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Romaninterpretation "Ruhm" (Kehlmann) - Referat



Vor dem vorliegenden Zitat Leo Richters (S.200, Z.26f) und währenddessen unternehmen Leo Richter und seine Freundin Elisabeth eine Afrikareise. Im Verlauf nimmt Elisabeth immer mehr ungewohnt mutiges Verhalten Leo Richters wahr, außerdem trifft sie auf Lara Gaspard, die eine Figur ihres Freundes ist. Deshalb beginnt sie, an der Echtheit ihrer Situation zu zweifeln, und fragt sich, ob sie sich in einer Geschichte Richters befindet. Schließlich fragt sie Richter danach.

Durch das vorliegende Zitat antwortet dieser auf ihre Frage. Er stellt eine feste Bedeutung des Wortes "wirklich" in Frage, dieses habe durch eine "Überladung" an Inhalt verloren. Indirekt bestätigt er damit - ausweichend - ihre Zweifel.

Das Thema Wirklichkeit hat eine zentrale Bedeutung für den Roman.

Einerseits kann es im individuellen Kontext der Figur Elisabeths betrachtet werden: Durch das vorliegende Zitat sieht man, wie sich ihre Sorge, in einer von Richters Geschichten verwendet zu werden, die sich in "In Gefahr (1)" offenbart (S.30), schließlich bewahrheitet.

Andererseits kann das Thema auch im Gesamtkontext des Romans betrachtet werden, da es eine Art Leitmotiv darstellt. So existieren durch die zwei Erzählebenen des Romans praktisch zwei Wirklichkeitsbenen. Zu diesen haben die Charaktere unterschiedliche Verhältnisse. Während Elisabeth ihrer Verwendung in einer Geschichte sehr ablehnend gegenüber steht (S.201), versucht Mollwitz in "Ein Beitrag zur Debatte" verzweifelt, in eine Geschichte Richters hineinzukommen (S.155).

Dieser Versuch zeigt eine weitere Leitfrage des Romans: Wie lässt sich die Wirklichkeit manipulieren? So versucht Mollwitz durch das Eindringen in Richters Hotelzimmer (S.155), die Trennung der Wirklichkeiten zu durchbrechen. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das Verhalten Rosalies in "Rosalie geht sterben". Sie tritt als Figur der zweiten Erzählebene mit "ihrem" Autor, Leo Richter aus der ersten Erzählebene, in Kontakt und bittet ihn, "ihre" Wirklichkeit zu ändern, sodass sie nicht an ihrer Krankheit sterben muss (S.72). Dieser erfüllt ihren Wunsch (S.75). Schließlich ist auch die vorliegende Textstelle ein Beispiel für die Manipulation von Wirklichkeit: Leo Richter verfasst "In Gefahr (2)" in der Form von "In Gefahr (1)", beschreibt jedoch sein Verhalten radikal anders, als es in der ersten Erzählebene "real" ist. So ist er hier deutlich mutiger (S.192) als in "In Gefahr (1)" (S.28). Dadurch macht er sich - zur Überraschung Elisabeths - charakterlich besser, als er eigentlich ist.




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