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Die Weimarer Republik in der Krise - Überwindung der Krise - Referat



1. Maßnahmen der Regierung zur Überwindung der Krise

Die Weimarer Republik wurde in ihren Anfangsjahren durch zahlreiche Probleme belastet. Im Jahr 1923 verschärfte sich die Situation zunehmend. Die Besetzung des Ruhrgebietes, die Inflation und der Hitler-Putsch führten zur Bezeichnung des „Krisenjahres 1923“.
Diese enormen Belastungen des jungen Staates bedurften schneller und durchdachter Lösungen zur Sicherung der Stabilität und Wahrung der Unabhängigkeit der Republik. Ende 1923 bis 1929 war vor allem Reichskanzler und Außenminister Stresemann zu erheblichem Maße an den zum Überleben der Republik durchgeführten Maßnahmen beteiligt.

Eine primäre Maßnahme der Regierung war die Beschaffung von Lebensmitteln. Zur Linderung der größten Not des Volkes wurden Getreide und Fette durch weitere Anleihen auf die Goldreserven des Reiches importiert. Durch den Export von Zucker sollten die nötigen Mittel erlangt werden um weitere Nahrungsmittel einführen zu können.

Die deutsche Regierung veranlasste weiterhin eine Währungsreform, welche der scheinbar unaufhaltsam fortschreitenden Inflation entgegenwirken sollte. Um diese Durchzuführen kam es zur Gründung der Rentenbank durch Vertreter der Industrie, Landwirtschaft, des Handels und des Gewerbes mit ihrem Sitz in Berlin.
Mit der Gründung der Rentenbank sollte die Einführung der Rentenmark als Zahlungsmittel erfolgen. Da nicht genügen Goldvorräte des Reiches zu Deckung der neuen Währung genutzt werden konnten und ausländisches Kapital nicht in Anspruch genommen werden sollte, wurde der gesamte Grundbesitz, die Industrie sowie die Banken mit Hypotheken belegt, welche dadurch letztendlich das festgesetzte Kapital von 3,2 Milliarden Rentenmark aufbrachten. Die Deckung der Währung erfolgte in der Praxis durch die Ausgabe von Rentenbriefen zu je einem Wert von einem ganzzahligen Vielfachen von 500 Rentenmark. Durch diese Ausgabe der Rentenbriefe durften nun Rentenbankscheine bis zum Limit des entsprechenden Gegenwertes in Rentenbriefen als Zahlungsmittel ausgegeben werden. Die Rentenbank verpflichtete sich, die Rentenbankscheine auf Verlangen gegen die Rentenbriefe einzulösen, wodurch es möglich wurde, die Hypotheken der Geldgeber zurück zu zahlen.
Es wurden feste Wechselkurse von einer Billion Papiermark für eine Rentenmark festgelegt.
Entscheidend für den Erfolg der neuen Währung war zum einen die Kontrolle der Rentenbank über das Zahlungsmittel indem die Geldnotenpresse stilllegte. Zum anderen gewann der Bürger wieder Vertrauen in die Währung, was zu allgemeiner Akzeptanz der Währung führte. Dieses neu gewonnene Vertrauen ermöglichte im Zusammenhang mit harten Sparmaßnahmen Kredite und Investitionen für einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Weimarer Republik.

Drei entscheidende Maßnahmen des damaligen Reichswährungskommissars Hjalmar Schacht waren es, welche dazu beitrugen die Inflation zu stoppen. Er beseitigte als erstes das private Notgeld, indem er die Entgegennahme von Papiergeld durch die Reichsbank sofort beendete. Danach erreichte er eine Verknappung der gesetzlichen Zahlungsmittel indem er die Devisenspekulation durch die Einführung der Rentenbankscheine, welche nur zur Stabilisierung der Mark dienten, jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel waren, unterband. Als dritte Maßnahme stellte er die Stabilität der Reichsmark durch eine Kreditsperre her, welche der Wirtschaft das Ausweichen auf ausländische Währungen in kürzester Zeit nicht mehr ermöglichte, da die finanziellen Mittel nun nur noch die den Verkauf der gehamsterten Devisen verfügbar waren.
Eine weitere Maßnahme zur Stärkung der deutschen Wirtschaft waren die von den USA an das Deutsche Reich zugesicherten Anleihen in Höhe von 800 Millionen Goldmark. Diese dienten dazu, die Wirtschaft der Weimarer Republik anzukurbeln und damit die gesamtwirtschaftliche Situation in Europa zu stabilisieren um somit einen für die USA enorm wichtigen neuen Absatzmarkt mit großer Kaufkraft zu sichern, welcher zur Stärkung der amerikanischen Wirtschaft nach dem Krieg benötigt wurde. Obgleich die Weimarer Republik nun über finanzielle Mittel zu Wirtschaftsförderung verfügt, waren die Unternehmen, Maschinen und Produktionstechniken nach dem ersten Weltkrieg veraltet, was dazu führte, dass die Regierung zahlreiche Forscher und Produktionsleiter in die USA entsandte um dort von der fortschrittlichen Produktionsweise, wie z.B. der Fließbandtechnik, zu lernen und diese nach Deutschland zu übertragen um eine international konkurrenzfähige Wirtschaft auf deutschen Territorium entstehen zu lassen.
Durch all diese Maßnahmen erreichte die deutsche Regierung innerhalb eines kurzen Zeitraumes eine enorme Verbesserung der wirtschaftlichen Gesamtsituation und damit auch der Versorgung der Bevölkerung.

Eine weitere Maßnahme der deutschen Regierung, d.h. vor allem eine Errungenschaft des Außenministers Stresemann, war die Verbesserung der Beziehungen der Weimarer Republik zu den Siegermächten. Trotz Einführung des Dawes-Planes, der durch eine unabhängige Kommission geschaffen wurde und eine Reduzierung der Reparationen auf ein mehr oder weniger akzeptables Niveau vermindern sollte, bedeutete die Reparationsfrage eine stetige Belastung der Beziehungen. Mit dem Vertrag von Locarno (1925) kam Deutschland schließlich freiwillig dem französischen Sicherheitsstreben nach und trug damit zu einer wesentlichen Entspannung der Situation bei, wodurch Deutschland 1926 im Völkerbund aufgenommen wurde. 1928 kam es zum Abschluss des Briand-Kellog Paktes, der eine Ächtung des Krieges beinhaltete.

Jedoch beschränkten sich die von der Regierung erlassenen Maßnahmen nicht nur auf finanzpolitische und sozialpolitische Bereiche, ebenso wurden enorme Verbesserungen im sozialen Bereich erzielt.
Mit der Einführung der Erwerbslosenfürsorge, die später zur Arbeitslosenversicherung wurde, dem Frauenwahlrecht, sowie weiteren Rechten zur Emanzipation der Frau, Angestelltenversicherungen und mehreren Maßnahmen zur Absicherung sozial benachteiligter Bürger schaffte der Staat ein System, indem die soziale Gerechtigkeit in erheblichem Maße verbessert wurde, sodass es zu einer schnelleren Überwindung der Krise kommen konnte. Nach dem Bau von über 2 Millionen Wohnung zur Linderung der Wohnungsnot und der Reglementierung der Mieten auf erträgliche Ausmaße wurde 1922 das Reichsmietengesetz und 1923 das Reichsmieterschutzgesetz erlassen, welche die Mieter vor der Willkür der Vermieter schützten.
Eine der entscheidendsten Reformen dieser Zeit war jedoch die Reduzierung der Arbeitszeit auf den 8-Stunden-Tag. Des weiteren wurden Arbeitgeberverbände gegründet sowie die Tarifautonomie der Gewerkschaften beschlossen, was auf eine eindeutige Verbesserung der Verhältnisse der Arbeiter bedeutete. Nachdem 1920 das Betriebsrätegesetz und 1923 die gesetzliche Regelung über die Beschäftigung von Behinderten erlassen wurde, kam es mit der Einführung der Arbeitsgerichte, Kündigungs- und Arbeitsschutzgesetzen 1926 und der Errichtung der Arbeitsämter 1927 zur Vollendung der Reformierung des Arbeitsmarktes in der Weimarer Republik.


Insgesamt zielten die Maßnahmen der Regierung der Weimarer Republik auf die Stabilisierung des Staates im Inneren sowie auf die außenpolitische Integration und Akzeptanz ab um die Sicherung der Republik zu gewährleisten.




2. Auswirkungen der Maßnahmen auf folgende Bereiche:

Wirtschaft
Im Vorfeld lässt sich sagen, dass die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen durchaus eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Weimarer Republik bedeuteten. Ein fortwährendes Problem war jedoch die stets hohe Arbeitslosigkeit. Ausgehen von 10% 1926 wurde bis 1929 der Wert von 3% nie unterschritten. Gründe dafür waren u.a. finanzielle Probleme kleiner Unternehmen und die Interessengegensätze von Gewerkschaften und Arbeitgebern.
In der Zeit von 1924 bis 1929 bildeten sich die chemische, die Elektro- sowie die Automobilindustrie als führende Wirtschaftszweige neben den traditionellen Brachen der Schwerindustrie und des Bergbaus heraus. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel war es den Unternehmen in der Anfangszeit der 20-er Jahre nicht möglich, mit dem technischen Fortschritt mit zu halten, wodurch sich die Lücke zwischen deutschen Unternehmen und der ausländischen Konkurrenz noch mehr
vergrößerte. Ab 1924 wurden schließlich Initiativen ergriffen. Wissenschaftler, Forscher und Unternehmens- sowie Produktionsleiter reisten in die USA um dort neue Technologien, vor allem in den Werken von Henry Ford, zu erforschen und mit Hilfe dieser die deutsche Wirtschaft wieder international bedeutsam zu machen. Trotz des großen Drängens der Gewerkschaften auf eine Modernisierung blieben die Unternehmensführungen, nicht zuletzt aus Geldnot, zurückhaltend bei der Investition in neue Produktionsanlagen. Durch die vorangegangene Inflation sind die Rücklagen der Industrie enorm geschrumpft, sodass eine Modernisierung unmöglich wurde. Erst mit der 800 Millionen Goldmark Dollaranleihe von den USA war es den Unternehmen möglich geworden die deutsche Wirtschaft durch umfassende Modernisierung in fast allen Bereichen international konkurrenzfähig zu machen.
Zur Schlüsselbegriff für die Neugestaltung der Industrie wurde die „Rationalisierung“. Arbeitsplätze, Betriebe und sogar ganze Industriezweige wurden nach diesem Prinzip überarbeitet und auf ihre Effizienz überprüft. Frederick W. Taylor führte in dem Zusammenhang eine Methode der wissenschaftlichen Betriebsführung ein, deren Prinzip die Überprüfung jedes Handgriffes auf Effektivität und die Einführung von Normzeiten ist. Henry Ford selbst führte außerdem die Fließbandmethode ein, durch welche dem Arbeiter die Arbeitsgeschwindigkeit durch die Laufgeschwindigkeit des Bandes vorgegeben wurde, was wiederum zur Einführung von Akkordlöhnen führte.
Die Automobil- und Elektroindustrie nutzte diese Techniken als erste und wurde ebenfalls von ausländischen Investoren unterstützt. Neben der innerbetrieblichen Rationalisierung kam es zum Zusammenschluss ganzer Firmen um profitabler produzieren zu können.
Den Gewerkschaften wurde durch diese Neuerungen der Wind aus den Segeln genommen und sie mussten sich zwangläufig der übermächtigen Wirtschaft vor dem Vorbild internationaler Konkurrenz geschlagen geben. Nichtsdestotrotz erlangten sie entscheidende Errungenschaften bezüglich der Verkürzung der Arbeitszeiten und der Erhöhung des Lohnniveaus. Ausgehend von 1913 hatte man nun wieder Realstundenlöhne von 85% erreicht, was als Erfolg nach den niederschmetternden Ereignissen anzusehen ist. Jedoch lagen die Löhne in der Weimarer Republik nach wie vor stark unter dem anderer Wirtschaftsmächte.
Obwohl die von den Gewerkschaften geforderten und auch erzielten Lohnsteigerungen auf den ersten Blick als positiv eingeschätzt werden können, so lässt sich bei genauerer Betrachtung jedoch feststellen, dass diese Erhöhungen gemessen an der Produktivität viel zu hoch waren, sodass eine enorme zusätzliche Belastung der Wirtschaft entstand, was später zur Verschärfung der Krisensituation führte, da sich die Wirtschaft der Weimarer Republik bereit zu diesem Zeitpunkt im Stadium der „Krankheit“ befand.
Gewerkschaftliche Forderungen zur Senkung der Arbeitslosigkeit durch eine Verminderung des Arbeitstages auf acht Stunden ohne Ausnahme wurden von den Unternehmen mit der Begründung einer enormen Gefährdung der immer noch instabilen deutschen Wirtschaft abgelehnt.



Soziales
Auf dem Gebiet der sozialen Maßnahmen gab es in der Weimarer Republik entscheidende Veränderungen. Angefangen mit der Emanzipation der Frau durch ein allgemeines Frauenwahlrecht sowie das Recht der Frau auf Hochschullehrämter 1918 und dem Recht auf Ausübung des Richterberufs 1922 wurden weitere bedeutende soziale Leistungen auf Drängen der Gewerkschaften hin eingeführt. Die Erwerbslosenfürsorge stellte 1918 zusammen mit dem Achtstunden-Tag einen enormen Fortschritt dar. In den Jahren 1919 bis 1922 kamen vor allem Rechte bezüglich der Kinder und Jugendlichen hinzu, welche zum Beispiel das Recht auf Bildung und Erziehung waren.
In Zusammenhang mit den staatlichen Wohnungsbauprojekten zu Linderung der Wohnungsnot wurde 1922 schließlich die Mietpreisbindung sowie 1923 das Reichsmieterschutzgesetz eingeführt.
1919 erhielten die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Tarifautonomie und 1920 wurde das Betriebsrätegesetz erlassen.
Neben Gesetzen zur Beschäftigung von Schwerbehinderten wurde die Armenbetreuung nun durch den Staat übernommen.
Durch die Errichtung der Angestelltenversicherung 1924 und den Arbeitsgerichten 1926 war ein weiterer Schritt auf dem Weg des Ausbaus der sozialen Leistungen getan. Es folgten weiterhin Kündigungsschutzgesetze für stillende und werdende Mütter, die Einführung von Arbeitsämtern und die Arbeitslosenversicherung.

Innenpolitische Situation
Nach wie vor blieb das System innenpolitisch instabil. Von den sechs Regierungen, die in der Zeit von 1923 bis 1929 an der Macht waren, verfügten nur zwei mit DNVP-Beteiligung über eine Mehrheit. Die SPD war an den „Bürgerblock“-Regierungen nicht beteiligt, was ein weiterer Faktor der Instabilität war. Zudem verlor die Demokratie mit dem Tod des Reichspräsidenten Ebert 1925 eine entscheidende Stütze, die enorm zur Stabilisierung beigetragen hat. Weiterhin ist zu sagen, dass trotz der Unterstützung der SPD für den Zentrum-Kandidaten der von der DNVP aufgestellte ehemalige Feldmarschall Hindenburg die Reichspräsidentenwahl gewann. Obwohl er eine nationale Identitätsfigur darstellte war er für dieses Amt äußerst ungeeignet, da seine Nähe zum extrem rechten Block sowie seine Verbundenheit zur Monarchie erhebliche Faktoren der politischen Unruhe bedeuteten.

Kunst & Kultur
Zu Beginn der 20-er Jahre standen zunächst der Dadaismus und der Surrealismus im Vordergrund. Beide wandten sich in gewisser Weise gegen die konservativen Kunstideale und waren auf dem Weg in eine neue Kunstrichtung.
Die aufstrebende „Neue Sachlichkeit“, die von Zynismus und Resignation geprägt war, galt als Ausdruck der neuen Lebensweise und objektiven Sichtweise, die eine realistische Einschätzung der jetzigen Situation vornahm.
Das Theater gewann ebenfalls enorm an Bedeutung. Berlin entwickelte sich zur Metropole des Bühnenschauspiels und zog weltweit erfolgreiche Stückeschreiber sowie ein internationales Publikum an. Brechts „Dreigroschenoper“ ist eines der besten Beispiele für ein international gefeiertes Bühnenwerk, das in Berlin größte Bewunderung fand.
In der Literatur wurde sich stark an den älteren und herausragenden Persönlichkeiten wie Thomas Mann und Hermann Hesse orientiert.
Neue Kommunikationsmedien gewannen außerdem zunehmend an Bedeutung. Presse, Rundfunk, Schallplatten und Film wurde zu beliebten Unterhaltungsmedien. Trotz dieser vielen neuen Möglichkeiten ergab sich bereits zu Beginn ihrer Entwicklung eine sehr eingeschränkte politische Beeinflussung, da die Zensur der Medien eingeführt und ausgebaut wurde.
Weiterhin ist Gropius Bauhaus zu erwähnen, das 1919 in Weimar durch Zusammenschluss der dortigen Hochschule für Bildende Künste mit der Kunstgewerbeschule unter Hinzufügung einer Architekturabteilung, gegründet wurde strebte als Ziel die Versöhnung von Technik und Kunst an, wobei die Rückgewinnung der handwerklichen Grundlagen der bildenden Künste im Vordergrund stand.
Gepflegt wurden sämtliche Kunstgattungen, u. a. auch Fotografie, Tanz und Film. Stilistisch lassen sich die meisten Bauhauskünstler dem Konstruktivismus und der Neuen Sachlichkeit zuordnen, die man, besonders im Hinblick auf innenarchitektonische Formschöpfungen, oft als "Bauhausstil" bezeichnet.




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