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Drogen - Referat



Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsklärungen
2. Entstehung und Entwicklung von Abhängigkeit
2.1. Der Teufelskreis der Abhängigkeit
3. Theorien zur Entstehung von Sucht und Abhängigkeit
3.1 Psychoanalytische Theorien
3.2 Neurobiologische Theorien
4. Vorbeugende Maßnahmen
5. Auswirkungen der Abhängigkeit
5.1 Psychisch
5.2 Körperlich
5.3 Sozial
6. Behandlung eines Abhängigen
7. Erläuterung einiger Subtypen
7.1. Amphetamintyp
7.2. Kokaintyp
7.3. Cannabistyp
7.4. Morphintyp
7.5. Halluzinogentyp 8. Verschiedene Abbildungen

1.Begriffsklärungen
Klärung des Begriffes Abhängigkeit/ Sucht:
Darunter versteht man den seelisch und oft auch körperlichen Zustand, gekennzeichnet durch den Drang des Abhängigen, sich eine bestimmte Droge beziehungsweise ein Arzneimittel zuführen zu müssen. Ursprünglich ist der Begriff Sucht auf das Wort ,,siech"= krank zurückzuführen. Sucht meint somit zum einen Krankheit (zum Beispiel Gelbsucht und Schwindsucht), zum anderen auffälliges Verhalten (Habsucht, Eifersucht...). Aus psychiatrischer Sicht bezeichnet Sucht grundsätzlich pathologische Verhaltensweisen, die einer ,,süchtigen Fehlhaltung" entspringen Bei stark ausgeprägter Abhängigkeit, die in der Regel körperlich bedingt ist, spricht man von Sucht. Inzwischen ist der ältere Begriff der Sucht von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) durch den Begriff Abhängigkeit ersetzt worden. Man unterscheidet zwischen psychischer und physischer (körperlicher) Abhängigkeit: Psychische Abhängigkeit ist definiert als übermächtiges unwiderstehliches Verlangen eine bestimmte Droge wieder einzunehmen /Lust-Erzeugung und/oder Unlust-Vermeidung). Sie liegt also dann vor, wenn auch ohne körperliches Entzugssyndrom ein starkes Verlangen nach dem Mittel vorhanden ist. Körperliche Abhängigkeit besteht, wenn zur Erzielung derselben Wirkung steigende Mengen benötigt werden (Toleranzbildung) und sich beim Absetzen des Mittels Entzugserscheinungen äußern. Solche Entzugssymptome sind zum Beispiel Übelkeit, Diarrhöe oder Schmerzen. Sie variieren je nach Art des Suchtmittels. Zusätzlich unterscheidet man zwischen der nicht stoffgebundenen Abhängigkeit (wie beispielsweise der Spielleidenschaft, Arbeitssucht, dem Feuertrieb, der Kleptomanie usw.) und der stoffgebundenen Abhängigkeit· Genussmittel (Koffein, Nikotin, Cola...), Alkohol, Medikamente, ,Drogen (Halluzinogene, Kokain etc.).
Abhängigkeit oder Sucht kann somit charakterisiert werden als dominierendes Verlangen oder zwanghaftes Bedürfnis und Angewiesensein auf bestimmte Substanzen. Dies kann von einfachen Gewohnheiten bis zu einer süchtigen Persönlichkeitsentwicklung reichen. Sucht ist somit Ausdruck einer süchtigen Fehlentwicklung oder Fehlhaltung. Durch das Suchtverhalten/ Suchtmittel wird vorübergehend eine als unbefriedigend oder unerträglich gehaltene Situation gebessert (Flucht in eine Scheinwelt). Die sich anschließende ,,Ernüchterung" durch das Konfrontiertwerden mit der Realität (Kontrastphänomen) lässt einen Circulus vitiosus entstehen, dessen Hauptelemente das unbezwingbare Verlangen nach Suchtmittel (,,craving") und der Kontrollverlust, das Nicht-Aufhören-Können (,,Abhängigkeit"), ausmachen. Allgemein wird süchtigem Verhalten eine selbstzerrstörerische Komponente zugeschrieben, Sucht wird von manchen Autoren als protrahierter Suizid, Rausch als Antizipation des Todes betrachtet.
Der Begriff Polytoxikomanie bezeichnet eine Mehrfachabhängigkeit, die folgendermaßen definiert ist: Die Betroffenen haben über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten wiederholt Substanzen aus mindestens drei der folgenden Kategorien konsumiert, wobei keine Substanz für sich alleine dominierte.
Die WHO unterscheidet sieben Formen der Abhängigkeit von Substanzen:
- Morphintyp
- Barbiturat-Alkohol-Typ
- Kokaintyp - Halluzinogentyp - Cannabistyp - Amphetamintyp - Khantyp

Einige dieser Typen werden später noch näher erläutert. Die vorhergegangene Einteilung bietet den Vorteil, dass innerhalb einer Gruppe die Vergiftungs- und Entzugserscheinungen ähnlich, damit vorhersehbar und folglich leichter zu behandeln sind. Zwischen den Substanzen einer Gruppe besteht meist eine Kreuztoleranz. dies bedeutet: Eine Abhängigkeit von beispielsweise Alkohol führt gleichzeitig zu einer Barbituratabhängigkeit und umgekehrt. Dir Entwicklung einer Toleranz (Dosissteigerung) kann durch den abwechselnden Gebrauch von Substanzen einer Gruppe nicht verzögert werden (besonders wichtig für Substanzen des Morphin- und Barbiturattyps).
Missbrauch (Abusus): Damit bezeichnet man die Verwendung von Medikamenten und/oder Genussmitteln ohne medizinische Indikation und/oder in übermäßiger Dosierung. Der Abusus, bei dem der Betroffene noch aus eigener Kraft aufhören kann, ist oft eine Vorstufe der Abhängigkeit. Wiederholtes Einnehmen führt zur Gewöhnung, psychisch durch Konditionierung, körperlich in der Regel mit der Folge der Dosissteigerung.
Drogen: Unter Drogen verstand man früher zunächst pflanzliche Arzneistoffe, später auch alle Arten von synthetischen Medikamenten. Heute nennt man Drogen Stoffe, die eine Wirkung auf das zentrale Nervensystem haben, also psychotrop sind, und daher Abhängigkeit erzeugen können. Drogen werden getrunken, geschluckt, gespritzt, geraucht, geschnupft oder inhaliert, greifen in die biologischen und physiologischen Abläufe des menschlichen Körpers ein und führen zu Veränderungen von Wahrnehmungen, Stimmungen, Gefühlen und Handlungen. Seit Jahrhunderten werden die psychoaktiven Substanzen in legale und illegale unterteilt. Bei den heute in fast allen Industrieländern legalen Drogen handelt es sich um Substanzen wie Koffein, Nikotin, Alkohol und Medikamente, bei illegalen um Kokain, Cannabis, LSD, Opium, Heroin und ,,Designerdrogen". In der Regel läuft der Einstieg in alle Formen des Drogenkonsums über die legalen Drogen.
Toleranzsteigerung: Darunter versteht man die Tatsache, dass sich der Körper an die Zufuhr von Drogen gewöhnt. dies geschieht zum Beispiel durch beschleunigten enzymatischen Abbau in der Leber, Absinken der Empfindlichkeit zellulärer Rezeptoren an den Wirkorten, verzögerte Resorption aus dem Darm oder verzögerte Aufnahme ins Gewebe. Gleichzeitig muss die Menge der zugeführten Droge erhöht werden, um denselben Effekt wie vor der Toleranzbildung zu erzielen. Daraus ergibt sich für den Drogenkonsumenten der Zwang zur Dosiserhöhung (Erhöhung der Einzeldosis oder der Einnahmefrequenz). Beim plötzlichen Absetzen der Droge kommt es zu einem Abstinenzsyndrom, das sich in körperlichen Entzugserscheinungen wir Schweißausbrüchen, Durchfällen, krampfartigen Leibschmerzen und Krampfanfällen äußert. außerdem entwickeln sich psychische Entziehungserscheinungen, zum Beispiel Angst, Unruhe, Schlafstörungen, delirante Psychosen, die zusammen mit den körperlichen Symptomen den Drogenkonsumenten zur weiteren Drogeneinnahme zwingen.
Suchtpotential: Damit bezeichnet man das Ausmaß der Fähigkeit einer Substanz, bei einem Menschen Abhängigkeit zu erzeugen. Das Suchtpotential einer Substanz ist umso höher, je mehr Menschen davon abhängig werden und je schneller die Abhängigkeitsentwicklung erfolgt. Ein Beispiel für eine Substanz mit sehr hohem Suchtpotential ist das Heroin (Abhängigkeitsentwicklung bei praktisch allen Menschen in sehr kurzer Zeit), eine mit niedrigem Suchtpotential der Alkohol (eine Abhängigkeit entwickelt sich im Laufe von Jahren bei circa 5% aller Menschen, die Alkohol trinken).
2.Die Entstehung/Entwicklung von Abhängigkeit
Beim Entstehen von Abhängigkeit spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, die nie für sich alleine genommen eine Abhängigkeit verursachen können, sondern im Sinne einer multifaktoriellen Genese zusammenwirken. So lässt sich vorerst ein dreifaktorielles Bedingungsgefüge für die Entstehung und Entwicklung von Abhängigkeit ausmachen:
-Droge (Angebot und Wirkung)
-Individuum (eigene Entwicklung)
-soziales Umfeld (Gesellschaft)
Bedingungsgefüge der Entstehung einer Abhängigkeit: Diese drei Instanzen wirken zusammen und rufen bei bestimmter Konstellation den Gebrauch von Drogen, dann den Missbrauch, die Abhängigkeit (körperlich oder seelisch) und die Sucht hervor.
Ob es zur Abhängigkeit kommt, entscheidet sich nach Art der Droge, der Intensität des Drogengebrauchs, den Merkmalen der Persönlichkeit und den Merkmalen der Umwelt. Eine typische Persönlichkeitsstruktur gibt es nicht. Allerdings sollen Suchtpatienten häufig empfindsame, ängstlich-verschlossene, stimmungslabile und passiv-bequeme, willenlose Persönlichkeiten sein. Bei circa 50% der Suchtpatienten findet sich eine andere psychiatrische Erkrankung, wobei Persönlichkeitsstörungen, depressive Störungen und Angststörungen am häufigsten sind. In vielen Fällen beginnt die Sucht damit, die bereisvorliegende psychische Erkrankung selbst zu ,,behandeln".
Abhängige stammen überwiegend aus Familien, in denen unter den Vorfahren gehäuft Alkohol- und Drogensucht, psychopathische Persönlichkeiten sowie Suizidversuche vorkommen. Es finden sich häufig gestörte Familienverhältnisse und familiäre Belastung (,,broken home"). Beispielsweise erleben Kinder und Jugendliche heute sehr oft Trennungen und Scheidungen ihrer Eltern, die immer mit psychischen und sozialen Belastungen aller Familienangehörigen einhergehen. Ein weiterer Punkt ist die Isolation der Süchtigen, da sie fast nur untereinander verkehren und sich von der ,,Außenwelt" abgrenzen. Auch die ,,Griffnähe" der Drogen stellt ein weiteres Risiko dar, da legale und illegale Drogen heutzutage weltweit verbreitet und relativ leicht beschaffbar sind. Das gilt vor allem auch für medizinisches Personal. Die Konsumgewohnheiten in der Gesamtbevölkerung können als weiterer Aspekt gesehen werden, der die Entstehung von Abhängigkeit in gewissem Maße beeinflusst. Die Verführungsstrategien in den Medien zum Konsum von Drogen, insbesondere natürlich legalen Drogen, die in unrealistischer Weise mit Hilfe von Drogen Befreiung von allen möglichen Beschwerden suggerieren, sind vielfältig. Viele Menschen mit unsicherer Persönlichkeitsstruktur können sich diesen Überredungskünsten der Werbebranche kaum entziehen und lassen sich so manipulieren. In der Medienberichterstattung gibt es wenig überzeugende Ansätze zur Prävention (Vorbeugung). Dadurch wird ein öffentliches Klima der praktischen Verharmlosung von Drogen erzeugt. In der Vorgeschichte eines Drogenabhängigen finden sich häufig Überforderungssituationen, Stressbelastung und Leistungsdruck, chronische
Schlafstörungen und Schmerzzustände. Das Suchtmittel soll in diesen Situationen Erleichterung verschaffen und Probleme mit der Schaffung eines euphorischen Zustandes betäuben. Bei der gewohnheitsmäßigen Einnahme von Suchtstoffen entwickelt sich neben der psychischen Abhängigkeit vom Suchtstoff eine physische Abhängigkeit. Diese zeigt sich typischerweise in einer Toleranzsteigerung gegenüber dem Suchtstoff mit nachfolgendem Zwang zur Dosiserhöhung und Abstinenzerscheinungen beim Absetzen der Droge. So können Drogengebrauch und Drogenmissbrauch Begleiterscheinungen der Verarbeitung von kritischen Lebensereignissen und sozialen Belastungen sein, die durch ganz unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden. Die Belastungen ergeben sich aus den strukturellen Herausforderungen und Anforderungen der heutigen Lebensweise in Familie, Schule, Arbeitswelt und Freizeitbereich. Die Partnerbeziehungen und die Eltern- Kind- Beziehungen sind einerseits unsicherer geworden, andererseits aber auch durch erhöhte Erwartungen aneinander gekennzeichnet. Überforderungen und Frustrationen können deshalb schnell eintreten. Sie schaffen innerhalb der Familie ein Klima der Unzufriedenheit, das den Nährboden für Streit und Auseinandersetzungen und für Sucht gefahren bergen kann.
Immer mehr Menschen sind durch Armut und Arbeitslosigkeit belastet, wohnen in beengten Verhältnissen und leiden unter sozialer Isolierung. Gefühle von Kontrollverlust über Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Zukunft, der Wertlosigkeit und Selbstgeringschätzung wachsen. Hier liegt der Ausgangspunkt für erhebliche Suchtgefahren. Auch durch den steigenden Konkurrenzdruck und Anforderungen in der Schule kommt es zur Kompensierung von Schulleistungsschwächen durch erhöhten Medikamenten-
gebrauch sowie Zigaretten- und Alkoholkonsum.
Man diskutiert in der Zwischenzeit auch die Möglichkeit, dass die Bereitschaft, süchtig zu entgleisen, genetisch bedingt ist.
Man kann die verschiedenen Stadien zur Entstehung der Abhängigkeit voneinander abgrenzen:
1.. Gelegentlicher Gebrauch ·2.regelmäßiger Gebrauch · 3.Gewöhnung· Umschlagpunkt von Gebrauch in Missbrauch· 4.Kontrollverlust·5.Sucht·
6.Abhängigkeit
Es ist nun ist erkennbar, dass die Grenze zwischen Drogengebrauch und Drogenmissbrauch nur schwer trennbar ist und dass nach der Phase der Gewöhnung schnell der Kontrollverlust folgt. Abhängigkeit tritt nicht schlagartig und von heute auf morgen auf, sondern erst nach einem Missbrauchsverhalten, das sich über längere Zeit erstreckt. Abhängigkeit entwickelt sich zunächst unter der Oberfläche so langsam und unauffällig, dass sie lange Zeit vom Betroffenen selbst und seiner Umwelt nicht bemerkt wird. Der Übergang vom gelegentlichen über den regelmäßigen Gebrauch verläuft über die Stadien Gewöhnung, Kontrollverlust und Sucht in die Abhängigkeit.
2.1 Der Teufelskreis der Abhängigkeit
Die Entstehungsgeschichte der Abhängigkeit ähnelt oftmals einem Teufelskreis, der für den einzelnen nur schwer zu durchbrechen ist. In der folgenden Abbildung ist dieser Teufelskreis, der besonders beim Gebrauch und Missbrauch der Drogen Alkohol und Heroin so beobachtet werden kann, anschaulich dargestellt: Am Anfang (Stadium 1) verspürt der Konsument das Bedürfnis, der Realität zu entfliehen, er möchte Entspannung und Erleichterung empfinden. Um diesen Wunsch zu befriedigen, greift er (Stadium 2) zur Droge und empfindet tatsächlich momentane Entlastung. Sein Verlangen nach der Droge wird immer größer (Stadium 3 und 4) und es kommt zur Dosissteigerung.. Im Laufe des sich steigernden Konsums entstehen- auch aus dem Empfinden des wachsenden Kontrollverlustes heraus- Schuldgefühle (Stadium 5). Der Konsument versucht, die Substanzeinnahme vor sich selbst und vor anderen zu rechtfertigen (Stadium 6). Er versucht, über das wahre Ausmaß der Drogeneinnahme hinwegzutäuschen (Stadium 7). Er verspricht weniger zu konsumieren, hält dieses Versprechen jedoch nicht ein (Stadium 8 und 9). Allmählich wird die Beschaffung der Droge zum einzigen Lebensinhalt des Konsumenten, und es besteht, falls es sich um eine illegale Substanz handelt, die Gefahr des Abgleitens in die Beschaffungskriminalität (Stadium 10, 11 und 12).
Jede Abhängigkeit entsteht in einem bestimmten Lebenskontext. Der Beginn und die Fortsetzung des Drogengebrauchs können sehr unterschiedlich motiviert sein. Je nachdem wie stark die eigene Persönlichkeit ist kann man aus dem Teufelskreis ausbrechen, doch oft fehlt der Wille dazu.

3.Theorien zur Entstehung von Sucht und Abhängigkeit
Die Antwort auf die Frage, warum einige Menschen süchtig und abhängig werden, andere aber nicht, ob es eine Disposition zur Sucht und zu Persönlichkeitsstörungen und ob es eine ,,Suchtpersönlichkeit" gibt, hängt eng mit der Ansicht über die Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur zusammen. Diese Sichtweisen sind in den verschiedenen Theorien ganz unterschiedlich akzentuiert. Im folgenden sollen die psychoanalytische und die neurobiologische Theorie zur Entstehung von Abhängigkeit näher erläutert werden.

3.1Psychoanalytische Theorien
Die psychoanalytischen Theorien stellen einen Ansatz dar, in dessen Mittelpunkt die Genese der Persönlichkeitsstruktur, die Trieblehre sowie die Lehre der psychischen Instanzen steht. Nach diesen Theorien wird die Ursache der Sucht in einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung des Süchtigen gesehen. Diese Theorien betonen die Bedeutung der frühkindlichen Beziehungsstrukturen zwischen Kind und Eltern, insbesondere der Mutter. Die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen ist somit eng an den familiären Sozialisationsprozess gekoppelt, in den unterschiedliche sowohl elterliche als auch kindliche Erwartungen und Bedürfnisse einfließen. Die Persönlichkeitsentwicklung vollzieht sich nach Auffassung der Psychoanalyse in Auseinandersetzung zwischen dem triebgesteuerten Kind und der reglementierenden, disziplinierenden und damit auch triebeinschränkenden Umwelt. Kommen die Bedürfnisse nach Liebe und Wärme, die zu den Bedürfnissen nach Nahrungszufuhr in Verbindung stehen, zu kurz und werden nicht genügend befriedigt, entwickelt das Kind lebenslang Frustrationen mit Fixierungen auf Bedürfnisse der oralen Phase.
Für die süchtige Person stellt die Droge nun eine Form der Befriedigung oraler Bedürfnisse dar. Drogenzufuhr kann als Rückfall auf eine frühkindliche Entwicklungsstufe, und zwar in Form einer Fixierung auf Verhaltensweisen der oralen Phase, angesehen werden, in der das Kleinkind normalerweise die Erfahrung macht, von seiner Mutter verwöhnt und umsorgt zuwerden. Ist dies nicht der Fall, kann es zu andauernden illusionären und zu grenzenlosen Erwartungen an andere kommen. Wenn orale Bedürfnisse in der Kindheit nicht befriedigt werden, so die Theorie, dann erlebt die Person lebenslang diesen Mangel und versucht, ihn durch eine passiv-orale Haltung des Verschlingen-Wollens auszugleichen. Selbstbestrafungs- bis hin zu Selbstzerstörungs-
tendenzen und die ständige Suche nach emotionaler Befriedigung, die von Seiten der Mutter nicht erfolgte, werden in der psychoanalytischen Theorie als Grundmuster des süchtigen Verhaltens angesehen. Diese Theorien betrachten Sucht als eine Form der Lust- beziehungsweise Unlustregulierung. Beim Süchtigen spielen Lust-Unlust-Erlebnisse eine entscheidende Rolle. Er hat ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Lust-Erleben und das Bestreben jegliche Unlust zu vermeiden. Der Süchtige kann nur schwer Frustration ertragen, und daher wird Unlust durch Bedürfnisbefriedigung, das heißt durch Substanzzufuhr, vermindert.
In der psychoanalytischen Theorie spielen die psychischen Instanzen, das ,,Es", ,,Ich" und ,,Über-Ich" eine bedeutende Rolle. Von ihnen gehen triebgewährende und triebverbietende Impulse aus. Das ,,Es" ist von allen Instanzen die primäre; aus ihm entwickelt sich später das ,,Ich" und das ,,Über-Ich". Das ,,Es" ist die Instanz, die gemäß dem Lustprinzip nach Befriedigung strebt. Das ,,Ich" stellt eine Art vermittelnder Instanz zwischen dem ,,Es" und dem ,,Über-Ich" dar: ES ist einerseits unter dem Einfluss des ,,Es" Vollstrecker der Triebe, andererseits unter dem Einfluss des ,,Über-Ich" Sublimierer (Verlagerung von Triebenergien in kulturelle Leistungen) und Triebverdränger. Der Prozess der Ich-Entwicklung führt zu einem gewissen Maß an Kontrolle des ,,Es" durch das ,,Ich", das heißt, dass sich erst dann das ,,Ich" gegenüber dem ,,Ich" durchsetzen kann, wenn ein bestimmter Grad an Entwicklung und Organisation des ,,Ich" stattgefunden hat. Mit der Ausbildung des ,,Ich" geht eine Schwächung des ,,Es" einher.
Das ,,Über-Ich" ist diejenige Instanz, die gesellschaftliche Traditionen, Wertvorstellungen, Normen und Regeln nach dem elterlichen Vorbild enthält und die Basis für das ,,Ich-Ideal" abgibt, einer moralischen Instanz, aus der in Auseinandersetzung zwischen den Impulsen aus dem ,,Es", dem ,,Ich" und dem ,,Über-Ich" die Schuldgefühle erwachsen. Im Unterschied zum ,,Es" agiert das ,,Über-Ich" eher triebunterdrückend. Schuldgefühle spielen beim Süchtigen eine große Rolle; sie entstehen, wenn er den Impulsen aus dem ,,Es" nachgibt, und sie verstärken sich, je mehr er Impulse aus dem ,,Über-Ich" durch Abwehrmechanismen wir Rechtfertigung und Selbstmitleid zurückdrängt. Die Gesellschaft, verkörpert durch das ,,Über-Ich", verlangt dem Süchtigen Einschränkungen seiner Triebbedürfnisse ab. Der Süchtige bemitleidet sich und sorgt für seine eigene Triebbefriedigung, was wiederum die Entstehung von Schuldgefühlen begünstigen kann. Der Lustgewinn, den er durch die Substanzeinnahme erfährt, überwiegt die Schuldgefühle, stärkt das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein und stellt gleichzeitig eine Art Selbstbestrafung dar. Psychoanalytisch wird Sucht als eine chronische Form der Selbstzerstörung, als ein sich langsam vollziehender Suizid dar.
Im Unterschied zum Nicht-Süchtigen, bei dessen ,,Ich"-Entwicklung das ,,Ich" gegenüber dem ,,Es" eine Stärkung erfährt, hat sich beim Süchtigen das ,,Ich" nur relativ schwach entwickelt. Die süchtige Person besitzt nach psychoanalytischer Auffassung eine Persönlichkeitsstruktur mit wenig ausgeprägten Ich-Funktionen. Ihr ,,Ich" ist hilflos und vermag die Abfuhr der Energien des ,,Es" nicht mehr zu steuern. Der Konsum von Drogen kann die Funktion übernehmen, eine unentwickelte und labile Persönlichkeit zu stützen. Drogen können auf diese Weise in den Dienst der Stabilisierung des schwachen ,,Ich" gestellt und als ein Versuch verstanden werden, ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen von außen wiederherzustellen. Die psychoanalytische Theorie sieht Abhängigkeit als Symptome einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung an. Kritisch ist dabei zu erwähnen, dass sie damit eine ,,Pathologisierung" der Persönlichkeit der abhängigen Personen vornimmt. Sie übersieht weitgehend situationsbedingte Auslösebedingungen und Merkmale, die mit der Verfügbarkeit von Drogen und suchtgefährdenden Situationen zu tun haben. Sie übersieht auch gesellschaftliche Faktoren wie Leistungs- und Konkurrenzsituationen, wirtschaftliche Probleme und soziale Diskriminierung von einzelnen Menschen, die für den Beginn und die Stabilisierung des Abhängigkeitsverhaltens von großer Bedeutung sein können. Die Stärke dieser Theorie liegt im Aufspüren von krankhaften Mechanismen der Suchtentstehung und der Bereitstellung von Therapien, die auf diese Störungen einwirken.
3.2.Neurobiologische Theorien
Aus neurobiologischer Sichtweise ist Sucht eine Erkrankung des Gehirns aufgrund von biochemischen ,,Verletzungen" in neuralen, zellulären und molekularen Strukturen. Die Identifizierung von Morphinrezeptoren im zentralen Nervensystem und die Entdeckung körpereigener Suchtstoffe, nämlich morphinartig wirksamer Substanzen im Gehirn, hat der Suchtforschung neue Impulse verliehen.
Endorphine sind Suchtstoffe, die im Mesolimbischen System ausgeschüttet werden und bei physiologischen, mit Befriedigung verknüpften Körperfunktionen wie Essen, Trinken und Sexualverhalten eine große Rolle spielen. Ohne äußere Zufuhr reagiert das Limbische System mit körpereigenen endogenen Morphinen, die über den Neurotransmitter Dopamin euphorisierend wirken und positive Gefühle wecken. Die Freisetzung dieser körpereigenen Stoffe kann durch Handlungen oder Erlebnissen geschehen. Jede Tätigkeit ist mit einem bestimmten Gefühlszustand verbunden, der wiederum auf Stoffwechselprozesse zurückgeführt werden kann, bei denen vermehrt körpereigene Substanzen produziert werden. Besonders stress- und angstabbauend wirkt das Beta- Endorphin.
Drogen, die dem Körper von außen zugeführt werden, übernehmen im Grunde keine andere Funktion als die körpereigenen Suchtstoffe auch. Sie stimulieren die Nervenzellen des Mesolimbischen Systems, dessen physiologische Rolle in der Übermittlung von ,,Belohnung", das bedeutet von Wohlbefinden und Lust, besteht. Von außen zugeführte Drogen, ob Kokain, Amphetamine oder auch Nikotin und Alkohol, stimulieren das neurale Netz dieses ,,Belohnungssystems" und führen zu einer ähnlichen, jedoch weit stärkeren Wirkung als die körpereigenen Stoffe. Werden Opiate (Opium enthaltende Betäubungsmittel) wie Heroin oder Morphin wiederholt zugeführt, kommt es neben der psychischen auch zur körperlichen Abhängigkeit, wobei der Zustand der körperlichen Abhängigkeit so lange nicht auffällt, wie ausreichend Stoff im Organismus vorhanden ist. Erst der Ausfall der Droge macht die Abhängigkeit durch das Auftreten von Entzugserscheinungen offensichtlich. Der Organismus entwickelt gegenüber den extern zugeführten Opiaten Toleranz, nicht jedoch gegenüber den körpereigenen endogen produzierten Endorphinen.
Im Gehirn von Alkoholikern ist Beta-Endorphin dreimal niedriger vorhanden als bei Nicht-Alkoholikern. Mäßiger Alkoholkonsum führt zu einer leichten Erhöhung des Beta-Endorphin-Spiegels und sorgt damit für Entspannung und Stimmungsaufhellung. Bei chronischem Alkoholkonsum wird allerdings die Beta-Endorphin-Synthese gestört, so dass das bestehende Defizit noch weiter verstärkt wird. Es tritt nun eine paradoxe Wirkung ein: Wer trinkt, um sich in Stimmung zu versetzen, erzielt langfristig genau das Gegenteil, denn das Gehirn aktiviert einen Schutzmechanismus und sorgt dafür, dass wir von unseren körpereigenen Endorphinen nicht abhängig werden.
Eine ähnliche Wirkung wird neben dem Alkohol auch illegalen Drogen wie beispielsweise Kokain und Crack zugesprochen: Sie bieten dem Körper die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Norepinephrin im Übermaß an, so dass er die natürliche Herstellung dieser Stoffe einstellt und auf die Zufuhr von außen ,,wartet". Erfolgt diese aus irgendeinem Grunde nicht mehr, reagiert der Körper mit Entzugssyndromen.
Suchtverhalten kann aus der Sicht der Neurophysiologie als Versuch definiert werden, unbefriedigte Triebmechanismen zu aktivieren. Andere Forschungsansätze diskutieren Stoffwechselstörungen als Ursache für Suchtverhalten: Nahrungsbestandteile können vom Organismus nicht voll genutzt werden, so dass Mangelernährung besteht. Diese, so der Ansatz, kann durch psychotrope Substanzen kompensiert werden. Auch ein Vitamin-B-Mangel, ebenso wie eine Nebennierenrindenfunktionsstörung wird in Zusammenhang mit der Steigerung des Drogen-, insbesondere des Alkoholkonsums gesehen.
Ist Suchtverhalten genetisch bedingt?
Die Mehrzahl der Untersuchungen, die die genetische Komponente betonen, wurden an Alkoholikern gemacht. Ein häufig bestätigter Befund ist die überzufällig hohe familiäre Häufung von Alkoholproblemen: Alkoholabhängigkeit tritt sehr häufig bei Personen auf, deren Eltern ebenfalls Alkoholprobleme aufwiesen oder noch aufweisen. Die Wahrscheinlichkeit, selbst eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln, ist für einen Familienangehörigen einer alkoholabhängigen Person mindestens dreimal so hoch wie das Risiko eines unbelasteten Familienmitglieds. Angehörige ersten Grades von Alkoholkranken haben nach Fritze (1994) sogar eine siebenmal höhere Wahrscheinlichkeit. Familienstudien belegen das gehäufte Auftreten von Alkoholismus in mehreren aufeinanderfolgenden Generationen und vor allem auch unter Geschwistern. Es treten nicht nur Störungen im Umgang mit Alkohol auf, sondern auch mit anderen Substanzen, so dass die Vermutung nahe liegt, dass die Disposition für Substanzmissbrauch übertragen wird. Es hängt nun von der Verfügbarkeit der Substanzen und von verschiedenen Umweltfaktoren ab, welche Substanzabhängigkeit im einzelnen entwickelt wird.
Zur Beurteilung des genetischen Einflusses werden vor allem Zwillings- und Adoptionsstudien durchgeführt: Die Zwillingsmethode vergleicht eineiige mit zweieiigen Zwillingen und die Adoptionsmethode Verwandte der biologischen Familie mit denen der Adoptivfamilie. Die Ergebnisse dieser Studien verstärken die genetische Hypothese, auch wenn sie noch keinen Aufschluss darüber geben, welches Gen nun genau für die Alkoholabhängigkeit verantwortlich ist. Unter eineigen Zwillingen entwickelte sich Alkoholabhängigkeit sehr viel häufiger
als bei zweieiigen, und Söhne von Alkoholkranken, die in einer Adoptivfamilie aufwuchsen wurden viermal häufiger alkoholkrank als Adoptivsöhne von nicht alkoholkranken Eltern. Die genetische Komponente gilt bislang nur für männliche Alkoholsüchtige als gesichert.
Die erstaunlichen individuellen Unterschiede von Menschen in der Alkoholverträglichkeit im Alkoholabbau stärken ebenfalls die Annahme, dass genetische Faktoren eine Rolle. So reagieren zum Beispiel Angehörige asiatischer Rassen wie Chinesen und Japaner weitaus empfindlicher auf Alkohol als europäische. Untersuchungen an Söhnen von Alkoholikern haben eine bessere Verträglichkeit des Alkohols beziehungsweise eine verminderte Reaktivität auf Alkohol und ein vermindertes subjektives Empfinden von Intoxikation ergeben als bei Söhnen von Nicht-Alkoholikern. Weitere interessante Befunde weisen auf ein erhöhtes Ausmaß an Stressdämpfung durch Alkohol hin. Die höhere Sensitivität für positive Effekte und die geringere Sensitivität für negative Effekte des Alkoholkonsums können eine Erklärung dafür sein, dass Söhne von Alkoholikern mehr trinken und auch mehr vertragen als die von Nicht-Alkoholikern.
Die meisten Untersuchungen bestätigen den Einfluss genetischer Faktoren auf die Alkoholismusentwicklung. Genetische Faktoren beeinflussen möglicherweise Resorption, Stoffwechsel, Transmitterstoffe und Enzymsysteme. Woraus aber die genetischen Mechanismen genau bestehen, die die unterschiedliche Anfälligkeit für Alkohol verursachen, das vermögen auch sie noch nicht hinreichend zu erklären, so dass die biogenetischen Faktoren in der Entstehung von Abhängigkeit letztlich immer noch weitergehend unbekannt sind. Wahrscheinlich liegt keine monokausale, ,,mechanische" genetische Auslösung, sondern mehr eine dipositionelle vor, die erst aktiviert wird, wenn bestimmte weitere Parameter hinzutreten. Es bleibt die Vermutung, dass neben genetischen auch noch andere Faktoren wirken. Die Wirkmechanismen, die zur Abhängigkeit führen, sind wahrscheinlich eine Kombination aus genetischen Faktoren, die in Zusammenhang mit Umwelt- und Situationsmerkmalen sowie mit Familienatmosphäre stehen.
In die Entstehungsbedingungen von Abhängigkeit durch den Gebrauch legaler und illegaler Drogen gehen biologische, psychologische und soziale Faktoren ein. Es gibt nicht wirklich ,,die" Theorie für die Entstehung von Abhängigkeit, sondern verschiedene Theorien, die auf unterschiedliche Aspekte abzielen, zwischen denen eine Wechselwirkung besteht. Von den verschiedenen Theorien sind zwei, die psychoanalytische und die neurobiologische, näher behandelt worden. Systemische Theorien beispielsweise betonen die Interaktionsformen der Familie und betrachten nicht nur das Individuum für die Entstehung von Suchtverhalten als verantwortlich, sondern alle Familienmitglieder gemeinsam.
Typische Suchtmotive, die die Abhängigkeit von einer bestimmten Substanz herbeiführen, können folgende sein:
-Schmerzlinderung
-Lösung von Verstimmungszuständen
-Leistungssteigerung
-Einsamkeit
-Reizhunger
-Langeweile
-Wunsch nach Betäubung
-Erlebnissuche
-Problemverdrängung
-Imitationstrieb
4.Präventive (vorbeugende) Maßnahmen
Zweifellos kommt den präventiven Maßnahmen zur Verhinderung und Eindämmung der, vor allem unter Jugendlichen, zunehmenden Drogenabhängigkeit eine besondere Bedeutung zu. Grundsätzlich sollten diese im familiären Bereich sowie in der Schule bei der Erziehung der Kinder und Jugendlichen ansetzen (Bedeutung positiver Vorbilder!). Darüber hinaus kommen auch folgende Möglichkeiten in Betracht:
Man kann die sogenannte ,,Griffnähe" erschweren durch Verbot des Ausschankes von Alkohol an Jugendliche oder durch die Abschaffung von Zigarettenautomaten. So muss Suchtvorbeugung konsequent an den Ursachen ansetzen, wenn sie wirkungsvoll sein will. Es erscheint beispielsweise widersprüchlich, wenn in den Familien und auch in der Schule gegen den frühen Alkohol- und Nikotinkonsum der Kinder vorgebeugt werden soll, andererseits aber im Fernsehen, in der Presse, auf Plakatwänden Werbung für diese legalen Drogen gemacht werden. Da Sucht nicht nur ein individuelles, sondern auch ein soziales und gesellschaftliches, politisches wie auch wirtschaftliches Problem darstellt, muss Suchtvorbeugung dementsprechend an den unterschiedlichen ,,Tatorten" ansetzen. Ein wichtiger Punkt ist die Eindämmung der Reklame, die legale Drogen propagiert und auch bei der Gesetzgebung kann ein wichtiger Schritt gegen die Entstehung von Abhängigkeit unternommen werden, zum Beispiel durch höhere Steuern für Alkohol und Nikotin. Die Eckpfeiler einer Suchtprävention als Teil einer allgemeinen Gesundheitsförderung sind Person, Umwelt und Droge. Suchtvorbeugung besteht im allgemeinen aus Unterstützung und Stärkung der betroffenen Person, bemüht sich um günstige Umweltbedingungen, liefert drogenspezifische Information und plädiert für einen adäquaten Umgang mit der Droge. Alle an der Suchtprävention Beteiligten müssen darin unterstützt werden, Kindern Vertrauen und Achtung entgegenzubringen, sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und ihnen ein bewusstes Gesundheitsverhalten vorzuleben, dass auch Genussfähigkeit umfasst. Eltern kommt in der Suchtprävention eine besondere Verantwortung zu. Es sind häufig sozial isolierte und abgelehnte Kinder, die später in gruppendynamische Zwänge hineingeraten und Drogen nehmen, um sich so zumindest die Aufmerksamkeit in der Gruppe der Gleichaltrigen zu sichern. Wenn Eltern sich liebevoll ihren Kindern zuwenden, ihnen offen begegnen und Anteil nehmen an dem, was sie bewegt, dann haben sie schon einen wichtigen Schritt in der Suchtvorbeugung vollzogen. Oft greifen Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene nach einer Welle von Misserfolgen und Frustrationen zu Drogen. Eltern sollen in ihrer Erziehung auch bedenken, dass Kinder ein Recht auf Misserfolge haben, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen müssen, auch wenn sie dabei kurzfristige Erlebnisse des Scheiterns erfahren. Es kommt darauf an ihnen den Rücken zu stärken, sie also zu unterstützen und ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.
Eltern haben oft selbst Drogenprobleme. Sie führen ihren Kindern ein Leben vor, in dem Suchtverhalten eine große Rolle spielt, und denken meist nicht daran, dass sie damit ihre Kinder zur Nachahmung reizen und bei ihnen schon früh Verhaltensmuster aufbauen, die später in das selbe Konsumverhalten wie das elterliche münden. Eltern sollten gegenüber ihren Kindern ein vorbildliches Leben führen. Familiäre Bemühungen der Suchtvorbeugung sollten durch institutionelle, zum Beispiel in Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen, fortgeführt und ergänzt werden. Hierbei kommt es besonders darauf an, dass Kinder und Jugendliche ihre soziale Komponente erhöhen und lernen, sich in Gruppensituationen zu bewähren und die eigenen Bedürfnisse und Interessen angemessen zu artikulieren. Es ist auch von Bedeutung, sie über Drogen, Konsum und Gefährdungen zu informieren, allerdings darf dies nicht in einer abschreckenden Art und Weise erfolgen.
5. Auswirkungen der Abhängigkeit
Abhängigkeit kann weitreichende psychische, physische und soziale Auswirkungen haben, die im folgenden angeführt werden:
5.1. Psychisch
Die durch eine Sucht bedingten psychischen Veränderungen sind Folge der hirnschädigenden Wirkungen der konsumierten Substanzen und der psychoreaktiven Persönlichkeitsveränderungen, die durch das Erlebnis der Abhängigkeit, des sozialen Abstiegs, des schlechten Gewissens sowie durch die Vorwürfe der Umgebung bedingt sind.
Die wichtigsten psychopathologischen Symptome sind:
-Interessenverlust und Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt
-Einbuße kognitiver Fähigkeiten
-Verfall individueller Differenziertheit und charakterlicher Ausformung
-Störung des Kritikvermögens und Neigung zur Unaufrichtigkeit
-Selbstunsicherheit und Neigung zu Selbstentschuldigen
Bei ausgeprägter Drogenabhängigkeit kommt es zur Depravation. Unter Depravation versteht man den Verfall der sittlichen und moralischen Verhaltensnormen der früheren Persönlichkeit bis hin zu einem Endzustand. Dieser führt zu einem ,,Vegetieren bar aller ursprünglichen Potenzen, vergleichbar einem im Wasser treibenden steuerlosen Wrack" (Schrappe)
5.2. Körperlich
Im Vordergrund der sehr vielfältigen Störungen durch Drogen stehen Schädigungen folgender Organsysteme:
-Gehirn: Entwicklung irreversibler organischer Psychosyndrome
-Nervensystem: Polyneuropathien und neurologische Ausfälle
-Leber: Hepatitis, Zirrhose
-Vegetativum: Gewichtsverlust, Schlafstörungen
-Immunsystem: Erhöhte Infektanfälligkeit
-Intravenös weitergegebene Infektionskrankheiten, vor allem Hepatitis B und AIDS
5.3. Soziale Konsequenzen der Abhängigkeit:
-Desintegration im familiären Bereich
-Verlust von Freunden
-Verlust von Arbeits-/Ausbildungsplatz
-sozialer Abstieg
-Drogenbeschaffungskriminalität
-Suizidgefährdung
-Unfallgefährdung
6.Behandlung eines Abhängigen

Der zeitliche Ablauf einer Therapie Drogenabhängiger verläuft in vier Stufen:
-Kontaktphase: Ambulanz, Praxis, Beratungsstelle oder ähnliches
-Entgiftungsphase: psychiatrisches oder internistisches Krankenhaus
-Entwöhnungsphase: hauptsächlich in speziellen Kliniken für Suchtkranke
-Nachsorgephase: niedergelassener Arzt, Selbsthilfegruppen, therapeutische Wohngruppen und ähnliches
1. Kontakt- oder Motivationsphase
Das Ziel der Kontaktphase, die weitestgehend durch die ambulanten Drogenberatungsstellen getragen wird, ist die Motivation des Betroffenen zu einer Therapie. Diese Motivation beruht auf seiner Überzeugung, dass er eine Therapie benötigt, um aus der Sucht herauszufinden. Ein wichtiger Teil liegt somit beim Süchtigen selbst, der den Willen haben muß, seine Sucht zu beenden. In dieser Phase wird auch ein Therapieplan entworfen und die Frage nach der Kostenübernahme der Behandlung und die Notwendigkeit einer Entgiftungsbehandlung geklärt-
2. Entgiftungs-/Entzugsphase
Während der Entgiftungsphase soll der Zustand chronischer Intoxikation, in dem sich der Patient befindet, beendet und eine komplette Abstinenz erreicht werden. Diese Phase erfolgt am besten auf einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses, um den vielfältigen Ausweichmanövern der Süchtigen wirkungsvoll entgegnen zu können. Mit Ausnahme des Entzugs von barbiturathaltigen Medikamenten und Benzodiazepinen, der fraktioniert erfolgen muss, ist immer ein plötzliches und komplettes Absetzen der Droge möglich. Auf die Phase des akuten Entzugs folgt eine längere Phase der körperlichen Erholung mit einem langsamen Abklingen der vegetativen Fehlregulation. Pharmaka zur Erleichterung der Entzugssymptomatik sind meist nur in den ersten 6-8 Behandlungstagen notwendig. Bewährt hat sich beispielsweise Clonidin, dies ist ein Alpha-2-Rezeptorantagonist, der den ,,Noradrenalinansturm" im Gehirn, der für die Entzugserscheinungen verantwortlich gemacht wird, verhindern soll. An die Entgiftungsphase, die etwa drei bis sechs Wochen dauert, sollte sich möglichst nahtlos die Entwöhnungsphase anschließen.
3. Entwöhnungsphase
Diese Phase ist der eigentliche Kern der Therapie mit dem Ziel, dass die Patienten folgende Fähigkeiten erlernen oder wiedererlernen, um eine dauerhafte psychosoziale Stabilisierung zu erreichen:
- Ohne Drogen leben
- Sich selbst und die Realität kritisch einschätzen
- Mit eigenen und fremden Dingen verantwortlich umgehen



- Die Kluft zwischen eigenem Anspruch und tatsächlichen Fähigkeiten überwinden


Diese Ziele sollten in mindestens sechsmonatiger psycho- und sozitherapeutischer Arbeit mit dem Betroffenen in einer Spezialklinik erarbeitet werden. Neben psychotherapeutischen Gesprächen sind natürlich auch Aktivitäten wie Arbeit, Hobbys, Sport, künstlerische Tätigkeiten usw. von großer Bedeutung. Dadurch vermittelt man dem Betroffenen einen anderen Lebensinhalt als Drogen und bereitet ihn auf ein selbständiges Leben in der Gesellschaft vor. Meist ist eine Einbeziehung von Partner, Familie und sozialem Umfeld nützlich.
Am Ende der Entwöhnungsphase muss geklärt sein,
- wo der Betroffene wohnt und arbeitet
- welchem Bekanntenkreis er sich jetzt anschließt
- wie er seine Freizeit gestaltet
- in welcher Form die Nachsorgephase gestaltet wird
4. Nachsorgephase
Ein Ziel der Nachsorgephase ist die Stabilisierung des Zustandes, der während der ersten drei Stufen der Therapie erreicht wurde. Neben Ärzten, Beratungsstellen, Sozialamt, Arbeitsamt und Arbeitgeber kommt Selbsthilfegruppen eine besondere Bedeutung zu. Einzige Voraussetzung für die Aufnahme in die jeweilige Selbsthilfegruppe, ist der vom Betroffenen geäußerte Wunsch mit der Droge aufhören zu wollen. Der Einzelne soll sich seiner Schwäche und Machtlosigkeit der Droge gegenüber bewusst werden, um dann die Hauptstütze in der Solidarität der Gruppengemeinschaft zu sehen, die auch Rückfälle auffangen kann. Außerdem soll in der besonderen Gruppendynamik das Verantwortungsgefühl für sich und die anderen gestärkt werden. Um sich selbst nicht zu überfordern, werden die Abstinenzversprechen nur für einen kurzen Zeitraum gegeben. Ist ein selbständiges Leben des Betroffenen nicht möglich, bietet sich auch die Möglichkeit des Lebens in einer therapeutischen Wohngemeinschaft oder einer betreuten Wohngruppe.
Auch wenn sämtliche therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen durchgeführt werden, ist die Prognose nicht günstig. Dir Rezidivquote nach fünf Jahren beträgt für Alkoholiker leider immer noch 50-80% und für Heroinabhängige 80-90%. Grundsätzlich haben drogenfreie Langzeitprogramme und das vollständige Durchlaufen von Programmen die größten Erfolgsaussichten.
Je nach vorliegendem Abhängigkeitstyp sind Verlauf und Prognose unterschiedlich.
Allgemeine Behandlungsprinzipien bei Drogenabhängigkeit:
1. Keine Appelle an Vernunft, Wille oder abschreckende Hinweise!
2. Nicht ,,Du darfst nicht", sondern ,,Du brauchst nicht"!
3. Engmaschige Zusammenarbeit mit Drogenberatungsstellen und Selbsthilfegruppen
4. Keine Verordnung von ,,Überbrückungsmitteln"!
5. Kritische begrenzte, persönliche Rezeptur von Psychopharmaka
6. Abrupter Entzug außer bei Opiaten, Barbituraten, Tranquilizern
In den letzten Jahren werden angesichts der zunehmenden Zahl von Drogenab-
hängigen für den ,,harten Kern" opiatabhängiger Fixer versuchsweise Substitutions-Programme eingesetzt (Methadon). Hierdurch wird vor allem ein Rückschritt der Beschaffungskriminalität/ Prostitution, der HIV-Infektion sowie eine berufliche Reintegration erhofft. Es bleibt abzuwarten, ob durch eine derartige kontrollierte Abgabe von Suchtmitteln ein gangbarer Weg
für einen sonst nicht erreichbaren Kreis von schwere Drogenabhängigen gefunden wird.
7.Erläuterung einiger Subtypen
7.1.Amphetamin-Typ
Hierzu zählen die zumeist illegal in Waschküchenlabors synthetisch hergestellten Amphetamine und amphetaminähnliche Substanzen ( sogenannte Weckamine). Der Missbrauch von Amphetaminen erfolgt einmal zur Antriebssteigerung (,,Doping") im Sinne der (vermeintlichen) Leistungssteigerung sowie als ,,Appetitzügler" (Unterdrückung des Hungergefühls). Es entsteht psychische, keine körperliche Abhängigkeit; infolgedessen tritt kein Abstinenzsyndrom auf, abgesehen von einem Zustand seelischer und körperlicher Ermattung (,,Entzugssyndrom"). Langsam entwickelt sich Toleranz. Psychische Symptome sind Unruhe, Nervosität, Enthemmung, Kritiklosigkeit, Euphorie, Ideenflucht, optische und akustische Sinnestäuschungen sowie paranoide Symptome und Angst. Körperlich kommt es neben der Appetitzügelung zu einem Blutdruckanstieg mit Gefahr des Herz-Kreislauf-Versagens. Nach langfristiger Einnahme können sich (motorische) Stereotypien und paranoid-halluzinatorische Psychosen manifestieren. In Chemielabors vollsynthetisch hergestellte Drogen werden als ,,Designerdrogen" bezeichnet, von denen derzeit Ecstasy am weitesten verbreitet ist. Designerdrogen sind billige Abwandlungsprodukte von bekannten Suchtstoffen wie Amphetaminen oder Phencyclidin (PCP, ,,Angel dust"), welche die Mutterstoffe oft an Wirkung übertreffen. Diese Stoffe besitzen die gleichen suchterzeugenden Eigenschaften wie die Muttersubstanzen und haben oft eine unberechenbare Wirkung, so dass tödliche Intoxikationen nicht selten sind. Die Wirkung von PCP ist dosisabhängig: In niedriger Dosis kommt es unter anderem zu Euphorie, gesteigerten Denkabläufen und Wärmegefühl. Hohe Dosen können unter anderem psychotische Bilder mit Halluzinationen, Verfolgungswahn und starker Angst verursachen. Sehr hohe Dosen (über 20 mg) führen zu Krampfanfällen, Koma und Tod. An den Rausch schließt sich oft ein depressiver Zustand an, der einige Tage anhalten kann. Zu den Designerdrogen werden neben den ,,klassischen" synthetischen Halluzinogenen LSD und DOM auch Ketamin, Phenylätylamine wie Metamphetamin (Speed), ,,Designer-Narkotika und-Opiate wie MPPP und Fentanyl sowie dessen Abkömmlinge (z.B. Carfentanyl) gezählt.
Zu den neuen Rauschmitteln gehören Crack und Butan. Crack ist eine Mischung aus Kokain und Natriumcarbonat, zum Beispiel Backpulver. Der Euphoriekick ist ungeheuer schnell und stark, wirkt aber nur wenige Minuten Crack gilt als derzeit stärkste und toxischste Droge überhaupt; Folgen sind paranoide Zustände und irreparable Herz-Kreislauf, Gefäß- und Lungenschäden bis zum sofortigen Tod. ,,Butansniffer" stecken den Nippel einer Feuerzeug- Nachfülltube zwischen die Zähne, auf Druck schießen dann die Schwaden in die Mundhöhle. Neben Euphorie treten Verwirrtheit und Halluzinationen auf. Da das Gas eine Temperatur von circa -20° hat, kann ein ,,Gefrierbrand" der Atemwege oder- reflektorisch bedingt- ein Herzstillstand auftreten. Manche Konsumenten mixen eine Tablette Ecstasy ,,als Basis für das Grundgefühl" mit ,,einer Nase" Speed (klassisches Amphetamin) oder Kokain für den ,,motorischen Kick" sowie einen halben Schnipsel LSD ,,für die ,,Phantasie". Unter Speed kommt es zu massiven Wahrnehmungsstörungen.
7.2.Kokain- Typ
Hier findet sich eine starke psychische, keine physische Abhängigkeit. Obwohl sich keine körperliche Abhängigkeit und damit auch keine Entzugserscheinungen beim Absetzen entwickeln, kommt es beim Kokainmissbrauch oft noch schneller zu körperlichem Verfall (starke Abmagerung) als beim Opiatmissbrauch. Die Applikation von Kokain erfolgt entweder intranasal durch ,,Schnupfen", intravenös durch Spritzen oder alveolar durch Rauchen. Zum Teil wird Kokain mit Opiaten gemischt konsumiert (sogenannter ,,Speed-Ball). Die akute Kokainwirkung (sogenannte frühe Stimulationsphase, ,,Kick") umfasst das euphorische Stadium mit gehobener Stimmung, Glücksgefühl, Rededrang, Abbau von Hemmungen, Libidosteigerung, subjektiver Steigerung von Leistungsfähigkeit und Kreativität sowie reduziertes Hunger-, Durst- und Schlafgefühl. Insbesondere im nachfolgenden ,,Rauschstadium" treten Halluzinationen stärker in den Vordergrund. Im anschließenden ,,depressiven Stadium" stehen Angst und Depression im Vordergrund; hier setzt das Verlangen nach nochmaliger Einnahme zur Beendigung dieses negativ erlebten Stadiums ein. Bei chronischem Kokainkonsum finden sich taktile und akustische Halluzinationen, paranoid-halluzinatorische Psychosen (Verfolgungs- und Beziehungsideen) sowie kognitive Beeinträchtigungen. Körperliche Symptome sind Temperaturerhöhung, Impotenz und Nasenseptumdefekte /durch die nasale Applikation!). Bei der Intoxikation finden sich unter anderem epileptische Anfälle. Zu den Entzugssymptomen zählen ,,Katerstimmung" und Disphorie.
7.3.Cannabistyp
Cannabis ist eine der ältesten von Menschen benutzten psychotropen Drogen mit dem Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol. Man muss zwei wichtige Formen unterscheiden, die beide aus dem indischen Hanf hergestellt werden: Das wirksamere Haschisch (Harz der weiblichen Blütenstauden) und das Marihuana (tabakartiges Gemisch aus getrockneten Blüten und Gräsern). Haschisch wird meist geraucht (,,kiffen") oder gegessen. Der Rauscheffekt ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und hängt wahrscheinlich von der momentanen Stimmungslage und Erwartung ab. Wichtigste Symptome des einfachen Rausches sind:
- Angenehme Indifferenz und heitere Euphorie
- Veränderung von Raum- und Zeiterleben
- Intensitätssteigerung optischer und akustischer Wahrnehmungen
- Denkstörungen (vermindertes Abstraktionsvermögen, Ideenflucht, Denken in Bruchstücken)
Cannabis führt zu einer psychischen, nicht aber zu einer körperlichen Abhängigkeit.. Bei häufigerem Drogenkonsum und chronischer Einnahme kann es zu prothahierten Räuschen mit verstärkter Symptomatik kommen. Dabei entwickeln sich dann unter Umständen misstrauisch- dysphorische Verstimmung in Form affektiv-spontaner Durchgangssyndrome, schizophrenieartige Psychosen paranoid-halluzinatorischer Art sowie ein sogenanntes amotivationales Syndrom. Dieses ist gekennzeichnet durch das gleichzeitige Bestehen von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Apathie und Planlosigkeit, die den weiteren Drogenkonsum und das Umsteigen auf ,,harte Drogen" begünstigen sollen. Die Gefährlichkeit des Haschisch liegt womöglich weniger in seiner direkten Schädlichkeit- ein bis zwei Joints täglich sind wahrscheinlich nicht schädlicher als 20 Zigaretten pro Tag-, als vielmehr in seiner Funktion als Einstiegsdroge. Echopsychose (flash-back) noch mehrere Wochen nach dem letzten Drogenkonsum sind möglich, jedoch seltener als beim Missbrauch von Halluzinogenen.
7.4.Morphintyp
Hierzu zählen die Substanzen Opium, Heroin, Methadon sowie die stark wirksamen Analgetika /schmerzstillende Medikamente) Pethidin, Pentazocin, Tilidin und Buprenorphin. Opiate besitzen unter den Drogen das höchste Abhängigkeitspotential, gekennzeichnet durch eine ausgeprägte psychische und physische Abhängigkeit mit rascher Toleranzentwicklung. Besonders bei Heroin, der Substanz mit dem größten Suchtpotential, kann sich die Abhängigkeit sehr schnell entwickeln: Schon zwei bis drei Injektionen können abhängig machen. Drogen vom Morphintyp werden überwiegend intravenös injiziert, wobei nicht selten auch zur Injektion ungeeignete Zubereitungen wie Tabletten, Rohopium und ,,gestrecktes" Material verwendet werden. Dies birgt nicht nur dir Gefahr der Infektion mit Hepatitis- oder HI-Viren bei Gebrauch derselben Nadel durch mehrere Drogenabhängige, sondern auch von Intoxikationen, die nicht selten tödlich ausgehen.
Heroin ist ein halbsynthetischer Morphinderivat. Es führt zu einem Rauschzustand mit starker Euphorie, zu einem Gefühl des Losgelöstseins und einem gesteigerten Selbstbewusstsein. Die Opiatintoxikation ist durch ein Überwiegen des Parasympathikus gegenüber dem Sympathikus (Ursprungsgebiet des noradrenergen Systems) gekennzeichnet. Zunächst treten eine Rötung des Gesichts, Hautjucken, Miosis (abnorme Verengung der Pupille) und Benommenheit auf. Dann kommen Hypotonie (zu niedriger Blutdruck), Bradykardie (niedrige Herzfrequenz) und Hypothermie (Untertemperatur), Blasensphinkterspasmen und eventuell auch Krampfanfälle hinzu. Gefährlichste Komplikation ist die Atemdepression und Bewusstlosigkeit. Die Therapie besteht in der Gabe des reinen Opiatantagonisten Nalaxon.
Bei Abstinenz entwickeln sich nach ungefähr acht Stunden nach der letzten Opiatdosis Abstinenzsymptome, die sich von Stunde zu Stunde steigern, ihr Maximum nach ein bis zwei Tagen erreichen und sich über ein bis zwei Wochen hinziehen können. Bei Heroin entwickeln sich bereits nach kurzfristigem Gebrauch Entzugserscheinungen, die in der nachfolgenden Abbildung dargestellt werden· siehe nächste Seite
Entzugssymptome bei Opiatabhängigkeit:
- Ängstliche Unruhe und Verlangen nach der Droge
- Delirante Psychosen (sehr selten)
- Blutdruckanstieg, Tachykardie, Steigerung der Atemfrequenz
- Muskelkrämpfe- schmerzen, Blasentenesmen
- Leibschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Niesen, Gähnen, Schwitzen, Tränenfluss
7.5.Halluzinogentyp
Als Halluzinogene werden Substanzen bezeichnet, die lebhafte Wahrnehmungsstörungen unterschiedlicher Art hervorrufen (vor allem optische Halluzinationen, Wahrnehmungsverzerrungen). Hierzu gehören LSD (Lysergsäurediäthylamid), Meskalin, DOM (Dimethoxymethylamphetamin) sowie Phencyclidin. Die Substanzen sind teils pflanzlichen (Pilze, Kakteen), teils synthetischen Ursprungs. Es besteht eine unterschiedlich stark ausgebildete psychische Abhängigkeit, eine physische Abhängigkeit fehlt. Insbesondere gegenüber LSD entwickelt sich schnell ein hoher Grad an Toleranz; bei Absetzen treten keine Entzugssyndrome auf. Der Halluzinogenrausch äußert sich in ekstatischer Gefühlsintensivierung, psychedelischen Effekten, optischen Pseudohalluzinationen, Depersonalisation, Ideenflucht (,,Modellpsychose"), starker Affektlabilität und in Omnipotenzgefühlen. Neben Wahrnehmungsverzerrungen, Verkennungen und Halluzinationen finden sich vor allem Veränderungen des Ich- Erlebens, des Körpergefühls und des Raum-Zeit-Erlebens. Ein ,,Trip" dauert ungefähr 6-8 Stunden und kann in seiner Endphase (,,Herunterkommen") zu starken Depressionen führen, weshalb oft ein Trip ,,nachgeworfen" wird. Auf dem Höhepunkt eines Rausches kann es besonders bei Unerfahrenen zu einem sogenannten ,,Horrortrip" mit panischer paranoider Angst und extremen Wahrnehmungsstörungen, die Grund für suizidale und fremdaggressive Handlungen sein können.
Flash-Back-Erlebnisse (Echo-Phänomene, Nachhall-Phänomene) sind auch nach Tagen und Wochen möglich. Die Ursache dafür ist nicht ein psychologischer Effekt, sondern ein pharmakologisches Phänomen: Da die stark fettlöslichen Substanzen im Fettgewebe gespeichert werden, können sie später irgendwann wieder freigesetzt werden und zu einem erneuten Rauschzustand führen. Der Rauschzustand unter LSD verläuft typischerweise in vier Phasen: Initialstadium mit innerer Unruhe, Tachykardie (extrem gesteigerte Herzfrequenz) und Schwindel; Rauschphase mit psychedelischen Effekten und Veränderungen der Orientierung und Wahrnehmung (z.B. das Gefühl fliegen zu können. Das Bild wird hierbei entscheidend durch die psychische Ausgangsverfassung des Konsumenten geprägt. Es schließen sich eine Erholungsphase sowie eine Nachwirkungsphase mit Erschöpfung, Angst und depressiver Verstimmung an. Körperlich kommt es zu Anstieg von Puls und Blutdruck, Hyperreflexie und Mydriasis, zum Teil tritt auch Übelkeit auf.

Suchtpotential ausgewählter Substanzen





Gewöhnung
(,,Tolerance")

Entzugssymptomatik
(,,Withdrawal Syndrome")

Verstärkung
(,,Reinforcement")


Alkohol

+

++

++


Cannabis

+

+

++


Heroin

+++

+++

+++


Kokain

+

+

+++


LSD

+

-

+


Nikotin

++

++

++



Erläuterungen: Die Einstufung stützt sich auf die Zusammenstellungen medizinischer, pharmakologischer und psychologischer Resultate bei Byck (1987), Julien (1997) sowie Ray und Ksir (1990); sie bezieht sich auf die Effektstärke beim fortgesetzten Gebrauch der jeweiligen Substanz. Skala: ,,-" kein Effekt; ,,+" geringer Effekt; ,,++" moderater Effekt; ,,+++" starker Effekt. Die Klassifikation erfolgte dabei nach einem konservativen Kriterium: Berichtet wird jeweils die höchste Effektstärke, die sich in der angegebenen Literatur findet.
8. Abbildungen

verschiedene XTC-Tabletten


Eine Hanfpflanze


Eine reife Cannabisblüte

Die 20 häufigsten Drogenverstecke
1. In der Autotür
2. Im Handschuhfach
3. In der doppelten Schuhsohle
4. Im Kinderwagen
5. Im doppeltem Boden des Tanks
6. Im doppelten Boden eines Aktenkoffers
7. Mit Plastik umwickelt im Magen
8. In der Gemüsefracht (vor allem bei Zwiebeln)
9. In Autositzen
10. In Blas und Saiteninstrumenten
11. In Bonbonschachteln
12. In Zigarettenschachteln
13. In Zigarrendosen
14. In Meeresfrüchten und Fischen
15. In Autoreifen
16. In Elektrogeräten
17. In Sporttaschen
18. In Plüschtieren
19. In Reizwäsche eingenäht
20. In Spazierstöcken und Regenschirmen










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