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Freundschaft im digitalen Zeitalter - Referat



Aufgabe war es, aus den uns vorliegenden Matierialien, vergangener Abiturprüfungen, zum Thema Freundschaft im digitalen Zeitalter einen Kommentar zu verfassen.
Dies ist mein Ergebnis:

Wenn 986 Freunde Einsamkeit verursachen...

Lass uns ein Experiment machen: Wenn du das nächste Mal unterwegs bist, zum Beispiel in einer Fußgängerzone, oder vielleicht in einem Restaurant sitzt, dann schau nach oben. Schau von deinem Smartphone auf, pack' es in deine Tasche und schau den anderen Menschen lächelnd in ihre Gesichter. Wie viele von ihnen, denkst du, werden deinen Blick erwidern? Unsere Generation hat ein Problem und ich denke das wirst auch Du bei deinem Experiment erkennen.
Es ist die Tatsache, dass wir, aufgrund der technischen Entwicklung der letzten Jahre, allmählich verlernen wahre Freunde zu finden. Es geht ein bestimmtes Gefühl verloren, welches unser Sozialleben einst beeinflusst hat und heute durch das Verlangen nach Online-Aktivität bzw. Online-Freuden wird.
Der Kulturkritiker William Deresiewicz hat sich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt und überlegt, was denn eigentlich 'wahre' Freundschaft ist, was sie ausmacht, wie sie sich entwickelt hat und welche Ansprüche sie stellt. In seinem nicht unbeachteten Essay „Faux Friendship“ vertritt er die These, dass soizale Netzwerke unsere Freundschaftserfahrungen negativ beeinflussen. Du bist bestimmt auch in einem sozialen Netzwerk angemeldet, oder? Um Facebook und Co. kommt man heutzutage ja auch nicht mehr herum, doch hast du schon einmal überlegt, wie sehr dich das Online-Leben in deinem realen Leben beeinflusst, hinsichtlich deiner Freunde?
Die sozialen Netzwerke machen es den Nutzern sehr einfach: Sie bieten eine gewisse Anonymität und Spielraum für die Darstellung eines jeden selbst - ob diese der Realität entspricht sei dahin gestellt. Mit einer Freundschaftsanfrage macht man bei einer anderen Person auf sich aufmerksam und diese kann entscheiden, ob sie online mit einem befreundet sein möchte, oder nicht. Im realen Leben würde man sich vielleicht begegnen, sich gegenseitig mustern und in Gesprächen mehr über die andere Person lernen, doch online..? Wir kennen zwar die Person nicht, welche eine „Freundschaftsanfrage“ geschickt hat, aber wir sehen, dass die Großtante unsrer Bekannten mit der Person auch „befreundet“ ist und sie ein ansprechendes Profilbild hat und nehmen an. Aber sind wir wirklich so Oberflächlich geworden?! Deresiewicz sagt: Ja.
„Das Internet ist Teil einer Entwicklung, bei der wir die Qualität der Freundschaft durch Quantität ersetzen.“ Wir tauschen also gute Freundschaften, die auf Emotionen, Vertrauen und gemeinsamen Erlebnissen basieren, gegen viele Freunde, welchen eben diese Dinge nicht zugrunde liegen. Der amerikanische Soziologe Robert D. Putnam ist ähnlicher Meinung. Er bezeichnet das, was Deresiewicz mit Qualität ausdrückt, als „Bonding Capital“, also verbindendes Kapital und analog zur Quantität verwendet er den Begriff „Bridging Capital“, also überbrückendes Kapital. Seiner Ansicht nach wird durch „Online-Gemeinschaften wie Facebook“ das Bridging Capital und damit die Freundeskreise zwar vergrößert, jedoch lassen sich bestimmte Kontakte damit nicht intensivieren.
Man kann also jetzt sagen, Online-Freudschaften sind zwar zahlreich, jedoch besteht ständig eine gewisse Distanz, welche sich negativ auf die Freundschaft auswirkt. - Oder...?
Laut Deresiewicz liegen Distanz und Freundschaft gar nicht so weit auseinander, da sie eng miteinander zusammenhängen: „Wer ein echter Freund sein möchte, braucht Abgeschiedenheit, um über sich selbst zu reflektieren.“, sagte er in einem Interview mit dem Journalisten Johannes Kuhn. „Um aber ein ehrliches Verhältnis zu mir selbst zu haben, muss ich wahre Freundschaft kennen, weil ich mich im Gespräch mit dem Freund selbst entdecken kann.“ Die Online-Welt erschwere sowohl die Abgeschiedenheit zunehmend als auch die
Freundschaft. Das stimmt, oder? Facebook auf dem Handy, Facebook auf dem Tablet, Facebook am Computer, Facebook am Fernseher und sogar Kühlschränke mit Facebook-Funktion soll es schon geben. Da ist Abgeschiedenheit quasi unmöglich. Andererseits besteht aber immer die Distanz zwischen mir und meinen Freunden, welche zwar da sein darf, es jedoch nicht permanent sein sollte. Es ist nahezu beängstigend, wie stark Facebook unser Leben bestimmt.
„Wir haben online so viele Freunde, das wir ein neues Wort für die echten brauchen.“, schrieb einst die Tageszeitung Welt Kompakt. Ein bisschen übertrieben oder? Oder vielleicht auch nicht? Einerseits wird viel Trubel um den Einfluss der Entwicklung der Technik auf unser Handeln gemacht, welcher gar nicht sein muss. Beispielsweise ist es ja das weltbekannte soziale Netzwerk Facebook, welches uns ermöglicht, zu alten Freunden, welche weit weg, vielleicht sogar im Ausland wohnen, Kontakt zu halten. Doch die Freundschaft zu diesen Personen hat eine viel emotionalere Grundlage, als die reinen Facebook-Freundschaften, denn bei denen herrscht das Bedürfnis vor, „24 Stunden am Tag zu wissen, was unsere Freunde machen.“ Aus der Möglichkeit dieses Wissen zu erlangen, wurde also ein Bedürfnis. Zudem ist Deresiewicz der Meinung, „ein Freund ist der, den ich sechs Monate lang nicht sehe, für den ich mir aber dann ein ganzes Wochenende Zeit für Gespräche mit ihm nehme.“
Es braucht vielleicht etwas Zeit, um in Ruhe über diese Worte nachzudenken, aber ich denke auch du bist irgendwie dieser Meinung. Nimm diese Informationen bitte nicht als Kritik auf, sondern sieh sie als Chance. Mache es besser und sie nicht auf die „Freundschaften“ auf einem Bildschirm, sondern lebe sie. Du bist jung und unverbraucht und hast eine Vorbildfunktion für deine Geschwister, jüngeren Mitschüler und Mitmenschen. Freundschaften sind wichtig, sie sind unentbehrlich für die Entwicklung jeder einzelnen Persönlichkeit. Mischa Täubner schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass enge Freundschaften, laut dem Psychologen Heidbrink, bieten, sich selbst zu entdecken und Empathie zu entwickeln.
Also: Ein virtueller Freund wird dich nicht in den Arm nehmen, wenn du traurig bist und ein trauriger Smiley von ihm wird dir nicht helfen dein Problem zu bewältigen. Es sind die wahren Freunde, auf die du zählen kannst, die, für die du keine eigene Definition brauchst, um zu wissen, dass sie in allen Lebenslagen für dich da sind.



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