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Konflikt zwischen der türkischen Republik und der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft - Referat



Der Konflikt zwischen der türkischen Republik und der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) fordert seit über 35 Jahren unzählige Menschenleben. Aktuell finden Gespräche für einen möglichen Frieden statt, welcher gleichzeitig auch eine Beilegung des Konflikts durch beide Parteien vorsieht. Hauptakteur für einen möglichen Frieden ist dabei der PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan.
Im Folgenden möchte ich kurz zusammenfassend und prägnant die Kurdenproblematik in der Türkei veranschaulichen, die Chancen für die Zukunft und Defizite der Vergangenheit auflisten sowie die Auswirkung des Konflikts auf die Gesellschaft beziehen.
Der Konflikt zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der türkischen Republik, kann auf den 27. November 1978, dem Gründungstag der PKK, datiert werden. Nach dem die Türkei nach ihrer Staatsgründung durch Mustafa Kemal beschloss, eine grob umfassende Assimilationspolitik durchzuführen und alle „Nicht-Türken“ in das vorher gesehene Staatssystem zu zwingen, fassten mehrere demokratisch gesinnte Personen, darunter Kurden wie Türken den Entschluss, gegen diese Barbarei Widerstand zu leisten. Zum Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans wurde Abdullah Öcalan gewählt, der bis heute eine gesonderte Rolle in der kurdischen Freiheitsbewegung übernimmt. Das Hauptanliegen der kurdischen Arbeiterpartei war es dem kurdischen Volk zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen. Die Kurden sollten endlich nach jahrelanger Unterdrückung, ihre Sprache, Kultur und Identität frei ausüben. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich in der Türkei die sozioökonomischen Probleme zugespitzt. Mehr Rechte für die Kurden oder gar ein eigener Staat durfte die Türkei nicht zulassen. Man sagte dem kurdischen Widerstand den Krieg an. In den Anfangszeiten sehnte die PKK sich noch nach einer politischen Lösung, bis man anschließend keinen anderen Ausweg sah, als sich militärisch zu wehren. 1984 nahm man den bewaffneten Kampf auf. In Form von Guerillaaktivitäten; welche sich auf die Genfer Völkerrechtskonvention beruhen, wollte man gezielt die türkische Regierung zum Einwenden bringen. In der kurdischen Bevölkerung wuchs die Sympathie mit der PKK und immer mehr Kurdinnen entschlossen sich der Partei aktiv beizustehen. Großer Erfolg konnte auf beiden Seiten nicht verbucht werden. Auf die Angriffe der PKK, antwortete die Türkei mit Massakern am kurdischen Volk im Südosten des Landes. Die türkische Armee verbrannte dutzende von Dörfern, zwang tausende Kurden zur Deportation und Flucht, tötete kurdische Demonstranten. Die Repressalien gegenüber der kurdischen Bevölkerung wurden immer schwerwiegender. Auch bekräftigte man einen Vernichtungskrieg gegen die PKK durchzuführen. Dennoch hielt sowohl die PKK als auch die kurdische Bevölkerung an dem Ziel fest, mehr Unabhängigkeit und Rechte zu erlangen. Im Laufe der Zeit veränderte die PKK ihre politischen Ausrichtungen. Zuerst war man Marxistisch eingestellt und zielte auf einen unabhängigen Nationalstaat ab, wovon man sich jedoch, nach einem umfassenden Paradigmawechsel des kurdischen Volksrepräsentanten Öcalan, im Nachhinein distanzierte. Nicht mehr ein Staat sollte als Ziel betrachtet werden, sondern viel mehr die Autonomie und die kommunale Selbstorganisierung.
Der PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan, welcher von der kurdischen Bevölkerung auch liebevoll „APO“ (dt.Onkel) genannt wird, entwickelte neue Strategien, damit auf beiden Seiten keine Toten mehr geben sollte. Bis heute verkündete die PKK auf Initiative des kurdischen Volksrepräsenten Öcalan mehrere Waffenstillstände, die durch die Untätigkeit bei der Lösung der Kurdenfrage durch den türkischen Staat immer wieder abgebrochen werden musste. Die Türkei hatte immer wieder die Möglichkeit eine Lösung herbeizuführen. Das was vom kurdischen Volk verlangt wurde, ist in der international anerkannten Menschenrechtskonvention festgeschrieben. Jedes Volk hat das Recht auf Ausübung ihrer Sprache sowie auf freie politische, ökologische, kulturelle Selbstbestimmung.
Der Konflikt zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der türkischen Republik
wirkt sich in der Gesellschaft in vielen Bereichen aus. Die Gesellschaft in der Türkei ist stark militarisiert worden. Die Militärpräsenz des türkischen Staates ist nirgendwo so hoch wie im Südosten des Landes, welches überwiegend von Kurden bewohnt ist. Unter anderem ist dies erkennbar durch die Aktivität von Dorfschützern, welche eine Spaltung zwischen der PKK und dem kurdischen Volk herbeizuführen versucht. Im Bereich der Wirtschaft gibt kaum ein Land so viel Geld für das Militär aus wie die Türkei. Der Krieg mit der PKK führte zur Schwächung des türkischen Militärs. Nicht außer Acht gelassen werden sollte dabei, Sabotageangriffe der PKK auf türkische Gaspipelines, welche explizit zur Schwächung der türkischen Wirtschaft geführt werden. Zudem führt die gewaltsame Auseinandersetzung beider Konfliktparteien zur Verarmung der ganzen Region. Der Konflikt hinterlässt auch große Hürden beim Miteinanderleben zwischen Kurden und Türken. Doch einer Lösung steht im Großen und Ganzen nichts im Wege. Es bleibt jedoch klar, dass eine Reduzierung des Konflikts Jahre brauchen wird.

Beide Seiten sowohl die Türkei als auch die kurdische Freiheitsbewegung müssen auf Kompromisse eingehen und sich von Gedanken fernhalten, die weiter zum Verlust von Menschenleben führen. Weder türkische noch kurdische Mütter dürfen dem Leid ausgesetzt sein. Im Winter 2012 begann der Direktor des türkischen Geheimdienst MİT erste Gespräche mit Abdullah Öcalan auf der Gefängnisinsel İmralı zu führen. Anfang März 2013 zeigte die PKK einen guten Willen und ließ acht entführte türkische Sicherheitskräfte frei, um ein positives Zeichen für die Friedensverhandlungen zu setzen. Zum Newroz-Fest am 21. März im Jahr 2013 gab der PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan schließlich eine historische Erklärung ab, in der er die Waffenruhe und den Rückzug der PKK-Einheiten aus der Türkei forderte, welches anschließend durch die Führung der PKK zum Teil umgesetzt wurde. Doch der Friedensprozess geriet wieder in Stocken, da die Türkei wieder keine Schritte in Richtung einer Lösung betätigen wollte. Was die Zukunft einem bringt bleibt unklar. Eins ist jedoch gewiss. Diejenigen, die diesen barbarischen Konflikt ein Ende setzen, werden in die Geschichtsbücher als Helden eingehen.


Quellen:
Nikolaus Brauns / Brigitte Kiechle: PKK - Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes: Zwischen Selbstbestimmung, EU und Islam
Besikçi, Ismail: Wir wollen frei und Kurden sein. Brief an die UNESCO
Besikci, Ismail: Kurdistan. Internationale Kolonie





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