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Kinderlähmung - Referat



Kinderlähmung

Was ist Kinderlähmung?
Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz Polio oder auch Heine-Medin-Krankheit) ist eine ansteckende Infektionskrankheit die durch das Poliovirus übertragen wird. Bei der Krankheit sind die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks betroffen. Meistens sind Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren betroffen, jedoch gibt es auch ältere Personen die an Polio erkranken.

Wie häufig ist die Krankheit?
Der Erreger ist außer in den Polargebieten weltweit anzutreffen. In Deutschland erfolgte die letzte Ansteckung mit Polio 1990. In Westeuropa ereignete sich im Jahre 1992 die letzte Polio-Epidemie. Weltweit gibt es noch etwa 1.500 Neuerkrankungen, vor allem in Indien und Nigeria, sowie in der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan, Afghanistan und Myanmar. Durch die steigende Impfskepsis tritt Polio aber auch wieder vereinzelt in den Industrienationen auf.

Vorkommen der Kinderlähmung 2008
500 bis 1000 bestätigte Fälle
100 bis 499 bestätigte Fälle
10 bis 99 bestätigte Fälle
weniger als 10 bestätigte Fälle
keine Neuerkrankungen bekannt
Poliovirus offiziell ausgerottet


Wie kommt es zu dieser Erkrankung?
Die Kinderlähmung wird durch die Poliomyelitis-Viren ausgelöst. Ganz selten auch durch einen Virus aus der Familie der Enteroviren. Die Übertragung der Viren erfolgt über eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion, also durch Niesen, Husten oder Küssen. Manchmal erfolgt die Übertragung auch durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel.


Der Erreger:
Der Erreger dieser Krankheit nennt sich Poliovirus. Es handelt sich dabei um ein unbehülltes Virus mit einzelsträngiger RNA (Ribonukleinsäure) positiver Polarität von ca. 30 Nanometer Durchmesser. Es sind drei Serotypen (=unterscheidbare Variationen innerhalb der Subspezies der vorliegenden Bakterien oder Viren)
bekannt:
Typ I (Brunhilde) ist am stärksten lähmungsauslösend, danebenTyp II (Lansing) und dann Typ III (Leon). Zwischen den drei Erregertypen gibt es keine Kreuzimmunität, das bedeutet das man bei einer Infektion mit einem der drei Typen nicht gegen die andere Immun ist.

Poliovirus







Krankheitsverlauf:
a) „Das klassische Bild der Kinderlähmung“
Dies ist die schwerste Art der Krankheit. Das Virus wird meist durch den Mund in den Körper aufgenommen und vermehrt sich dort anschließend im Darm. Von dort befällt es zunächst die lokalen Lymphknoten und verteilt sich später in der Blutbahn. Von dort gelangt es in die Nervenzellen des Rückenmarks wo die Muskulatur gesteuert wird. Als Reaktion auf die Infektion kommen körpereigene Abwehrzellen ins Rückenmark, dabei entsteht eine Entzündung die die Nervenzellen zerstört. Die Folge davon sind ausgeprägte, ungleichmäßig verteilte, schlaffe Lähmungen. Dabei ist vor allem die Muskulatur an den Oberschenkeln betroffen. Aber auch Bauch-, Brust- und Augenmuskulatur sind betroffen.
Neben dem Befall des Rückenmarks ist auch fast immer das Gehirn mitbetroffen. Vor allem in bestimmten Bereiche des Gehirns treten Entzündungszellen und Nervenzelluntergänge auf. Wenn die zugehörigen Segmente des Rückenmarks beteiligt sind, können auch die Muskulatur von Rumpf, Zwischenrippenräumen, Harnblase, Mastdarm oder sogar das Zwerchfell betroffen sein. Durch den Befall dieser Zellen kommt es zu einer Kehlkopfentzündung, bei der das Sprechen, Atmen oder das Schlucken beeinträchtigt werden kann. Solche Lähmungen können schon innerhalb weniger Stunden nach Befall des Nervensystems auftreten.
Symptome sind meist leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit. In diesem Fall ist die Sterblichkeit sehr hoch.



b) Abortive Poliomyelitis: (abgekürzt, abgeschwächt verlaufend)
Nach einer Inkubationszeit von 7–14 Tagen kommt es zu einer etwa dreitägigen Erkrankung mit Fieber, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen,
Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und oft auch mit Durchfall und Erbrechen. Bei mehr als ¾ der Erkrankten heilt diese abgeschwächte Form folgenlos ab. Die Zellen des Zentralnervensystems werden dabei nicht infiziert.

c) Post-Polio:
Bei 30-64 Prozent der Betroffenen die schon mal eine klassische Kinderlähmung hatten, nehmen die Lähmungen und der Muskelschwund Jahre oder Jahrzehnte nach der Erkrankung wieder zu.
Die Patienten leiden dann unter schneller Ermüdung, verringerter Ausdauer, Gelenkschmerzen, Muskelschwäche und Atmungsbeschwerden.


Wie wird Polio diagnostiziert?
Besteht wegen einem typischen Krankheitssymptom der Verdacht auf Kinderlähmung, so kann der Arzt den Verdacht nachweisen indem er nach Viren im Stuhlgang sucht oder im Rachenspülwasser Viren auffindet. Wenn schon Lähmungserscheinungen vorhanden sind können die Viren auch im Gehirnwasser nachgewiesen werden.


Wie lässt sich Kinderlähmung behandeln?
Die Beschwerden müssen Bekämpft werden. Das bedeutet absolute Bettruhe, sorgfältige Pflege und korrekte Lagerung. Durch Schmerzmittel werden die Schmerzen gelindert und das Fieber wird besser. Bei Auftreten von Atem und Schluckstörungen muss sofort eine intensive Medizinische Überwachung sichergestellt sein. Sobald die Krankheit am abklingen ist muss mit intensiver Krankengymnastik begonnen werden, um den Muskelschwächen und den Lähmungen entgegen zu wirken.


Wie ist die Chance auf Heilung?
Die ersten 6 Monate nach der Infektion entscheiden über den weiteren Verlauf der Krankheit. In dieser Zeit sollte intensive Krankengymnastik gemacht werden, dadurch verbessert sich die Chance auf Heilung deutlich, aber auch noch 2 Jahre nach der Infektion können durch Krankengymnastik noch Fortschritte gemacht werden. Bei der Hälfte der Betroffenen bleiben allerdings dauerhafte Schäden wie Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen.



Die Impfung:
1962 wurde in Deutschland die Schluckimpfung eingeführt, danach gingen die Erkrankungszahlen sehr stark zurück. Da durch diesen Impfstoff 1990 mehr Kinderlähmungen ausgelöst wurden, als durch den eigentlichen Erreger wurde ab 1998 nur noch der Totimpfstoff gespritzt. Die Impfung schützt zwar vor der Erkrankung kann aber eine Entzündung der Darmschleimhaut nicht ausschließen. Der Erreger kann aber durch den Darm ausgeschieden werden. Auch wenn es nur noch wenige Erreger gibt sollte man immer über ausreichenden Impfschutz verfügen. Wenn man in Länder reist in denen die Kinderlähmung noch nicht vollkommen verrottet ist, sollte man darauf achten das die letzte Impfung nicht mehr als 10 Jahre zurück liegt. Gegen Kinderlähmung sollten nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene geimpft werden.
Die Verträglichkeit der Impfung ist sehr gut. Es können lediglich leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Rötungen, Schwellungen oder allergische Reaktionen an der geimpften Stelle auftreten.





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