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Die Ratten - Referat



Der erste Akt: Beginn des Dramas mit dem heimlichen Pflegekind
Der erste Akt dient dabei als Exposition für beide Handlungsstränge. Es werden die wichtigsten Personen in ihren Beziehungen und Verflechtungen vorgestellt. Dabei geht es um die verschiedensten Probleme der Personen, die sich bereits innerhalb des ersten Aktes entwickeln und somit schon erste Konfliktsituationen ankündigen. Dem Leser wird deutlich gemacht, dass die in einem Haus dargestellten Familien John und Hassenreuter zwei vollkommen unterschiedliche Lebensweise haben und stark im Kontrast zueinander stehen. Die Familien weisen in fast allen Eigenschaften starke Gegensätze auf und stehen trotzdem in engem Kontakt, so dass von diesem Punkt aus die zwei Handlungsstränge ausgehen. Die John-Familie, die in der hellen Wohnung unter der Hassenreuter-Familie lebt, den typischen Berliner Dialekt spricht und der Haupthandlung dient, in der es an Tragik nicht fehlen darf und in der es am Ende eine stark fallende Handlung gibt, da sich das Drama immer weiter zuspitzt. Im Gegensatz dazu steht die Hassenreuter-Familie, die ihre Unterbringung in einer dunklen, staubigen Wohnung auf dem Dachboden hat, hochdeutsch spricht und der Nebenhandlung dient, in der es am Ende zu einem starken Karriereaufstieg Harro Hassenreuters kommt. Aber auch andere Charaktere erreichen schon im ersten Akt eine große Bedeutung, da sie die Handlung beeinflussen und im späteren Teil für die aufkommende Tragik der John-Familie oder den Aufstieg Hassenreuters verantwortlich sind. So wird beispielsweise schon auf den ersten Seiten deutlich, dass sich Pauline Piperkarcka in einer Notlage um ihr eigenes Kind befindet, da sie von ihrem Bräutigam verlassen worden war. Doch durch die Hilfe von Frau John, die das Kind von Pauline Piperkarcka zur Pflege aufnimmt, dieses wie ihr eigenes Kind behandelt und so versucht den Tod ihres Säuglings zu verarbeiten, gelingt es Pauline Piperkarcka sich vorübergehend aus der finanziellen Notlage zu befreien. Doch da Frau John das Kind bereits in der Mitte des ersten Aktes als ihr eigenes Kind ansieht und es auch gegenüber ihres Ehemannes Herrn John als ihr eigenes Kind darstellt und ihm die Pflege verschweigt, gibt es ein großes Konfliktpotential in dieser Szene. Denn außer Pauline und Frau John weiß keiner von dieser Kindespflege und es wird davon ausgegangen, dass es sich um das Kind der Frau John handelt. So dient die Szene als eine Vorrausweisung auf den späteren Konflikt um das Kind zwischen Pauline Piperkarcka und Frau John, zeigt aber auch schon, dass Frau John durch ihre Lügen in große Probleme geraten kann.
Außerdem wird das schwierige Bruder-Schwester Verhältnis zwischen dem finsteren Bruder Bruno und Frau John angedeutet, welches im letzten Akt noch an Bedeutung gewinnt.
Aber auch in der Hassenreuter Handlung gibt es Konfliktpotential. So wird im ersten Akt das heimliche Verhältnis zwischen Hassenreuters Tochter Walburga und dem Theologiestudent Spitta deutlich, welches im weiteren Verlauf allerdings keine große Bedeutung mehr erhalten sollte und nicht für die weitere Handlung verantwortlich ist.
Generell kann man sagen, dass die Hassenreuter-Handlung bis zum letzten Akt eigentlich keine besonderen Handlungsschritte aufweist, sondern eher die Funktion besitzt, dem Zuschauer die Situation zu vereinfachen, ehe sie im letzten Akt doch noch an Bedeutung gewinnt und als Kontrast der John-Handlung dient.


Der zweite Akt: Steigende Handlung durch den Konflikt zw. Pauline Piperkarcka und Frau John
Am Anfang des zweiten Aktes steht ein eher unwichtiges Element für die beiden Handlungsstränge. Es wird eine für den Leser harmonische Atmosphäre in der Wohnung der Familie John erzeugt, die allerdings nicht darüber hinweg täuschen kann, dass sich Frau John in einen seelischen Zustand der Angst und Unruhe befindet, der sich immer weiter fortsetzt. So entwickelt sich langsam die dramatische Handlung, die in der Hassenreuter-Handlung dazu führt, dass die verschiedenen Theateransichten von Hassenreuter und Spitta deutlich werden. Dieses Motiv zieht sich durch die gesamte Hassenreuter-Handlung und ist wichtig für den weiteren Verlauf. Es trägt allerdings nicht dazu bei, dass es zu einer Spannungssteigerung der Hassenreuter-Handlung führt. Die John-Handlung hingegen entwickelt sich schneller und erlangt Mitte des zweiten Aktes eine Spannungssteigerung. Diese wird durch die Szene zwischen Pauline Piperkarcka und Frau John hervorgerufen, in der Pauline Piperkarcka ihr Kind bei Frau John besuchen will und diese ihr aus der Verzweiflung heraus eine Backpfeife gibt. Diese Reaktion entsteht dadurch, dass sie Angst hat, dass Pflegekind von Pauline wieder hergeben zu müssen, weil sie es mittlerweile als ihr eigenes Kind ansieht und mit dem Kind versucht, den Tod ihres eigenen Kindes zu verarbeiten. (Ende 2. Akt S.39 Z.16f.)




Der dritte Akt: Höhepunkt des Dramas durch das Unglück mit dem Knobbe-Kind
Der dritte Akt aus Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ fungiert als Höhepunkt und Wendepunkt der Tragikkomödie. Dabei gibt es in der Hasseneuter-Handlung keine großen Spannungsveränderungen. Es wird mit Pastor Spitta eine neue Person in die Handlung eingeführt, der über den Brief seines Sohnes Erich Spittas entsetzt ist und sich daraufhin im Gespräch mit Hassenreuter über die Freizügigkeit in Berlin aufregt, aber keinen großen Einfluss auf die Handlung hat. Einzig die Szene, in der Hassenreuter seiner Tochter Walburga den Kontakt zu Spitta verbietet, lässt eine geringe Spannung aufkommen, die aber auch nicht wirklich nennenswert ist. Im Gegensatz dazu die John-Handlung, in der am Ende des dritten Aktes mit dem Tod von Frau Knobbes Kind der Wendepunkt der Tragikkomödie eingeleitet wird. Dieser Wendepnukt kommt dadurch zustande, dass Direktor Hassenreuter von Frau Johns Pflegekind erfährt, dieses aber zunächst nicht glauben will. Pauline Piperkarcka will ihr Kind zurück haben und es kommt zu einem Streit um das Kind, indem sich herausstellt, dass das Kind, das für Frau Johns Pflegekind gehalten wurde, das Kind von Frau Knobbe ist. Als anschließend Frau Knobbe hinzu kommt und auch ihr gestohlenes Kind zurück verlangt, kommt es zum
Unglück und das Kind der Knobbe stirbt. Diese Szene stellt den Wendepunkt der gesamten Handlung, insobesondere der John-Handlung, dar. Man kann diese Szene allerdings auch als retardierendes Moment sehen, der den Verlauf der tragischen John-Handlung nur herauszögert. Hier äußert sich der verzweifelte Wille eines Individuums, das sich gegen den Gang eines blinden Schicksals zu behaupten versucht.



Der vierte Akt: Problematik steigt durch die verstärkte Unruhe und Angst bei Frau John
Im vierten Akt wird diese dramtische Handlung schnell wieder aufgegriffen. Dieses geschieht dadurch, dass der Hausmeister Quaquaro, der erstmals an der Handlung beteiligt ist, als treibendes Element fungiert und durch sein Handeln die dramatische Handlung weiter vorantreibt. Er ist es, der Herr John in Kenntnis darüber setzt, dass ein polnisches Mädchen Anspruch auf das Kind der Johns erhoben hat und ist somit dafür verantwortlich, dass es im weiteren Verlauf zum Gespräch zwischen Herr und Frau John kommt. Dieses Gespräch verstärkt die Unruhe Frau Johns noch einmal und trägt somit sehr zur dramatischen Handlung der John-Familie bei. Die Unruhe, aber auch die Verwirrung von Frau John spielen dabei eine große Rolle, denn als Frau John in der Mitte des vierten Aktes von einem Besuch bei ihrer Schwester zurück kommt, spürt der Leser deutlich, wie groß die Verwirrung mittlerweile ist und es wird deutlich, dass sich das Problem immer weiter zuspitzt. Für die Nebenhandlung der Hasseneuter-Familie gilt zu erwähnen, dass Walburga Hassenreuter und Erich Spitta die Reaktionen ihrer Eltern nicht verstehen und sich darüber austauschen. Dieses kann als retardierendes Moment angesehen werden, da es die Handlung nur herauszögert und sonst keine nennenswerte Funktion aufweist. Schließlich sind es aber auch Walburga und Erich, die die Verwirrung Frau Johns zu spüren kommen, da sie sich zum Zeitpunkt des Zurückkomens Frau Johns in der Wohnung befinden. Die Funktion der beiden Person ist also durchaus wichtig, da diese Szene dazu dient, dem Leser die Verwirrung Frau Johns deutlich werden zu lassen. Man kann an dieser Stelle erkennen, dass die Nebenhandlung hilft die Gesamtsituation leichter zu verstehen und auch zum Beispiel die Gefühle der Hauptpersonen besser zu zeigen. Am Ende des vierten Aktes ist es schließlich Bruno, der Bruder Frau Johns, der die Handlung weiter im negativen beeinflusst. Es kommt zu einem Streitgespräch zwischen Herr John und Bruno, in welchem Herr John Bruno mit der Polizei und einer Waffe droht, anschließend aber das Haus verlässt. Als schließlich nur noch Bruno und Frau John im Haus sind, begreift Frau John nach einem indirekten Geständnis, dass es Bruno ist, der Pauline Piperkarcka ermordet hat und bricht zusammen. Bruno, ohne große Sorgen um seine Schwester, verlässt das Haus und flieht. An dieser Szene wird deutlich, dass Frau John seelisch bereits sehr schwach ist und keine weiteren schlechten Nachrichten mehr vertragen kann.



Der fünfte Akt: Aufdeckung des Geschehens führt zum Selbstmord von Frau John
Der fünfte Akt baut auf den Geschehnisse des vierten Aktes auf und erfüllt die Funktion der letzten Konfliktzuspitzungen, die im Selbstmord von Frau John münden. Doch es war lange unklar, wie sich die dramatische Handlung entwickeln würde. Nach Frau Johns Zusammenbruch im vierten Akt liegt diese schlafenden in ihrer Wohnung in Gesellschaft von Walburga Hasseneuter und Erich Spitta. Der Leser erfährt in einem Gespräch, dass die Polizei nach einem Verbracher sucht. Daher wird auch der Hauseingang des Hauses von zwei Polizeibeamten bewacht. Doch die dramatische Handlung gewinnt erst wieder an Bedeutung, als Frau Hasseneuter Frau John aus ihrem Schlaf erweckt. Als anschließend auch noch die Leiche Pauline Piperkarckas gefunden wird und Bruno als Mörder gesucht wird, wird die Handlung, aber auch die Verzweiflung von Frau John, weiter vorangetrieben. Doch die für den Selbstmord entscheidende Handlung wird schließlich von Frau Knobbe hervorgerufen. Sie ist es, die allen die Wahrheit über das Kind schildert. Herr John kann dieses nicht glauben und es kommt zu einer Isolation von Frau John. Die Situation scheint damit geklärt, dass das Kind in ein Waisenhaus gebracht werden soll, und dass Herr John seine Frau verlassen will, doch diese Szene dient nur als eine Einleitung für das dramatische Ende. Denn in diese Situation hinein, schnappt sich Frau John das Kind und will flüchten. Und auch wenn die Anwesenden dieses Szenario noch verhindern können, schafft es Frau John alleine zu flüchten und nimmt sich durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben. Die Aussichtslosigkeit auf eine Lösung des Konfliktes war für die ohnehin schon seelisch angeschlagene Frau John zu groß geworden und als Folge dieser Aussichtslosigkeit gibt es für Frau John nur noch die Möglichkeit des Freitods, den sie als letzten Ausweg wählt.






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