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Essay Unterschiede Mensch und Tier - Referat



Essay: „Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Mensch und Tier?“

Die göttlich gegebene Vormachtstellung des Menschen wurde spätestens mit Beginn der Renaissance angezweifelt und die Frage, ob wir Menschen nur spezielle Tiere oder doch etwas wie die „Krone der Schöpfung“ sind, stand im Raum. Im Folgenden werde ich auf vermeintlich wesentliche Unterschiede eingehen und herausarbeiten, weshalb diese Frage nicht anhand eines Merkmals beantwortet werden kann.

Das Wort „Wesentlich“ kommt von dem „Wesen einer Sache“, bildet den Kern und macht eine Sache erst aus. Wenn also von „wesentlichen Unterschieden“ die Rede ist, wird nach den grundlegenden und besonders wichtigen Differenzen zwischen Dingen gesucht. Bei der oben genannten Fragestellung „Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Mensch und Tier?“ geht es unter philosophischen Aspekten nicht um unterschiedlich lange Gliedmaßen oder unterschiedliche Anzahl und Ausprägung an Zähnen, sondern um die Abgrenzung zwischen Mensch und Tier, die den Kern des jeweiligen Wesens betreffen.

Laut traditionell-christlicher Vorstellung ist die Seele der zentrale Unterschied zwischen Mensch und Tier. So haben Menschen eine unsterbliche Seele, die Tieren nicht innewohnt. Da die Seele weder beim Mensch noch bei Tieren naturwissenschaftlich festzustellen ist, ist dieses Kriterium zur Definition des Menschseins aus philosophisch anthropologischer Sicht nicht befriedigend.

Der berühmte Evolutionstheoretiker Charles Darwin nennt die Moral als den elementarsten Unterschied zwischen dem Menschen und anderen Lebewesen. Da wir im Stande sind unsere vergangenen Aktionen auf ihr Motiv zu analysieren und darüber zu urteilen, sieht Darwin den Menschen als hoch entwickeltes Tier an. Ein Hund kann sich durch gutes Training bewusst werden, ob seiner Handlung positive oder negative Konsequenzen folgen. Jedoch wurde nie beobachtet, dass ein Hund über Vergangenes nachdenkt, sofern es seine unmittelbare Zukunft nicht betrifft. Daraus folgt, dass das konkrete Tier, in diesem Fall der Hund, zwar eine gewisse Form von Reflektion beherrscht, doch von Moral wie der eines Menschen weit entfernt ist.

Max Scheler und Helmut Plessner kommen zu dem Schluss, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier in der Anpassung an Lebensräume besteht. Tiere sind demnach an ihre ökologische Nische gebunden während Menschen sich an fast jede nur mögliche Gegebenheit anpassen können. So leben Eisbären nur am Nordpol und Löwen in der Savanne, weil sie auf ihre Lebensräume spezialisiert sind. Menschen dagegen sind nicht an ihre Lebensräume angepasst, sondern passen ihre Umwelt ihren Bedürfnissen an. Deshalb gibt es Menschen auf Grönland, in der Sahara und im Weltall (als Astronauten). Diese These wird etwas abgeschwächt durch relativ flexible Tiere, wie zum Beispiel das Leistenkrokodil, das in Süß- und Salzwassern als auch an Land anzutreffen ist. Vom sogenannten Bärtierchen ist bekannt, dass es kochendes Wasser, Vakuum und lange Trockenzeiten u.v.m. überlebt und dadurch auf dem gesamten Erdball anzutreffen ist. Insgesamt lässt sich dieses Kriterium durchaus auf die Menschheit als Ganzes beziehen, denn obwohl es Tiere gibt, die überall anzutreffen sind und damit eine ähnliche „Nicht-Spezialisierung“ aufweisen wie der Mensch, so lässt sich von keinem Tier behaupten, dass es seine Umwelt so stark anpasst wie der Mensch dies erreicht.

Arnold Gehlen ist der Meinung, dass der Mensch durch seine biologische Unterlegenheit definiert ist. Er bezeichnet den Menschen als „Mängelwesen“, da dieser rein physiologisch gesehen jeder Tierart unterliegt. Dem Menschen fehle es an spezialisierten Sinnen oder Waffen wie Zähne, Klauen und Pranken. Er vertritt also eine ähnliche Meinung wie Scheler und Plessner, die durch diesen Mangel erst die Chance auf Anpassung sehen. Erst durch die Evolution des Menschen und der Entwicklung von Schwächen muss es zu der Fähigkeit des Denkens gekommen sein. Das erkennt man an unseren nächsten Verwandten den Menschenaffen, welche simple Planungen anstellen können. Es wurde beispielsweise beobachtet, dass ein Affe einen Stein mehrere Kilometer transportierte, weil er an seinem Ziel mit dem Stein Nüsse knacken wollte. Durch diese Beobachtung scheidet auch das oft genannte Kriterium, die Benutzung von Werkzeugen, als Unterscheidungsmerkmal von Mensch und Tier fast aus. „Fast“ weil Affen zwar Steine oder Stöcke benutzen, aber der Unterschied zu Gewehren, Computern und Autos ist enorm.

Religion kann der Schlüssel zur
Unterscheidung sein. Von allen Hochkulturen der Menschheit sind Religionen bekannt, die Ägypter und Römer mit ihrem Polytheismus oder das Osmanische Reich mit dem Islam. Es scheint in der Tierwelt keinen Glauben an eine höhere Macht oder einen Gott zu geben. Andererseits geht es darum einen Unterschied zu finden, der die gesamte Menschheit von jedem Tier abgrenzt. Auch die Religion eignet sich nicht als entscheidendes Merkmal, denn selbst in den religiösesten Ländern der Welt glauben mehr als 10% der Bevölkerung nicht an die Existenz eines Gottes. Zur Religion als Merkmal des Mensch Seins kann lediglich gesagt werden: Wer an einen Gott o.ä. glaubt ist ein Mensch. Den Gegenschluss, ein Mensch glaubt an einen Gott, lässt dies allerdings nicht zu.

Besser als Religion eignet sich das Wissen um den eigenen Tod als Indiz, denn jeder gesunde Mensch weiß um die Sicherheit seines Todes. Bei Tieren scheint dieses Wissen nicht vorhanden zu sein, jedoch lässt sich dies genauso wenig feststellen wie die Frage, ob Tiere ein sogenanntes Über-Ich besitzen. Bei Giraffen wurde beobachtet, dass sie ein totes Herdenmitglied eine Zeit lang beschnuppern und in dessen Nähe bleiben, während bei Elefantenherden beobachtet wurde, dass schwache und dem Tode nahe Tiere von allen Herdenmitgliedern beschnuppert und umkreist wurden, bevor sie sie dem Sterben überließen. Doch ob diese Reaktionen tatsächlich aus Trauer oder aus Herdenzusammenhalt und der Hoffnung auf Überleben begangen wurden lässt sich nur vermuten. Man müsste in die Köpfe der Tiere blicken können und ihre Gedanken lesen.
Bei allen Kriterien wie Moral, Anpassung, Mängelwesen, Werkzeuggebrauch, Religion und dem Wissen um den eigenen Tod stelle ich fest, dass diese Fähigkeiten in Ansätzen bei Tieren vorhanden sind, doch die Art und der Umfang dieser Ausprägungen sind, im Gegensatz zum Menschen, als verkümmert anzusehen.

Durch die vergleichsweise hohe Entwicklung des Gehirns sind Menschen in der Lage die komplizierteste und höchst entwickelte Lebensform auf der Erde zu sein.
Doch jede Besonderheit die ich beim Menschen als einzigartig vermutete lässt sich durch Beispiele aus dem Tierreich abschwächen. So hat der Mensch zwar eine gigantische Kultur erschaffen, doch Ansatzweise ähnelt eine Großstadt auch dem Bau von Ameisen oder den Nestern von Vogelschwärmen. Selbst in unseren dunkelsten Facetten gibt es ähnlich bösartige Tiere, die Kriege führen und Sklaven halten (Ameisenvölker) oder ihre Artgenossen bewusst in die Irre führen. Bei Raben wurde beobachtet, dass ein einzelner Rabe sich nach einer Mahlzeit totstellte um die anderen Raben von einem Strauch Beeren zu verängstigen, weil er diesen später alleine fressen wollte.

Insgesamt stelle ich also fest, dass der Mensch durch eine Vielzahl von Eigenschaften definiert ist, die allein nicht ausreichen um den Mensch vom Tier eindeutig abzugrenzen. Doch um die Frage nach den wesentliche Unterschieden zu beantworten, lässt sich sagen, dass der Mensch nicht einen wesentlichen Unterschied, sondern eine Fülle von Unterschieden gegenüber Tieren besitzt, die in ihrer Ausprägung und durch ihre Vielzahl den Mensch vom Tier abgrenzen.




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