zurechtkommen. Genauso gibt es auch Kinder und Jugendliche die Psychische oder Familiäre Probleme haben und unter Leistungsdruck zerbrechen würden. Es ist wichtig das die Eltern die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder erkennen und diese so unterstützen das es allen dabei gut geht, denn Motivieren und Fördern ist nicht das gleiche wie unter Druck setzen.



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