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Hepatitis B - 2.Version - Referat



Hepatitis B

Was ist Hepatitis B?


Hepatitis B ist eine schwere Form der Hepatitis (Leberentzündung). Diese wird durch ein häufig als HBV bezeichnetes Virus verursacht. Man zieht sich das HBV durch Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten zu. Der Ausgang der Infektion ist variabel; er reicht von asymptomatisch (ohne Symptome) bis zu einer schweren Hepatitis, die manchmal zum Tod führen kann. Nach der Infektion werden einige Personen zu chronischen Trägern des Virus. Diejenigen, die zu chronischen Überträgern werden, stehen unter dem Risiko von Langzeit-Gesundheitsproblemen wie Leberzirrhose und primärer Leberkrebs und sind für andere eine Infektionsquelle. Die Krankheit ist weltweit ein großes Gesundheitsproblem.



Akute Hepatitis

Patient hat sich angesteckt und befindet sich am Anfang der Erkrankung.


Chronische Hepatitis

Der Übergang vom akuten Stadium in das chronische Stadium bedeutet, dass sich der Körper des Virus nicht innerhalb von sechs Monaten entledigt. Jeder, dessen Test auf Hepatitis B nach sechs Monaten immer noch positiv ist, geht in das Stadium eines chronischen Trägers über. Chronisch bedeutet langanhaltend.



Geschichte:

Diese Chronologie zeigt den Ablauf der Ereignisse in der Grundforschung, die zur Entwicklung des Hepatitis B-Impfstoffes und der Blutnachweise für andere Hepatitisviren führten.

2000 v.Chr.: Erste aufgezeichnete Hinweise auf Hepatitis-Epidemien.

1947: F. O. MacCallum unterscheidet mit Hilfe von Freiwilligen Hepatitis A, das durch kontaminierte Nahrung und Wasser verbreitet wird, von Hepatitis B, das durch Blut übertragen wird.

1963: Baruch Blumberg und Harvey Alter entdecken Aa, das australische Antigen (später HbsAg genannt).

1967-1968: Blumberg, Kazuo Okochi, Alfred Prince, Alberto Vierrucci und Kollegen entdecken, daß Aa mit der Entwicklung von Hepatitis B zu tun hat.

1969: Irving Millman und Blumberg erhalten durch das Fox Chase Krebszentrum ein Patent für die Anwendung von Aa für die Herstellung eines Hepatitis B-Impfstoffes.

1970: D. S. Dane entdeckt intakte Hepatitis B Viruspartikel in Blutproben, die mit einem Elektronenmikroskop untersucht wurden.

1972: Die Vereinigten Staaten erlassen Gesetze, die die Überprüfung von Spenderblut auf das HBsAg Antigen erfordern.

1973-1974: Stephen Feinstone und Kollegen, und Maurice Hilleman und Kollegen entdecken und beschreiben den Hepatitis A Virus.

1975: Wolf Szmuness, Hilleman und Kollegen beginnen damit, den Hepatitis B-Impfstoff zu testen.

1977: Mario Rizzetto und John Gerin entdecken Hepatitis D.

1980-1981: Hilleman und Kollegen entwickeln einen wirksamen Subunit-Impfstoff gegen Hepatitis B, der aus Blutserum gewonnen und für den Allgemeinbedarf genehmigt wird.

1983: Mikhail Balayan beschreibt den Hepatitis E Virus.

1983-1986: William Rutter und Kollegen entwickeln einen Subunit-Impfstoff gegen Hepatitis B, der in Hefezellen hergestellt und für den Allgemeinbedarf zugelassen wird.

1989: Daniel Bradley stellt Chiron ein "non A-non B"-Hepatitis Serum von Schimpansen zur Verfügung; Michael Houghton und Kollegen entdecken den Virus, veröffentlichen seine DNA Sequenz , und nennen ihn Hepatitis C.

1990: Die Blutüberwachung auf Hepatitis C beginnt.

1996: Der erste Hepatitis A-Impfstoff, hergestellt von Merck, wird für den Allgemeingebrauch zugelassen ein weiterer Hepatitis A-Impfstoff, entwickelt von SmithKline Beecham, erweist sich als wirksam

Das Virus:

Erreger
Familie: Hepadnaviridae
Gattung: Orthohepadnavirus
Genomform: ss DNS, umhüllt
Durchmesser: ohne Hülle: 27 nm / mit Hülle: 42 nm
Infektionsspektrum: Mensch
Wirtszellen: Leberzellen


Das Hepatitis-B-Virus (HBV) gehört zur Familie der Hepadnaviridae, Genus Orthohepadnavirus. Es handelt sich um ein 45 nm großes doppelsträngiges DNA-Virus mit kompakter Genomstruktur. Die Virushülle besteht aus einer Lipidmembran, in die das Hepatitis-B-Oberflächen-Antigen (HbsAg) eingelagert ist. 7 Genotypen (A-G) des HBV sind bekannt. In Mitteleuropa herrschen die Genotypen A und D vor. Die Vermehrungsstrategie des HBV ähnelt der von Retroviren, obwohl im Partikel (anders als bei den Retroviren) DNA als Genom enthalten ist. Das Virus vermehrt sich fast ausschließlich in Leberzellen und wird in großen Mengen in das Blut sezerniert. Die Virämie erreicht mehr als 108 Partikel/ml. - Das Virus ist gegenüber Umwelteinflüssen und Desinfektionsmitteln relativ stabil, jedoch gegen organische Lösungsmittel und Detergenzien empfindlich

Übertragung und Inkubationszeit:

Es gibt vier wesentliche Übertragungswege des Hepatitis B Virus :

Vertikal (perinatal)
Eine infizierte Mutter gibt das Virus während der Geburt an ihr Kind weiter.

Haushaltskontakte
Die Weitergabe des Virus von Mensch zu Mensch innerhalb desselben Haushalts, durch infizierten Speichel, Blut oder andere Körperflüssigkeiten, durch Kratzer oder andere Verletzungen.

Parenteral
Kontakt mit einer Körperflüssigkeit, die mit dem Hepatitis B Virus infiziert ist. Die am weitesten verbreitete Infektionsquelle ist mit HBV infiziertes Blut, welches durch intravenösen Drogenmißbrauch, Tätowieren, Ohrlochstechen, versehentliche Nadelstichverletzungen usw. weitergegeben wird.

Sexuell
Männer und Frauen mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr stehen unter dem erhöhten Risiko einer Hepatitis B-Infektion.


Jedes Jahr stecken sich in Deutschland mindestens 50.000 Menschen mit der Hepatitis-B-Erkrankung an.

Die Übertragung erfolgt häufig über Blut. Kleinste Kratzwunden der Haut können eventuell eine Eintrittspforte für die Hepatitis-B-Erkrankung darstellen, wenn sie mit virushaltigem Blut in Kontakt kommen. Auch eine Übertragung durch Speichel, z.B. beim Biss, ist vorstellbar. Da die Virusmenge im Blut höher als in anderen Körperflüssigkeiten ist, stellt direkter Blutkontakt ein hohes Übertragungsrisiko dar.

Der häufigste Übertragungsweg ist aber ungeschützter Geschlechtsverkehr!

Junge Erwachsene sind deshalb besonders gefährdet, sich hierdurch zu infizieren

Die Zeit zwischen der Ansteckung bis zum Auftreten der Krankheit beträgt ein bis sechs Monate (Inkubationszeit).

Symptome:



· Die ersten Beschwerden sind Appetitlosigkeit, Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen und leichtes Fieber.
· In der zweiten Krankheitsphase färben sich Haut, Schleimhäute und Augen gelb (Gelbsucht/Ikterus). Der Stuhl entfärbt sich und der Urin wird dunkel.
· Danach tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein. Die Erkrankung dauert meist vier bis sechs Wochen an.
· Zwei Drittel aller Erwachsenen und fast alle Kleinkinder können Hepatitis B haben, ohne dass sie etwas davon bemerken.


Bei etwa drei Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Leberentzündung. Die chronische Hepatitis B kann ganz ohne Beschwerden verlaufen oder eine Reihe von weniger ernsthaften Beschwerden mit sich führen: Müdigkeit, Gelenk- und
Muskelschmerzen und gelegentlich ein Drücken unter dem rechten Rippenbogen. Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich eine Schrumpfleber (Leberzirrhose), die zu einem Versagen der Leberfunktionen oder zu Leberkrebs führen kann. Zwischen einer Ansteckung und der Erkrankung an Schrumpfleber oder Leberkrebs vergehen durchschnittlich 15 Jahre.

Behandlung:

Wenn der Verdacht einer akuten Hepatitis besteht, sollten Sie unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen. Es existiert keine ursächliche Therapie für eine akute Hepatitis B, daher erfolgt nur eine symptomatische Behandlung in Form von Bettruhe, Alkoholverbot oder Absetzung aller leberbelastenden Medikamente durch den behandelnden Arzt. Nach Abklingen der akuten Leberentzündung ist zumeist mit einem Ausheilen der Hepatitis B zu rechnen und keine weitere Therapie erforderlich.
Wenn Blutuntersuchungen und Gewebeproben eine chronische Hepatitis B nachgewiesen haben (frühestens sechs Monate nach Ausbruch der akuten Leberentzündung), kann unter Umständen in Abhängigkeit von den Befunden eine Therapie mit Interferon-Spritzen begonnen werden. Da diese Therapie jedoch sehr aufwendig, belastend und nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll ist, sollte diese Behandlung nur von einem, mit dieser Therapie erfahrenem Arzt durchgeführt werden. Rund ein Drittel der Patienten sind nach mindestens sechsmonatiger Therapie wieder gesund.
Wenn die Interferon-Therapie nicht erfolgreich ist, so besteht im Anschluss daran noch die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung mit einem gut wirksamen Medikament, welches die Vermehrung des Hepatitis B Virus hemmt. Da mit dieser Therapie aber nur höchstens ein Fünftel der Patienten dauerhaft geheilt werden kann und das Virus im Laufe der Zeit gegen das Medikament häufig resistent wird, ist diese Therapie erst in zweiter Linie zu empfehlen.
Sollte die chronische Hepatitis B nach etlichen Jahren zur Leberzirrhose geführt haben, so existiert oft als letzte Behandlungsmöglichkeit nur mehr eine Lebertransplantation. Nach jahrelanger, chronischer Hepatitis B besteht auch ein deutlich erhöhtes Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Deshalb ist es wichtig, dass bei Personen mit chronischer Hepatitis B und längerer Krankheitsdauer regelmäßig (halbjährlich) eine Kontrolluntersuchung durchgeführt wird, um einen Leberkrebs möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.


Impfung:

Es gibt eine sehr wirksame Impfung gegen Hepatitis B. Sie besteht aus drei Teilimpfungen. Nach der ersten Teilimpfung werden zwei weitere nach einem bzw. nach sechs Monaten verabreicht. Der Impfschutz hält mindestens fünf Jahre lang an. Danach kann durch eine Titerkontrolle überprüft werden, ob noch ein ausreichender Impfschutz vorhanden ist. Gegebenenfalls erfolgt dann eine Auffrischungsimpfung. Seit 1998 wird die Impfung bei allen Neugeborenen in Österreich flächendeckend durchgeführt. Es gibt auch einen kombinierten Hepatitis A/Hepatitis B-Impfstoff, der beide Impfstoffe enthält und in gleicher Weise verabreicht wird wie der alleinige Hepatitis B-Impfs

Verbreitung:

Die weltweite Verbreitung des Hepatitis B-Virus ist auf der Karte dargestellt. Die Anwesenheit von Hepatitis B wird festgestellt, indem man das Blut von Personen, welche möglicherweise infiziert sind, auf Antikörper gegen Hepatitis B (HBV Marker) untersucht. Je nach dem vorhandenen Antikörpertyp kann der Arzt sagen, ob der Patient gegenwärtig erkrankt ist, die Krankheit hatte und genesen ist, oder ein Träger des Virus ist.


Quelle: Prevention and control of Hepatitis B in the Community: VHPB/WER 1996

Schätzung der jährlichen Anzahl an Fällen von Hepatitis B:
Es wird geschätzt, dass 5% der Weltbevölkerung, ungefähr 350 Millionen, chronische Träger des Hepatitis B-Virus sind und dass das Virus für 1 Million Todesfälle jedes Jahr verantwortlich ist. (Prevention and Control of Hepatitis B in the Community WER/VHPB, 1996) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass es in Europa jährlich fast 1 Million Hepatitis B-Infektionen gibt, die zu 90.000 chronischen Trägern pro Jahr führen. Es wird geschätzt, dass jährlich 20.000 Personen an Leberzirrhose und primärem Leberkrebs aufgrund von Hepatitis B sterben.
(Prevention and Control of Hepatitis B in the Community WER/VHPB, 1996).

Deutschland gehört zu den Ländern mit einer vergleichsweise geringen Verbreitung der Hepatitis B. Hier wird der Anteil derer, die sich im Laufe ihres Lebens mit HBV infiziert haben, auf rund 6 % geschätzt. Der Anteil chronisch HBV-Infizierter (HBsAg-Träger) in der Allgemeinbevölkerung im Erwachsenenalter wurde im Bundes-Gesundheitssurvey mit 0,6 % (neue Bundesländer 0,4 %) ermittelt. Das bestätigte bisherige Schätzungen, die von 0,4-0,8 % ausgingen. In bestimmten Risikogruppen und bei aus Gebieten mit sehr hoher Seroprävalenz stammenden Personen ist die Rate der HBsAg-Träger z. T. erheblich höher

Zukunft der Hepatitis B Therapie:

Das hat Dr. Peer Kaiser von der Universität Tübingen dort bei einer Veranstaltung berichtet. Lamivudin ist ein Nukleosid-Analogon, das den natürlichen Bausteinen von DNA und RNA ähnelt. Er kann auch in der Therapie von Patienten mit Hepatitis B eingesetzt werden. Denn er hemmt nicht nur die reverse Transkriptase von HIV, sondern auch die DNA-Polymerase von Hepatitis-B-Viren (HBV).
Der Langzeiteffekt von Lamivudin (Zeffix®) wird zur Zeit in einer Studie an der Universität Tübingen geprüft. 130 Patienten nehmen daran teil, manche bereits seit fünfeinhalb Jahren. Vorläufige Ergebnisse belegen, daß der Gehalt an HBV-DNA im Blut nach Therapiebeginn rasch sinkt. Die Entzündungswerte gehen ebenfalls schnell zurück. Das gilt für die Infektion mit Viren des Wildtyps und Prä-Core-Mutante gleichermaßen. Die Serokonversionsraten nach einem Jahr liegen bei knapp 30 Prozent und damit um einige Prozent höher als die von Interferon. Außerdem ist die Behandlung bei der verwendeten Dosis - pro Tag eine Tablette mit 100 Milligramm - gut verträglich. Nachteil ist allerdings, daß die Resistenzraten sehr hoch sind und die Therapiedauer noch nicht verbindlich festgelegt ist.
Adefovir wird zur Zeit in einer internationalen Phase-III-Studie mit über 500 Patienten geprüft. In Deutschland sind drei Zentren daran beteiligt, darunter auch Tübingen. Wie Kaiser berichtete, sind ersten Analysen zufolge nach zweijähriger Therapie noch keine Resistenzen aufgetreten. Die Serokonversionsraten sind gut. Da Adefovir bei HBV nur in geringen Dosen verwendet werde, sei eine Nephrotoxizität nicht zu befürchten. Diese unerwünschte Wirkung kann bei den deutlich höheren Konzentrationen vorkommen, wie sie HIV-Patienten erhalten.




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