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Die Welt im Wandel und architektonische Lösungsansätze - Referat



Die Welt im Wandel und architektonische Lösungsansätze


1. Einleitung
Viele Veränderungen prägen unsere Welt und die Zeit schreitet unaufhörlich voran. Die Menschheit existiert geschätzt seit nun mehr als zwei Millionen Jahren auf diesem Planeten, ein Zeitabschnitt in dem rasante Entwicklungen stattgefunden haben. Die Weltbevölkerung wächst immer weiter an, es steht Jahr für Jahr weniger Lebensraum zur Verfügung und einige Ressourcen werden in den nächsten Jahrzehnten vollkommen erschöpft sein. Die Bedingungen werden zunehmend schlechter, in Großstädten reichen Geschäfts- und Wohnhäuser auf Grund des Platzmangels mehrere hundert Meter in die Höhe und ein Ende dieses Höhenrausches ist nicht in Sicht. Diskussionen über die geringen Geburtenraten in Deutschland und anderen europäischen Ländern lassen uns in den Glauben, dass die derzeitige Situation kein Handeln bedarf. Doch in den Entwicklungsländern, wie Simbabwe, Niger oder Katar, ist das meiste Wachstum zu verzeichnen. Diese Konzentration des Zuwachses auf ärmere Staaten und der Geburtenrückgang in reicheren Nationen führen zum Ungleichgewicht der Bevölkerung. Seit den 1960er Jahren hat sich die Anzahl der Menschen auf der Erde mehr als verdoppelt und erreichte 2011 die Sieben¬-Milliarden-¬Marke. Dieser Trend wird sich nach wissenschaftlichen Prognosen weiterhin fortsetzen. Schon im Jahre 2050 wird eine Bevölkerungsanzahl von neun und 2100 von zehn Milliarden vorausgesagt.
Im direkten Zusammenhang damit steht der Wandel der klimatischen Bedingungen, die Naturkatastrophen, das Abschmelzen der Polarkappen und und letztendlich den Anstieg des Meeresspiegels zu Folge haben. Wir sind dafür verantwortlich und versuchen nun aus dieser Krise herauszukommen. Der amerikanische Bevölkerungswissenschaftler Joel E. Cohen schrieb: „Wir haben es nicht zuletzt selbst in der Hand, wie gut wir unseren Weg in die Zukunft finden werden.“
Es muss in verschiedenen Bereichen etwas für die Lage der Welt getan werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die angepasste Architektur, die nicht nur mehr Platz verschaffen, sondern auch eine umweltfreundliche Lebensweise versprechen sollte. Gesellschaftliche Veränderungen, höhere Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und neue technische Entwicklungen spielen bei den Gebäuden von morgen eine gravierende Rolle. Es wirken viele Faktoren auf das zukunftsweisende Wohnen ein und müssen bei der Planung beziehungsweise Umsetzung der Projekte beachtet werden.

2. Entwicklung der Weltbevölkerung und der Lebensräume
Im Jahre 1600 nach Christus lebten in etwa 545 Millionen Menschen auf der Welt, 400 Jahre danach waren es bereits sechs Milliarden. Mit dieser Aussage wird der rasante Prozess der Weltbevölkerungsentwicklung klar. In nur einem halben Jahrtausend hat sich die Anzahl der Menschen mehr als verzehnfacht. Im Jahr null unserer Zeitrechnung lebten sogar nur 170 Millionen Erdbewohner auf diesem Planeten. Dies entspricht circa der heutigen Einwohnerzahl des Landes Pakistan. Derzeitig ist ein jährliches Wachstum der Menschheit von fast 83 Millionen zu verzeichnen. Diese Dynamik des Prozesses birgt einige Gefahren. Das Wort „Unausgeglichenheit“ beschreibt aufgrund der unterschiedlichen demografischen Entwicklungen die momentane Bevölkerungsverteilung wohl am besten. In Asien drängen sich im Durchschnitt 130 Einwohner auf einen Quadratkilometer, auf der gleichen Fläche leben dabei in Ozeanien nur vier Menschen. Urbanisierung, das Umsiedeln vom Land in oder um Städte, prägt das 21. Jahrhundert zunehmend.

2.1. Die Welt wird zur Stadt
Die sogenannten Megastädte sind ein Phänomen der Neuzeit. Das explosionsartige Wachstum der Metropolen auf bis zu zehn Millionen Einwohner ist keine Seltenheit mehr. Im Zuge der Industrialisierung sind Großstädte zu zentralen politischen und wirtschaftlichen Punkten aufgestiegen. Diese Entwicklungen werden von der Öffentlichkeit aus zwei Perspektiven wahrgenommen: Zum einen als drohende Gefahr oder als potenzielle gesellschaftliche Zukunft.
Es gibt deutliche Unterschiede in der Definition von „urbanen Städten“. In den Vereinten Nationen Amerikas gelten Städte ab zehn Millionen Einwohnern als Megastädte, andere Länder sind der Meinung, dass diese Bezeichnung schon ab einer Bevölkerungsanzahl von fünf Millionen gilt. Außerdem gehen Ansichten in verschiedene Richtungen, ob die räumliche Abgrenzung umliegende eigenständige Städte einschließt oder nicht. Nur eins ist dabei klar; der Zuwachs der Einwohnerzahlen schießt unaufhörlich in die Höhe. Die Wachstumsrate der Megastadt-Bevölkerung ist von 1975 bis 2005 von 3,5 % auf ganze 9,3 % angestiegen. Gegenwärtig gibt es 20 dieser Metropolen auf der Welt und bis 2015 wird ein Anstieg um zwei weitere erwartet. Absoluter Spitzenreiter ist dabei Tokio mit rund 35,7 Millionen (Stand 2005) Menschen.

2.2. Megastädte im Überblick
Das Streben nach globalem Aufstieg hat die zunehmende Städte-Konkurrenz zur Folge. Diese wiederum das Errichten neuer und den Ausbau beziehungsweise Umbau bestehender Stadtviertel. Dabei wird aber der Blick der Städteregierung oft nur nach oben gerichtet ohne die städtischen Armutsviertel zu beachten. Sollte diesen jedoch Aufmerksamkeit geschenkt werden, dann nur um für neue Hochhausbauten Platz zu machen. Nach dem UN-Städte-Bericht von 2007 lebten in diesem Jahr in etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung in Slums und isolierten, informellen Gebieten. Zu den meist bewohnten Stadtgebieten der Welt gehören unter anderen Delhi, Mexiko-Stadt und Kairo.

2.2.1. Delhi
Delhi, das politische Zentrum Indiens zählt mit 16 Millionen Einwohner nach Mumbai zu der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes. Die am Fluss Yamuna gelegene Megastadt ist in Nordindien ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und damit ein Zentrum für Straßen-, Eisenbahn-, Flugverkehr und zugleich für Verwaltung und Bildung. Dadurch ist auch hier ein rascher Anstieg der Bevölkerung zu verzeichnen.
Volkszählungsergebnisse ergaben, dass die Anzahl der in Delhi lebenden Menschen in nur fünf Dekaden (1961 bis 2011) von etwa zwei Millionen auf über 11 Millionen Menschen gestiegen ist. Dazu werden noch die in den sogenannten Satellitenstädten im nahen Umfeld der Stadt wohnenden Bürger gezählt. In diesen Stadträndern wurden weiträumige Vororte mit Mehrfamilienhäusern errichtet. In der südwestlichen Metropolregion Gurgaon wurden sogar vor wenigen Jahren (2006) moderne Hochhäuser hauptsächlich für Bürozwecke erbaut. Außerdem haben sich in der eher wohlhabenderen Gegend 20 riesige Einkaufszentren angesiedelt und neue Privatschulen wurden erbaut. Das Zentrum und das Umland von Delhi wachsen auf Grund solcher Entwicklungen fortwährend weiter und ein hoher Anstieg der Einwohnerzahlen in wenigen Jahren ist zu erwarten.

2.2.2. Mexiko-Stadt
Mit 20 Millionen Einwohnern im Ballungsraum gehört Mexiko-Stadt zu einen der größten Metropolregionen der Welt. Die dicht besiedelte Agglomeration mit ihren 16 Stadtbezirken wies nach einer Volkszählung im Jahre 2005 eine Bevölkerungszahl von rund 8,7 Millionen auf. Der erste Zensus am 20. Oktober 1895 ergab, dass zu dieser Zeit nicht einmal eine halbe Millionen Einwohner in der Kernstadt lebten.
Auffällig ist auch die Verteilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Stadtviertel. Im Norden liegenden Industriegebiet sind viele Betriebe und Arbeitersiedlungen aufzufinden, im Westen und Süden leben Bürger aus oberen Schichten und einige mexikanische Politiker. Im östlichen Teil der Stadt, vor allem in Vororten trifft man auf die sozial schwache Bevölkerung, von der ein Teil den Müll nach verwertbaren Resten durchsuchen muss, um überhaupt zu überleben.

2.2.3. Kairo
Der Architekt und Stadtplaner Mohamed Salheen beschrieb Kairo in einem Interview mit folgenden Worten: „[..] In Kairo gibt es rund um die Uhr Interessantes zu entdecken, jedoch nicht immer in den besten Gegenden. Kairo ist wie ein Edelstein in einer schäbigen Fassung. Wenn man den Edelstein einmal gesehen hat, dann übersieht man die unpolierte Fassung. [..]“ Es herrscht also auch hier ein Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, den Slums und den Wohngegenden der Oberschicht. Im wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zentrum Ägyptens leben fast acht Millionen Einwohner, nochmals doppelt so viele wohnen in der Metropolregion und das bei einer Gesamtbevölkerungsanzahl, die der von Deutschland gleicht. Auf der einen Seite kann die Hauptstadt mit modernen Bürotürmen, Geschäftsvierteln und alten Prachtbauten in den historischen Stadtvierteln trumpfen, doch auf der Kehrseite kämpft Kairo mit Wohnungsmangel, Armut, Verkehrschaos und Umweltverschmutzung. Auch hier entstanden Satellitenstädte, die in der Wüste errichtet wurden. Es gibt aber ebenfalls Elendsviertel im Zentrum der Stadt, die auf Brachflächen gebaut wurden sind.

3. Der Klimawandel
Im Fernsehen, in der Zeitung, im Internet und Radio kommt das Thema „Klimawandel“ immer wieder zum Vorschein. Aber welche Parallelen kann man zur Bevölkerungsexplosion ziehen und wie wirken sich die Folgen der klimatischen Änderungen auf unser zukünftiges Leben aus?

3.1. Der Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum
Der Zuwachs der Menschheit hat auch die zunehmende Motorisierung, einen ansteigenden Energiebedarf und den Ausbau der Industrie zur Folge. Zum größten Teil wird für die Verbesserung unserer Lebensbedingungen die Verbrennung von Erdöl, Kohle und Erdgas genutzt, um die benötigten Energienachfragen zu decken. Je höher diese Nachfrage ist, desto größer sind auch die CO2-Ausstöße, die bei der Herstellung der Ware oder der Elektrizitätsgewinnung in die Atmosphäre gelangen. In etwa zehn Prozent der Kohlenstoffdioxid-Emission der gesamten Welt sind auf den Verkehr innerhalb von Städten zurückzuführen. Angesichts des rasanten Städtewachstums kann damit gerechnet werden, dass die Ausstöße der Treibhausgase auf diesem Sektor weiter steigen. Für den Bau weiterer Wohnanlagen, der für die zukünftig wachsende Weltbevölkerung von Nöten ist, werden ebenfalls viele Rohstoffe und Maschinen gebraucht, die verstärkt zum Anstieg der CO2-Konzentration, der parallel mit der industriellen Entwicklung verläuft, beitragen. Um der Flächenknappheit zu trotzen werden jährlich 13 Millionen Hektar der Wälder gerodet. Dies geschieht neben der maschinellen oder manuellen Schlagrodung, durch das Abbrennen der Bäume und Sträucher. Die Brandrodung ist demnach ein weiterer Faktor, der zur Freisetzung des Kohlenstoff-Gases in die Luft beisteuert.

3.2. Auswirkungen und Folgen
Die vom Menschen verursachten Emissionen fördern zunehmend die Verstärkung des Treibhauseffektes. Die von der Sonne ausgehende Infrarotstrahlung wird zum größten Teil von der Erde reflektiert. Treibhausgase, darunter auch Kohlenstoffdioxid, führen dazu, dass einige Strahlen abgefangen und zurück zur Erde reflektiert werden. Dadurch wird die Erdoberfläche zusätzlich aufgeheizt.
Der Anstieg der Temperatur in der Atmosphäre führt zum schnelleren Abschmelzen von Schnee und Eis der Kontinente, der Gebirgsgletscher und der Polkappen. Die Zufuhr von Wasser in die Ozeane und Flüsse hat wiederum den Anstieg des Meeresspiegels zur Folge. Pessimistische Berechnungen prognostizieren
einen Anstieg um 75 bis 150 Zentimeter bis zum Jahre 2100.

3.2.1. Gefährdete Gebiete
In der Zukunft sind vor allem Gebiete betroffen, die nur knapp über dem Meeresspiegel liegen. Das schließt vor allem küstennahe Räume, wie zum Beispiel die Niederlande, einige Inselstaaten (Small Island Developing States, SIDS), den Osten Asiens und auch, regional gesehen, den Norden Deutschlands ein. Da nur vermutet werden kann, in wie weit sich der Anstieg des Meeresspiegels auf die Bevölkerung der Welt auswirkt und welche Ausmaße dieser Prozess annimmt, kann man mit der Verwendung von Zahlen und Fakten nur sehr vorsichtig umgehen. Die geschätzten Werte haben eine breite Spannweite und fallen von Klimaforscher zu Klimaforscher sehr unterschiedlich aus. Außerdem spielt der zu erwartende Anstieg der Durchschnittstemperaturen eine wichtige Rolle. Demnach würden allein die Änderungen des Meeresniveaus zwischen zehn und 300 Millionen Menschen bis zum Jahre 2080 in eine ernst zu nehmende Lage bringen. Es wären in etwa 360 000 Küstenkilometer bei einem Anstieg von nur einem Meter permanent unter Wasser. Auch Sturmfluten, die aufgrund des fortwährenden Klimawandels in letzter Vergangenheit öfters ufernahe Areale getroffen haben, müssen mit in die Kalkulationen eingerechnet werden. In der sogenannten Low Elevation Coastal Zone (LECZ), die Gebiete bis maximal zehn Meter über Normalnull umfasst, lebten 2008 rund 634 Millionen Menschen (Statistik 1: Anhang). Nicht alle dort lebende Menschen und deren Nachkommen müssen in Zukunft ihren Lebensort verlassen, aber man muss sich zeitnah über einen Großteil der perspektivisch Betroffenen Gedanken machen.

4. Architektonische Lösungsansätze
Der rasante Bevölkerungszuwachs, die damit verknüpfte Verstädterung, der Wandel der klimatischen Bedingungen und letztendlich der daraus resultierende Meeresspiegelanstieg, bilden ein weit reichendes Netz von zukünftigen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Alle genannten Faktoren wirken sich auf Projekte der Architektur aus. Das Wohnen der Zukunft ist eine Rahmenbedingung unseres Lebens, die gezielt ausgearbeitet und bestmöglich umgesetzt werden sollte. Es liegen verschiedene Wege vor, um der Lösung der Problemstellung näher zu kommen.

4.1. Die Visionäre
Nahezu utopische Bauten werden von einigen Architekten, die aus den verschiedensten Ländern der Welt kommen entworfen und erregen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Genau zu diesem Zweck werden diese Wohneinheiten konzipiert. Sie sollen provozieren und der Menschheit vermitteln, dass die derzeitige Situation Handeln bedarf. „Visionen der Architekten haben denselben Sinn wie Konzeptfahrzeuge in der Autoindustrie“ , meinte der Diplom-Ingenieur Peter Cachola Schmal. Auch wenn nicht alle Entwürfe in die Praxis umzusetzen sind, mangelt es ihnen keines Falls an Plakativität.
Der belgische Architekt Vincent Callebaut entwarf unter anderem ein schwimmendes Stadtsystem namens „Lilypad“. Wie es die Bezeichnung schon verrät, ähnelt die Überwasserwelt den Blättern einer Seerose. Der untere Teil fungiert als Stabilisator und eigener Trinkwasserspeicher. Auf jedem dieser Konstrukte, die jeweils 500 000 Quadratmeter Gesamtfläche zur Verfügung stellen könnten, sollen bis zu 50 000 Menschen Platz finden. Die künstlichen Inseln wären vor Küstenstädten fest verankert oder würden mit den Strömungen des Meeres treiben. Dabei sollen sie nach den Vorstellungen Callebauts noch komplett selbstversorgend und begrünt sein, also fast keinen Einfluss auf das Ökosystem Meer haben. Die „schwimmenden Städte könnten eine neue Heimat für Klimaflüchtlinge sein“5, wie der Visions-Architekt Auskunft gibt.
Das Prinzip des Höhenrausches, das der 828 Meter hohe „Burj Khalifa“ in Dubai am besten widerspiegelt, ist für das mexikanische Architektenbüro Bunker Arquitectura keine Lösung für den weiter bevorstehenden Bevölkerungszuwachs. Für Mexiko-Stadt, in der es nicht erlaubt ist Gebäude mit über acht Stockwerken zu errichten, haben sie ihre Vorstellungen auf Papier gebracht. Mit ihrem „Earthscraper“, der als Computeranimation unter dem Zócalo-Platz 300 Meter in die Tiefe reicht haben sie ein Gebäude der etwas anderen Art geschaffen und dem innerstädtischen Platzmangel zumindest auf theoretischer Ebene getrotzt. Die unterirdische Pyramide verfügt neben der Wohnungszone, auch über einen Einkaufsbereich, Büroräume und eine zentrale Wasserversorgung.
Über eine komplette Stadt, in der möglichst viele Grünflächen integriert sind, haben sich drei Architekten aus den Niederlanden, die sich MVRDV nennen, Gedanken gemacht. Die hohen und bepflanzten Türme, die aus übereinander gestaffelten, ringförmigen Geschossen bestehen, wirken wie eine riesige Parklandschaft. Das für die südkoreanische Stadt Gwanggyo entworfene „Power Centre“ könnte für 77 000 Menschen als umweltfreundliche Heimat dienen. Auch hier wurde Wert darauf gelegt, dass durch verbesserte Durchlüftung und einströmendes Tageslicht der Energieverbrauch reduziert werden könnte.


4.2. Umgesetzte Projekte
Neben Visionen, die zum nachdenken anregen sollen, gibt es bereits umgesetzte Möglichkeiten beziehungsweise in den Startlöchern stehende Vorhaben. Die Architekten Mun Summ Wong und Richard Hassell, bekannt unter dem Namen WOHA, haben unter der Zusammenarbeit mit dem Architektenbüro Tandem Architects von 2005 bis 2009 den Wolkenkratzer „The MET“ erbaut. Das 228 Meter hohe Bauwerk zeichnet sich durch seine offene Baustruktur, die für natürliche Belichtung und Kühlung sorgt und einer Aufbereitungsanlage für Regen- und Nutzwasser aus.
In den Niederlanden bereiten sich die Einwohner bereits auf die Veränderungen der Welt vor. Da große Teile des Landes unter dem Meeresspiegel liegen, wurden in den Küstenregionen bereits Häuser konstruiert, die sich dem Wasserspiegel anpassen können. Unter dem Namen Rotterdam Climate Proof werden die schwimmenden Bauten errichtet, die Ebbe und Flut standhalten sollen. Im Jahre 2010 wurde ein 800 Quadratmeter großer Pavillon direkt auf dem Wasser erbaut. Dabei wurden mit Stahlstreben und Beton verstärkte Styroporplatten verwendet, die als Bodenelement dienen. Der aus drei unterschiedlich großen Kuppeln bestehende Schwimmkörper erreicht an der höchsten Stelle stolze zwölf Meter. Das „Show Case“ wird zwar nur als Veranstaltungsraum genutzt und dadurch nicht permanent betreten, aber der oberste Klimaschützer Rotterdams Arnoud Molenaa sieht in Zukunft große Chancen, was die künstlichen Inseln als Eigenheime betrifft. „Demnächst kommen Experten aus Thailand hierher, die wollen genau wissen, wie wir mit den Überschwemmungsrisiken umgehen"6, so der Experte. Das Interesse ist somit in der Welt geweckt und es ist möglich, dass die niederländischen Konzepte auch in Asien Anklang finden werden.
Auf dem Sektor der Landwirtschaft wurde ebenfalls eine Lösung für Flächenknappheit und Bevölkerungswachstum gefunden. Bei dem „Vertical Farming“ können in mehrstöckigen Gebäudekomplexen auf hochtechnologischer Weise viele Pflanzen unter optimalen Bedingungen heranwachsen. Die „Farmscrapers“ sollen die konventionellen Agrarfelder teilweise ersetzen und in Stadtnähe zum Einsatz kommen. Dadurch würde der Transportweg zum Verbraucher verkürzt werden und dadurch geringere Emissionen in die Umwelt gelangen. Des Weiteren könnte durch die vertikale Landwirtschaft die Ernährung für die steigende Weltbevölkerung, vor allem in wachsenden asiatischen Ländern, in denen die ackerbaulich nutzbaren Flächen nahezu ausgeschöpft sind, gesichert werden. In Seoul wurde bereits ein Agrargebäude erbaut, das zu Testzwecken dient.



5. Schlusswort
Die Fortschritte in der zukunftsbedachten Architektur sind klar zu erkennen. Immer mehr Innovationen, Projekte und Visionen gelangen mit den Jahren in die Öffentlichkeit. Diese Entwicklung ist auch von größter Bedeutsamkeit. Bei der Umsetzung der geplanten Konzepte wird es aber komplizierter. Es kommen Fragen auf, inwiefern die Grenzen der Technik erreicht sind, wie die Projekte finanziert werden können und welchen Anklang diese in der Weltbevölkerung finden. Besonders die ärmeren Schichten, Menschen, die in Slums leben, könnten sich diesen Luxus nicht leisten.
Bevor überhaupt eine Umgestaltung der Lebensräume vorgenommen werden kann, muss man von alten Gewohnheiten loslassen. Das breite Netz der Einfamilienhäuser hat keine Zukunft, da die Fläche viel effizienter genutzt werden könnte. Auch der Höhenrausch, um sein Prestige als Stadt oder Land zu sichern, wirkt sich negativ auf den Weg zur Lösung der problematischen Lage der Welt aus. Die Niederlande setzen mit ihren umweltfreundlichen und zugleich funktionalen Plänen einen Maßstab, an dem sich andere vom Klimawandel und rasanten Bevölkerungswachstum betroffene Staaten orientieren können.
Noch haben wir die Zeit etwas zu schaffen, um die Existenz von Millionen Menschen zu sichern und dem Wandel der Welt einen Schritt voraus zu sein.










6. Quellenverzeichnis

Literatur
Birg, Herwig (2004). Die Weltbevölkerung-Dynamik und Gefahren. München: Verlag C.H. BeckoHG.
Cohen, Joel E. (1995). Leben mit neun Milliarden Menschen. In: Spektrum der Wissenschaft, Ausgabe 06/2006, S. 10-17.
Hempel, Gotthilf (2003). Nachhaltigkeit und globaler Wandel. Frankfurt am Main: Europäischer Verlag der Wissenschaften.
Joussaume, Sylvie (1996). Klima: Gestern-Heute-Morgen. Berlin: Springer-Verlag.
Riedemann, Kai (2012). Neue Heimat. In: Hörzu Wissen, Ausgabe 03/2012, S.58-65.
Sterr, Horst (2012). Globale Erwärmung und Küstenschutz. In: Spektrum der Wissenschaft, Ausgabe 04/2012, S.35-39.

Internetquellen
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Parnreiter, Christoph (2006). Global Cities-Urbane Zentren der Weltwirtschaft. URL: http://www.bpb.de/gesellschaft/staedte/megastaedte/64717/global-cities-global-player?p=all, (Zugriff am: 14.02.2013)
Ribbeck, Eckhart (2007). Rasches Wachstum, schwache Planung, städtische Armut. URL: http://www.bpb.de/gesellschaft/staedte/megastaedte/64691/stadtplanung-in-megastaedten?p=all (Zugriff am: 17.02.2013)
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