Suchbegriff:

Schildkröte - Referat



SCHILDKÖTE


Die Ordnung der Schildkröten (Testudinata, Testudines, ehemals auch Chelonia) existiert seit über 250 Millionen Jahren. Es gibt über 250 Schildkrötenarten auf der Welt, davon sieben Meeresschildkröten, 180 im Süßwasser lebende Arten und der Rest landlebend. Schildkröten werden zu den Reptilien (Reptilia) gezählt und waren bereits auf der Erde zu finden, bevor sich die großen Dinosaurier entfalteten. Die Anpassungsfähigkeit der Schildkröten, deren nächstverwandte Tiergruppen die Krokodile und die Vögel sind, hat deren Fortbestehen bis in die heutige Zeit sichern können.

Aufbau des Schildkrötenpanzers
Alle Schildkröten zeichnen sich durch einen im Tierreich einzigartigen Rücken- (Carapax) und Brustpanzer (Plastron) aus, die durch eine Knochenbrücke miteinander verbunden sind. Der Panzer besteht in der untersten Schicht aus massiven Knochen (Haut- oder Dermalknochen), die sich entwicklungsgeschichtlich aus der Wirbelsäule, den Rippen und dem Becken gebildet haben. Über den Knochen befindet sich eine Hautschicht. Bei den Weichschildkröten ist diese Haut lederartig, wogegen die übrigen Arten auf der Haut die typischen Panzerschilde (Scuta, Sg. Scutum) aus Keratin bilden. Diese Schilde lassen sich in Gruppen einteilen, wobei artbedingte Abweichungen durchaus anzutreffen sind. Individuelle Schildanomalien kommen bei einzelnen Exemplaren sowohl in der Natur als auch bei Nachzuchten in Gefangenschaft vor und scheinen mit den Inkubationsbedingungen im Zusammenhang zu stehen
• Auf dem Carapax von innen nach außen
o 5 Vertebralschilde (Wirbelsäulenschilde)
o 8 Pleuralschilde (Seitenschilde), manchmal auch als Costalschilde bezeichnet
o 24 Marginalschilde (Randschilde), wobei manchmal die hinteren beiden Schilde zu einem Supracaudalschild (Schwanzschild) verbunden sind
o 1 Cervicalschild (Nackenschild), manchmal auch als Nuchalschild bezeichnet
• Auf dem Plastron von vorne nach hinten
o 2 Gularschilde (Kehlschilde)
o 2 Humeralschilde (Schulterschilde)
o 2 Pectoralschilde (Brustschilde)
o 2 Abdominalschilde (Bauchschilde)
o 2 Femoralschilde (Hüftschilde)
o 2 Analschilde
Das Aussehen des gesamten Panzers kann sich je nach Spezies sehr unterscheiden. So weist der Rückenpanzer bei vielen Arten einen oder drei Längskiele auf. Insbesondere bei den Höckerschildkröten ist dieser Kiel sehr prominent. Verschiedene Gattungen (beispielsweise die Dosen- und Scharnierschildkröten) können ihren Bauchpanzer mit Hilfe eines Scharniers hochklappen und somit den gesamten Panzer schließen. Eine ähnliche Funktion bietet ein Scharnier im Carapax der Gelenkschildkröten.
Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der Panzer der Schildkröten als Anpassung an den Lebensraum Wasser entwickelt hat. Der starre Körper ermögliche danach ein schnelleres Vorankommen unter Wasser, insbesondere im Gegensatz zu den schlängelnden Bewegungen anderer Reptilien. Allerdings zeigen bereits die ältesten bekannten Schildkrötenfossilien einen hochentwickelten Panzer, so dass über die Ursprüge und Verlauf seiner Entwicklung nur spekuliert werden kann.
Nahrungsaufnahme
Moderne Schildkröten besitzen keine Zähne, sondern zu kräftigen Schneidewerkzeugen umgewandelte Kieferleisten. Allerdings findet man bei den ältesten fossilen Schildkröten noch Zähne, die sich im Laufe der Evolution umgebildet haben.
Wie alle Reptilien kauen Schildkröten ihre Nahrung nicht, sondern reißen mit dem Maul Stücke ab, wobei sie die vorderen Gliedmaßen zu Hilfe nehmen.
Fortbewegung
Schildkröten bewegen sich sowohl an Land als auch im Wasser mit für Reptilien typischen schlängelnden Bewegungen fort, wobei der Panzer als Stütze dient, was den Energiebedarf bei der Bewegung im Wasser senkt. An Land wirken diese Bewegungen zuweilen unbeholfen.
Für Reptilien einmalig haben Meeresschildkröten eine andere Methode der Fortbewegung entwickelt. Sie schlagen die vorderen Gliedmaßen, die sich zu Flossen geformt haben, auf und ab. Auf diese Weise erreichen sie recht hohe Geschwindigkeiten unter Wasser bei optimiertem Energiebedarf, was ihnen das Zurücklegen auch längerer Strecken ermöglicht.
Auch die Gliedmaßen von Landschildkröten und Wasserschildkröten (Süßwasser) sind an den jeweiligen Lebensraum angepasst. So lässt sich in den meisten Fällen die Bindung an das Wasser an dem Vorhandensein und der Ausprägung von Schwimmhäuten feststellen.
Sinnesleistungen
Schildkröten sehen sehr gut. Bei Dunkelheit scheint ihre Sehfähigkeit der menschlichen überlegen zu sein. Sie können auch Farben besser differenzieren als Menschen, da ihre Augen wie alle Reptilien vier Rezeptoren aufweisen. Grautöne hingegen scheinen sie laut OBST weniger differenziert wahrzunehmen. Wasserschildkröten haben sich ihrem Lebensraum perfekt angepasst. Ihre Augenlinse ist so gestaltet, dass sie den Brechungswinkel von Wasser ausgleicht. Dadurch können die Tiere Feinde und Nahrung auch im Wasser klar erkennen. Schildkröten können durch Veränderung ihrer Augenstellung sowohl räumlich als auch im Panorama sehen. Die Geschwindigkeit von visuell wahrgenommenen Bewegungen hat Einfluss auf die Fluchtreaktion. Wenn man sich einer Schildkröte also langsam nähert, kommt man weiter an sie heran als bei schnellen Bewegungen.
Der Geruchssinn ist bei Schildkröten besonders stark ausgeprägt. Wenn man eine Schildkröte mit dem Hals pumpen sieht, bedeutet das nicht, dass sie außer Atem ist, sondern vielmehr dass sie gerade riecht. Die Rezeptoren befinden sich im Rachenraum. Durch den Geruch erkennen sie essbare Nahrung oder geeignete Erde, in der sie ihre Eier vergraben können. Außerdem erkennen sie sich gegenseitig am Geruch auch unter Wasser (bei aquatilen Arten), was der Partnersuche dient. Deshalb sollte man es bei der Haustierpflege vermeiden, unterschiedliche Arten in einem Aquarium zusammen zu halten.
Schildkröten haben kein Außenohr. Sie hören Töne bei weitem nicht in dem gleichen Umfang wie Menschen. Allerdings nehmen sie tiefe Vibrationen in ihrer Umgebung wahr. Eine Studie aus Italien belegt allerdings, dass weibliche Schildkröten der Gattung Testudo ([[Griechische Landschildkröte| auf akustische Signale der Männchen beim Paarungsspiel reagieren, wobei sie schnell aufeinander folgende Geräusche zu bevorzugen scheinen.
Lautäußerungen
Außer bei der Paarung von Landschildkröten bleiben Schildkröten allgemein stumm. Eine Ausnahme stellt jedoch eine Schreckreaktion dar: Durch das Zurückziehen des Kopfes stoßen die Tiere einen Zischlaut aus, ein Fauchen.
Intelligenz
Schildkröten können sich in ihren kognitiven Fähigkeiten mit allen anderen Reptilien messen. So merken sie sich Futterquellen und
Fluchtwege. Ihr Orientierungssinn ist ebenfalls ausgeprägt und scheint sich mit zunehmendem Lebensalter noch zu verstärken. Säugetiere sind ihnen jedoch darin überlegen.
Geschlechtsunterschiede
Im direkten Vergleich zwischen Männchen und Weibchen wird man immer feststellen, dass sich die Kloake(scheide/penis) des Weibchens näher am Panzerrand befindet. Auch ist der Schwanzansatz bei Männchen oft stämmiger. Darüber hinaus gibt es bei einzelnen Arten weitere sekundäre Geschlechtsmerkmale, wie zum Beispiel verlängerte Vorderkrallen des Männchens bei den Schmuckschildkröten oder eine unterschiedliche Färbung der Iris bei der Europäischen Sumpfschildkröte und einigen Dosenschildkröten.
Lebenserwartung
Schildkröten können ein sehr langes Leben haben. Die Riesenschildkröten auf den Galápagos-Inseln werden mehr als 200 Jahre alt. Einige amerikanische Dosenschildkröten sollen weit über 100 Jahre alt geworden sein und gelten somit nicht ohne Grund als die Methusalems des Tierreichs. Meeresschildkröten leben wahrscheinlich 75 Jahre oder mehr. Bei guter Pflege werden auch als Haustier gehaltene Schmuckschildkröten 40 Jahre und älter.
Einige Exemplare haben sogar ein verbrieftes Alter von 180 Jahren erreicht. Zu den ältesten Individuen gehörte auch die Landschildkröten|Landschildkröte Timothy. Das Maskottchen der britischen Marine wurde 160 Jahre alt. Das Geburtsjahr der im Australia Zoo lebenden Galápagos-Riesenschildkröte Harriet_(Schildkröte)| wird auf 1830 geschätzt.
Lebensweise
Der typische Tagesablauf einer Schildkröte besteht aus der Nahrungssuche sowie bei fast allen Arten dem Sonnenbaden. Letzteres dient der Regulierung der Körpertemperatur sowie wahrscheinlich der Aufnahme von UVB-Strahlung.
In der gemäßigten Klimazone sowie zu den Wüsten hin prägen die Jahreszeiten den Lebensrhythmus der Schildkröten. Zum Winter vergraben sich die Schildkröten oder suchen sich artbedingt ein Versteck unter Wasser, wo sie die nächsten Monate zum Teil in Starre verharren. Einige Arten ziehen sich auch während der großen Hitze des Sommers zurück.
Ernährung
Schildkröten können sowohl Pflanzenfresser als auch carnivor sein. Ihnen ist jedoch allen gemein, dass sie calciumreiche Nahrung für den Panzeraufbau benötigen. Um das Calcium zu resorbieren, wird Vitamin D3 benötigt. Bisher fehlen detaillierte Erkenntnisse, wie Schildkröten ihren Vitamin D3-Bedarf decken. Bei vielen carnivoren Arten wird ein Großteil sicherlich über die Nahrung aufgenommen. Auch Ultraviolettstrahlung scheint eine Rolle beim Aufbau von Vitamin D3 zu spielen, was jedoch von einigen Experten als nicht gesichert betrachtet wird, da die Haut der Schildkröten angeblich diese Strahlung gar nicht penetrieren lässt.
Unabhängig von der Art ist die Nahrung meistens sehr abwechslungsreich, da Schildkröten bei der Suche nach Fressbarem nicht wählerisch sind. Ihr Nahrungsspektrum reicht je nach Art von frischen Wiesenkräutern und Regenwürmern bis hin zu Aas oder Ausscheidungsprodukten.
Fortpflanzung
Während in einigen Fällen Männchen und Weibchen über einen Großteil des Jahres getrennte Ökologische Nischen bevorzugen, suchen sie sich zur Paarungszeit auf. Diese Paarungszeit liegt bei Arten aus der gemäßigten Klimazone oft im Herbst und im Frühjahr. Tropische und subtropische Arten richten sich nach der Luftfeuchtigkeit, was eine Nachzucht in Gefangenschaft außerhalb dieser Klimazonen erschwert.
Nach einer Befruchtung bleibt das Weibchen über mehrere Jahre fruchtbar, was sicherlich auch den großen Erfolg der Schildkröten bei der Besiedlung neuer Lebensräume (beispielsweise den Galápagos-Inseln) erklärt.
Die Oviposition (Eiablage) erfolgt einige Wochen nach der Befruchtung, oder, im gemäßigten Klima, im Frühjahr. Diese Eier unterscheiden sich in Form und Beschaffenheit zwischen den Arten sehr. Auch die Anzahl variiert von einem bis drei Eiern beispielsweise bei der Amboina Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis) bis zu über 100 beispielsweise bei Meeresschildkröten. Die Eiablage erfolgt grundsätzlich an Land. Nachdem das trächtige Weibchen eine geeignete Stelle gefunden hat, wird das Gelege in eine ausgescharrte Grube gelegt und mit Erde oder Pflanzenmaterial bedeckt.
Die Inkubationstemperatur entscheidet bei fast allen Arten über das Geschlecht des Jungtiers. Dieser Umstand hat sich auch als Vorteil bei Zuchtprojekten zum Schutz des Artenbestandes erwiesen. Nach dem Schlupf bleiben die kleinen Schildkröten oft bis zur vollständigen Resorption des Dottersacks im Gelege, bevor sie sich zur Oberfläche graben. An der nördlichen Grenze ihres Verbreitungsgebiets bleiben Schildkrötenschlüpflinge, die im Spätsommer vom frühen Kälteeinbruch überrascht wurden, bis zum Frühjahr in der Nestgrube.
Das Muttertier leistet keine Aufzucht- oder Schutzhilfe. Bis zur Geschlechtsreife des Jungtiers vergehen mehrere Jahre. Die Geschlechtsreife selbst ist hierbei nicht vom Alter sondern vielmehr von der erreichten Körpergröße des Tieres abhängig.



Fressfeinde
Fressfeinde varriieren sehr nach Art und Alter der Schildkröte. Während Gelege und Schlüpflinge selbst Krabben und Vögeln hilflos gegenüber stehen, bedarf es schon eines Alligators, um eine erwachsenene Schmuckschildkröte zu bedrohen.
Zu den Fressfeinden zählt allerdings auch der Mensch. In einigen Teilen der Welt wurden und werden Meeresschildkröten, aber auch Wasser- und Landschildkröten verzehrt sowie deren Nester geplündert. Da es sich hierbei zu einem Großteil um Wildfänge handelt und sich die Population (Biologie) aufgrund der späten Geschlechtsreife nur langsam erholt, stehen einige Arten vor der Ausrottung.

Dieses Referat wurde eingesandt vom User: tatjana




Kommentare zum Referat Schildkröte: