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Entstehung und Unterschiede von Hoch- und Niedermooren, Das Moor als Ökossystem - Referat



Gliederung
Was ist ein Moor?
Hoch-und Niedermoore
Moor-Das Ökosystem
Das Wurzacher Ried
Flora und Fauna
Torfabbau & Moornutzung
Moorschutz & Renaturierung
Die Zukunft der Moore

Einleitung
„ O schaurig ist’s übers Moor zu gehen,
wenn es wimmelt von Heiderauche,
sich wie Phantome die Dünste drehen
und die Ränke häkelt am Strauche,
unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
wenn aus der Spalte es zischt und singt.
- O schaurig ist’s übers Moor zu gehen,
wenn der Röhricht knistert im Hauche.“
Anette von Droste-Hülshoff

Das ist der Anfang des Gedichts „ Der Knabe im Moor“ von Anette von Droste-Hülshoff. So hat sie sich das Moor vorgestellt; düster, schaurig, gespenstisch und lebensgefährlich. Anette von Droste-Hülshoff lebte von 1797-1848. In dieser Zeit war das Moor noch unerforscht und die Menschen hatten Angst vor ihm. Das hat sich geändert. Das Moor wurde durch Entwässerung und Torfabbau zur Nutzfläche, es wurde wissenschaftlich erforscht und man erkannte die Bedeutung der Moore als Ökosystem und ihre wichtige Rolle als Kohlenstoffdioxidspeicher. Doch was sind eigentlich Moore? Wenn man in Google das Wort Moor eingibt erhält man ungefähr 61 Millionen Ergebnisse. Doch von diesen 61 Millionen Treffern erklärt nur ein Bruchteil was Moore überhaupt sind. Diese Frage möchte ich hier beantworten und über die Entstehung, die Nutzung und die Erforschung der Moore am Beispiel des Wurzacher Riedes berichten.

Was ist ein Moor?

Filz, Moos, Ried, mosse, kärr, bog, fen – das damit immer das Gleiche gemeint ist, ist ziemlich verwirrend. Doch diese Worte sind alles Bezeichnungen für ein und denselben Lebensraum. Das Moor.
Moore sind nasse Lebensräume die dauerhaft eine positive Wasserbilanz haben, d.h. sie sind dauerhaft bis zur Oberfläche durchfeuchtet. Durch die dauerhafte Durchfeuchtung entsteht ein Luftmangel. Dadurch können die Destruenten nicht schnell genug arbeiten, was zur Folge hat, dass die Pflanzenreste nicht vollständig verrotten. Die halb zersetzten Pflanzenreste lagern sich ab und so entsteht Torf. In der Geologie ist ein Moor auch so definiert, dass es eine mindestens 30 cm starke Torfschicht haben muss. Da Moore sehr vom Niederschlag abhängig sind, kommen sie nur in niederschlagsreichen Regionen vor, hauptsächlich in Nordeuropa, Westsibirien, Teilen von Nordamerika und in geringeren Maßen in den feuchten Tropen. Insgesamt bedecken Moore 3 % der Erdoberfläche. Dabei gibt es viele verschiedene Moortypen, zum Beispiel: Moorwälder, Hangmoore, Gebirgsmoore, Moorinseln und viele mehr. Bei uns kommen zwei Typen von Mooren vor: Die Nieder- und die Hochmoore.

Hoch- und Niedermoore

Der wohl größte sichtbare Unterschied zwischen Hoch- und Niedermooren ist wie die Namen schon sagen die Höhendifferenz. Währen Niedermoore komplett eben sind, wölben sich Hochmoore uhrglasförmig mehrere Meter über den Mineralboden auf. Dadurch entstehen die nächsten Unterschiede. Durch die Wölbung stehen Hochmoore in keiner Verbindung zum Grundwasser. Daher ist ihre Entstehung auch vom Klima abhängig. Hochmoore können nur in sehr niederschlagsreichen Regionen entstehen, da sonst keine Möglichkeit besteht, dauerhaft durchfeuchtet zu bleiben. Niedermoore hingegen stehen in einer direkten Verbindung zum Grundwasser. Das Klima spielt daher bei ihrer Entstehung keine große Rolle. Niedermore entstehen häufig aus verlandeten Seen. Durch die Verbindung zum Grundwasser bleiben sie dauerhaft durchfeuchtet.

Ein ebenfalls leicht zu erkennender Unterschied zwischen Hoch- und Niedermooren liegt in der Pflanzendecke. Das Niedermoor ist von üppiger Vegetation bedeckt; man findet verschiedene Sauergräser (Carex), Schilf (Phragmites), Rohrkolben (Typha), Schwarzerlen (Alnus glutiosa), verschiedene Orchideenarten und Enzian. Die Hochmoore dagegen haben nur eine artenarme Vegetation mit Heidekraut (Erica), Moosbeere (Vaccinium) und Wollgras (Eriophorum vagniatum). Hauptsächlich ist die Mooroberfläche jedoch von verschiedenen Torfmoosen (Sphagnum) bedeckt. Die Erforschung der Moore erbrachte noch weitere Unterschiede:

Hochmoor
oligotroph
Keine Verbindung zum Grundwasser

Uhrglasförmig aufgewölbt
Sind an ein niederschlagsreiches Klima gebunden
pH-Wert zwischen 2,5 – 3,5
Arten und individuenarm
(Flora &Fauna)

Niedermoor
Eutroph
Verbindung zum Grundwasser
Komplett eben
Entstehen unabhängig vom Klima → durch Verbindung mit dem Grundwasser
pH-Wert zwischen 4,5 – 7
Meist artenreiche Tier- und Pflanzengesellschaften

Wenn Niedermoore sich zum Hochmoor entwickeln nennt man die Übergangsbereiche Übergangs- oder Zwischenmoore. Deshalb kann man oft nicht entscheiden wo das Niedermoor aufhört und das Hochmoor anfängt.
Wichtig ist jedoch: Niedermoore können alleine vorkommen, Hochmoore nicht. Sie gehen im Randbereich irgendwann in ein Niedermoor über.

Moor-Das Ökosystem

Moore sind eigene außergewöhnliche Ökosysteme. Ihre Entstehung in Deutschland liegt viele tausend Jahre zurück. Moore entstanden nämlich nach der letzten Eiszeit vor ca. 10 000 Jahren. Als die Eisflächen sich zurückzogen entstanden Gletscherseen. Diese flachen Seen waren sehr nährstoffreich, daher siedelten sich viele verschiedene Pflanzenarten an. Im Laufe der Jahre kam es zur Verlandung dieser Seen. Das heißt, die Seen sind über die Jahre hinweg komplett zugewachsen. Das passiert so:
Da diese Gletscherseen meist kein Zu- und Abfluss hatten herrschte dort bald Sauerstoffmangel. Der See eutrophierte. Abgestorbene Pflanzenreste konnten wegen Sauerstoffmangels nicht mehr vollständig abgebaut werden. Die halb verrotteten Reste sanken auf den Boden, so entstand die erste Schicht Torf. Auf diese Art bildeten sich immer mehr Torfschichten und der See wurde immer flacher. Die Pflanzen konnten immer weiter Richtung Mitte wachsen. Gleichzeitig erhöhte sich allerdings auch das Absterben der Pflanzen. Viele Arten konnten so eng aufeinander nicht mehr wachsen und starben ab. Daraus bildete sich jedoch noch mehr Torf und die Pflanzen, die sich auf diese Lebensbedingungen spezialisierten, hatten bald den ganzen See eingenommen. So entstand ein neuer sehr spezieller Lebensraum. Das Niedermoor.

Doch aus Niedermooren entstehen sehr selten Hochmoore, da dafür viele Faktoren wie Klima, Umwelt, Niederschlag, etc. übereinstimmen müssen.
Nach der kompletten Verlandung eines Sees ist das ganze Gebiet ein ständig wachsendes Niedermoor. Jedoch kann das Niedermoor nicht ewig weiterwachsen. Denn sobald das Grundwasser nicht mehr bis zur Pflanzendecke hinauf reicht ist Schluss. Vom Grundwasser abgeschnitten, ändern sich die Lebensbedingungen für die Vegetation drastisch. Das Moor hat nur Chancen weiter zu existieren, wenn es im Jahr ausreichend Niederschlag gibt, denn so wird das Moor weiterhin mit Wasser versorgt. Es kann so unter erschwerten Bedingungen, wie zum Beispiel, dass es jetzt oligotroph ist, weiterwachsen. Jedoch können die anspruchsvollen Niedermoorpflanzen nicht mehr überleben, Spezialisten, wie die Torfmoose nehmen ihren Platz ein. Torfmoose können unter extremen Lebensbedingungen wachsen. Während sie nach oben immer weiter wachsen, sterben sie unten ab und vertorfen. So wird die Torfschicht immer dichter und die Moorfläche wölbt sich uhrglasförmig auf. Aus dem Niedermoor entsteht ein Hochmoor.
Durch die vielen Pflanzenreste, die in allen Mooren der Welt abgelagert wurden, speichern Moore weltweit ungefähr ein Drittel der irdischen Kohlenstoffdioxidvorräte. Obwohl sie nur 3 % der Erdoberfläche bedecken. Moore speichern somit insgesamt mehr CO₂ als die Regenwälder. Moore sind also sehr wichtig für unser Klima.

Durch die Fähigkeit der Torfmoose das 30fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufzunehmen sind Moore sehr wasserreich. Sie können bis zu 95 % aus Wasser bestehen. So erklärt sich auch das Einsinken beim Betreten der Pflanzendecke. Moore sind demnach riesige Wasserspeicher, die einen großen Einfluss auf den Wasserhaushalt einer Landschaft haben. Wie es die wenigen Pflanzen- und Tierarten schaffen unter
diesen speziellen Lebensbedingungen eines Hochmoores zu überleben und warum der Torfabbau für die Moore so gefährlich ist, möchte ich am Beispiel des Hochmoores Wurzacher Ried zeigen.

Das Wurzacher Ried

Das Wurzacher Ried liegt ca. zwei Stunden von Reutlingen entfernt bei Bad Wurzach.
Es erstreckt sich über eine Fläche von ungefähr 17 Quadratkilometern. Das Wurzacher Ried ist mit seiner außergewöhnlichen Landschaft und der besonderen Flora und Fauna eines der bedeutendsten und größten Naturschutzgebiete Deutschlands und das größte, noch intakte Hochmoor Europas.

Flora und Fauna

Im Hochmoor Wurzacher Ried ist der Boden sehr sauer und nährstoffarm. Das macht es den meisten Pflanzen unmöglich hier zu existieren. Es gibt jedoch einige Spezialisten, die sich mit kleinen Tricks an diese extremen Lebensbedingungen angepasst haben.

Von diesen Spezialisten möchte ich hier einige vorstellen:
Besonders raffiniert ist der Sonnentau. Im Wurzacher Ried gibt es zwei Arten von Sonnentau, den rundblättrigen Sonnentau und den sehr seltenen englischen Sonnentau, auch langblättriger Sonnentau genannt. Der Sonnentau ist einer der wenigen deutschen „fleischfressenden“ Pflanzen. Auf der Blattoberfläche hat der Sonnentau Tentakeln, die ein klebriges Sekret ausscheiden. Durch das Glitzern und Funkeln werden Insekten angelockt und bleiben an den Tentakeln kleben. Nach und nach werden die Insekten dann durch eiweißspaltende Enzyme aufgelöst. So versorgt sich der Sonnentau mit Stickstoff, an dem es im Hochmoor sehr mangelt.
Weitere Spezialisten sind der Fieberklee, das Sumpf-Herzblatt und die Mehlprimel.
Eine große Besonderheit des Wurzacher Riedes ist außerdem, dass im Hochmoorteil verschiedene Orchideenarten, darunter auch sehr seltene, wachsen. Ebenfalls an diese speziellen Bedingungen angepasst hat sich das Torfmoos. Wie bereits erwähnt bedeckt es den Großteil der Hochmoorfläche. Durch einen speziellen Zellenbau können Torfmoose das 15 – 30 fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen. Torfmoose sind wie eine Art Schwamm. Sie können schnell viel Wasser aufsaugen und geben es dann nur sehr langsam wieder ab. Die Torfmoose ziehen Ihre Nährstoffe also aus dem Wasser.

Auch für die Tiere ist es schwer im Hochmoor zu existieren. Dennoch gibt es viele Arten die sich an die Bedingungen angepasst haben. Durch immer stärker werdenden Motorenlärm etc. werden aber auch viele Arten verscheucht.
Vor allem Vögel, wie die drei typischen, schon sehr seltenen Riedvögel, leiden darunter.
Zu diesen drei zählen der große Brachvogel, das Birkhuhn und die Bekassine.
Durch die große Feuchtigkeit leben auch viele Amphibien im Wurzacher Ried. Vor allem verschiedene Frösche sind hier zu finden. Auch einige Reptilien sind im Wurzacher Ried zuhause. Am häufigsten vorkommend sind die Eidechsen, am stärksten vertreten von den Moor- und Zauneidechsen. Seltener anzutreffen ist auch die Blindschleiche, die lieber im Verborgenen lebt. Kreuzottern und Ringelnattern sind ebenfalls Bewohner des Rieds.
Besonders wenig Beachtung wird den vielen verschiedenen Spinnenarten im Hochmoor gewidmet. Dabei sind viele sehr außergewöhnlich.
Zum Beispiel die veränderliche Krabbenspinne. Wie der Name schon sagt, kann die Spinne ihre Körperfarbe dem Untergrund anpassen, außerdem kann sie auch seitwärts und rückwärts laufen.
Die häufigste Tiergruppe im Wurzacher Ried sind die Insekten. Die Vielzahl ist unüberschaubar.
Besonders imposant sind die Libellen, die uns durch ihre Flugkünste beindrucken. Es gibt viele verschiedene Libellenarten im Ried, die auffälligsten sind die Großlibellen, wie die Torf-Mosaikjungfer und die Königslibelle. Es gibt jedoch auch viele Kleinlibellen. Besonders moortypisch sind die Moosjungfern. Auch die Vielzahl an Schmetterlingen im Ried begeistert viele.
Das Wurzacher Ried bietet zwar eine Vielzahl an Arten, aber dennoch wurden durch den Torfabbau viele bedroht.

Torfabbau & Moornutzung

Moore wurden von den Menschen schon immer als unnütz angesehen. Daher haben die Menschen bereits im 12. Jahrhundert angefangen, Niedermoore in landwirtschaftliche Flächen umzuwandeln. Um Tiere dort halten zu können oder um Ackerbau zu betreiben mussten die Moore entwässert werden. Dies geschah mit Hilfe von Entwässerungskanälen (Drainagen) durch die das Wasser in nahe gelegene Flüsse geleitet wurde.
Im 17. Jahrhundert wurde Torf als Brennmaterial entdeckt und der systematische Torfabbau begann. Anfangs mussten die Bauern den Torf noch mühsam von Hand stechen und im Freien trocknen. Ungefähr 1870 begann der industrielle Torfabbau mit Maschinen. Vor allem mit Beginn des ersten Weltkrieges wurde Torf als Brennmaterial sehr wichtig, da er billiger als Holz oder Kohle war.
Torf hat eine geringe Brenndauer und stinkt beim Verbrennen, daher ist Torf heutzutage als Brennmaterial nicht mehr wichtig. Dennoch wird weiterhin großflächig Torf abgebaut. Dieser dient vor allem für den Gartenbau. Hochmoortorfe liefern Humus und man kann den pH-Wert nach Bedarf einstellen und mit Nährstoffen anreichern.

Es gibt noch eine dritte Anwendung von Torf. Diese geschieht allerdings in einem viel geringeren Umfang. Torf wird auch in der Medizin eingesetzt als sogenannter Badetorf.

Moorschutz & Renaturierung

Da Moore bis weit ins 20. Jahrhundert nur als Torflieferant angesehen wurden, sind die meisten Moore in Europa weitgehend zerstört. Erst vor ungefähr 60 Jahren wurde die Wichtigkeit der Moore als Ökosystem für das Klima, ihre Funktion als CO₂- Speicher und ihre Wichtigkeit als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten erkannt. Untersuchungen an Mooren in Deutschland haben ergeben, dass insgesamt 440 Pflanzenarten ihr Hauptvorkommen in Hoch- und Niedermooren haben und davon ca. 200 Arten als gefährdet oder stark bedroht gelten.
Daher wurde ab ca. 1950 damit begonnen vereinzelte Moorgebiete in Deutschland unter Schutz zu stellen. So wurde z.B. 1959 ein Teil des Wurzacher Riedes zum Naturschutzgebiet erklärt.

Vor einigen Jahren begann außerdem der Versuch, Moore zu renaturieren. Das Ziel der Renaturierung besteht darin, das weitere Austrocken der Moore zu stoppen und im besten Fall wieder ein Moorwachstum zu veranlassen.

Der Torfabbau wurde im Wurzacher Ried erst 1995 komplett verboten. Doch schon davor begannen Renaturierungsprojekte, bei denen die Entwässerungskanäle abgedichtet wurden. Leider stehen nicht alle Moore komplett unter Naturschutz, vor allem in Norddeutschland wird nach wie vor Torf abgebaut.

Die größte Zerstörung von Mooren geschieht aktuell jedoch in Russland und anderen osteuropäischen Ländern wie Polen. Dort gibt es sehr große Moore und umso bedeutender sind diese für unser Klima. Der Torf der in unserer Blumenerde ist, kommt meistens von dort.

Die Zukunft der Moore
Die Zukunft der Moore ist ungewiss. Niemand weiß ob die Renaturierungsmaßnahmen funktionieren und irgendwann wieder Moorwachstum stattfinden wird.
Fakt ist jedoch, dass jeder einzelne etwas zum Moorschutz beitragen kann. Indem man zum Beispiel torffreie Gartenerde kauft und so den Torfabbau boykottiert. Außerdem muss erkannt werden wie viel Moore als Ökosystem für unsere Umwelt bedeuten und was für ein riesiger CO₂-Speicher sie sind.
Wer Moore schützt, schützt auch unser Klima und wer das Klima schützt, schützt uns.




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