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Napola - Referat



Die Zeit des Nationalsozialismus. Eine Zeit voller Hass, Krieg, Manipulation, Gewalt, Antisemitismus und Kälte. Nicht einmal vor den Kindern wurde Halt gemacht. Sie kamen in Jugendorganisationen, wie die HJ oder dem BDM und viele waren begeistert, bei dem Gedanken eine Napola besuchen zu können.

Genau davon handelt auch der Film "Napola". Ein junger Mann, der aus einer einfachen Familie kommt, wagt den Weg in eine Napola in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Zuallererst habe ich mich mit dem Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft der Napola-Schüler auseinandergesetzt.

Als Schüler suchen sich die Nationalsozialisten Jungen um die zehn Jahre aus, die gute Noten schreiben, sportlich sind und charakterlich dem NS-Ideal entsprechen. Friedrich entspricht diesem Ideal. Er ist sportlich, ein guter und leidenschaftlicher Boxer und brennt dafür ein Teil der Schule, ein Teil der Gruppe zu sein. Aus großen Massen werden also nur die starken Individuen ausgewählt, die sobald sie die Schwelle bei Schultür übertreten, zu einer Gemeinschaft werden. Sogenannte Druckmäuler oder Streber sind nicht erwünscht. Selbstbewusste Burschen, reine Arier will man haben.

Eigene Interessen werden untergeordnet. Es geht nicht um Spitzenleistungen und das Motto: „Ihr seid besser!" stand nie im Wiederspruch zu „Du bist nichts, dein Volk ist alles!" Friedrich fühlt sich besonders dabei, ein Teil von etwas großem zu sein.

Erniedrigungen und Strafen gehören zur Tagesordnung, genauso wie gefühlsprägende Gemeinschaftserlebnisse und inszenierter Triumph.

Demütigung findet man beispielsweise bei einem Jungen, der genötigt wurde auf seine Matratze zu urinieren, vor allen anderen. Solange er dies nicht tut werden die anderen mit Liegestützen bestraft. Das zeigt sehr gut, dass egal wer etwas getan hat, die Gruppe bestraft wird, da sie eins sind. Mitleid durfte man nicht haben, da man um den Einzelnen trauern würde und die Gemeinschaft aus den Augen verlieren würde. Das muss Friedrich auch lernen, als er einen Klassenkameraden im Regen stehen sieht. Der dort stehen muss mit seiner Matratze über den Kopf hoch haltend. Verschwende keine Träne an den Einzelnen, schenke deine ganze Kraft der Gruppe, sind Tugenden, welche Friedrich eingetrichtert werden. Die Napola versucht die Jungen so sehr an ihre körperlichen Grenzen zu bringen, dass sie sich irgendwann fragen, ob sie die Befehle noch ausführen, weil sie körperlich noch in der Lage dazu sind oder weil sie es unbedingt wollen. Sind sie körperlich am Ende, führen aber doch noch die Befehle aus, dann sind sie am „Totpunkt“ und dann entsteht der „Neue Mensch“, welcher die künftige Elite bildet.

Erlebnisse, an denen die Gemeinschaft wächst. Zum Beispiel als Friedrich mit dem Segelflugzeug abheben will. Er brauchte den Schwung aller anderen Schüler und vielleicht auch die Zurufe, die ihn stärken. Klar ist auf jeden Fall, allein hätte er es wahrscheinlich nicht geschafft und mehr und mehr zeigt sich, wie wichtig die Gruppe ist.

Aber welche ideologischen Werte werden an der Napola eigentlich vermittelt und in wie weit werden die Jugendlichen davon vereinnahmt?

Die Werte werden durch einen sehr strengen autoritären Erziehungsstil vermittelt beziehungsweise antrainiert. Dabei dominieren Demütigungen, Isolierungen von der Gruppe und Erzeugen von Schuldgefühlen. Man sollt Schuldgefühle haben, wenn man an den Einzelnen denkt und nicht an die Gruppe

Antisemitismus und die Besonderheit der arischen Rasse, soll natürlich besonders gefördert werden. Das sieht man zum Beispiel im Unterricht sehr gut, in dem Aufgaben gestellt werden, die den Hass auf andere Menschen verstärken sollen. Es wurde ein falscher Menschenwert vermittelt, also dass die Arier über allen stehen. Eine perfekte deutsche Volksgemeinschaft soll erschaffen werden und da das Individuum sowieso nicht zählt, kommt man dem Ziel eines physisch und geistig gesunden Volkskörper immer näher. Da nur sportliche und kluge Jungen an der Napola angenommen werden, fördert man auch die NS-Euthanasie, die Bekämpfung psychisch Kranker und Behinderter. Die Jugendlichen werden überzeugt von einem falsch verstandenem Individualismus: „Jede Gemeinschaft kann auf Dauer nur so intelligent, leistungsfähig und erfolgreich sein, wie die Menschen aus denen sie besteht.“

Der Unterricht ist hauptsächlich darauf ausgelegt rassische Ideologie zu verbreiten und die Schüler auf den neuen Krieg vorzubereiten. Dabei wird beispielsweise durch gemeinsamen Sport das Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert. Das Hauptaugenmerk lag auf der heran Züchtung kerngesunder Körper und auf der Charaktererziehung. An dritter Stelle stand erst Wissen.

Friedrich lernt an der Napola mit Waffen umzugehen, an seine Grenzen und darüber hinaus zu gehen, als er sich zum Beispiel beim Frühsport überwindet musste im Eiswasser zu tauchen. Außerdem wird versucht sein Hass gegenüber andere zu schüren, mit Aufgaben, die formuliert waren wie „Wie lange braucht ein Bomber von der französischen Grenze zu deiner Heimatstadt, und wie groß ist der Bereich, den er voll bestückt in deinem Stadtzentrum zerstören kann?“ So wird ein Teil der Wehrerziehung auch in naturwissenschaftlichen Fächern vermittelt. Auch Literatur wird verunstaltet und im falschen
Kontext angewendet. Für Hitler hat der Boxsport einen besonderen Stellenwert, denn er fördert den Angriffsgeist, die Entschlusskraft und stählt den Körper. Außerdem lernen die Jungen dadurch schon früh Schläge ertragen zu können. Friedrich, der ein sehr guter junger Boxer war, wurde auf Perfektion in seinem Sport gedrillt und dahin gebracht, dass er ohne Mitleid zuschlägt, trotz anfänglicher Zweifel.
Die Lehrer, vor allem der Sportlehrer wurde öfter mal laut, schreit die Schüler eigentlich die ganze Zeit an. Das erzeugt bei ihnen Respekt und Angst. Auch das gnadenlose durchgreifen der Lehrer, macht die Schüler ehrfürchtig. Der Sportlehrer ist der Hauptlehrer des Films, eine Verkörperung des Bösen und soll gleichzeitig zeigen, wie wichtig der Sport und das trainieren des Körpers ist.

Was motiviert die Jugendliche an eine Napola zu gehen? Dass sie dort mit Samthandschuhen angefasst werden kann es ja nicht sein, aber die Jungen lernen ihre Grenzen auszutesten. Sie gehen davon aus und auch Friedrich geht davon aus, später einmal ein besseres Leben zu haben. Und wirklich erreichten viele Napola-Absolventen eine Position in der Elite. Natürlich sind die Jungen auch begeistert, von der Stärke der Gemeinschaft. Ihre Taten die offensichtlich nicht gut oder richtig sind werden als Heldentaten verzeichnet. Wie der Selbstmord vom Bettnässer Siegfried Gladen, welcher nicht als Selbstmord, sondern als Heldentod dargestellt wird. Er warf sich verzweifelt auf eine fallende, entsicherte Handgranate, um somit dem Druck zu entfliehen und seine Kameraden gleichzeitig zu schützen.

Leider funktioniert die Manipulation bei einigen sehr gut. Das sieht man daran, als die Jugendlichen zu einem Einsatz mit durften und gnadenlos auf Russen schossen. Erst nach ihrer Tat merken sie, was sie da tun. In der Theorie sagt sich das alles so leicht, aber der Schock bei den Jungen sitzt tief, als sie es am eigenen Leib erfahren haben. Sie wurden dennoch soweit getrieben zu schießen.

Viele wollen natürlich auch ihre Eltern nicht enttäuschen. Albrecht zum Beispiel. Er kann sich mit der vorgeschriebenen Ideologie nicht identifizieren, aber er bleibt, weil er seinen Vater stolz machen will. Aber irgendwann kann er einfach nicht mehr und lässt sich beim Eistauchen auf den Grund des Sees sinken. Sein Selbstmord war feige. Das wird jedenfalls so gesagt. Ich seh nicht so, er hat sich nicht gefügt, er hat seine Seele nicht verloren. Friedrich ist auf dem besten Weg dahin.

Und man will doch einfach nur dazugehören. Ein Teil von etwas besonderem, von etwas bedeutsamen sein.

Warum gibt keiner Kritik von sich? Warum sagt niemand, dass da was mächtig falsch läuft? Angst ist denke ein großer Faktor, Angst aus einer vertrauten Welt zu treten. Wo soll man auch hin? Die Frage stellt sich mir auch am Ende des Films, Wo geht Friedrich jetzt hin? Zu seinen Eltern, die er maßlos enttäuscht hat? Lebt er jetzt allein? Auf der Straße? Angst vor der Frage was passiert, wenn ich mich nicht füge.

Aber auch der Gedanke, dass ein Individuum niemals gegen die Gesamtheit ankommen kann, lässt die Jungen schweigen. Klar gibt es viele Schüler, die mit Gewissenskonflikten zu kämpfen haben aber diese verstummen im Selbstmord. Gewissensbisse haben Friedrich, Albrecht und die anderen, die Erfahrungen mit den töten haben. Die gesehen haben, wie Kinder im Schnee liegen und unter einem weißen Dampf ihren letzten Atem ausstoßen. Albrecht hat es ja versucht, er wollte ja aber er will nicht gehört werden. Kritik ist unangebracht, unerwünscht und bringt nur Ärger.

Und eigentlich geht es ihnen doch, haben Freunde, jeden Tag warmes Essen, Chancen auf eine gute Zukunft. Sollte man das wegwerfen, nur weil man nicht einverstanden ist. Vielen blieb keine bessere Alternative.

Die Napola Hölle und Himmel für Friedrich zugleich. Doch was hat es aus ihm gemacht? Einen Menschen? Zum Glück erkennt Friedrich noch rechtzeitig für wen er kämpft und geht!




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