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„Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff - Referat



1 Es war, als hätt der Himmel
2 Die Erde still geküßt,
3 Daß sie im Blütenschimmer
4 Von ihm nun träumen müßt.

5 Die Luft ging durch die Felder,
6 Die Ähren wogten sacht,
7 Es rauschten leis die Wälder,
8 So sternklar war die Nacht.

9 Und meine Seele spannte
10 Weit ihre Flügel aus,
11 Flog durch die stillen Lande,
12 Als flöge sie nach Haus.

Der Dichter

Joseph von Eichendorff, vollständiger Name: Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor als Sohn einer katholischen Landadelsfamilie geboren und starb am 26. November 1857 in Neiße. Er zählt neben Brentano zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Spätromantik, wobei die Themen seiner Lyrik hauptsächlich Natur, Sehnsucht und Lebensfreude beschreiben. Viele seiner Gedichte wurden auch vertont, zum Beispiel von Schumann, Brahms oder Mendelson Bartholdy und damit oft zu Volksliedern. Die „Mondnacht“ wurde 1837 in Eichendorffs erster Gedichtsammlung veröffentlicht. Thomas Mann bezeichnete die „Mondnacht“ als die „Perle der Perlen“ und Wolfgang Frühwald, ein Literaturwissenschaftler, der eine Interpretation dazu geschrieben hat, nannte das Gedicht die „orphische Melodie der Nacht“.

Das Gedicht

Inhaltsangabe

Die erste Strophe beschreibt die Stimmung einer Mondnacht, in der Himmel und Erde optisch miteinander verschmelzen. Himmel und Erde werden dabei zur Personifikation von Liebenden, die sich küssen, dargestellt. Die Erde träumt im Schein ihres Geliebten, des Mondes und entwickelt eine schwärmerische Verklärung, die mittels eines Naturbildes, dem Blütenschimmer, dargestellt wird. Das lyrische Ich wird in einen traumhaften Zustand versetzt, in dem die tatsächliche Wahrnehmung, der Sehsinn, verschwimmt.

In der zweiten Strophe folgen weitere Berührungen zwischen Himmel und Erde, mit dem Wind, der über Felder und durch den Wald weht. Es wird die Beschaffenheit der Erde beschrieben, es herrscht Harmonie, der Himmel ist sternenklar. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde wird durch den personifizierten Wind verdeutlicht. Das sinnliche und taktile Empfinden tritt in den Vordergrund.

Die dritte Strophe zeigt den Wunschtraum des lyrischen Ichs nach der Vereinigung mit dem Übersinnlichen, ein Gefühl von Freiheit entsteht.

Die erste und die dritte Strophe spielen sich im metaphysischen Bereich ab, die zweite Strophe dagegen bleibt mit dem Irdischen verbunden.

Aufbau

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit jeweils 4 Versen, jede Strophe ergibt einen eigenen Sinnabschnitt. Wobei die erste Strophe die Atmosphäre der Nacht beschreibt, die zweite die sinnliche Wahrnehmung und die dritte und letzte Strophe bezieht sich schließlich auf die geistige und seelische Erfahrung. Es ist unterteilt in zwei Außenstrophen und eine Binnenstrophe.

Der Kreuzreim ist in allen Strophen vertreten.

Entsprechend dem Reimschema wechseln sich die männlichen, stumpfen und weiblichen, klingenden Kadenzen (letzte Silbe des Verses) miteinander ab.

Das Metrum (Versmaß) ist ein dreihebiger Jambus, dadurch wird eine gleichmäßige und flüssige Wirkung erzeugt. Im Jambus folgt auf eine unbetonte Silbe jeweils eine betonte Silbe.

Darüber hinaus bildet jede Strophe einen Satz.

Die beiden Außenstrophen weisen Enjambements (Verssprung) zwischen dem ersten und zweiten Vers auf. Zusätzlich hat die erste Strophe einen Zeilensprung zwischen dem dritten und vierten Vers. Als weitere Gemeinsamkeit gibt es Assonanzen (sprachlicher Gleichklang von zwei oder mehr Wörtern) in der ersten und dritten Strophe, Vers eins und drei. In Strophe eins, Vers 1 sowie in Strophe drei Vers vier wird der Konjunktiv eingesetzt („als hätt“ und „als flöge“).

Die Außenstrophen sind spiegelsymmetrisch angeordnet und weisen aufeinander hin: erster Vers der ersten Strophe und der vierte Vers der dritten Strophe sind auf die gleiche Weise aufgebaut mit dem Konjunktiv Irrealis und der „als“-ob Figur, als Vergleichsfunktion. Nur der Zeilensprung in der ersten Strophe weicht von dieser Spiegelsymmetrie ab.

Die Binnenstrophe stellt das Bindeglied zu den beiden Außenstrophen dar, sie besteht aus 4 Versen mit jeweils einem Hauptsatz. Der Aufbau ist also parataktisch und ohne Zeilensprünge. Die Verse drei und vier beinhalten Inversionen. In dieser Strophe wird ausschließlich Indikativ genutzt. In den Versen eins bis drei wird eine Bewegung beschrieben, die in Vers vier zum Stillstand kommt.

Durch den dreihebigen Jambus wirkt der Rhythmus der Strophe harmonisch und gleichmäßig, wobei in Vers vier eine Rhythmusveränderung stattfindet, worauf die
Inversion schon hindeutet. Das Wort „so“, das erste Wort im vierten Vers mit dem langen dunklen Vokal „o“ und die folgenden kurz und abschließend gesprochenen Wörter „klar“ aus sternenklar und „Nacht“, bewirken eine Rhythmusverschiebung. Das passt auch zur inhaltlichen Bewegung in der Binnenstrophe: Vers 1 taktil, Vers 2 visuell und Vers 3 akustisch, Vers vier bildet dann die Schlussfolgerung, die Bewegung sammelt sich im Innern der Seele. Damit ist auch die Verknüpfung zum Seelenflug in Strophe 3 hergestellt.

Sprache

Eichendorff verwendet viele assoziative Begriffe aus den Wortfeldern Natur und Landwirtschaft: Himmel, Erde, Luft, Felder, Nacht, Flügel oder Land. Die Verben sind dynamisch: küssen, fliegen, wogen, rauschen, aber es finden sich auch statische Verben wie träumen, um die Passivität der Erde zu verdeutlichen. Neben abstrakten Ausdrücken gibt es auch konkrete Ausdrücke. Alle Verse sind sehr anschaulich und durch die Personifikation von Himmel, Erde, Luft, Ähren, Wälder, Seele wird das Gedicht insgesamt sehr lebendig. Das Gedicht ist im Präteritum verfasst.

Interpretation

In der ersten Strophe werden Himmel und Erde als ein küssendes Liebespaar dargestellt, in der vierten Strophe verkörpert die Seele offensichtlich einen Vogel, der die Flügel ausbreitet und davonfliegt. Mit beiden Bildern wird eine Begegnung der himmlischen Sphäre mit der irdischen zum Ausdruck gebracht. In der Forschungsliteratur findet man oft die These, es handle sich hierbei um eine Wunschbegegnung des lyrischen Ich. Wolfgang Frühwald nennt es „die wunderbare Verbindung alles einander Fernen und voneinander Getrennten“.

Unter dem Einfluss des sichtbaren Mondlichts glaubt das lyrische Ich in der ersten Strophe, Himmel und Erde würden sich einander annähern. Frühwalds Gedanke, in der zweiten Strophe, das lyrische Ich mit einem Betrachter gleich zu setzen, der mit seinem Blick der Bewegung des Nachtwindes über die Felder und Baumwipfel bis hinauf in den Himmel folgt, erscheint nachvollziehbar. Dann würde das lyrische Ich durch den Wind auch das Gefühl bekommen können, der Wind trägt seine Seele davon.

Wolfgang Frühwald meint auch, dass Eichendorff mit der Liebesbeziehung zwischen Himmel und Erde, den antiken Mythos von Uranos und Gaia verarbeitet. Gaia, die Göttin der Erde gebar ihren Sohn und Gemahl Uranos, den Himmel. Dieser sollte der Sitz der Götter werden, aber Uranos wandte sich gegen seine eigenen Kinder. Gaia stiftete daraufhin ihren Sohn Kronos dazu an, Uranos zu entmannen und damit waren Himmel und Erde getrennt. Eichendorff ersehnt sich mit seinem Gedicht „Mondnacht“ die Wiedervereinigung der Getrennten. Die Erde, die ihren Geliebten verstoßen hatte, kann nun vom Himmel nur träumen. Die eigene Sehnsucht des lyrischen Ich nach der Loslösung vom irdischen Dasein und der Vereinigung mit dem Himmel drückt sich in der Allegorie von Himmel und Erde aus.

Der Leser kann sich mit dem Titel „Mondnacht“ hineinversetzen in das Bild einer freundlichen Nacht mit einem großen Vollmond am Himmel, der Lichtreflexe auf die Erde zaubert. Auch das Wort „Blütenschimmer“ erzeugt beim Leser direkt die Vorstellung eines Blütenmeers im milchigen Schimmer des Mondlichts. „Die Traumatmosphäre umfängt das ganze Gedicht“ schreibt Frühwald dazu.

In der letzten Strophe meint Eichendorff mit der Heimkehr der Seele sicherlich den Tod des Menschen. Die zweite Strophe stellt damit das Bindeglied zwischen der ersten und dritten Strophe dar, da erst durch den Luftzug das Aufsteigen der Seele möglich wird.

Häufige Fragen:

  • Welcher Dichter verfasste „Mondnacht“?

  • Joseph von Eichendorff hat das Gedicht „Mondnacht“ geschrieben.

  • Wer war Joseph von Eichendorff?

  • Joseph Karl Freiherr von Eichendorff wurde 1788 als Sohn einer katholischen Landadelsfamilie auf Schloss Lubowitz bei Ratibor geboren. Er war einer der bedeutendsten Dichter der Romantik. 1857 verstarb er in Neiße.

  • Wann schrieb Eichendorff das Gedicht „Mondnacht“?

  • Das Gedicht entstand um 1835 und wurde 1837 erstmals veröffentlicht.

  • In welche Epoche gehört „Mondnacht“?

  • Das Gedicht wurde zur Zeit der deutschen Spätromantik verfasst.

  • Zu welcher Gattung zählt „Mondnacht“?

  • „Mondnacht“ wird der Gattung Naturlyrik zugeordnet.

  • Wie sind Rhythmus und Reim des Gedichts?

  • Das Reimschema eines Gedichts bezeichnet die Endung eines Verses und sein Verhältnis zu den anderen Versen im Gedicht. Die Reimfolgen werden durch sich wiederholende Buchstaben angegeben. Für „Mondnacht“ ist das Reimschema: abab; cdcd; efef. Die Reimart ist ein Kreuzreim, das Metrum ist der Jambus und die Kadenz ist abwechselnd männlich und weiblich. Der Rhythmus ist durchgängig gleichmäßig.

  • Wie ist die Atmosphäre des Gedichts, passt sie zur Tageszeit?

  • Das Gedicht vermittelt eine harmonische Grundstimmung, in der das lyrische Ich regelrecht aufgeht. Es ist Nacht und der Vollmond unterstreicht die friedliche, ruhige Atmosphäre.

  • Welche poetischen Merkmale finden sich in „Mondnacht“?

  • Während der Romantik stand immer auch die Natur im Mittelpunkt, die ganze Epoche verlangt nach der Einheit von Ich und Natur. In der ersten Strophe wird das Träumen beschrieben, in der zweiten Strophe geht es um die Vorgänge in der Nacht. Die dritte Strophe verdeutlicht den Bezug zu den intensiven Gefühlen. In dem Gedicht geht es um Freiheit, Melancholie bis zur Traurigkeit und Sehnsucht. Der Leser empfindet dabei Harmonie und Feierlichkeit.





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