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Hans Fallada - Referat



Hans Fallada

Am 21. Juli 1893 kommt in der Familie des Landrichters Wilhelm Ditzen nach den Töchtern Elisabeth und Magarete das dritte Kind zur Welt. Es ist der erwünschte Junge, der nach einem Onkel des Vaters den Namen Rudolf und dazu die Modenamen Wilhelm und Adolf erhält.
,,Es war ein kräftiges Kind, 6 ¾ Pfund schwer. Die Freude war groß, auch bei den Schwestern. Nur kam leider viel Ungemach hinterher" erinnert sich Elisabeth Ditzen.
Mit de Unglück sind wohl zunächst nur die Ernährungsstörungen, der anhaltende Gewichtsverlust und die zahlreichen Krankheiten gemeint, die der Sohn durchmacht. Rudolf wird unter Schwierigkeiten auf die Welt gebracht, er hat Mühe die ersten Tage zu überstehen. Er ist von Anfang an das Sorgenkind Nummer eins der Familie - und bleibt es auch nach der Geburt seines Bruders.
Der Junge ist phantasiebegabt und sensibel; eigenes Leid oder Missgeschick verbindet sich mit dem anderer Menschen und wird auf diesem Umweg noch wieder zu eigener Not. Aber selbst wenn sich später die Greifswalder Jahre in der Erinnerung zu einer einzigen ,,Kette von Unheil und Unglück" verdichten, bleiben noch genügend wirkliche Zwischenfälle, und die Mutter spricht davon, dass er wenigstens dreimal nur mit Mühe dem Allerschlimmsten entging.
Ostern 1901 wird Rudolf Ditzen - mit einem Jahr Verspätung - am Schöneberger Gymnasium in der Grunewaldstraße eingeschult. Dieses Prinz-Heinrich-Gymnasium war ein ,,sehr feines Gymnasium" wo ,,in der Hauptsache die Söhne vom Offiziers- und Beamtenadel, auch die von anderen reichen Leuten die Schulbank drückten".
Schon die aller erste Begegnung mit der Schule verläuft symptomatisch und könnte als Symbol für die ganze erfolglose Zeit Ditzens an der Lehranstalt gelten: Der Vater begleitet den Jungen auf seinem ersten Schulweg und führt ihn zum Rektor. Bereits die Tage vor diesem Ereignis waren angefüllt mit endlosen Ermahnungen und Ratschlägen für höfliches, lernwilliges Verhalten. Sie mögen den Widerspruchsgeist Rudolfs geweckt haben, denn als er dem Rektor gegenübersteht und ihn begrüßen soll, vergräbt er die Hände in den Hosentaschen und bleibt an der Tür stehen, bereit, das Zimmer zu verlassen und in das schützende Elternhaus zurückzukehren. Weder die sanften Ermahnungen noch der drohende Blick des Rektors können seinen Eigensinn brechen. Der Rektor entlässt Rudolf mit den Worten: ,,Dich werden wir schon zurechtkriegen!".
Als Rudolf am nächsten Morgen zum Unterricht erscheint, sieht er die neugierig-spöttischen Blicke der Mitschüler auf sich gerichtet. Er ist - nach Auftreten und Kleidung - ein Außenseiter am Prinz-Heinrich- Gymnasium, und bleibt es auch fortan.
Die Schultage werden für ihn zur Qual, er ist die Zielscheibe des Gespötts von Schülern und Lehrern. So wie er ist passt er nicht in den Rahmen, seine Frisur ist nicht modisch genug, den der Fransenschnitt war längst aus der Mode gekommen, und die geflickte Hose entsprach auch nicht gerade dem damaligen Trend. Ditzens Eltern reagieren mit Unverständnis und leeren, nutzlosen Trostworten. Seine Lernleistungen liegen unter dem Klassendurchschnitt, zweimal wird er nicht versetzt und muss eine ganze Klassenstufe wiederholen und wechselt zum Bismarck-Gymnasium in der Pfalzburgerstraße. Es war der vergleichsweise harmlose Anfang einer Rolle aus der er sich nie wirklich befreien sollte.
Rudolf gewöhnt sich an den Gedanken keine Hilfe von außen zu erhalten, dass er mit seien Sorgen allein fertig werden muss. Die Schule wird für ihn zum Albtraum, der ihn auch nachts verfolgt. Er nutzt jede Gelegenheit, einen Schultag auszulassen. Da er oft krank ist, geschieht das häufig.
In diesem einsamen Stunden erschließt sich Rudolf den Zugang zu einer anderen Welt: der Welt der Bücher. Nach den gemeinsamen Familienleseabenden in Greifswald hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht als selbst auch lesen zu können und nicht von den zugeteilten Leserationen seines Vaters abhängig zu sein.
Er las in jeder feie Minute, seine Eltern beobachteten diese Neigung, soweit sie es überhaupt bemerkten mit Sorge. Der Mutter machte vor allem der labile Gesundheitszustand des Jungen Kummer; der Vater versuchte vergeblich dem Jungen den Lesestoff zu zuteilen und dadurch den Zusammenhalt mit den Altersgenossen zu fördern. Rudolf findet im Bücherschrank seines Vaters einen schier unübersehbarer neuer Abenteuer, die ihn weitaus mehr fesselten als die Suche nach eigenen Erlebnissen.
Am 21. März 1909, kurz vor der Übersiedlung der Familie von Berlin nach Leipzig, wird Rudolf Ditzen noch rasch vom Militärpfarrer im Berliner Dom konfirmiert.
Ab Ostern 1909 soll Rudolf - vorausgesetzt er besteht die Aufnahmeprüfung am Königin -Carola-Gymnasium in Leipzig weiterlernen. Um schon zu Ostern in die Sekunda des Carola-Gymnasiums aufgenommen werden zu können, wie es der Vater wünscht, muss er sich einer Prüfung unterziehen. Damit sie nicht in einem skandalösen Debakel endet, hat Wilhelm Ditzen seinem Sohn in den letzten Berliner Monaten Privatunterricht erteilen lassen. Rudolf sieht der Prüfung mit sehr geringen Erwartungen entgegen, aber trotzdem schafft er es.
Aber auch hier schafft es Rudolf nicht einen Anschluss zu finden, er ist viel allein und liest, wie schon in Berlin, sooft es nur geht. Aber er versucht es immer wieder Freunde zu gewinnen und so schließt er sich einer Art Wandergruppe an, aber er ist auch dort fehl am Platz. So hält er sich künftig allen Vereinen, Gliederungen und Organisationen jeder Art fern.
Der Junge beginnt in dieser Zeit aufmerksamer in sich hineinzuhorchen, er beobachtet auch die anderen kritischer. Er vergleicht die Eltern, Freunde und Verwandten mit den Gestalten aus seinen Lieblingsbüchern, misst sie an ihnen. Er zeiht sich vollends zurück in seine Traum- und Phantasiewelt, verschließt sich nach außen hin ganz und gar. Den Eltern fällt es schwer zu verstehen, was in dem heranwachsenden Jungen vorgeht. Sie sind in der Welt ihrer eigenen Grundsätze, Normen und Anschauungen zu sehr befangen. Zu diesen Eckpfeilern der elterlichem Moral gehört auch, das sie mit ihren Kindern nie über sexuelle Probleme sprechen. Die Aufklärung der Söhne wird vom Vater kategorisch abgelehnt.
Rudolf Ditzen erkennt mit Schrecken, dass er sich gegenüber dem anderen Geschlecht nicht unbekümmert und natürlich verhalten kann. Wieder stehen ihm dabei seinen literarischen Freunde zur Seite. Von ihnen sieht er einen klassischen Lösungsvorschläge ab: den anonymen Brief. Er schreibt an die Eltern eines Mädchens aus der Nachbarschaft, das er kaum kennt, das ihn aber wegen ihrer vornehmen Zurückhaltung nachts in seinen Träumen beschäftigt: ,,In den Anlagen der Promenade zwischen fünf und sechs Uhr werden Sie den Schüler Ditzen mit Ihrer Tochter Unzucht treiben sehen. Ein Freund des Hauses, der wacht."
Für einen Moment wird er unsicher. Der Vater des Mädchens ist ein Kollege Wilhelm Ditzen. Aber er schickt den Brief ab; die Bombe war gelegt.
Er geht mit den anderen zur Schule als wäre nichts geschehen. Er hört gleichgültig auf die Worte der Freunde und Lehrer , kehrt in das Elternhaus zurück und wartet auf die Antwort des Schicksals, das er herausgefordert hat. Als nach dem zweiten Tag immer noch Ruhe herrscht, beschließt er einen weiteren Brief mit dem selben Inhalt zu schreiben, dann einen dritten, einen vierten...
Eines Morgens trifft er auf dem Schulweg unvermittelt auf Elise, das Mädchen, an das die Briefe gerichtet sind. Als sie ihn erblickt, errötet sie tief, macht einen weiten Bogen um ihn und entfernt sich rasch. Da weiß Rudolf das seine Bombe gezündet hat. Weil er im Brief offen seine Namen genannt hatte, rechnete er kaum damit, selbst in den Kreis der Verdächtigen zu geraten. Aber Ditzens Rechnungen geht, wenn es überhaupt eine gibt, nicht auf. Es können nur wenige Personen Schreiber der Briefe sein; Elise ist ein stilles zurückhaltendes Mädchen, das nur selten Besuch erhält und kaum Freunde hat. Einer von ihnen muss der Schreiber sein. Man vergleicht Handschriftproben und kommt der Sache schnell auf den Grund. Reichsgerichtsrat Ditzen und Elises Vater konferieren lange. Rudolfs Mutter wird hinzugezogen und der Hausarzt Dr. Eggebrecht konsultiert. Der lässt den Jungen in seine Sprechstunde kommen, spricht lange und gründlich mit ihm, und Rudolf überwindet seine Verstocktheit. Gegenüber Dr. Eggebrecht erklärt Ditzen, er habe sich verliebt und im Laufe der Bekanntschaft den unwiderstehlichen Drang gehabt, das Mädchen das er liebt zu verletzen. Er habe die Briefe aus einem Zwang heraus geschrieben. Auf Dr. Eggebrecht macht Rudolf den Eindruck ,,eines schwer hysterischen Menschens, der in seiner Zurechnungsfähigkeit erheblich vermindert erscheint". Ein langes Gespräch mit dem Vater schließt sich an, indem de Arzt erklärt: ,,Die seelische Überreizung ihres Sohnes hat ihre Ursache in seiner vollkommenen sexuellen Unaufgeklärtheit. Indem er plötzlich, aus der Pubertät resultierenden Verschiebungen seiner Physis als etwas rätselhaftes gegenübersteht, zwingen eben diese ständig vermehrten Verschiebungen seine Psyche, sich unausgesetzt damit zu beschäftigen. Diese Überreizung ist bereits derart stark geworden, dass sie in ihren Äußerungen das Pathologische streift, wenn nicht gar schon hierin übergreift".
Der Vater wertet die Diagnose des Arztes als schweren Eingriff des Arztes in die internen Familienangelegenheiten. Um weiteren Vorfällen aus dem Weg zu gehen beschließen die Eltern ihn am Rudolstädter Gymnasium anzumelden.
Am Mittwoch, dem 18. Oktober erscheint auf der Titelseite der örtlichen Zeitung ein großaufgemachter Bericht über eine ,,Gymnasiastentragödie".
Nachdem er aus dem Hause des Dr. Braune wegen Meinungsverschiedenheiten hatte ausziehen müssen, musste er sich einen neue Bleibe suchen. Diese findet er im Hause des 63jährigen Oskar von Busse. Ditzens Hoffnung, durch den Wohnungswechsel auf andere Gedanken zu kommen und seine Zwangsvorstellungen zu besiegen, erfüllt sich nicht. Unklar zunächst, dann immer bestimmter und konkreter entsteht die Idee, einen Menschen töten zu müssen. Bald verbindet sich die Zwangsvorstellung mit dem Bild seiner Freundin Erna Simon. Irgend etwas in ihm befiehlt: Du musst sie erschießen! Ditzen sieht keine andere Wahl mehr, von seinem Wahn freizukommen, als ihm nachzugeben oder sich selbst zu töten, um Ruhe zu finden. Er spricht mit Hanns Dietrich von Necker darüber und bittet den Freund ihn zu töten. Das Verhältnis zwischen beiden war in letzter Zeit immer einseitiger geworden. Necker ist Ditzen völlig ergeben. Seine Unterwerfung geht bis zur völligen Selbstaufgabe. Aber den Wunsch, ihn zu töten, kann selbst von Necker Ditzen nicht erfüllen. Doch die Idee das beide gemeinsam aus dem Leben scheiden lässt sie fortan nicht mehr los. Rudolf erscheint der Gedanke des Doppelmords zunächst abwegig. Wer soll zuerst aus dem Leben scheiden? Wer soll die Kraft haben, sich danach mit der selben Waffe zu erschießen? Aber von Neckers Plan sieht ein Scheinduell mit zwei verschiedenen Waffen vor. Als Termin wird der 17. Oktober, fünf Uhr morgens vereinbart. Schauplatz soll der Uhufelsen mit seiner düster-grusligen Kulisse sein.
Lange bevor an diesem Tag die Sonne aufgeht laufen die beiden Freunde los. Ditzen und necker treten in den Wald ein. Auf der Uhuhöhe suchen die beiden nach einem geeigneten Platz. Sie finden eine kleine Lichtung zwischen den Kiefernschonungen. Ditzen schießt zuerst und trifft von Necker um ganz sicher zu sein schießt er noch einmal mit dem Revolver des Freundes der schmerzverzerrt am Boden liegt und richtet dann ohne zu zögern den Revolver auf sich und drückt zweimal ab. Dann verliert er das Bewußtsein. Ditzen wird von einem Bauern gefunden und in das nahegelegene Dorf Eichfeld und von dort mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Rudolstädter Krankenhaus gebracht. Hans Dietrich von Necker ist zu diesem Zeitpunkt schon tot. Gegen Ditzen wird Anklage wegen Mordes erhoben und eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Zu ernsthaften Untersuchungen kommt es allerdings nicht, denn der Vorgang wird als individuelles Versagen behandelt.
Für Rudolf Ditzen geht mit diesem tragischen Vorfall die Schulzeit zu Ende ohne Abschluss. Rudolf wird in die geschlossenen Anstalt in Tannenfeld eingewiesen, seine Tante Adalaide Ditzen übernimmt seine Erziehung.
1913 beginnt Ditzen seine Landwirtschaftsschülerausbildung in Posterstein.
Im August 1914, unmittelbar nach der allgemeinen Mobilmachung, meldet sich Rudolf Ditzen freiwillig zum Militärdienst, obwohl er bereits im März 1913 ausgemustert worden war. trotz gesundheitlichem Risikos dient Rudolf seinem Kaiser elf Tage lang als Soldat beim Train in Leipzig.
Am 1. Oktober 1915 tritt Ditzen einen Stelle als Rendant auf einem Gut in Heydebreck, Hinterpommern an. Er schließt seine Ausbildung dort ab und wird 1916 entlassen. Dazu dieser Zeit bereits ein kriegsbedingter Mangel an geeigneten Fachkräften besteht, kann Ditzen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter der Landwirtschaftskammer Stettin und später sogar der dortige Leiter der Vermittlungsstelle für Saatkartoffeln werden. Aber auch hier macht er keinen Hehl daraus, dass er vorhat, ein Buch zu schreiben und Schriftsteller zu werden. Er ergreift die erste ihm sich bietende Gelegenheit, die Arbeit in Stettin gegen eine ähnliche in Berlin zu tauschen, um den großen Zentren der Literatur nah zu sein. Am 15. November 1916 wird er Angestellter einer Kartoffelanbaugesellschaft in Berlin.
An den langen Abenden des Winters 1916 entflieht Ditzen der grauen Welt des Alltags mit ihrem Hunger und Kriegsleid und geht in das ,,Café des Westens", wo er auf Geschäftsleute, Künstler, Journalisten und Schriftsteller trifft. Hier traf auch Ernst Rowohlt die Vorbereitungen für seinen ersten Verlag. Hier lernte Rudolf den Geschäftsmann Egmont Seyerlen kennen, ein Schriftsteller der schon reden von sich gemacht hat. Ditzen und Seyerlen fühlten sich spontan zueinander hingezogen. Die gemeinsamen Interessen, die Bekanntschaft mit Rowohlt- all das lässt sie rasch Freunde werden. Bei einem Besuch lernt er Anne Marie Seyerlen kennen, die eine Art Freundin für ihn wird, der er alles anvertrauen kann. Während Ditzen tagsüber Kartoffeln prüft oder in Eisenbahnzügen zu den Landwirtschaftsbetrieben unterwegs ist denkt er über die Forderungen von Anne Marie nach ein Buch über die Geschichte seiner Kindheit zu schreiben. bevor er daran geht entstehen Gedichte, die er 1917 dem Kurt-Wolff-Verlag als Lyrikband mit dem Titel ,,Gestalten und Bilder" anbietet. Der wird allerdings mit der Begründung abgelehnt, dass auf Grund der angespannten ökonomischen Lage keinen neuen Verträge geschlossen werden.
Am 24. August 1917 beginnt Rudolf seinen ersten Roman. Held des Buches ist der Gymnasiast Kai Goedeschal, ein sensibler psychisch labiler Junge, der sich von Eltern und Lehrern unverstanden fühlt. Die autobiographischen Züge sind unverkennbar.
Er setzt sich ein tägliches Arbeitspensum um voranzukommen. Rowohlt, der das Buch erst später liest, folgt einer spontanen Eingebung und ermutigt den Jungen Mann zum weiterschreiben. Vielleicht spürt er, dass in ihm mehr steckt als diese expressionistische Pubertätsgeschichte. Ditzen sieht den kommenden Ereignissen mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Einerseits ist er stolz darauf, dass bald ein richtiges Buch von ihm erscheint, andererseits hat er aber Angst vor den Reaktionen der Eltern, Verwandten und Bekannten. Er beschließt das Pseudonym Hans Fallada anzunehmen um unerkannt zu bleiben. Allerdings erwies sich dieses Geheimnis als relativ kurzlebig, bei einem Besuch bei seinen Eltern in Leipzig sind dieses darüber schon informiert. Ditzen geht daran, die Vorschläge zur Überarbeitung des Manuskriptes von Goedeschal auszuführen. Er trägt sich nun ernsthaft mit dem Gedanken, seinen Stellung aufzugeben und freier Schriftsteller zu werden. Sein Vater unterstützt ihn dabei finanziell.
Die harte Kleinarbeit ist Rudolf zu anstrengend, er lässt sich krankschreiben und bleibt im Bett.
Eines Abends
kommt Anne Marie Seyerlen zu Besuch, in Begleitung eines jungen Arztes. Sie fragt ihn, was er denn immer für Sachen macht, sagt, dass er bald wieder auf die Beinen kommen muss und dass er unbedingt etwas braucht was ihn auf andere Gedanken bringt. Der Arzt verabreicht ihm Morphium, die Frau wird immer unwichtiger für ihn er hat einen neue Liebe gefunden: das Gift.
Er lernt Wolfgang Parsenow kennen, der an der Westfront gedient hatte und ebenfalls Morphium abhängig war. Bald kann auch Rudolf mit der Spritze umgehen, sein tägliches Quantum steigt. Er erfindet immer wieder neue Krankheiten um einen Dosis Morphium beim Arzt zu erhalten. Auch auf dem Schwarzmarkt gelingt ihm hin und wieder ein erfolgreiches Geschäft. Manchmal kann er aber für sein Geld nur Kokain erhalten, das er in seiner Not nimmt eine gefährliche Steigerung seiner Sucht. Nach dem Tod seines Bruders Ulrich der in Frankreich gefallen ist fasst Ditzen den festen Entschluss, sich in einen Sanatorium systematisch vom Morphium entwöhnen zu lassen. Im August 1919 meldet er sich in Tannenfels zu einer Kur an, diese bleibt jedoch erfolglos. Er kehrt nach Berlin zurück.
Als ,,Der junge Goedeschal" erscheint ist der Autor längst nicht mehr Angestellter der Kartoffelanbaugesellschaft in Berlin, er befindet sich zu einer neuen Entziehungskur in Rinteln an der Weser. Diese, wie auch die Aufenthalte in Tannenfeld und Carlsfeld bei Halle, bleiben erfolglos. Rudolf Ditzen wechselt in der Folgezeit häufig die Stellen: Im Sommer 1919 ist er in Baumgarten, Pommern; im Herbst 1920 auf einem Lehrgut in der Nähe von Bad Doberan; im Sommer 1922 meldet er sich aus der Nähe von Fulgen; im Winter desselben Jahres arbeitet er auf einem Rittergut in Merzdorf, Deutschkrone.
Als er 1923 nach Gudderitz kommt, schleppt er noch immer seine Rauschgiftsucht mit. Unter den Leuten auf Kagelmachers Hof findet sich immer einer der ihm Geld leiht. Kagelmacher versucht den Freund mit Hilfe von Alkohol von seiner Sucht zu befreien. Die Folge: Ditzen ist von beiden abhängig. Rudolf Ditzen ist bei Kagelmacher als Rechnungsführer angestellt und schreibt in seinen freien Stunden an seinem zweiten Buch ,,Anton und Gerda", das in wesentlichen Teilen die Probleme des ersten Roman wiederholt. Ditzen hofft mit diesem zweiten Buch mehr Anerkennung zu finden, die bei seinem Erstling versagt blieben. Als er den Roman abgeschlossen hat, hält es ihn nicht länger auf Rügen, er setzt seinen Wanderungen durch Deutschland fort.
Ditzen findet eine neue Anstellung als Rendant in Neu-Schönfeld bei Bunzlau in Schlesien. Hier begeht er, um seinen durch Morphium und Alkohol arg strapazierten Etat aufzubessern, einen Unterschlagung. Er verschiebt eine größere Menge Korn an Städter. Rudolf Ditzen wird von einem Schöffengericht in Bunzlau zu einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Ditzen muss seinen Strafe erst nach einem Jahr antreten. Nun ist bei Rowohlt Ditzens zweiter Roman erschienen, wieder wird er vom Publikum nicht angenommen. Am 20. Juni 1924 tritt er seine erste Haftstrafe an, er wird sie im Gerichtsgefängnis Greifswald absitzen.
Unmittelbar nach seiner Entlassung entstehen einige kleinere journalistische Arbeiten, die 1925 in dem von Franz Hessel geleiteten ,,Tage-Buch" erscheinen. So die Skizze ,,Stimme aus den Gefängnissen" und der Artikel ,,Stahlhelm-Nachtübung": Ditzen findet nach dem er einige Wochen bei Kagelmacher in Gudderitz gelebt hat, eine Anstellung als Rendant in Lübgust, Kreis Neustettin; kurz darauf in Neuhaus, Holstein. Hier begeht er einen neue Unterschlagung. Am 18. September 1925 stellte er sich selbst der Polizei und wurde vom Landgericht Kiel zu zwei einhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Diese zweite Strafe verbüßt er im Zentralgefängnis Neumünster. Als Rudolf im Februar 1928 aus dem Gefängnis entlassen wird, muss er, wie Willi Kufalt, der Held des Romans ,,Wer einmal aus dem Blechnapf frisst", all die Hindernisse überwinden, die sich vor ihm auftürmen.
Rudolf Ditzen ist nun 35 Jahre alt, mittellos, ohne Schulabschluss, ohne Beruf. Erlässt sich nach Hamburg entlassen, da er hofft dort Arbeit zu finden. In dieser Zeit machte er die wichtigste Bekanntschaft seines Lebens. Anna Magarete Issel, Tochter des Hauses in der Rudolf wohnte bis sie von ihrer Kur zurückkehrte, von allen Suse genannt, ist 27 Jahre alt und Lagerarbeiterin. Er verliebt sich auf Anhieb in die junge Frau und verläßt kurz darauf Hamburg wieder um in Neumünster bei einer Zeitung arbeiten zu können. Seine erste Aufgabe ist es Abonnenten für diese Zeitung zu finden. Am 5. April 1929 heiratet er Suse, am Ostersonntag in Hamburg. Sie lassen sich standesamtlich trauen.
Ab Januar 1928 kam es zu Massendemonstrationen der Großbauern, auf denen die Forderung nach Agrar- und Steuerreform laut wurde. Im Verlaufe des Jahres kam es zwischen zwei Bauernführern zu Meinungsverschiedenheiten.. Während der eine mit symbolischen Bombenlegungen in öffentlichen Gebäuden das allgemeine Interesse auf die Forderungen der Großbauern lenken wollte, versuchte der andere durch passiven Widerstand auf das Elend aufmerksam zu machen. Diese Ereignisse prägen Ditzen. Es veranlasst ihn 1931 das Buch ,,Bauern, Bonzen und Bomben " zu schreiben.
Im Sommer 1929 begünstigt ein Zufall den weiteren Schaffensweg Rudolf Ditzens. Er trifft, bei einem Ausflug mit Suse, unverhofft seinen ehemaligen Verleger Ernst Rowohlt wieder. Er holte ihn 1930 zurück nach Berlin und verschafft ihm eine Stellung. Er wird Mitarbeiter des Verlages, Leiter des Rezensionsabteilung. In den Nachmittagsstunden schreibt er den Roman ,,Bauern, Bonzen und Bomben" (vorher ,,Ein kleiner Zirkus namens Monte" ) zu Ende. Aber noch bevor das Buch erscheint muss der Verlag Konkurs anmelden. Zur Konkursmasse gehört auch 11000 Mark Zahlungsschulden an Ditzen. Er erhält die Kündigung.
Die finanziellen Sorgen der Familie werden dadurch verschärft, dass am 14. März 1930 der Sohn Ulrich geboren wird und Ditzen ein kleines Haus im Berliner Vorort Neuhagen auf Abzahlung erworben hat. Unter dem unmittelbare Eindruck seiner schwierigen materiellen Lage schreibt Rudolf den Roman ,,Kleiner Mann-was nun?" nieder, durch den Der Verlag wieder Auftrieb erhalten soll. Der Roman schlägt ein wie eine Bombe, die finanzielle Misere von Familie Ditzen und dem Verlag Rowohlt beendet.
Als Suse wieder schwanger ist ziehen sie nach Berkenbrück bei Fürstenwalde.
Kurz nach dem Umzug, am Ostersonntag wird Ditzen in Berkenbrück von der SA verhaftet. Er wird zu 11 Tagen Haft verurteilt, weil er dringend verdächtig sei an einer Verschwörung gegen die Person des Führers beteiligt zu sein. nach seiner Freilassung verlässt die Familie Berkenbrück und beziehen ihr neues Domizil in der Lietzenburger Straße mitten in Berlin. Hier fühlen sie sich wieder sicher.
Am 18. Juli bringt Suse zwei Mädchen zur Welt, von denen eines nur tot geboren wird. Das andere erhält nach der gemeinsamen Freundin den Namen Lore. Während Suse noch im Krankenhaus blieben muss kümmert sich Rudolf um ein neues Haus, welches er dann in Carwitz bei Feldberg findet. Hier in Carwitz hofft Ditzen auf Frieden, er nimmt es in Kauf völlig abgeschottet zu leben und für die Welt da draußen gestorben zu sein. Unmittelbar nach dem Kauf des Grundstückes in Carwitz veranlasst Ditzen die Arbeiten zum Umbau des Landhauses. Er mietet ein Zimmer im Hotel in Feldberg und setzt dort die Niederschrift des Blechnapf-Romans fort. Am 9. November 1933 kann Ditzen seinem Verleger diesen, seinen jüngsten Roman präsentieren. Noch im selben Monat beginnt Ditzen, nun schon im eigenen Haus in Carwitz, ein neues Buch das den Titel ,,Wir hatten mal ein Kind" trägt und dessen Niederschrift am 24. Februar 1934 beendet ist. Ende des Jahres wird er erscheinen. Der. Verlag ist zufrieden mit dem bisherigen Verkauf des Blechnapf-Romans, der trotz scharfer Kritik angenommen wurde.
Im Spätsommer 1934 fahren Ditzen und Suse für ein paar Tage nach Berlin. Der Umbau des Hauses ist abgeschlossen, die Ernte eingebracht. Suse und Ditzen wollen sich nach den Aufregungen des letzten Monats ein paar Wochen Ruhe gönnen. Von dort aus fahren sie dann weiter nach München zu einem befreundeten Ehepaar und verleben ein paar schöne Tage im bayrischen Vorgebirge. Am 1. Oktober sind sie wieder in Carwitz.
Kagelmacher, der inzwischen völlig verarmt ist, wird für ein paar Monate aufgenommen.
Nach einer durchzechten Nacht kommt es- wegen Nichtigkeiten- zu einem schweren Verwürfnis mit Suse. Sie hat bisher alle Launen Ditzens still ertragen. Aber als er sich nun wieder an den Alkohol zu gewöhnen beginnt, schweigt sie nicht länger. Ditzen flieht aus Carwitz und kehrt nach einer Woche völlig elanlos wieder zurück.
Am 16. März 1935 ist Ditzen plötzlich verschwunden. Mit dem Zug ist er nach München gefahren wo er im angetrunkenen Zustand ankam. Gleich nach der Ankunft wurde er in eine Klinik gebracht, wo er von einem Psychiater behandelt wird. Vierzehn Tage hält Ditzen sich in der Klinik auf. Suse reist ihm nach und begleitet ihn Ende März nach Hause. Aber Ditzen bleibt labil und anfällig. Er organisiert seinen Arbeit neu. Er wird nun vor allem an jenen Geschichten weiterschreiben, die politisch nicht verfänglich sind. Er nimmt sich den Roman ,,Altes Herz geht auf die Reise" wieder vor. Daneben entsteht ,,Das Märchen vom Stadtschreiber, der aufs Land flog". Noch Ende 1935 erscheint das Buch bei Rowohlt. Im August wird Rudolf Ditzen aufgefordert seinen Stammbaum einzureichen. Am 12. September erhält er den Bescheid, dass er fortan als ,,unerwünschter Autor" angesehen werde, dem es untersagt ist, seine Bücher im Ausland zu publizieren und Verträge mit ausländischen Verlagen abzuschließen. Das ist der Anfang vom Ende. Erüberlegt ob er das Land nicht verlassen sollte, so wie es viele seiner Kollegen schon getan haben. Aber Rudolf Ditzen ist in dieser Hinsicht ein zutiefst mit seiner Heimat verbundener Schriftsteller.
Am 23. November muss Ditzen in das Sanatorium ,,Heidehaus" nach Zepernick gebracht werden, das von seinem ehemaligen Schulkollegen Dr. Willi Burlage geleitet wird.
Am 27. Juli 1936 beginnt Rudolf Ditzen die aufregendste und gewaltigste Schreibarbeit seines Lebens. Er fängt einen Roman an, der später von den Literaturhistorikern als einer der bedeutendsten klassifiziert wird. Diese Buch, das Rudolf Ditzen vom ersten Tag an den ,,Wolfroman" nennt, hat die Postersteiner und Radacher Erfahrungen und Erlebnisse zum Inhalt.
Am 14. April 1937 stirbt der Reichsgerichtsrat a. D. Wilhelm Ditzen an Kreislaufversagen im Alter von 85 Jahren.
Ende September wird sein Roman ,,Wolf unter Wölfen" herausgegeben. Für Ditzen beginnt nun die gefürchtete Zeit zwischen der Niederschrift des Romans und der Reaktion des Publikums.
Das Buch das er unmittelbar danach beginnt, ist ein heiterer Roman. Er trägt den Titel ,,Kleiner Mann- großer Mann, alles vertauscht". Damit will er an den Erfolg von ,,Kleiner Mann- was nun" anknüpfen. Aber erst wendet er sich noch einem neuen Projekt zu. Am 13. November schreibt er an seinen Verleger: ,,Ich habe heute morgen den Eisernen Gustav gestartet". Schon am 28. Februar erhält Rowohlt das etwa 800 Seiten starke Manuskript. Das Buch soll verfilmt werden.1938 erscheint dann ,,Der eiserne Gustav".
Am 3. April 1940 wird sein 3. Sohn Achim geboren.
Außer bei Reisen zur Mutter oder zur Beisetzung von Tante Adalaide Ditzen verlassen Anna und Rudolf Ditzen kaum noch den Ort. Im März 1943 erhält Ditzen einen offiziellen Auftrag vom Propagandaministerium, an einer Frankreichfahrt mit dem ,,Reichsarbeiterdienst" teilzunehmen und darüber zu schreiben. Vor und nach diesen Reisen muss sich Ditzen wieder zu Dr. Zutt ins Sanatorium Berlin-Westend zur Behandlung begeben. Am meisten hat Suse unter der labilen Verfassung ihres Mannes zu leiden. Oft kommt es zum Streit. Nach der zweiten Frankreichreise hat Ditzen das Verhältnis mit der Haustochter Anneliese so offen fortgesetzt, das es im Dorfe zu Gerede kommt. Als Suse diesen Klatsch über ihr intimstes Eheleben berührt, jagt sie Mann und Mädchen aus dem Haus. Von Berlin aus versucht er sich bei seiner Frau zu entschuldigen. und erlebt dort das Gesicht des Krieges aus nächster Nähe. Die Schreckensnacht vom 14. zum 15. Februar 1944 prägte ihn stark. Sein vorletztes Buch ,,Der Alpdruck" handelt von dieser Schreckensnacht.
Am 5. Juli 1944 lässt er sich nach mehreren erneuten Versuchen seine Frau zurück zu erobern, von ihr scheiden. Er lernt Ursula Losch kennen, welchen ihn sehr stark an seine Frau erinnert. Als er seinen Sachen in Carwitz abholt, trifft er noch einmal auf Suse, die ihn anlächelt. Ditzen sieht in seiner Wut darin Spott und schießt mit dem Jagdgewehr auf sie. Er trifft zwar nicht aber wird noch am selben Abend in Gewahrsam genommen. Er wird zu 3 Monaten und 14 Tagen Haft verurteilt. Diese Strafe verbringt er in der Landesanstalt Strelitz. In dieser >Zeit schreibt er den Roman ,,Der Trinker". In diesem Buch denkt Ditzen sein eigenes Schicksal bis zum bitteren Ende weiter. Es ist die Geschichte des Trinkers Erwin Sommer, dessen Ehe aus diesem Grund gescheitert war.
Am 13. Dezember 1944 kehrt Ditzen mit zwei schweren Koffer, die seine Manuskripte enthalten, beladen, nach Carwitz zurück. Er will sich mit Suse aussöhnen und von Ulla Losch. Die junge Frau hat er ein Vierteljahr nicht gesehen, sie hat ihn in Altstrelitz nicht besucht, auch geschrieben haben sie einander nicht. Ditzen glaubt daher, dass es ihm leicht fallen wird, sich von ihr zu lösen. Zu Weihnachten versöhnt er sich mit Suse, aber als er Ulla wiedersieht sind seine Vorsätze wie weggeblasen. So verlobt sich Rudolf Ditzen noch an diesem zweiten Weihnachtsabend mit Ulla Losch. Am ersten Februar 1945 heiraten beide. Noch im selben Jahr wird er Bürgermeister von Feldberg und siedelt nach Berlin über. Dort lernt er Johannes R. Becher kennen und wird freier Mitarbeiter der Täglichen Rundschau.
Ein Jahr vor seinem Tode entstehen die Romane ,,Der Alpdruck", dessen Manuskript schon nach der Bombennacht 1945 entstanden ist, und ,,Jeder stirbt für sich allein".
Die Ausbrüche Ditzens, die Auflösung des Haushaltes und die Vernachlässigung der Kinder- all das lässt sich nicht länger vor den Nachbarn verbergen. Becher wird auf die Zustände im Hause Falladas aufmerksam gemacht. Er sorgt dafür, dass Ditzen und seine Frau in die Hände von Spezialisten in die Charité kommen. Rudolf Ditzen stirbt am fünften Februar 1947, im Alter von 54 Jahren an Herzversagen.







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