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Die Diskursethik nach Jürgen Habermas - Referat



Zunächst etwas zu Jürgen Habermas. Der Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas, 1929 geboren studierte u.a. Philosophie, Geschichte und Psychologie. 1961 wurde er Professor für Philosophie in Heidelberg, 1964 übernahm er einen Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Bekannt wurde Habermas einer breiteren Öffentlichkeit in den sechziger Jahren durch seine Schriften „Der Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962) und „Erkenntnis und Interesse“ (1968). 1981 veröffentlichte er sein Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“.
Neben Karl Otto Apel gilt Habermas als der wichtigste deutsche Vertreter der Diskurstheorie und der daraus entwickelten Diskursethik. 1999 erhielt Habermas den Theodor-Heuss Preis, 2001 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Jetzt erst einmal etwas zur Entwicklung der Diskurstheorie und zum Ansatz von Jürgen Habermas über Gespräche über umstrittene Normen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Gruppen miteinander konkurrieren (Religionsgemeinschaften, Interessensverbände, Parteien, Medien) und damit auch versuchen, ihre Wertvorstellungen durchzusetzen. Lediglich das Grundgesetz hat mit den Grundrechten eine Wertebasis geschaffen, die man als normativen Minimalkonsens ansehen kann. Eine übergreifende Autorität, die sittliche Normen für alle Bereiche der Gesellschaft formuliert und durchsetzt wie etwa die Kirche oder eine weltliche Herrschaft, gibt es heute nicht mehr. Die wachsende Komplexität der Gesellschaft und ihre zunehmende Differenzierung führen dazu, dass in der Gesellschaft immer mehr Normen umstritten sind. Gespräche über moralische Verhaltensweisen, Vorhaben oder Urteile gehören inzwischen zu unserem privaten Alltag. Ebenso lassen sie sich täglich in der politischen Auseinandersetzung und in den Massenmedien finden.

In solchen Gesprächen versuchen wir, vor allem bei unterschiedlichen Sichtweisen, die eigene Position argumentativ abzusichern und Begründungen der Gesprächspartner für ihre Haltung einzufordern.
Damit gehen wir unausgesprochen davon aus, dass Argumentation zur Klärung umstrittener Normen oder Handlungen sinnvoll und eine Übereinstimmung grundsätzlich möglich ist. Denn sonst wären unsere argumentativen Bemühungen unsinnig/unnötig. Jedoch scheitern solche Aktivitäten manchmal daran, dass die Bedingungen und die Regeln für ein Gespräch, das von allen Beteiligten als erfolgreich angesehen wird, nicht reflektiert und angewandt werden.

Deshalb fordert Jürgen Habermas, über umstrittene Themen einen Diskurs zu führen. Unter diesem Begriff versteht man „eine methodisch strukturierte Abhandlung zu einem eingegrenzten Thema“. Die Diskurstheorie untersucht die Bedingungen solcher kommunikativen Aktionen. Nicht eine übergeordnete Autorität entscheidet, was wahr ist oder nicht, sondern das gilt, was übereinstimmend von den mündigen und vernunftorientierten Beteiligten des Diskurses als wahr herausgefunden wurde.

Nun zur Diskursethik. Wie ihr gerade gehört habt, war Jürgen Habermas der wichtigste deutsche Vertreter der Diskursethik neben Karl Otto Apel.
Die von der Diskurstheorie abgeleitete Diskursethik versucht, die notwendigen Bedingungen und Regeln des Diskurses herauszuarbeiten und verpflichtend zu machen.

In der Diskursethik setzt sich Habermas ausführlich mit der Ethik Kants und besonders dem kategorischen Imperativ auseinander. Dieser Imperativ hat universellen und in gewisser Hinsicht – monologischen Charakter. Das heißt:
Nach dem Imperativ handelt jeder Mensch (auf der Welt) moralisch richtig, wenn er diese unbedingte Forderung erfüllt. Darüber hinaus ist mit dem „Du“ des Imperativs der einzelne rationale und mündige Mensch angesprochen. Er entscheidet für sich, ob es wünschenswert ist, dass sein persönlicher Handlungsgrundsatz („Maxime“ verallgemeinerungsfähig ist, das heißt, für alle verpflichtenden Gesetzescharakter annehmen könnte.

Obwohl Kant die Imperativform wählt, also „Handle so, dass die Maxime deines Handelns zu allgemeinen Gesetzgebung werden könnte“, übernimmt der kategorische Imperativ die Rolle eines Rechtfertigungsprinzips, welches verallgemeinerungsfähige Handlungsnormen als gültig bezeichnet: Was im moralischen Sinne gerechtfertigt ist, müssen alle vernünftigen Wesen wollen können. In dieser Hinsicht sprechen wir von einer formalistischen Ethik.

In der Diskursethik tritt an die Stelle des kategorischen Imperativs das Verfahren der moralischen Argumentation.
Bei Kant ist das Individuum entscheidend, bei der Diskursethik eher die Gruppe.


Damit das Verfahren der moralischen Argumentation gelingt, hat Habermas den kategorischen Imperativ neu formuliert. Dieser heißt nun:
„Statt allen anderen eine Maxime, von der ich will, dass sie ein allgemeingültiges Gesetz sei, als gültig vorzuschreiben, muss ich meine Maxime zum Zweck der diskursiven Prüfung ihres Universalitätsanspruchs allen anderen vorlegen.“ (Grundsatz „U“). Den zweiten Grundsatz, den er formuliert hat nennt er Grundsatz „D“, also das die aufgestellte Maxime die Zustimmung aller am Diskurs beteiligten erhalten muss.

Der Grundsatz „D“, also das Diskursprinzip besagt, dass sozusagen unter den Diskutierenden, unter den Betroffenen eine Einigkeit herrschen muss bezüglich des Themas. Dass sie dem zustimmen können und das auch alle betroffenen zustimmen können. Wir sind ja nicht alle beim Diskurs. Sondern auch die, die betroffen sind und betroffen sein könnten, die vielleicht nicht da sind. Ein Konsens über das Thema, eine Einigung zum Thema muss erzielt werden.

Der Grundsatz „U“, also das Universalisierungsprinzip besagt, dass das was entschieden wird, universalisierbar sein muss, das heißt verallgemeinerbar.
Also können alle mit den Folgen dieser neuen Regel, die eingeführt wird, leben? Können wir das wollen, was hier gerade beschlossen wurde, und zwar in allgemeiner Art, wie es alle so machen. Das sind die beiden Grundprinzipien des Diskurses. Das ist der Kern der Diskursethik.

Nun, die konkreten Regeln, die Habermas für das Verfahren des Diskurses aufstellt, gehen von der Wahrhaftigkeit, Chancengleichheit und Gleichberechtigung der Teilnehmer aus. Damit verbunden sind mehrere Bedingungen für einen erfolgreichen Diskurs: Alle Teilnehmer haben die gleichen Chancen:

- einen Diskurs zu eröffnen
- sich in Rede und Gegenrede, Fragen und Antworten zu äußern
- Behauptungen, Empfehlungen, Rechtfertigungen aufzustellen,
- den Geltungsanspruch von Thesen zu begründen, zu problematisieren oder zu widerlegen,
- ihre Einstellungen, Gefühle und Wünsche zu äußern

Die Diskursethik wird von mehreren Philosophen kritisiert. Sie meinen beispielsweise, dass man metaphysische Grundannahmen (Glauben an Gott, Materialismus) nicht beweisen kann. Das führt dazu, dass Aussagen mit Wahrheitsanspruch zu unendlichen Streitereien führen und das die Diskursethik auf gewaltfreie, ideologie- und glaubensfreie Menschen basiert, unbeeinflusst von ökonomischen Interessen und Medien, was praktisch heißt, dass ein perfekter Diskurs unmöglich ist, da der Mensch nie unbeeinflusst ist aufgrund der Erziehung, der Medien und den ganzen Einflüssen von außen.

Jeder Diskussionsteilnehmer habe den gleichen Einstieg in die Diskussion. Jeder Teilnehmer habe deshalb genau die selbe Chance wie der andere und keiner dürfe dem anderen „untergeordnet“ sein, d.h. Jeder besitzt gleiche Voraussetzungen und auch eine gleiche Überzeugungskraft in der Rede. Kurz: Alle Diskussionsteilnehmer sind gleichberechtigt und auf dem gleichen Wissensstand. Außerdem sei es wichtig, dass man die Wahrheit sage und sein Gegenüber nicht täusche. So herrsche allein der Zwang des besseren Arguments. Habermas zielt auf die ideale Sprechsituation mit den vier Sprechakten, die oben erläutert sind. Am Ende der Diskussion stehe ein Konsens, der für alle Diskussionsteilnehmer vertretbar ist.



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