Suchbegriff:

Hexen - Referat



Zur Entstehung des Hexenwahns

Wer die Ursache der Hexenprozesse nur in den männlichen und klerikalen Ängsten vor Frauen sieht, verkennt die Komplexität der Sache, ihren Umfang, und auch ihre tatsächlichen geschichtlichen Dimensionen.
Um so mehr überrascht, dass die Forschung eine Verbindung zum Wetter sucht. Zwar ist es verständlich, dass das Wetter für Agrargesellschaften eine wichtige Rolle spielt, doch wurden die „frömmigkeitsgeschichtlichen Auswirkungen der >Kleinen Eiszeit<“ erst in jüngerer Zeit untersucht. Die für die Jahrzehnte nach 1560 angenommene klimatische Verschlechterung führte zu vermehrten Missernten und in deren Gefolge zu extremen Preissteigerungen und sozialen Veränderungen, welche die, die mit Getreide handelten (Großbauern,
Klöster, Teile des Adels, 1-ländler, Kreditgeber und Spekulanten) reich, alle übrigen aber arm und elendig machten. Ein seit hundert Jahren anhaltendes Bevölkerungswachstum hatte zusätzlich an die Grenzen der Landwirtschaft geführt, mit Ausnahme von Holland und England, wo keine größeren Hungersnöte auftraten. Folge dieser Entwicklung waren Hungerkrisen und soziale Spannungen, die zu Hass und Verwünschungsgefühl in der Bevölkerung führten, und in einer hintergründig magisch geprägten Gesellschaft zu entsprechenden
Schuldzuweisungen und Verdächtigungen, wie zum Beispiel dieser:

„Anno 1626 den 27. May ist der Weinwachs im Frankenland im Stift Bamberg und Würzburg aller erfroren wie auch das liebe Korn, das allbereitt verblüett... das bei Manns Gedenken nit geschehen unt eine große Theuerung verursacht... Hierauf ein großes Flehen und Bitten unter dem gemeinen Pöffel, warum man solange
zusehe, das allbereit die Zauberer unt Unholden die Früchten sogar verderben...“

Tatsächlich häufen sich die Nachrichten über Hexenprozesse in den Jahren, die als Jahre von Missernten, Teuerungen und Hungersnöten bekannt sind. Eine Klima- und unwetterbedingte Missernte führt zu einer Verknappung der Grundnahrungsmittel in Europa war dies bis ins 19. Jahrhundert hinein stets das Brotgetreide.
Die unmittelbare Folge war eine Teuerung, die dazu führte, dass Teile der Bevölkerung hungerten oder zumindest an Unterernährung litten. Dies erhöhte ganz allgemein die Krankheitsanfälligkeit und bewirkte oft die epidemische Ausbreitung endemischer (nur in einem bestimmten Gebiet auftretender) Krankheiten. Hinzu kam die Zunahme individueller existenzbedrohender Entlassungen in Stadt und Land, Arbeitslosigkeit, Landflucht, Mangelernährung, Mangelbekleidung, das Versagen sonst üblicher sozialer Hilfen und der rapide Anstieg
sozialer Gegensätze. Grob gesprochen lautet die typische Reihenfolge: Unwetter - Missernte -~ Teuerung Hungersnot - Seuche. Dieser Zyklus dauerte in der Regel bis zur nächsten Ernte. Folgte eine weitere Missernte, so potenzierte sich der Schaden. Gerade im letzten Drittel des 16. und dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts scheint dies häufiger als zuvor oder danach gewesen zu sein.

Nach einer Chronik des Klosters St. Etienne fiel im Jahr 1321 sehr viel Schnee. „Die Aussätzigen wurden vernichtet“. Diese lapidare Bemerkung wird ebenso knapp notiert wie der folgende Satz: „Ehe die Fastenzeit halb vorüber war, fiel noch einmal viel Schnee; danach gab es große Regenfälle“. Andere Chroniken jener Zeit berichten mit größerer Emotion. So heißt es in einer: „Die Aussätzigen wurden in fast ganz Frankreich verbrannt, weil sie Gift zubereitet hatten, die ganze Bevölkerung zu ermorden“. Diesen Massenmord an den
Leprakranken als auch ihre Internierung hatte der französische König Philipp V. genehmigt. Man bezichtigte sie des Versuchs, die gesunde Bevölkerung durch Vergiftung der Gewässer, Quellen und Brunnen zu ermorden. Nach der Verhaftung der Leprosen sollten alle, die ihre Beteiligung zugaben, verbrannt werden, jene, die nicht gestehen, sollten gefoltert werden und nach Bekennen der Wahrheit ebenfalls auf dem Scheiterhaufen hingerichtet werden. Da die Aussätzigen zudem ein Staatsverbrechen begangen hätten, sollten alle ihre Güter
konfisziert werden.

Als Ende September 1347 in Messina zwölf Galeeren, aus Konstantinopel kommend, landeten, befanden sich
zwischen den Waren ihrer Laderäume Ratten, Träger des Pestbazillus. Mit ihnen kehrte die Seuche nach fast
sechshundert Jahren Unterbrechung ins Abendland zurück. Sie verbreitete sich von Sizilien aus fast über den
ganzen Kontinent. Kaum ein anderer Vorgang erschütterte Menschen und Gesellschaft so sehr wie der »Schwarze Tod«.

Auch hier wiederholte sich der übliche Beschuldigungsmechanismus an zahlreichen Orten wurden Juden für
die Pest verantwortlich gemacht und der Brunnenvergiftung bezichtigt. Die davon verursachte Verfolgungswelle
operierte mit der Vorstellung einer gegen die Gesellschaft angezettelten Verschwörung. Möglicherweise gab es aber auch eine Verbindung zwischen den durch Folter abgetrotzten Selbstbeschuldigungen der Juden und dem Vorwurf, Magie und Zauber zu praktizieren. Doch fehlen die Verbindungsstücke, die belegen könnten, ob die jüdischen Geständnisse von 1348 ähnlich zustande kamen wie die wenige Jahre später den Hexen abgepressten Geständnisse, „Doch selbst wenn uns die Einzelheiten dieser Phase entgehen, scheint die Gesamtbedeutung der
dokumentarischen Reihe klar. Von einer relativ begrenzten sozialen Gruppe (die Leprakranken) geht man zu einer weiter gefassten, wenn auch ethnisch und religiös begrenzten Gruppe (die Juden) über und gelangt
schließlich zu einer potentiell unbegrenzten Gruppe (Hexer und 1-lexen). Ähnlich wie die Leprakranken und Juden stehen Hexer und Hexen an den Rändern der Gemeinschaft; ihre Konspiration ist wiederum von einem äußeren Feind inspiriert, dem Feind schlechthin: vom Teufel.“
Der Jesuit Adam Tanner, ein Gegner der Hexenprozesse, vertrat die Meinung, dass es nicht die Aufgabe der Menschen sei, ein Verbrechen zu verfolgen, das nicht eindeutig nachzuweisen sei. Gegenüber den Befürwortern der Hexenprozesse bestand er darauf, dass noch so viele Denunziationen keinen Beweis darstellten und niemand deswegen gefoltert werden dürfe. Gegen die fatale Ansicht seiner Gegner, Gott würde die Verurteilung
Unschuldiger nicht zulassen, führte er als abschreckendes Beispiel und als Argument die Todesurteile gegen zwei Hexenrichter an: Bei ihnen handelte es sich einmal um den Wemdinger Richter Gottfried Sattler, mit dessen Verurteilung ein allgemeines Warnsignal gesetzt werden sollte; zum anderen um Balthasar Roß, verantwortlich für die Hexenverfolgungen in der Fürstabtei Fulda, mit dessen verurteilter Tätigkeit sich ein ähnliches Warnzeichen verbinden sollte.

Tanner war der einzige katholische Theologe, auf den sich Friedrich Spee (1591-1635) in seiner Cautio critninalis von 1631 berufen konnte und von dem er wesentliche Argumente übernahm. Die Caulio criminalis ist „kein Gelegenheitsprodukt, sondern stellt mit ihrer geschliffenen Rhetorik einen Gipfelpunkt der deutschen politischen Literatur der Moderne dar. In einem ständigen „ceterum censeo“ und in systematischer Entwicklung
seines Arguments bereitet Spee den Leser unter scharfer Anklage der Geistlichkeit und der Fürsten auf die schrecklichste aller Wahrheiten vor, die jedoch wegen der Gefahr der Repression nie ausgesprochen, sondern nur angedeutet wird: Die Wahrheit, dass alle >Hexen< unschuldig umgebracht
worden sind, dass es sie überhaupt nicht gab.“

Spee hatte die erste Auflage seines Buches anonym vorgelegt. Das hohe Niveau seiner Argumentation, die Direktheit seines Angriffs zwangen ihn dazu. In seinem Orden war zwar klar, wer der Verfasser der Streitschrift war, doch erst die Neuauflage von 1721 trug von Spees Namen.

Wenn man sich fragt, was eigentlich die Hexenverfolger von den Gegnern der Hexenprozesse unterschied, so 90 möchte man auf den ersten Blick meinen, es sei eine mehr kritische Denkweise gewesen, doch wäre das zu oberflächlich hingeschaut. Mehr verrät die Sprache der jeweiligen Autoren. Die Befürworter der Hexenverfolgungen bedienen sich eines Vokabulars, das bis zum heutigen Tag immer noch die politische Rhetorik durchzieht: Die Denkfigur der „Vernichtung des Ungeziefers“, der „Ausrottung des Unkrauts mit Stumpf und Stiel“. Keine Maßnahme, keine Folter und keine Hinrichtungsart schien ihnen zu grausam gewesen zu sein, um rigide gegen den „Feind“ vorzugehen. Viele dieser Denkfiguren finden wir bei den extremen Konservativen des 18. bis 20. Jahrhunderts unverändert wieder, nur dass die Feindbilder variieren: Freimaurer, Illuminaten, Jakobiner, Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden, Zigeuner, Ausländer, Anhänger gegnerischer Parteien etc.
Bei den Verfolgungsgegner finden wir dagegen ganz andere Denkmuster vor: Mitleid mit den Unschuldigen, mit den Gefolterten, die Umkehrung der „Unkraut“-Metapher. Statt Hass finden wir eine Argumentation der Liebe, ganz besonders ausgeprägt bei Friedrich von Spee. Er ist es auch, der uns darauf hinweist, dass den gegensätzlichen Argumenten gegensätzliche Weltanschauungen zugrunde liegen, die sich, entsprechend den Gepflogenheiten der Zeit, über die Gottesvorstellungen definieren.


Der Hexenwahn


Vorchristlicher Dämonenglaube

Der Dämonenglaube der Babylonier wurde von den Juden im babylonischen Exil (6. Jh. V. Chr.) übernommen: zur Zeit Jesu stand er in hoher Blüte.

Christlicher Dämonenglaube

Auch Jesus sieht in vielen Krankheiten die Wirksamkeit von Dämonen am Werk: Besessenheilungen! Übernahme des jüdischen Dämonen- und Engelsglauben durch die Christen. Es gibt das Amt des Exorzisten viele Jahrhunderte lang. Auch Theologen glauben an die Existenz von Dämonen - nicht nur das abergläubische, einfach Volk!

germanische Wurzeln

Den Strigen, Lamien, Empusen der Römer und Griechen entsprechen die Hexen (hagazussa) und Unholde der Germanen. Das Wort “Hexe” komm von hag = Zaun und zussa = Frau das ist eine Frau, die auf der Grenzlinie sitzt, die das Dorf von der Wildnis trennt.

Hexenbulle und Hexenhammer

1484 verlangt Papst Innozenz VIII in der Bulle “Summis desiderantes affectibus” die Ausrottung der “ketzerichen Bosheit”, mit Teufeln zu verkehren: Menschen, Tiere und Pflanzen unfruchtbar oder krank zu machen oder zu töten. Er befiehlt die Unterstützung der “geliebten Söhne” Institoris und Sprenger von zwei mit der Hexenverfolgung beauftragten Dominikanermönchen. 1487 geben beide Mönche ein “Handbuch für Kollegen” heraus, den “Malleus maleficarum” = Hexenhammer, eigentlich “Unholdhammer”.

Der Hexenhammer

1. Teil: Zauberei
Grundlagen: ob es Zauberei gebe, Fähigkeiten der Hexen, Zulassung Gottes
2. Teil: spezielle Fragen
Fragen: Wie Hexen von Ort zu Ort fahren, Zeugung und Fruchtbarkeit behindern, Krankheiten anhexen, Wetter machen, Kinder töten: kirchliche Heilmittel dagegen
3. Teil: Handbuch für den Richter: Verhör, Folter, Hexenproben; Tricks für Überrumpelung von Hexen, Urteil bei Geständnissen oder Rückfälligen

Lehre der Inquisition

1. Es gibt Hexerei = mithilfe des Teufels bewirkte Zauberei zur Schädigung von Tier und Mensch.
2. Hexerei beruht auf einem Bündnis mit dem Teufel.
3. Dieser Bund ist Abfall vom christlichen Glauben und damit Ketzerei.
Ketzerei verlangt ein Sondergerichtsverfahren (Inquisition), um sie ausrotten zu können. Wer Hexerei bezweifelt oder “Hexen” verteidigt, riecht selbst nach Ketzer!

Das Frauenbild des Hexenhammers

Frauen sind dümmer, unverständiger als Männer, besitzen geringeren Glauben (“Beweis”: Frau aus krummer Rippe Adams; lat. Femina = Frau von fe = fides = Glaube und minus = weniger). Das Weib ist ein verfehltes Männchen!

Qualen der Opfer

Einkerkerung “Kurzschließen”, in Ketten hängen lassen:
Wasserprobe: Untertauchen in Wasser (Hilfe durch Teufel!); Stich ein Körper um unempfindliche Stellen zu finden (Hexenmahle)
Folter verschiedenen Grades: Trick “Fortsetzungen” innerhalb einer Folterungsprozedur, “nicht mehrere Folterungen”! Drohungen und trickreiche Versprechungen
Verbrennung; manchmal vor der Verbrennung Enthaupten oder Erwürgen um Qual zu lindern.

Ausmaß des Wahnes

Es gibt Hexenverbrennungen vom 15. Bis zum 18. Jahrhundert. Da es keine Statistiken über die Hinrichtungen gibt, ist man auf Schätzungen angewiesen. Diese reichen von 60.000 Opfern bis zu ca. 3 Millionen Opfer! Höhepunkt im 17. Jahrhundert. In Englan

d (bes. Jakob I. um 1600; letzte Hinrichtung 1684). Frankreich, Deutschland
(besonders in rheinischen Gebieten und Süddeutschland) egal ob katholisch oder protestantisch, in Niederlanden (allerdings früh gestoppt!) Skandinavien und in der Schweiz. Spät auch in Amerika (1692 große Hexenjagd in Massachusetts. Dort SALEM !). In Spanien wurde der Hexenhammer abgelehnt (durch Inquisitor “Salazar” Überprüfung negativ”) - daher völlige Unterbindung von Hexenprozessen - trotz intensiver Fahndung nach Ketzern!

Letzte Prozesse

Erst in Preußen (Friedrich der Große schafft die Folter ab!) Berlin 1728: Würzburg 1749; Landshut 1755: letzter Prozess in Bayern: Kempten 1775: letzter Prozess in Europa: 1782 in Glarmo (Schweiz)

Hexengegner

Agrippa verteidigt in Metz 1519 eine Hexe gegen die Inquisition
Leibarzt Johann Weyer bekämpft in einer Druckschrift 1563 den Hexenwahn; ist zwar überzeugt, dass es Teufel und Hexen gibt, glaubt aber an Unschuld vieler.
Friedrich von Spee 1630:
WestfälischerJesuit Schrift gegen die Scheußlichkeit des Prozessverfahrens (trotz Glaubens an Teufel): Cantio Criminalis Innsbrucker Jesuit Adam von Tanner befürwortet Milderung des Prozesses, besonders bezüglich der Folter trotz Glauben ans Hexerei (um 1630)
Dieses Referat wurde eingesandt vom User: Deine Mudda




Kommentare zum Referat Hexen: