Suchbegriff:

Erbkrankheiten - Referat



Genetisch bedingte Erkrankungen, Erbkrankheiten

Unter genetisch bedingten Erkrankungen versteht man alle Erkrankungen, die von den Vorfahren auf ihre Nachkommen übertragen werden. Erbkrankheiten im strengen Sinne sind dagegen all die Erkrankungen, die sich nicht erst im Laufe des Lebens gebildet haben, sondern sich bereits in deren Erbanlage befinden.
Erbkrankheiten sind den Menschen schon seit dem Altertum her bekannt und immer wieder gab es Maßnahmen, die Verbreitung dieser Krankheiten einzudämmen, bis hin zu den schlimmen Rassegesetzen der Nationalsozialisten in den Jahren 1933 bis 1945 oder in Schweden bis in die späten siebziger Jahre.
Wegen der erhöhten Gefahr von Erbkrankheiten sind und waren Geschwisterehen u.ä. in nahezu allen Kulturen tabuisiert. Heutzutage unterteilt man genetisch bedingte Erkrankungen in drei große Gruppen: in die chromosomalen, die monogenen und polygenen. Bevor eine Reihe dieser Erkrankungen im einzelnen mit ihren Ursachen, Symptomen, Diagnosen und Therapien beschrieben werden, sollen diese drei Gruppen kurz erläutert werden.


Chromosomal bedingte Erkrankungen

Bei Erbkrankheiten im "klassischen Sinne" besitzen, wie erwähnt, alle Zellen der Vorfahren lebenslang mindestens ein Gen, das mutiert ist. Bei den chromosonalen Veränderungen ist dies nicht der Fall. Chromosomale Veränderungen entstehen bei den Eltern, bzw. einem Elternteil erst im Laufe ihres Lebens in den Samen- oder Eizellen. So steigt z.B. die Wahrscheinlichkeit dafür, daß das Chromosom 21 in den Samen- bzw. Eizellen statt in einzelner in doppelter Ausführung vorliegt mit dem Alter der Mutter, oder in geringerem Maße, des Vaters an.
Bei dieser Gruppe von Krankheiten ist ein ganzes Chromosom oder sind Teile eines Chromosoms so verändert, daß entweder ganze Teile fehlen oder mehrfach vorhanden sind. Weiterhin können sich Teile des zusätzlichen dritten Chromosoms an andere Chromosome anheften.
Ein typisches Beispiel für diese Gruppe ist das Down-Syndrom, volkstümlich als Mongolismus bezeichnet, bei dem das Chromosom 21 bei der erkrankten Person statt in doppelter Form in dreifacher Form (Trisomie 21) vorliegt. Es gibt auch Trisomien anderer Chromosome, wie z.B. die des Chromosoms 13, das Patau-Syndrom, oder des Chromosoms 18, das Edwards-Syndrom. Träger derartiger Veränderungen sind, mit Ausnahme der Trisomie 21, nicht überlebensfähig. Die Häufigkeit dieser Erkrankungen liegt im Promillebereich.

Monogene Erbkrankheiten

Bei dieser Gattung an Erkrankungen ist nur ein Gen für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlich. Dieser Gendefekt führt zum Verlust oder der Fehlbildung eines bestimmten Enzyms oder Proteins. Typische Vertreter dieser Erkrankungsgattung sind z.B. die Mukoviszidose oder die Phenylketonurie oder auch der Albinismus.Die Häufigkeit dieser Erkrankungen liegt bei eins zu 2 000 bis zu eins zu 20 000.

Polygene Erbkrankheiten

Gene als Träger bestimmter Erbinformationen können innerhalb bestimmter Grenzen variieren, ohne daß derartige Variationen zu einer Erkrankung des betroffenen Menschen oder seiner Nachkommen führt. Da oft eine ganze Reihe von Genen für bestimmte Funktionen verantwortlich sind, können sich mehrere variierte Gene -die jedes für sich zu keiner Erkrankung führt- so in ihrer Wirkung verstärken, daß es in diesem Fall zu einer Erkrankung oder aber zu einer erhöhten Disposition für bestimmte Erkrankungen kommen kann. Dabei spielen neben der genetischen Disposition auch sicherlich exogene Einflüsse eine Rolle. Hier ist noch Forschungsarbeit zu leisten. Typische Beispiele dieser Art der polygenen Erbkrankheiten sind z.B. Herzkranzgefäßverengungen z.B. als Folge von Stoffwechselerkrankungen, Diabetes, die Schizophrenie und zum Teil auch Krebserkrankungen.

Salzverlustsyndrom, Adrenogenitales Syndrom (AGS)

Allgemeines:
Neben den in der Überschriften genannten Bezeichnungen wird diese Erkrankung auch als 21-Steroid Hydroxylasemangelkrankheit oder - vor allem im englischsprachigen Raum - auch als Congenitale Adrenogenitale Hyperplasie (CAH) bezeichnet. Die AGS-Erkrankung ist eine rezessive autosomale Erbkrankheit. Diese Erkrankung tritt in einer schweren Form sowie in Übergangssymptomen auf. AGS gilt, je nach Autor, als die häufigste Erbkrankheit überhaupt. Dabei soll in Erinnerung gebracht werden, dass das Down-Syndrom zwar häufiger ist als die AGS aber als Chromosomenaberration keine Erbkrankheit ist.
Ursache:
Die Ursache für diese Erkrankung ist eine Veränderung des 21-Hydroxylase B-Gens auf dem Chromosom Nr. 6. Diese chromosonale Veränderung führt zu einer Störung im Bereich des Stoffwechsels der Steroidhormone. Steroidhormone regeln u.a. den Mineralstoffwechsel aber auch die Ausprägung der Geschlechtsmerkmale. Ein typisches Steroidhormon ist z.B. das männliche Geschlechtshormon Aldestoron.
Häufigkeit:
AGS ist, wie erwähnt, die häufigste Erbkrankheit. Diese Aussage ist jedoch nicht unumstritten und hängt jedoch u.a. von dem Autor sowie dem untersuchten Kollektiv ab. Sie tritt in ihren Übergangssymptomen unter 1 500 Menschen ca. 1 mal auf; in ihrer schweren Form ca. 1 mal pro 7 000 Menschen.
Symptome:
Bei der AGS gibt es, wie erwähnt, eine leichte (=Übergangssymptom) und eine schwere Form, wobei sich die Symptome der beiden Formen erheblich voneinander unterscheiden. Außerdem bestehen zwischen Männern und Frauen in den Symptomen teilweise erhebliche Unterschiede.

Diagnosen:
Die Diagnose besteht in einer Messung der Hormonkonzentration, sowie in der Beurteilung des klinischen Bildes.
Therapien:
Eine Therapie der Übergangsformen ist meistens nicht erforderlich. Behandelt werden nur die schweren Formen. Diese Erkrankung ist eine der wenigen Erbkrankheiten, die gut therapierbar ist.
Die Behandlung erfolgt dadurch, dass man den Mangel der Steroide durch die entsprechende Gabe von Hormon zu kompensieren sucht. Die Behandlung sollte nur von erfahrenen Spezialisten, z.B. in den Stoffwechselambulanzen großer Kliniken durchgeführt werden. Die Therapie sollte im Erwachsenenalter stets in Zusammenarbeit mit einem Gynäkologen erfolgen.

Bluterkrankheit (Hämophilie)

Allgemeines:
Die Bluterkrankheit führt in ihrer schweren Form unbehandelt schon bei geringen Anlässen zu schweren inneren, oder je nach Ursache, äußeren Blutungen, die bis zum Tod führen können.
Die Bluterkrankheit ist mit sehr schweren Versäumnissen bei der Qualitätskontrolle in der blutverarbeitenden Industrie verknüpft. Bis zum Ende der achtziger Jahre sind sehr viele Bluterkranke über ihre blutstillenden Medikamente, also Gerinnungsfaktoren, die aus Spenderblut hergestellt wurden, mit Aids infiziert worden. Viele der betroffenen Menschen sind mittlerweile verstorben. Zur öffentlichen Empörung kam es besonders in Frankreich und Deutschland. Mittlerweile sind die Produkte jedoch als sicher anzusehen.
Für historisch interessierte Menschen sei erwähnt, daß der Sohn des letzten Zaren von Rußland Bluter war. Aufgrund der Erkrankung des jungen Zarensohns gewann im Laufe der Zeit der Wunderheiler Rasputin einen geradezu mystischen Einfluß auf die Zarenfamilie- vor allem auf die Mutter- und damit auch auf die Politik Rußlands.
Häufigkeit:
Die Wahrscheinlichkeit, an der Hämophilie B zu erkranken liegt bei ca. 1 : 20 000,
die an der Hämophilie A zu erkranken bei etwa 1 : 5 000. In der Bundesrepublik leben derzeit rund 8 000 Menschen, die an dieser Krankheit leiden. Aus den oben genannten Gründen sind dies praktisch nur Männer, da die Hämophilie bei Frauen extrem selten ist, da erstens der Vater Bluter und außerdem die Mutter Trägerin des Gendefekts sein muß.
Symptome:
Patienten mit einem Gerinnungsfaktor VIII bei Hämophilie A oder IX bei Hämophilie B von weniger als 1% der Norm haben lebenslang ein hohes Blutungsrisiko. Die ersten Blutungen treten meist schon vor einem Alter von 15 Monaten auf. Selbst geringfügige Verletzungen können zu ausgedehnten Blutungen ins Gewebe und vor allem die Gelenke führen. Dies macht sich vor allem in Form von Schmerzen bemerkbar. Bei unzureichender Behandlung kann dies zu Verkrüppelungen führen.
Eine Blutung im Bereich des Zungengrundes kann zu lebensbedrohlichen Einengungen der Atemwege führen. Sie erfordert eine rasche und intensive Therapie. Auch geringfügige Schädeltraumen erfordern bereits eine prophylaktische Gabe der fehlenden Gerinnungsfaktoren, um eine intrakranielle Blutung zu verhindern.
Patienten mit Gerinnungsfaktor-VIII- oder IX-Spiegeln von 5% der Norm haben eine milde Hämophilie. Sie haben selten "spontane" Blutungen. Trotzdem können bei Ihnen bei unzureichender Behandlung nach chirurgischen Eingriffen schwere, manchmal tödliche Blutungen auftreten. Patienten mit einem Gerinnungsfaktor -VIII- oder IX-Spiegel zwischen 10% und 25% leiden unter einer leichten Hämophilie. Auch diese Patienten können nach chirurgischen Eingriffen oder Zahnextraktionen sehr stark bluten.
Therapie:
Die Therapie der Wahl besteht darin, den betroffenen die entsprechenden Gerinnungsfaktoren VIII bzw. IX intravenös zu spritzen. Dabei gibt es keine verbindlichen Regeln, wie oft der Ersatzfaktor verabreicht werden soll. Da dessen Halbwertzeit ca. 12 Stunden beträgt, werden Kinder, die besonders gefährdet sind 2-3 mal die Woche gespritzt. Bei Erwachsenen sollte dies im Einzelfall in Abhängigkeit von der Gefährdung mit dem Arzt abgesprochen werden. Die Gerinnungsfaktoren werden derzeit noch aus Spenderblut hergestellt. Bei den angewandten modernen Qualitätsstandards kann jedoch davon ausgegangen werden, daß die Produkte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit u.a. virenfrei sind und unbedenklich verabreicht werden können. Inzwischen ist es möglich den Gerinnungsfaktor VIII gentechnisch herzustellen, was allerdings noch teurer ist als die Herstellung aus Blutpräparaten. Gentechnisch hergestellter Gerinnungsfaktor VIII ist natürlich garantiert virenfrei.

Down-Syndrom (Mongolismus)

Allgemeines:
Das Down-Syndrom, umgangssprachlich leider immer noch als Mongolismus bezeichnet, ist sicherlich die bekannteste genetisch bedingte Erkrankung. Nach dem in der Einleitung Gesagten zählt die Trisomie im strengen Sinne nicht zu den Erbkrankheiten.
Unter dem Down-Syndrom versteht man eine Trisomie des Chromosoms 21 (95%) oder eine Translokation dieses Chromosoms. Trisomie 21 bedeutet, daß das Chromosom 21 nicht in doppelter, sondern dreifacher Ausprägung vorliegt; diese Personen besitzen also statt 46 Chromosomen 47. Dieser Chromosomenfehler kommt daher, daß bei der Bildung und Reifung von Spermien und Eizellen ein Chromosom nicht abgetrennt wird.
In seltenen Fällen kann auch das zusätzliche Chromosom oder größere Teile davon an ein anderes ′Autosom′ angeheftet sein. Diesen Vorgang bezeichnet man als ′Translokation′. Autosome sind die 22 Chromosomen, die keine Geschlechtschromosome sind. Der Mensch besitzt zwei Geschlechtschromosomen und zwar das X und Y Chromosom, die das weibliche (XX) oder männliche (XY) Geschlecht definieren.
Symptome:
Geistige Behinderung, die aber durch fachgerechte Betreuung entwicklungsfähig ist; rundlicher Minder- bzw. Kleinwuchs, schräge Augenfalte. Aufgrund dieser Veränderung ist der alte Name Mongolismus zu erklären. Weiterhin treten tiefsitzende, oft vergrößerte Ohren, eine verbreiterte Nasenwurzel, ein meist offener Mund mit erhöhtem Speichelfluß und eine vergrößerte Zunge auf. Eine Unterentwicklung von Zähnen und Kiefer sowie verspätetes Verschließen der Schädelnähte sowie der Fontanelle wird beobachtet. In 40% - 60% treten verschiedenartige Herzfehler auf. Oft gibt es Schädigungen des Verdauungstraktes. Das Seh- und Hörvermögen ist meist eingeschränkt. Bei Neugeborenen tritt eine atypische Falte in der Handfläche auf.
Diagnose:
Die Diagnose kann in der Regel durch Inaugenscheinnahme der betreffenden Person oder durch das Auszählen der Chromosomen unterm Mikroskop erstellt werden. Diese Art der Auszählung wird als Karyotypisierung bezeichnet.
Häufigkeit:
Die Krankheitshäufigkeit ist stark mit dem Alter der Mutter und weniger stark mit dem des Vaters korreliert. In den Industriestaaten kommt insgesamt auf ca. 700 Lebendgebore 1 Kind mit dem Down-Syndrom. Bei 35 - 40 jährigen Müttern eins auf 260 Lebendgeborene und bei 40 - 45 jährigen Müttern bereits eins auf 50. Insgesamt leben in der Bundesrepublik Deutschland rund 30 - 50 Tausend Menschen mit dem Down-Syndrom; in den USA sind es rund 100 - 150 Tausend Menschen.
Prognose:
Früher starben 75% der Patienten vor der Pupertät und 90% vor dem Erreichen des 25. Lebensjahres. Durch frühzeitige Förderung und Behandlung der Folgeerkrankungen, wie die von Herzfehlern und des Verdauungstraktes, liegt die mittlere Lebenserwartung derzeit bei ca. 35 Jahren.
Erwähnenswert ist die Tatsache, daß die Häufigkeit für das Auftreten von Leukämie bei diesem Personenkreis erheblich über dem Durchschnitt liegt. Menschen mit dem Down-Syndrom können in einem gewissen Umfang zu einem selbstständigen Leben gebracht werden. Sie gelten als außerordentlich liebe und agressionsfreie Menschen, die eines hohen Maßes an menschlicher Zuwendung bedürfen.

Früherkennung:
Mittels einer Fruchtwasserentnahme von 10 - 20 ml (Milliliter) durch die Bauchdecke (Amniozentese) unter Ultraschall-Kontrolle läßt sich in der 15 bis 16 Schwangerschaftswoche ein Down-Syndrom des Kindes feststellen. Bei einem positivem Ergebnis erfolgt in den Industrienationen in über 90% der Fälle auf Wunsch der Mutter (Eltern) eine medizinisch indizierte Abtreibung.
Therapie:
Die Erkrankung selber ist nicht therapierbar. Behandelbar sind jedoch eine Reihe von Begleiterscheinungen, wie Herzfehler, Seh- und Hörschäden usw.





Kommentare zum Referat Erbkrankheiten: