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Seelenmodelle Platon und Freud - Referat



Platon:

Wie in vielen Werken Platons, wird ein Thema - auch über das Seelenmodell – in Dialogform entwickelt, dabei ist der die Entwicklung befördernde Dialogpartner Sokrates.

In einem ersten Schritt gliedert Platon die Seele in zwei Teile: den vernünftigen Teil und
den begehrenden Teil.
Der vernünftige Teile der Seele betrifft das Denken, die Erkenntnis oder auch Verstand.
Ein zweiter Teil der Seele umfasst das Begehren oder die Begierden und wird als der
unvernünftige oder begehrenden Teil der Seele genannt.
Im Gesprächsverlauf wird nun die Rolle des Willen erörtert: „Ob nun der Wille und die Fähigkeit zu wollen einen dritten Teil bildet ? Oder fällt diese Kraft mit einer der anderen
Kräfte zusammen ?“
Im Dialog entfaltet Platon den Willen als den dritten Teil der Seele, der als Verbündeter
der Vernunft auftritt, aber auch als eigenständiger Teil der Seele ist.
Betrachten wir die jeweiligen Aufgaben oder Funktionen im Seelenmodell: Der Vernunft
kommt die herrschende, steuernde Funktion zu, denn „ . . . sie ist der weise Teil und sorgt
durch ihr Nachdenken für die ganze Seele“.
Der Wille ist der Vernunft untergeordnet, Platon bringt dafür einen Vergleich: Herrscher und Gehilfe, Hirte und Hund. Damit Vernunft und Wille in Harmonie zusammenwirken gilt für Platon die Vereinigung von musischer und gymnastischer Bildung: „Die Vernunft wird gestärkt durch Dichtung und Wissenschaften, der Wille wird gemäßigt durch Musik und Rhythmus“.
Vernunft als leitender, Wille als ausführender („kämpfender“) Teil der Seele sollen über
den dritten Teil, die Begierden, herrschen., über „diesen ausgedehntesten und seiner Natur nach unersättlichen Teil eines jeden Menschen Seele“.

Im Zusammenhang des platonischen Seelenmodells führt der Dialog in das Zusammenwirken
der drei Teile der Seele in ethische Probleme wie Tugend, Tapferkeit und Gerechtigkeit ein.
Dabei gilt es, die natürlichen, gegenseitige Verhältnisse zwischen herrschenden und beherrschten Teilen herzustellen.


Freud:

Siegmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, macht zwei Grundannahmen für seines
Seelenmodells: ein körperliches Organ (Gehirn, Zentralnervensystem) als Ort oder „Schauplatz“ und Bewusstseinsakte.
„Wir nehmen an, dass das Seelenleben die Funktion eines Apparates ist“, hier wird deutlich,
dass der Mediziner Freud eine neurologische Grundlegung versucht.
„Zur Kenntnis des psychischen Apparats sind wir durch das Studium der individuellen Entwicklung des menschlichen Wesens gekommen“.

Wie Platon benennt Freud drei Teile (Instanzen) der Seele: Es, Ich und Über-Ich.
Die Entwicklung des Menschen durchläuft mehrere Phasen.
Das Es besteht aus allem, was bei der Geburt ererbt, konstitutionell festgelegt , aus der körperlichen Organisation der Triebe.
Unter dem Einfluss der umgebenden realen Außenwelt entwickelt sich ein Teil des Es zu einer besonderen psychischen Organisation: das Ich. Die Funktion des Ichs ist die Vermittlung zwischen Außenwelt und dem Es. Infolge der vorgebildeten Beziehung zwischen Sinneswahrnehmung (Einwirkung der Außenwelt) und der Muskelaktivität (Reaktion auf die Reizeinwirkung der Außenwelt), besitzt das Ich
die Verfügung über die
willkürlichen Bewegungen.
Anders als bei instinktgeleitetem Verhalten, steuert das Ich die bewussten Handlungen. Dabei kann das Ich, im Entwicklungsfortgang aus Erfahrung lernen, beispielsweise können Außenreizungen als Bedrohung aufgefasst werden. Die Reaktion, Flucht oder Angriff ist eine Leistung des Ichs - diese kann unter das Prinzip Selbstbehauptung gesehen werden.
Allgemein kann man sagen, aus Erfahrung lernt das Ich, entsprechend auf die Reizlage zu reagieren. Auf Reize der Außenwelt lernt der sich entwickelnde Mensch sich auf zweckmäßiger Weise auf diese Außenwelt einzuwirken.
Nach innen hat das Ich die Aufgabe, die Herrschaft über die Triebansprüche zu erlagen. Das
dabei wirkende Prinzip ist die Vermeidung von Unlust; durch Herabsetzung der Reizspannung die Herbeiführung der Lust zu erzielen.
Das Ich strebt nach Lust und versucht, Unlust zu vermeiden. Eine von innen oder
außen erwartete Unluststeigerung führt zu Angst, sie wird als drohende Gefahr erfahren.

Der Mensch durchläuft eine lange Kindheitsperiode. In dieser Entwicklungsphase bildet sich
im Ich eine besondere Instanz aus: das Über-Ich.
In dieser Instanz wirkt der elterliche Einfluss fort, es werden Wertvorstellungen, Normen und Vorlieben, Sitten und Gebräuche übernommen . Auf die Bildung des Über-Ichs wirken natürlich auch andere gesellschaftlichen Einrichtungen ein. Das Über-Ich ist die dritte Kraft (Seelenteil) , die das Ich in seinen Entscheidungen einbeziehen muss.
Eine Handlung des Ichs ist dann korrekt, wenn gleichzeitig die Anforderungen des Es sowie de Über-Ichs erfüllt werden, oder im Konflikt zwischen Es und Über-Ich, eine versöhnende Handlung erzielt wird.

Betrachtet man das Ich als den Kern einer Person, so bilden die grundlegend verschiedenen Instanzen Es und Über-Ich gleichermaßen die Vergangenheit des Menschen, während das Ich sich im Hier und Jetzt befindet.. Die Einflüsse der Vergangenheit zeigen sich im Es
als ererbte, im Über-Ich als von anderen übernommenen.
Die Debatte über angeborenen und sozial erworbenen Verhaltensweisen spiegelt sich auch in den Freudschen Seelenteilen Es und Über-Ich wider.

Dieses Referat wurde eingesandt vom User: stilbruch



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