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El Nino - Referat



El Niño
Alle zwei bis sieben Jahre kommt es im östlichen Pazifik an der Westküste Südamerikas zu einer tiefgreifenden Veränderung der Meeresströmungen und der Luftdruckverhältnisse. Die Folge sind völlig ungewohnte Wetterlagen in den Anrainerstaaten des Pazifiks mit oft verheerenden Auswirkungen für Mensch und Tier.
Unter normalen Verhältnissen bestimmen ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet vor der Küste Südamerikas und der beständig wehende Südostpassat das Klima dieser Region. Gleichzeitig werden die Strömungsverhältnisse im Ostpazifik von dem kalten, aus Süden kommenden und nach Westen abbiegenden Humboldtstrom geprägt. Alle paar Jahre kehrt sich diese Situation jedoch völlig um. Warmes Meerwasser dringt dann aus Osten und Norden bis an die Küste Südamerikas vor und läßt zahlreiche Fische verenden. Gleichzeitig sorgt ein Tief über dem Ostpazifik für ungewöhnlich hohe Niederschläge mit oft katastrophalen Überschwemmungen in Teilen Südamerikas.
Da dieses Phänomen vorwiegend im Dezember auftritt, hat man ihm den Namen "El Niño" gegeben, was auf deutsch "der Knabe", "das Christkind" bedeutet. Besonders stark war dieses El Niño-Phänomen in den Jahren 1982/1983 ausgeprägt. Dabei wurden die in demselben Zeitraum ungewöhnlich häufig aufgetretenen Klimakatastrophen (Dürre in der Sahelzone und in Australien, Überschwemmungen an den Westküsten Nord- und Südamerikas) mit dem El Niño in Verbindung gebracht.
Auch im August 1997 hat man nun eine ungewöhnliche Erwärmung des Ostpazifiks festgestellt; gleichzeitig wurde ein Abflauen der Passatwinde und häufig wechselnde Windrichtungen beobachtet. Da die Erwärmung wesentlich rascher vor sich ging und mit über acht Millionen Quadratkilometern ein bedeutend größeres Areal betraf als in vorangegangenen El-Niño-Jahren, erwarteten Wissenschaftler einen El Niño von nie dagewesener Stärke. In seinem Gefolge wurden für den Jahreswechsel 1997/1998 weltweite Unwetterkatastrophen befürchtet (Stürme und ungewöhnlich heftige Niederschläge in Kalifornien, extreme Dürreperioden in Australien und Südostasien, ungewöhnlich hohe Niederschläge mit Erdrutschen und Schlammlawinen in den sonst eher trockenen Regionen Südamerikas).
Klima und Meeresströmungen im Südpazifik
In normalen Jahren wird das Klima auf der Südhalbkugel über dem Ostpazifik vor allem von dem Südostpassat geprägt. Diese beständig wehenden Winde treiben das oberflächennahe Meerwasser in Richtung Australien und Südostasien, wo es sich staut und den Meeresspiegel im Westpazifik 25 bis 40 cm höher werden läßt als im Osten. An der Westküste Südamerikas hingegen quillt kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche und begünstigt den ausgesprochenen Fischreichtum dieser Meeresregion und damit die dichte Population mit Seevögeln. Über dem kalten Meerwasser sinkt die Luft ab und bildet vor der Küste Südamerikas ein beständiges Hochdruckgebiet, das die zum Teil extreme Trockenheit an der Westküste Südamerikas (z.B. in der Atacamawüste) verursacht. Aus diesem Hoch fließt die Luft im Rahmen des Passats nach West/Nordwest ab, wobei sie sich erwärmt und
Feuchtigkeit aufnimmt. Vor Australien und Südostasien steigt sie dann auf, kühlt ab und bringt ergiebige Niederschläge.
In El Niño-Jahren schwächt sich dieses Luftdruckgefälle über dem Pazifik wesentlich stärker ab als es auch in normalen Jahren zu Beginn des Südsommers üblich ist. Als Folge davon flauen auch die Passatwinde ab oder kommen ganz zum Erliegen. Das vor Australien und Südostasien aufgestaute warme Meerwasser kann dadurch ungehindert im Zuge eines verstärkten äquatorialen Gegenstroms nach Osten zurückfließen. Vom Äquator aus Norden kommend, verdrängt es dann den kalten Humboldtstrom und läßt die Wassertemperatur vor der Küste Südamerikas um bis zu 11°C ansteigen. Das warme Meerwasser erwärmt die bodennahen Luftschichten und zwingt sie zum Aufsteigen. Mit der Höhe kühlt die Luft ab und verliert ihre Feuchtigkeit in Form von ergiebigen Niederschlägen in diesen sonst zum Teil äußerst trockenen Gebieten. Die abgekühlte, trockene Luft zieht dann nach Westen und sinkt vor den Küsten Indonesiens und Australiens ab und führt dort in El Niño-Jahren zu oft katastrophalen Dürreperioden. Die Auswirkungen des El Niño reichen bis in den Indischen Ozean und bewirken Dürren in Indien und im südlichen Afrika. Außerdem begünstigt die Erwärmung des Südpazifiks die Entstehung von Hurrikans, die vor allem Kalifornien und Mexiko treffen. Während es in El-Niño-Jahren im Südosten der USA häufig kühler und regenreicher ist, ist es gleichzeitig in Kanada und Alaska wärmer und trockener als gewöhnlich, was die reichen Fischbestände vor den Küsten gefährdet.

Dieses Referat wurde eingesandt vom User: graufaenger



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