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Erörterung zu „"Snowden hätte den Friedensnobelpreis verdient" (Malte Spitz) - Referat



Erörterung: "Snowden hätte den Friedensnobelpreis verdient" (Malte Spitz)
"Die persönliche Freiheit des Einzelnen muss vor dem Zugriff des Staatsapparates geschützt werden." Dieser Satz klingt einleuchtend, hört sich wie ein unumgehbares Gesetz an. So ist er auch intentiert von Grüne-Parteimitglied Malte Spitz, der den Kommentar "Snowden hätte den Friedensnobelpreis verdient" in der Zeit Online im November 2013 veröffentlichte. Anhand des Titels kann man sich schon das Thema des Beitrags erschließen: er handelt vom aktuellen NSA Skandal, die Abhöraktion der amerikanischen Geheimdienste, die der Whistleblower Edward Snowden aufdeckte; kurz, die gegenwärtige Streitfrage, ob Snowden in Deutschland Asyl gewährt werden sollte. Laut Spitz sei diese bereits zitierte "persönliche Freiheit" durch die passive Reaktion Merkels nicht mehr garantiert. Der einzige Weg, ihre Fehler wieder gut zu machen, sei es nun ein Signal an Amerika auszusenden, Snowden mittels des Friedensnobelpreises danken und ihn in Deutschland aufzunehmen.

Spitz verdeutlicht bereits in der Einleitung zum Artikel seinen Standpunkt: "Edward Snowden sollte nicht bestraft, sondern für seine Taten ausgezeichnet werden." In der Argumentation die folgt, klingt dann deutlich seine eigene Meinung heraus und dient dazu, seinen anfänglich genannten Standpunkt zu rechtfertigen. Dabei kritisiert er zunächst die Geheimdienste an sich, die "millionenfach Menschenrechte ignoriert" hätten. Gleich darauf stellt er die Anforderung an die "Demokratie", wie er immer wieder betont, die solche Verbrechen nicht durchgehen lassen dürfe, sondern "Missstände beheben" solle. Snowden sei der Held des Ganzen, durch jenen wir überhaupt erst solche Verbrechen entdecken könnten; wir seien ihm dadurch Dank und "Schutz schuldig". Nachdem er nun seinen Standpunkt ausführlich dargestellt hat, befasst er sich deutlicher mit dem NSA Skandal an sich. Merkel sei dabei in einer "misslichen Situation", da sie sowohl Betroffene des Skandals ist und seiner Meinung auch in ihrer Rolle als "mächtigste Staatschefin Europas" versagt hätte, die verletze Demokratie zu verteidigen und wieder aufzubauen. Sie müsse außerdem die "Pervertierung des Antiterrorkampfes" durch Beschwichtigungen beenden und stattdessen den "Wert der Freiheit wieder in den Mittelpunkt stellen. Spitz stellt am Schluss noch weitere Forderungen an den Staat und greift im letzten Absatz noch einmal auf, wie wichtig es für Deutschland sei, ein Zeichen gegen die Aktionen zu setzen und somit Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren.
Der Autor folgt einer linearen Struktur in seinem Beitrag. Dabei sind die Argumente nicht strukturiert aufgebaut, man kann sie jedoch gut in vier einzelne Abschnitte gliedern.
Er fängt zunächst mit seiner Einleitung direkt nach dem Titel an, welche auch durch die größere Schrift erkennbar gemacht wurde, und in Parataxen kurz seine Meinung wiedergibt. Sie dient dazu, den Leser sofort über das Thema zu informieren und ihm die 'Kurzfassung' des Textes direkt darzulegen. In den drei kurzen Absätzen, die darauf folgen führt er seinen Standpunkt behauptend und erläuternd weiter aus. Dabei beinhaltet er einige Thesen, und belegt diese eher durch Beispiele als Begründungen. Seine erste faktische These gegen den Geheimdienst belegt er mit den verschiedenen "Geheimdienstmitarbeiter[n]", die Regierungschefs anderer Staaten "ausgespäht" hätten, obwohl diese, wie er extra betont, "sogenannte befreundete" Staaten wären. Das "sogenannt" lässt hier schon deutlich seine Kritik daran spüren, was diese Ausspähung seiner Meinung nach für ein Vertrauensbruch und eine Unmöglichkeit sei, die dadurch ausschließe, dass man den ausspähenden Staat danach noch als Freund sehen könne. Er stellt die "Botschaften und Parlamente", die "bespitzelt" wurden als feststehende Fakten dar, und schockiert damit den Leser, der sich persönlich angegriffen fühlt, wenn er liest, dass der eigene Staat laut Spitz so intensiv abgehört worden sei. Gleich darauf stellt er jedoch den 'Retter' der Situation vor; Edward Snowden als den, der sich "couragiert" dazu entschieden hätte, den Medien "Geheimdienst-Dokumente [...] zuzuspielen." Durch die beurteilende Wertung des "couragierten" und herausklingenden heldenhaften Whistleblower stellt er dem Leser nach dem Schock der Spionage sofort die Lösung eines solchen Vergehens dar, was beim Leser zunächst Sympathie und eine gewisse Erleichterung bewirkt. Um diese zu verstärken folgt er darauf mit einem normativen Argument, was die Werte der "politische[n] und moralische[n] Verantwortung" die der Staat nun nach Snowdens Enthüllungen hätte anspricht. Er vergrößert den Fall indem er ihn durch bedeutungsreiche, explizite, 'große' Worte auf die Welt bezieht, die man durch Behebung der "Missstände [...] wieder ein Stück besser machen" könne. Als letzten Absatz der Ausführung seines Standpunktes betont er noch einmal die missliche Lage, in die Snowden kam, indem er "sein bisheriges Leben aufgeben" musste und ihm eine "jahrzehntelange Haftstrafe für Geheimnisverrat" in Amerika droht. Das alles nur, um das moralisch richtige zu tun. Spitz schlussfolgert also, dass ein gewährter Schutz kein "Antiamerikanismus" sei, sondern Snowden lediglich den gerechten Dank erteilen würde.
Der nächste Abschnitt ist genauso linear aufgebaut und kritisiert sehr deutlich die Politik und Bundeskanzlerin Merkel, die hier auch repräsentativ für die gesamte Bundesrepublik Deutschland steht. Spitz hält sich außerdem an viele Thesen und wenige Begrüdungen.

Nach seiner ersten These, dass Merkel in einer "misslichen Situation" stecke, führt er diese weiter aus durch die Begründung, dass ihre Situation durch die "grenzenlos[en], unverschämt[en] und unverblümt[en]" Geheimdienste zustande gekommen sei. Allerdings lässt er sie dann nicht als 'Opfer' stehen, sondern beschuldigt sie gleich im Nächsten Absatz als Versagerin, ihr "bisheriger Umgang mit dem Überwachungsskandal [sei ein] Desaster [gewesen]". Er führt diese These mit weiteren Thesen aus, dass ihr "Vertrauen in Beschwichtigungen der amerikanischen und britischen Regierung grenzenlos" gewesen sei, sie sich auf "Ignoranten oder Dilettanten"als Kanzleramtsminister verlassen hätte und die Spionageabwehr wohl eine "deutlich zu große Aufgabe für sie" sei.

Er nutzt also eine faktisch thetische Argumentationsweise, um seiner Hauptthese von Merkel als Versagerin mehr Glaubwürdigkeit zu geben. Er schreibt weiter im Konjunktiv was Merkel seiner Meinung nach wissen und tun "müsste", sie aber durch diese deutliche grammatische Kennzeichnung nicht getan hätte. Dadurch stellt er wieder eine Reihe von Thesen auf, mit was sie seiner Meinung nach durch die fehlende Ausführung versagt hätte.
Im dritten Abschnitt schließt er dann mit vielen Forderungen die Übertragung seiner Meinung, wie bereits im vorherigen Abschnitt, ab.
Dabei stellt er die vielen Forderungen durch den das imperative Wort "muss" und vermittelt sie dadurch als absolute Notwendigkeiten. Er fordert zunächst Merkel auf, dass sie "den Moment nutzen muss" um Veränderungen zu bringen, außerdem "muss" die "Pervertierung des Antiterrorkampfes beendet werden" und die "gegenseitigen Spionage-Verhakungen" aufgelöst werden. Er argumentiert weiter mit einer kurzen Schlussfolgerung, in denen er wieder normative Argumente verwendet um zu behaupten, dass "nur das" dazu führen würde, dass der "Wert der Freiheit wieder in den Mittelpunkt" gestellt werden würde.

Spitz schließt den Kommentar ab, indem er sich noch einmal auf den ersten Teil bezieht und seine Meinung zusammenfassend und schlussfolgernd darstellt.
Er versichert, dass Merkel "durch einen einzigen Anruf" alles wieder aufklären könnte, den "Schaden wieder gutmachen" und sich sogar selbst "Anerkennung verschaffen". Er führt weiter die ganzen Lösungen, die erbracht werden würden aus, und spiegelt damit sehr deutlich wieder, dass er seine Meinung als die einzig richtige hält. Er erklärt außerdem die Wichtigkeit, jetzt zu handel da es "dringend geboten" sei, ein "unmissverständliches Signal" an die Geheimdienste zu
geben und dies "nicht länger aufschiebbar" sei.

Der Autor hat durch den ganzen Kommentar hindurch eine sehr thetische Argumentation. Diese untermauert er mit kurzen Ausführungen, für das Verständnis der Leser, und zwischendurch normativen Argumenten, um die Sympathie anzusprechen. Ansonsten beruht er sich sehr auf faktische Argumente, wobei man beachten muss, dass hiermit nicht unbedingt feststehende Fakten gemeint sind, sondern seine eigene Meinung, die er als Fakten darstellt um zu überzeugen. Er lässt mittels der linearen Schreibweise auch keinen Raum für Zweifel durch Gegenargumente. Durch die klaren, unmissverständlichen vielen Forderungen wird seine Meinung sehr stark wiedergespiegelt und gibt dem Leser das, was er hören will: den Weg zur Lösung des Problems.
Sprachlich gesehen verwendet der Autor weniger leserlenkende Begriffe, als aneinandergereihte Parataxe, die schnell und bündig Information wiedergeben. Allerdings verwendet er dafür nicht wenige rhetorische Mittel, um seinen Standpunkt noch mehr zu verdeutlichen. Insgesamt ist der Artikel in einfach verständlicher Sprache verfasst, die es jedem Leser ermöglicht den Text zu verstehen. Wo Fachbegriffe vorkommen sind diese gut verwickelt, sodass sie trotzdem verstanden werden.
Besonders auffallend am Artikel ist, wie stark Spitz von seiner eigenen Meinung überzeugt ist, und diese leidenschaftliche Überzeugung auch an den Leser vermittelt. Dazu verwendet er viele Hyperbel und Klimaxe, was einerseits übertrieben wirken kann aber andererseits auch sehr deutlich die Problematik zu erkennen gibt.
Schon am Anfang schreibt er, dass Geheimdienste die Menschenrechte "millionenfach" ignoriert hätten- was eindeutig eine zu große Zahl ist. Er belegt dies allerdings nur anhand des einen Beispiels: dem NSA-Skandal. Dabei macht es einen stutzig, dass er, obwohl es doch anscheinend soviele Fälle gibt, nur in der Lage ist, die Vergehen allgemein als "Geheimdienstmitarbeiter" die "Regierungschefs [...] befreundeter Staaten" ausspioniert hätten zu formulieren oder auf den NSA-SKandal bezogen auszuführen. Andererseits lenkt er dadurch jedoch nicht vom eigentlichen Thema ab, sondern bleibt immer sehr stark auf den NSA-Skandal bezogen. Außerdem verschlimmert er den Aspekt der Geheimdienste durch Klimax indem er beschreibt "wie grenzenlos, wie unverschämt und wie unverblümt" sie wären. Durch den Repetitio der ziemlich ähnlichen Wörter betont er nochmals sehr stark seine Kritik an ihnen.

Weiterhin übertreibt er, indem er den einen Fall auf die ganze "Welt" bezieht, die man durch die Aufklärung des Falles "ein Stück besser machen" könne. Außerdem sei von der Abhöraktion die "gesamte Gesellschaft" am Ende betroffen, da die Geheimdienste "alles überwach[t]en, was ihnen vor die Monitore" käme. Es ginge hier um die "[universellen] Menschenrechte", die hier verletzt worden seien. Man sieht also an vielen Beispielen im ganzen Kommentar, wie er den Fall auf alle bezieht, und dem Problem dadurch eine viel größere Reichweite und Ausmaß gibt. Dadurch spricht er erstens mehr Leser an, da sich nicht nur Deutsche, sondern alle betroffen fühlen und von der 'Gefahr' wissen. Außerdem vermittelt er dem Leser eine größere Wichtigkeit, wodurch er mit zu Spitz' Meinung gezogen wird, dass dieser Fall dringend aufgeklärt werden müsste.
Er legt eine große Verantwortung auf Merkel, indem er sie durch Synekdochen als Repräsentative für die Bundesrepublik Deutschland darstellt. Dabei nutzt er auch Hyperbel , um ihre 'entscheidende Rolle' noch stärker zum Ausdruck zu bringen. Sie hätte die Möglichkeit eine "historische Chance" zu ergreifen und sei die einzige in der Lage da sie die "mächstigste Staatschefin Europas" sei. Durch diese Übertreibungen wirkt es für den Leser nicht mehr abstrakt, wenn Spitz jetzt ihr die Verantwortung gibt, alles zu lösen. Sie sei diejenige, die "Veränderungen durchsetzen" müsse, die "Geheimdienste [zügeln]", eine "Koalition der Willigen bilden und anführen", und vor allem dafür sorgen, "dass Snowden einen sicheren Aufenthalt in Deutschland erhält". Andere Personen schließt er dabei kaum mit ein, obwohl er sich sonst so auf die "Demokratie" bezieht und Merkel daher nicht diejenige ist, die unbedingt alles entscheidet, sondern eher mit vielen Institutionen beratschlagt um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Er jedoch stellt nur sie dar als diejenige, die 'alles entscheide', um dem Leser eine Art Sündenbock zu geben. Er muss den Schuldigen nicht erst suchen, sondern bekommt ihn dadurch gleich vermittelt und kann dem ausgelösten Misstrauen durch Spitz' Artikel eine Bezugsquelle geben.
Spitz gestaltet seinen Text sehr allgemein verständlich indem er ein Wort, was schwierig zu verstehen ist, mit einem anderen Wort verknüpft, welches eine bekannte Bedeutung hat und daher auf das andere schließen lässt.

Das gerade beschriebene Hendiadyoin wird zum Beispiel bei den beiden Kanzleramtsministern, die er kritisiert, angewendet. Er beschreibt sie als "Ignoranten [und] Dilettanten". Hier ist "Dilettanten" ein sehr unbekanntes Wort; durch das davor gesetzte "Ignoranten" lässt sich die Bedeutung jedoch leicht erraten, da man (selbst wenn man das Wort 'Ignorant' auch nicht kennt) davon 'ignorieren' ableiten kann, bei dem jedem bewusst ist, dass auf jeden Fall sehr negative EIgenschaften angesprochen werden. Für Dinge, die Spitz nicht ganz ausdrücken konnte ohne Fachsprache zu verwenden, hat er oftmals einen Neologismus angewandt; also neue Wörter kreiert. So zum Beispiel mit dem Wort "Antiamerikanismus", welches sich sehr stark nach einer Form von einer gesellschaftlichen EInstellung gegen Amerika anhört. Durch die darin enthaltenen Worte 'Anti' (gegen) und 'Amerika' kann jeder sich dessen Bedeutung ableiten, und ist beruhigt, dass die Aufnahme von Snowden nicht zu einer solchen EInstellung führen würde. Außerdem spricht er noch Jugendliche, die heutzutage doch sehr globalisiert leben, mit einem Misch aus Englischen und Deutschen Wörtern an, wie bei dem von ihm genannten "No-Spy-Abkommen". Gleichzeitig zeigt er, dass dieses vor allem an Amerika gerichtet wäre, da die Landessprache ja dort Englisch ist.
Durch all diese rhetorischen Mittel bewirkt Spitz, dass sein Artikel allgemein verständlich ist und von einer großen Menge und Bandbreite an Leuten verstanden wird- gleichzeitig bezieht er dann das NSA-Skandal so auf die Allgemeinheit, dass auch jeder Leser einen Grund hat, sich selbst mit dem Problem zu identifizieren und dadurch damit zu beschäftigen. Mit den vielen Übertreibungen löst er dann zusätzlich aus, dass die Leser sich nicht nur angesprochen fühlen, sondern auch die Wichtigkeit und das Ausmaß des Problems erkennen.




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