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Ist Wahrheit eine Erfindung des Menschen? - Referat



Ist Wahrheit eine Erfindung des Menschen?

Wahrheit gehört in der Philosophie zu den wichtigsten Grundbegriffen.
Sie hat viele Philosophen und Menschen beschäftigt, wobei die Frage aufgeworfen wird, ob der Mensch selbst dieses Wort erfunden hat, oder ob es „Wahrheit“ auch schon vor uns gab oder ohne den Menschen geben würde.

Allgemein muss Wahrheit als etwas Relatives gedacht werden, denn jeder Mensch besitzt eine andere subjektiv geprägte Wahrheit, die sich auf seiner Sicht der Dinge aufbaut; deshalb lässt sich meiner Meinung nach keine absolute Definition der Wahrheit festlegen. Wahrheit ist die Übereinstimmung einer individuellen Erkenntnis, mit der jeder Mensch Dinge und Zusammenhänge anders sehen kann, in Bezug zu ihrem Gegenstand.
Man unterscheidet die inhaltliche Wahrheit (materiale Wahrheit) mit der logischen Wahrheit (formale Wahrheit), welche in der Übereinstimmung der Erkenntnis mit den allgemeinen Regeln des Denkens.
In den Naturwissenschaften kann Wahrheit einfacher gedacht werden, da sie sich dort naturwissenschaftlich, mathematisch nachgewiesen werden kann. So lässt sich zum Beispiel eine Eigenschaft eines Elements nachweisen, indem verschiedene Versuche durchgeführt werden.
Aber trotz allem hat Descartes auch dies mit seiner Erkenntnistheorie in Frage gestellt, wenn man sich eben nicht auf seine Sinne verlassen kann. Was ist dann die Wahrheit?

Somit muss ich unweigerlich an den Punkt gelangen, dass Wahrheit relativ und subjektiv ist und somit sich für jeden Menschen anders ausformt.
Viele Menschen nennen eine Aussage, die nicht ihrer Wahrheit entspricht eine „Lüge“, aber fragen wir uns einmal, »ob es eine Lüge ist?«
Wenn die Sichtweise anders ist, dann kann ein anderer Mensch nicht darüber urteilen, weil er nicht weiß, wie die Sichtweise des anderen Menschen ist und warum er eine andere Auffassung hat. Menschen wachsen unterschiedlich auf, sie lernen anders und werden von ihrem Umfeld auf unterschiedlichste Weise geprägt. Jeder Mensch denkt und urteilt deshalb unterschiedlich. Aus diesem Grund ist es sehr schwer zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, weil es für jeden Menschen eine andere Wahrheit gibt.

Ganz banale Dinge, bei denen es Menschen leichter fällt zwischen Wahrheit und Lüge zu urteilen sind Dinge wie zum Beispiel, dass ein Kind von seinem Stiefvater geschlagen worden ist, eine blaue Wange hat, aber der Stiefvater dieses abstreitet getan zu haben. Eine Möglichkeit könnte sein, dass das Kind lügt, aber ein altes Sprichwort sagt, dass Kinder nicht lügen sondern ehrlich zu einem Menschen sind. Welcher Mensch würde dem Stiefvater glauben? Dies kommt auf die Urteilskraft des Menschen an. Immanuel Kant hegte 1790 Kritik an der Urteilskraft, er konzentrierte sich in der Kritik der Urteilskraft auf das zweite Vermögen, welches er „reflektierende Urteilskraft“ nannte. Es geht um die Gewohnheiten des Menschen Dinge wie Erscheinungen, Prinzipien und Vorkommnisse mit Vernunft und Verstand zu beurteilen und zu erfassen. Es gibt eine Verbindung zwischen Besonderem und Allgemeinem.
Ein reines Geschmacksurteil ist die ästhetische Urteilskraft, sie analysiert das Schöne und somit nur das Subjektive.
Die Objektive Urteilskraft ist die teleologische Urteilskraft. Sie wendet sich den Gegenständen auf eine Sachliche Art und Weise zu, sie ist nur zweckmäßig.

Bei dem Urteil mit dem Stiefvater und dem Kind kommt es auf das Urteil der Person an. Ein subjektiv eingestellter Mensch würde dem Kind glauben, jedoch ein objektiver Mensch würde erst einmal nach Beweisen suchen, ob er stimmt, wie es zu Stande gekommen ist, dass das Kind evtl. geschlagen worden ist. Sein Urteil würde nicht so schnell fallen.
Ich denke jedoch, dass in diesem Falle wieder etwas andere Regeln gelten. Bei Kindern entwickeln die Menschen beschützende Gefühle und stellen sich vor das Kind, verteidigen es. Von daher würde ich sagen, dass die meisten Menschen zu dem Kind halten würden.
Die anderen würden sich fragen, warum hat das Kind eine blaue Wange? War es zu frech? Vielleicht hat es eine Mitschuld an dem Geschehen.
Trotz allem rechtfertigt auch eine Mitschuld so ein Verhalten des Stiefvaters nicht. So etwas zeigt, dass er unkontrolliert ist und schwach.
Als Erwachsener sollte man so viel Größe haben darüber zu stehen und seine erzieherischen Maßnahmen zu treffen, ohne Gewalt und dergleichen, mit einbezogen auch verbale Gewalt!

In diesem Beispiel würde das Zitat von Ernst R. Hauschaka sehr gut passen: „Wer die Wahrheit hören will, den sollte man vorher fragen, ob er sie ertragen kann.“, oder von Thomas Mann: „Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.“
Ich finde, dass diese Zitate sehr gut passen, weil es schwer begreiflich ist wie ein Mensch so etwas machen kann und diese Wahrheit grausam ist.
Leider kommt so etwas viel zu oft vor und erst Jahre später kommt es zur Sprache, dann ist es für diese Menschen psychologisch noch schwerer zu verarbeiten, vor allem wenn es öfter passiert ist, dass sie geschlagen und misshandelt worden sind. Richtig wäre es, direkt darüber zu reden und Hilfe zu holen, aber als Kind ist man dazu nicht in der Lage. Kinder verstehen es gar nicht und merken nur, dass es weh tut und bekommen Panik. Solche Erinnerungen begleiten einen ein Leben lang und hinterlassen ihre Spuren auch im Verhalten der Personen. Für andere Menschen, die unter „normalen“ Umständen aufgewachsen sind ist es schon mal unverständlich wie seltsam die jenigen Menschen sich in ihren Augen verhalten. Deswegen ist es wichtig sowohl eine objektive als auch eine subjektive Urteilskraft zu haben. Beide zu vergleichen und abzuwägen.
Ich denke, dass es die Wahrheit und somit auch die Lüge nicht ohne uns Menschen geben würde, denn wir wissen von den Tieren nur, dass sie fressen und gefressen werden. Wie soll man da eine Wahrheit bei finden?
Dort gibt es nur den Überlebungskampf, aber wir wissen nicht, ob sie denken. Kommunizieren können sie jedoch, z. B. signalisieren Hunde durch das „Schwanzwedeln“ den anderen Hunden, dass sie sich freuen und wieder rum mit dem so genannten „Kamm“, dass sie sich aufregen und nicht positiv gesonnen sind. Interessant ist auch das Verhalten der
Schwebefliege, die eine Hummel imitiert und auch so ähnlich wie sie aussieht und somit oft verwechselt wird. Diese Sorte von Fliege tut so, als ob sie einen giftigen Stachel hat, bedroht andere mit ihm und wird durch dieses Verhalten in Ruhe gelassen. Wir Menschen würden das bluffen nennen, aber warum macht diese Fliege das? Sie muss recht intelligent sein um auf diese Idee zu kommen, dass sie so in Ruhe gelassen wird und nicht von anderen Tieren bedroht wird. Anzunehmen ist, dass die Schwebefliege mit einem vernünftigen Instinkt geboren worden ist. Lügt die Schwebefliege die anderen Tiere an? Macht sie ihnen nur was vor? Genauso wie Menschen die anderen Menschen etwas vorspielen. Ein berühmtes Stichwort ist bei diesem Aspekt „Kleider machen Leute“. Die Fliege ist eigentlich eine Fliege und tut so, als ob sie eine Hummel ist, dass ist genauso, wenn ein reicher Mensch so tut als ob er arm ist und sich zum Beispiel in der Fußgängerzone hinsetzt und bettelt, weil er unheimlich geizig ist und noch mehr Geld haben möchte. Wie das schon oft vorgekommen ist. Das ist ein falsches Verhalten gegenüber den anderen Menschen und bei der Schwebefliege gegenüber den Tieren, es ist nicht fair. Sie spielen etwas vor bzw. tarnen sich wie die Fliege als Hummel und belügen somit die anderen.
Ich persönliche finde es sehr interessant, dass es eine Art Bluffen nicht nur in der Menschenwelt, sondern wie erwähnt auch in der Tierwelt gibt.

Selbst in der Pflanzenwelt zeigen sich Ansätze von Kommunikation: Pflanzen kommunizieren weitgehend auf chemischer und physikalischer Ebene miteinander. Dies gilt in gleicher Weise für niederen Pflanzen, sogar bis hinab zu den Einzellern, als auch für höhere Pflanzen.
Zum Beispiel, wenn Raupen an einer Pflanze nagen, dann stoßen diese Pflanzen ganz bestimmte Duftstoffe aus. Diese Duftstoffe sollen Parasitoide Schlupfwespen anlocken, die sich von den Raupen ernähren. Diese Duftstoffe können aber auch naheliegende Pflanzen dazu verleiten ebenfalls diesen Duftstoff zu produzieren und auszustoßen.

Am 13.09.2000 hat Prof. Dr. Elmar W. Weiler an der Friedrich-Schiller Universität in Bochum folgendes mitgeteilt: "Pflanzen sind keineswegs bewegungsunfähige, passive und statische Lebewesen", betont der Forscher, "in manchen Leistungen, so z. B. dem 'Tastsinn', übertreffen sie Mensch und Tier ganz eindeutig".

Es ist schwer sich vorzustellen, dass Pflanzen Lügen können. Sie können einen täuschen wie z. B eine dieser Fleischfressenden Pflanzen, die so aussehen als ob sie verwesen und damit Tiere anlocken die sich von abgestorbenen Pflanzen ernähren, diese jedoch schnappen und fressen.
Ist dies nur eine Überlebungstaktik oder wie bei den Schwebefliegen ein Schauspiel andere Lebewesen zu täuschen? In wie weit kann man etwas als Lüge bezeichnen und wo fängt die Lüge an?
Für mich erscheint es etwas unrealistisch, dass Pflanzen Lügen. Ich denke viel mehr, dass es nur die reinen Tatsachen gibt.
Bei den Tieren hingegen finde ich es etwas realistischer, zum Beispiel habe ich einen hochintelligenten und etwas hyperaktiven Hund.
Wenn er im Garten ist geht schon mal ein Nachbar mit ihm Gassi, aus Freude am Hund. Wenn ich jedoch dann komme und mit ihm gehen möchte, dann jappst er permanent herum und tut so als ob er der „arme Hund“ wäre mit dem keiner geht. Jedoch ist der Nachbar erst vor 5 Minuten mit ihm wieder gekommen. Wenn ich ihn von der Leine lasse rennt er auf die Wiese zu, tut so als ob er sein Geschäft verrichten müsse, schaut mich dabei mit nach hinten gelegten Ohren an, wartet einen Moment und kommt dann wieder bellend auf mich zu. Interessant wie intelligent er ist. Aber insgeheim spielt er mit etwas vor und lügt mich an.
Das ist die Beziehung von ihm zu einem Menschen. Dort entwickelt sich von ihm aus eine Taktik den Menschen etwas vorzuspielen zu seinen Gunsten. Also zeigt er uns nicht die Wahrheit.
Demnach könnte es auch ohne uns Menschen Wahrheit und Lüge in der Tierwelt geben.

Ein Beispiel ohne Einfluss von Menschen ist die Beziehung zwischen meinem Hund und unserer Katze. In der Rangordnung steht sie über ihm und verhält sich dementsprechend auch recht arrogant. Ein gutes Bespiel ist der Futterneid. Sie frisst vieles was sie sonst nicht fressen würde vor seinen Augen, nur damit er es nicht bekommt. Egal was es ist. Unser Hund frisst bei den Pferden sogar Möhren nur weil die Pferde sie sonst bekommen. Zu Hause nimmt er nicht einmal Butter an wenn sie ihm nicht schmackhaft gemacht wird! Sie fragen sich bestimmt was das mit Lüge und Wahrheit zu tun hat: eine ganze Menge, denn bei diesen Beispielen spielen die Tiere den anderen Tieren etwas vor. Was sie normalerweise nie fressen würden. Sie denken egoistisch und lügen sie an. Pflanzen können so etwas in der Art und Weise nicht.

Aus diesem Grunde denke ich, dass es auch bei den Tieren ohne uns Wahrheit und Lüge gibt. Der Mensch hat die Wahrheit nicht erfunden.
Wahrheit existiert einfach nur.



Quellen:

20.11.08
http://www.denkforum.at/forum/showthread.php?t=7116

http://mitglied.lycos.de/zitatenschatz/wahrheit.htm

http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761594648/Wahrheit.html



21.11.08
http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit



22.11.08
http://iq.lycos.de/qa/show/412716/Koennen-Pflanzen-miteinander-kommunizieren/

http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/62523/

http://www.pinselpark.org/philosonst/02wahrheit.html

25.11.08
http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lektuere/kanturteil.htm

27.11.08
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper

Dieses Referat wurde eingesandt vom User: Kathii1991



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