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Inwiefern kann der logische Empirismus als anti-metaphysisch bezeichnet werden? - Referat




I. Metaphysik – Was versteht man darunter?

Die Metaphysik (griech. meta = hinter; physis = Natur) ist eine Grunddisziplin der Philosophie und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Problemen der theoretischen Philosophie.
Das Wort Metaphysik stammt von ta meta ta physika ab und bezieht sich eigentlich auf die 14 Bücher, die hinter Aristoteles Physik standen. Weil Aristoteles sie als Ursprung aller Wissenschaften sieht, gehört die Metaphysik zum Anfang der Philosophie, da sie nach den „ersten Gründen und Ursprüngen des Seienden als Seienden fragt.“
Die Metaphysik befasst sich demzufolge mit dem Sein Selbst, dem göttlichen Sein, der Seele und dem Zusammenhang alles Seienden. Man spricht hier jeweils von der Ontologie, der philosophischen Theologie, der Psychologie und der Kosmologie.
Einige Philosophen lehnen allerdings die Metaphysik strikt ab und dazu gehört der Wiener Kreis, der den logischen Empirismus vertritt.


II. Kritik der Empiristen

Der logische Empirismus, auch Neopositivismus genannt, ist eine der einflussreichsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts und geht auf den Wiener Kreis zurück. Seine berühmtesten Mitglieder waren der deutsch-amerikanische Philosoph Rudolf Carnap und der Mathematiker und Philosoph Hans Hahn.
Die Empiristen versuchen mit Logik die Probleme der Philosophie zu lösen.


II.1. Rudolf Carnap

Rudolf Carnap wurde am 18. Mai 1891 in Wuppertal geboren und verstarb am 14. September 1970 in Santa Monica, Kalifornien. Er befasste sich mit Sprachphilosophie und Wissenschaftstheorien und war einer der Hauptvertreter des logischen Empirismus. Als Anhänger dessen versuchte er „die gesamte Erfahrung auf elementare Beobachtungen zurückzuführen, aus denen sich eine Einheitswissenschaft aufbauen läßt [sic] [und] alle anderen philosophischen Probleme erklärt er zu Scheinproblemen.“
Carnap stellt zu Beginn seines Textes die These auf, dass Sätze der Metaphysik sich aufgrund logischer Analyse als Scheinsätze erweisen. Es gibt zwei Arten von Scheinsätzen: die einen beziehen sich auf das Vokabular und die anderen auf die Syntax. Bei der ersteren kommt ein Wort vor, bei dem man fälschlicherweise der Überzeugung ist, dass es eine Bedeutung hat. Bei den syntaktischen Scheinsätzen dagegen geht es um mehrere Wörter, die zwar signifikant sind, aber syntaktisch gesehen falsch sind, und somit keinen Sinn ergeben.
„Jörg ist und.“ „Jörg ist eine Primzahl.“
Beide Sätze sind Scheinsätze. Der erste Scheinsatz ist syntaktisch gesehen nicht korrekt, da anstatt eines Prädikates eine Konjunktion gesetzt wurde. Der zweite Satz ist jedoch syntaktisch einwandfrei, aber sinnlos. „Primzahl“ ist ein Charakteristikum von Zahlen und somit nicht auf Menschen bzw. Personen übertragbar. Um Scheinsätze zu vermeiden, so Carnap, müssen die grammatikalische und die logische Syntax übereinstimmen. Daraus folgt, dass „in einer logisch korrekt aufgebauten Sprache die Metaphysik gar nicht ausgedrückt werden [kann].“
Man geht davon aus, dass jedes Wort, welches wir kennen, auch eine Bedeutung hat, aber dem ist nicht so. Manche Wörter verlieren ihre Bedeutung im Laufe der Historie: entweder sie bekommen eine neue Bedeutung zugeteilt oder aber sie bleiben ohne Bedeutung . Ist dies der Fall, so spricht man von Scheinbegriffen. Um herauszufinden welche Bedeutung das Wort hat muss zuerst sicher gestellt werden, dass die Syntax vorgegeben ist. Ist dies der Fall suchen wir dann die einfachste Satzform, auch Elementarsatz S (a) genannt, heraus. Um mit dem Elementarsatz S (a) arbeiten zu können müssen, Carnap zu folge, folgende Fragen beantwortet werden:
1. Aus was für Sätzen ist S ableitbar, und welche Sätze sind aus S ableitbar?
2. Unter welchen Bedingungen soll S wahr, und unter welchen falsch sein?
3. Wie ist S zu verifizieren?
4. Welchen Sinn hat S?
Die erste Frage bezieht sich auf korrekte bzw. metalogische Formulierungen, die zweite auf Logik und somit auch auf Wahrheitsbedingungen, die dritte auf die Erkenntnistheorie und die letzte auf Phänomenologie. Carnap macht hier deutlich, dass sich die Methodik der Empiristen in jeder dieser vier genannten Bereiche anwenden lässt und somit erneut gezeigt werden kann, dass es in der Metaphysik keine sinnvollen Wörter oder Sätze gibt.
Neben den Scheinsätzen gibt es auch noch Protokollsätze, auch Beobachtungssätze genannt, welche das Fundament der Erkenntnis bilden:
[…] Sätze, welche in absoluter Schlichtheit, ohne jede Formung, Veränderung oder Zutat die Tatsachen aussprechen, in deren Bearbeitung jede Wissenschaft besteht, und die jeder Behauptung über die Welt, jedem Wissen vorangehen.
Das Fundament der Erkenntnis zu sein ist ihre einzige Aufgabe. Sie lassen sich auch aufzeichnen im Gegensatz zu Schlicks Konstatierungen.
Und da stellen sich gleich bezüglich der Protokollsätze direkt Fragen auf, denn was genau zeichnet sie aus und was macht sie so anders als „andere“ Sätze und sollen sie in zeitlicher oder logischer Sicht am Anfang stehen?
Es lässt sich deshalb nur sagen, dass Protokollsätze nicht gewiss sind und sie letzten Endes auch nur Hypothesen sind und keine handfesten Beweise um zu beweisen, dass Wörter oder Sätze in der Metaphysik sinnlos sind.


II.2. Hans Hahn

Hans Hahn wurde am 21. September 1879 in Wien geboren und verstarb am 24. Juli 1934 auch dort. Er war Mathematiker und Philosoph zugleich. Er war Mitglied des Wiener Kreises und somit auch Anhänger des logischen Empirismus.
In seinem Werk Überflüssige Wesenheiten (Occams Rasiermesser) beginnt er, bevor er sich Occams Rasiermesser zuwendet, mit einer grundlegenden Unterteilung. Und zwar teilt er die Philosophie in zwei Segmente ein. Es gibt zum Einen die weltzugewandte Philosophie, die den logischen Empirismus vertritt und sich ausschließlich mit dem beschäftigt, was in ihrer Sinnenwelt passiert. Dann gibt es zum Anderen noch die weltabgewandte Philosophie, die die Metaphysik vertritt. Vertritt man diese Ansicht, so betrachtet man die Sinne argwöhnisch und „hält sie für Lug und Trug, für bloßen Schein […].“ Deswegen suchen Metaphysiker auch nach wahren Wesenheiten, nach dem wahren Sein „hinter der durch die Sinne vorgetäuschten Welt.“
Aufgrund dessen, das den Sinnen nicht vertraut wird, wird viel mehr Wert und Vertrauen auf das Denken gesetzt. Dieses impliziert, laut Hahn, das wahre Sein und daraus folgt, dass wahre Wesenheiten so sein müssen wie die Begriffe unserer Notio. Nehmen wir als Beispiel „Katze“, in der Welt der Sinne gibt es viele „Katzen“, aber wir haben nur einen einzigen Begriff „Katze“. In der Sinnenwelt durchlebt die „Katze“ den Zyklus des Lebens; der Begriff hingegen bleibt ewig und verändert sich auch nicht. Hier führt Hahn Platons Argument gegen die weltabgewandte Philosophie ein, und zwar, dass „die Welt wahren Seins […] eine Welt der Ideen [sei], von denen unsere Begriffe uns ein Abbild liefern.“
Das Verfahren, mit dem Hahn sich den überflüssigen Wesenheiten entledigen will nennt sich Occams Rasiermesser.
Occams Rasiermesser geht auf den englischen Franziskaner Wilhelm von Occam zurück, welcher von 1280 bis 1340 lebte. Sein Leitsatz war, dass man „nicht mehr Wesenheiten annehmen [sollte], als unbedingt nötig […].“
Anstatt mit der Beweisführung anzufangen, beginnt Hahn mit dem Universalienstreit der zwischen Realisten, Philosophen der weltabgewandten Philosophie, und Nominalisten, Philosophen der weltzugewandten Philosophie. Die Realisten behaupten, dass Universalien Wesenheiten entsprechen, die in einer Welt der Ideen auch existieren. Die Repräsentanten der weltzugewandten Philosophie hingegen sagen das genaue Gegenteil: Universalien sind keine Wesenheiten, sondern nur Namen.
Im weiteren Verlauf seiner Publikation geht Hahn zunächst auf die Irrtümer der Realisten ein: sie überschätzen zum einen das Denken und zum anderen die Sprache. Nach weiteren, eher unwichtigen Ausführungen, beginnt Hahn endlich seine Beweisführung.
Im Folgenden werden sechs Lehren, wie Hahn sie nennt, dargestellt und jeweils in Relation mit den zwei verschiedenen Segmentierungen gesetzt, wobei hier schon gesagt werden kann, dass alle Lehren bei der weltabgewandten Philosophie als Wesenheiten bezeichnet werden.
Die Lehre von unmöglichen Gegenständen besagt, dass es Subjekte gibt, die unmöglich existieren können, wie dass hölzerne Eisen nicht existieren. Mit Hilfe der symbolischen Logik lässt sich folgendes festhalten: „Die Aussage, „x ist ein Eisen und x ist hölzern“ ist für jeden Gegenstand falsch.“ Dieser nicht existierende Gegenstand wird deswegen durch Occams Rasiermesser eliminiert, da dieser nichts anderes als eine überflüssige Wesenheit darstellt.
Auch die Lehre von Zeit und Raum fällt Occams Rasiermesser zum Opfer. Die Empiristen klassifizieren die Lehre von Zeit und Raum, als eine Klasse von Ereignissen und bestimmten Körpern.
Die Zeit setzt sich aus einfachen Wesenheiten zusammen die unausdehnbare Zeitmomente oder Zeitpunkte sind. Jedoch ergibt sich daraus ein Problem, denn bis jetzt ist es noch keinem Menschen gelungen einen Zeitmoment zu erleben. Ein Zeitmoment wird als das bezeichnet, wo mehrere Ereignisse gleichzeitig oder zeitüberdeckend passieren, allerdings würde das wiederum bedeuten, dass kein Ereignis wirklich beginnt und auch keines endet. Russel fasst es so zusammen „Ein Zeitmoment ist nichts anderes, als eine solche nicht mehr erweiterbare Klasse gleichzeitiger Erlebnisse.“ Es sollte aber beachtet werden, dass Russel nur Erlebnisse bzw. Ereignisse meint und keine Wesenheiten, denn als weltzugewandter Philosoph suchte er nach den wahren Wesenheiten, da es keinen Sinn macht wenn man neben den schon stattfindenden Ereignissen noch die Zeitmomente annimmt, was schier unmöglich ist, weshalb, wie oben schon erwähnt, die Zeit durch Occams Rasiermesser eliminiert wird.
Die Lehre von Raum besteht aus „unteilbaren, unausgedehhnten Wesenheiten: den Punkten.“ In der Sinnenwelt existiert etwas wie ein Punkt nicht und deswegen spricht Hahn hier auch von mehreren Körpern, die einen gemeinsamen Bereich abdecken. Russel zu Folge wäre dass dann eine „Klasse von Körpern [die einen] Punkt [darstellt].“ Daraus schließen wir, dass hier keine Wesenheiten angenommen werden müssen; ergo kann Occams Rasiermesser kann die Eliminierung durchführen.
Die Lehre der Zahlen, schenkt man den Metaphysikern Glauben, sind Wesenheiten; glaubt man den Empiristen, so sind sie einfach nur eine Klasse von Mengen. Angenommen die Zahl Fünf beschreibt eine Quantität an Gegenständen, dann bedeutet das, dass jeder Gegenstand an einer Hand bzw. an den fünf Fingern einer Hand abgezählt und somit auch zugeordnet werden kann. Da Zahlen nicht erlebt werden können, wie man Gerüche und Geräusche wahrnimmt, müssten sie zuerst aus der Welt der Sinne deduziert werden. Das würde jedoch bedeuten, dass die Empiristen eine neue Wesenheit generieren müssten, was gegen ihre Überzeugung verstoßen würde außerhalb der Sinnenwelt nach andersartigen Wesenheiten zu forschen. Deswegen sind sie zufrieden mit dem, was sie haben, und sehen die Zahlen nicht als eigene Wesenheit an, denn sie sind überflüssig. Auch die Lehrer der Zahlen kann dem zu folge durch Occams Rasiermesser eliminiert werden.
Die vorletzte Lehre, der Hahn sich zuwendet, ist die Lehre von beharrenden Substanzen.
„Dieses Stück Papier ist jetzt glatt, jetzt zusammengefaltet, jetzt zu einem Ballen zusammengedrückt.“
Dieser Satz zeigt was man unter einer beharrenden Substanz versteht. Das Subjekt dieses Satzes wird als beharrend angesehen, weil die dazugehörigen Prädikate jeweils das „Stück Papier“ beschreiben und ihm somit Eigenschaften geben. Es lässt sich also feststellen, dass beharrende Substanzen eine Klasse von Eigenschaften sind, die einen Gegenstand, wie hier das Papier, beschreiben. Die Vertreter der weltzugewandten Philosophie sagen dahingehend, dass sie Eigenschaften von beharrenden substanziellen Wesenheiten nicht wahrnehmen können und deshalb hier erneut Occams Rasiermesser zum Einsatz kommt.
Zu guter letzt gibt es noch die Lehre der Klassen, die Aussagen über Aussagen über Gegenstände machen:
Die Klasse der Hummer ist enthalten in der Klasse der wirbellosen Tiere.
Dies ist ein klassischer Satz bzgl. der Lehrer der Klassen und bedeutet soviel wie, dass jeder Hummer die Eigenschaft hat, ein wirbelloses Tier zu sein. Nach Hahn aber wird hier nicht mehr von Klassen gesprochen sondern von erlebbaren Eigenschaften und somit erübrigen sich die Klassen und können, wie auch ihre fünf vorherigen Lehren, von Occams Rasiermesser eliminiert werden.
Zum Schluss lässt sich sagen, dass Hahns Text alles andere als wirklich überzeugend war, denn er gebraucht viel Polemik und seine Argumentation ist teilweise sehr lückenhaft. Des Weiteren gebraucht er viele Assoziationen anstatt Argumente, was wiederum nicht sehr überzeugend wirkt.


III. Inwiefern kann der logische Empirismus als anti-metaphysisch bezeichnet werden?

Der logische Empirismus kann als sehr stark anti-metaphysisch bezeichnet werden, denn sein Hauptaugenmerk liegt auf der Wirklichkeit.
Alles muss sich auf die Realität beziehen, weswegen auch die Metaphysik, von den logischen Empiristen, als Scheinwissenschaft bezeichnet wird, da diese sich mit Begriffen befassen, die sich auf nichts in der realen Welt beziehen.



Bibliographie
Hahn, Hans „Überflüssige Wesenheiten (Occams Rasiermesser)“; Logischer Empirismus – Der Wiener Kreis. Hrsg. Hubert Schleichert. München: Wilhelm Fink Verlag, 1975

Carnap, Rudolf Scheinprobleme in der Philosophie und andere metaphysikkritische Schriften. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2004

Delius, Christoph Geschichte der Phiosophie, Von der Antike bis Heute; Könemann, 2005

Kunzmann, Peter dtv-Atlas Philosophie, München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & CO. KG: 2009

Schlick, Moritz Über das Fundament der Erkenntnis
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Schlick/sch_fund.html ; 25. August 2011 ; 19:42 Uhr












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