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Die dunkle Seite des Mondes - Urs Blank - Referat



Bei der Charakterisierung des Protagonisten muss man unterscheiden zwischen dem Menschen, der Urs Blank vor dem Pilztrip ist und dem nach seiner Drogenerfahrung, die ja eine fundamentale Persönlichkeitsveränderung in Gang setzt.

Von seiner sozialen Herkunft erfährt man nur, dass sich seine Eltern scheiden ließen, als er sechs Jahre alt war.

Im ersten Teil des Romans verrät sein ganzes Äußeres den erfolgreichen Wirtschaftsanwalt: Blank trägt englische Maßanzüge und maßgefertigte Schuhe aus London. Er fährt einen schwarzen Jaguar. Er geht zweimal im Monat zum Friseur, und seine Entscheidung ist "mittelgroß und trotz Disziplin und eigenem Fitnessraum etwas weich in den Konturen."

Nach dem Trip macht seine Eleganz "einer Nachlässigkeit Platz", wie sein Freund Wenger konstatiert: "Er hatte beinahe acht Kilo abgenommen und trug Hosenträger, die seine zu weit gewordenen Hemdkragen mal nach links, mal nach rechts zerrten".

Nach dem Lebensmitteldiebstahl im Bauernhaus kurz vor Romanende ist Blank noch dünner geworden, Haare und Bart sind wild gewachsen.

Blank hat sich als Anwalt mit viel Fleiß, Talent und Disziplin hochgearbeitet "und jahrelang bei Geiger, von Berg & Minder die Knochenarbeit gemacht, bis sie seinen Namen endlich in den Briefkopf aufnahmen."

Dass letzteres überhaupt geschah, hat er seinem Gönner Huwyler zu verdanken.

Zu Beginn der Handlung gilt Blank "als einer der brilliantesten Wirtschaftsanwälte des Landes. Seine amerikanische Zulassen hatte ihn zum Experten für Firmenübernahmen und Fusionen mit schweizerisch-amerikanischer Beteiligung werden lassen. Er verdiente viel Geld , und weil er wenig Zeit hatte, es auszugeben, war ihm einiges davon geblieben. Er hatte eine zum Glück kinderlos geblieben Ehe mit Anstand hinter sich gebracht und lebte mit Evelyne Vogt zusammen, einer unabhängigen Frau (...)" (S.7)
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere merkt er, er sollte ein paar Dinge in seinem Leben ändern. Damit beginnt seine Midlife-Crisis.

Wenger beschreibt ihn als charmant, ausgeglichen und amüsanten Weltenmann, mit dem man sich über alles unterhalten kann. Geschäftlich ist Blank zuvorkommend, das zeigt der erste Satz des Buches.

Nach dem Trip verändert sich Blank. Er wird ein ruppiger launischer und wortkarger Eigenbrötler und zeigt sich gegenüber anderen Menschen immer rücksichtsloser. Er beleidigt seine Partner und wird zunehmend aggressiv, bis hin zu Gewalttaten und Morden.

Zu Beginn des Romans verspürt Blank ein Bedürfnis nach Veränderung seines Lebens. Sichtbar wird dieses Bedürfnis, als er sich im 1. Kapitel entschließt , nicht mit dem Taxi heimzufahren, sondern zu Fuß durch den Wald zur Tramstation zu gehen. Er genießt dabei sogar den Gedanken, was dies "mit seinen Schuhen anrichtete".

Aus demselben Motiv heraus, dem Bedürfnis nach einem anderen, natürlicheren, freieren, von sozialen Zwängen befreiten Leben, gerät er an das Hippiemädchen Lucille, derentwegen er seine Beziehung mit Evelyne aufs Spiel setzt. Dieses Andersartige das ihn anzieht, erklärt er Evelyne bei seinem Rausschmiss. Blank scheint seiner gewohnten Geschäftswelt überdrussig zu
sein. Er fühlt sich durch Lucille tiefgreifend verändert und voller Tatendrang. Er stand im Begriff, ein anderer Mensch zu werden".

Blank lässt sich von Lucille sogar zum Konsum psychedelischer Pilze verführen. Während es zunächst scheint, als könnte Blank die beiden Welten miteinander kombinieren, beginnt das Bedürfnis nach der "anderen Welt" nach seinem ersten Trip immer mehr zu dominieren. Blank vernachlässigt seine Arbeit und lebt nach dem Verlust Lucille vorwiegend und hernach ausschließlich im Wald. Mit seinem vorgetäuschten Suizid löscht er seine bisherige bürgerliche Identität aus, um nur noch in der anderen zu leben. Als er sich nach dem ersten Pilztrip nachträglich über seine verbale Aggressionen gegenüber Gerber wundert, erinnert er sich an die Anfälle von Jähzorn, die er als kleiner Junge hatte.

Im Vorschulalter musste Urs Blank erleben, wie sein Vater vor der Scheidung seine Mutter schlug. Seine frühere Abneigung gegen Gewalt ging so weit, dass er sich sogar für den waffenfreien Sanitätsdienst entschied, obwohl das ein grober Schönheitsfehler im Lebenslauf des Wirtschaftsanwalt war.Er verliert aber nicht nur die Kontrolle über seine Aggressionen, sondern ihm ist diese Enthemmung auch gleichgültig.

Nach dem zweiten Trip unter psychatrischer Aufsicht hat sich Blanks psychische Situation insofern verändert, als sein Gewissen wieder einsetzt, aber zu spät. Er vermag einen einen aggressiven Impuls nicht nicht zu hemmen oder seinen Ausbruch zu verhindern, sondern es quittiert eine Gewalttat nur mit nachträglichen Schuldgefühlen. Seine Gewaltbereitschaft bleibt, und entsprechend mehren sich Blanks Aggressivitäten, auch wenn er sie danach vorrübergehendbereut. Erst ganz am Ende des Romans, nachdem er die Selbstheilung mittels eines dritten Pilztrips, diesmal wieder mit einem "Bläuling" geschafft hat, funktioniert sein Gewissen wieder normal. Er verzichtet darauf Ott zu erstechen, obwohl er die Gelegenheit dazu hätte, lässt sich von seinem Feind erschießen und sühnt damit gewissermaßen seine Taten.




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