Suchbegriff:

Deutsche und Österreicher - Ein Volk - Ein Reich - Ein Führer? - Referat



Inhalt

1.Historischer Hintergrund

1.1 Deutsch-Österreichisches Verhältnis 1871-1933

1.2 Aufkommen des Austrofaschismus

1.3 Wachsender deutscher Einfluss

2. „Der Anschluss“

2.1 Das Jahr 1938:.Aus Österreich wird Ostmark

2.2 Die „Donau- und Alpenreichsgaue“ im zweiten Weltkrieg

3. Analyse der Kontroverse

3.1 Österreich – erstes Opfer Hitlers?

3.2 Österreich – Mittäter im Naziregime?

3.3Fazit

4. Österreich heute

4.1 Deutsche und Österreicher heute

5. Literaturverzeichnis



1.Historischer Hintergrund

1.1 Deutsch-Österreichisches Verhältnis 1871-1933

Nach dem Sieg Preußens im Preußisch-Österreichischen Krieg (1866) kam es zur endgültigen Verwirklichung der kleindeutschen Lösung; ein Deutsches Reich ohne die deutschsprachigen Erbländer Österreichs. Trotzdem waren das 1871 ausgerufene Deutsche Kaiserreich und die kaiserliche und königliche Monarchie Österreich- Ungarn fortwährend enge Bündnispartner. Unter Bismarck waren beide Staaten im Zwei- bzw. Dreibund (zusammen mit Italien) und auch nach dem Ende der Bismarck'schen Ära und dem damit verbundenem Zusammenbruch dessen Bündnispolitik blieb Österreich weiter dem Deutschen Reich verbunden. Auch im ersten Weltkrieg, insbesondere mit dem Austeilen der „Blankovollmacht“1 unmittelbar vor dessen Ausbruch 1914, zeigte sich die Deutsch-Österreiche Verbundenheit. Nach der Niederlage im ersten Weltkrieg wurde durch den Friedensvertrag von Versailles die Souveränität Österreichs (ohne Ungarn) festgelegt und durch den Vertrag von Saint-Germain, entgegen dem Selbstbestimmungsrecht des neuen Staates Deutschösterreich, ein Anschluss an das Deutsche Reich untersagt. Ferner wurde der Staatsname „Republik Österreich“ festgelegt.2 Im weiteren Verlauf der Geschichte kam es immer wieder auch zu einzelnen Anschlusswünschen Österreichischer Bundesländer, diese aber nicht zwingend mit dem Deutschen Reich. Diese wurden ebenso von den Siegermächten des ersten Weltkrieges unter Hinweis auf die Bestimmung des Friedensvertrags verboten, wie eine 1931 angestrebte Zollunion mit dem Deutschen Reich.
Innenpolitisch kam es in Österreich, wie auch in der Weimarer Republik, zu immer mehr Gegnern der Republik. 1927 entwickelten sich die Differenzen so sehr, dass es zur äußerst brutalen Julirevolte kam, die mit dem Brand des Wiener Justizpalastes und der daraus resultierenden Überreaktion der Polizei, die sich mit Schüssen auch auf teils Unbeteiligte verteidigte, ihren Höhepunkt fand. Die Krisen in Österreich nahmen nicht ab,was 1933 zur Abschaffung des Parlamentarismus durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß führte. Die NSDAP, drohende Gefahr der nun regierenden VF (Vaterländliche Front) wurde, im Rahmen einer Verbotswelle, die unter anderem auch die KPÖ betraf, am 19.Juni 1933 verboten. Mit der Machtergreifung Hitlers im Deutschen Reich wurde „das Ziel eines Zusammenschlusses mit dem nunmehr nationalsozialistischen Deutschen Reich aus dem Parteiprogramm“3 gestrichen.

1 Vgl. Westermannverlag, Horizonte II, Geschichte für die Oberstufe, S.231
2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Saint-Germain
3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus#Erste_Republik

1.2 Aufkommen des Austrofaschismus

Nachdem die gesamte Opposition ausgeschaltet war, konnte die Vaterländliche Front der Regierung alle National- und Bundesratlichen Befugnisse übertragen. Damit war
der Weg für einen austrofaschistischen Ständestaat geebnet, welcher mit der Maiverfassung vom 01.05.1934 auch offiziell wurde. Formal wurde aus der „Republik“ ein „Bundesstaat“. Obwohl man sich stark am italienischen Beispiel Mussolinis orientierte und den deutschen Nationalsozialismus mehr als Bedrohung ansah, erscheinen viele Parallelen mit eben diesem. Ziel war die Durchsetzung eines autoritär geführten Staates mit Unterwerfung von Individuen. Die im Deutschen Reich als Einheitspartei geführte NSDAP fand im Austrofaschimus in der VF ihr Pendant.


1.3 Wachsender deutscher Einfluss

Im Jahre 1934 kam es zum Juliputsch. Nationalsozialisten drangen in das Bundeskanzleramt in Wien ein und erschossen Engelbert Dollfuß. Des Weiteren wurde eine Falschmeldung verbreitet, wonach Dollfuß abgedankt habe und Anton Rintelen sein Nachfolger sei. Dieser Putsch wurde zunächst brutal zerschlagen. Die deutsche Regierung erklärte, nichts mit dem Putschversuch zu tun zu haben und versuchte in der Folge, Vertrauen mit dem Nachbarstaat aufzubauen. Nachdem der italienische Diktator Mussolini sich Adolf Hitler annäherte, verlor Österreich ihren wichtigsten Verbündeten, eine eigene Annäherung an das nationalsozialistische Deutsche Reich schien unausweichlich. Kurt Schuschnigg, Nachfolger Engelbert Dollfuß', wollte weiterhin die Souveränität Österreichs wahren, verpflichtete sich aber Vertrauensleute der Nationalsozialisten in die Regierung einzuschleusen. Spätestens ab 1937 wurde deutlich, dass eine Annexion Österreichs aus deutscher Sicht nur noch eine Frage der Zeit war.4 Hitlers Forderung, dass „Deutschösterreich wieder zurück zum deutschen Mutterlande muß“5 stand also kurz vor seiner Vollendung.

4 vgl. Garscha, Winfried R., Der Weg zum „Anschluss“, Siegwald Ganglmair, Oskar Achs, Wien 1988
5 Maser, Werner, Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Geschichte, Auszüge, Kommentare. 8. Auflage, Bechtle, Esslingen 1995

2. „Der Anschluss“

2.1 Das Jahr 1938: Aus Österreich wird Ostmark

Mit Vertrauensleuten in der Regierung und Mussolini als wichtigen Bündnispartner
war sich Hitler bewusst, dass sich sein Ziel eines großdeutschen Reiches der Vollendung näherte. Als spätesten Zeitpunkt sah er zunächst 1943 vor. Seiner Sache sicher drohte Hitler damit, mit der Wehrmacht über die österreichischen Grenzen zu marschieren, sollte das Parteiverbot der NSDAP in Österreich nicht aufgehoben werden. Schuschnigg, im Glaube, so die Unabhängigkeit Österreichs zu gewährleisten, beugte sich Hitlers Willen und ernannte außerdem den Hitlernahen Arthur Seyß-Inquart als Innenminister, der in dieser Rolle die Kontrolle über die Polizei Österreichs hatte. Am 13.März 1938 sollte laut Schuschnigg ein Volksabstimmen stattfinden, welches die Frage nach einem „freien und deutschen, unabhängigen und sozialen, christlichen und einigen Österreichs“ beantworten sollte. Hitlers Reaktion war die sofortige Mobilmachung der schon länger für den Einmarsch vorgesehenen 8.Armee, da die Befürchtung einer Ablehnung des „Anschlusses“ wuchs. Zwei Tage vor der vorgesehenen Abstimmung, am 11.März 1938, wurde auf Druck der deutschen Reichsregierung zunächst eine Absage beschlossen, im weiteren Tagesverlauf erzwang man die Abdankung Schuschniggs als Bundeskanzler. Sein Nachfolger wurde Seyß-Inquart. Einen Tag später marschierten knapp 65.000, teils schwer bewaffnete deutsche Soldaten über die Grenze und wurden dort, auch zur eigenen Verwunderung, mit Jubel empfangen. Per Flugzeug landete der Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Wien, um dort die endgültige Übernahme der Polizei durchzuführen. Der 13.März 1938 ging dann als eigentlicher Tag des „Anschlusses“ in die Geschichte ein, in der zweiten Kabinettssitzung der Regierung Seyß-Inquart wurde das „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ verabschiedet. Zwei weitere Tage vergingen, bis Adolf Hitler „[...] den Eintritt [s]einer Heimat in das Deutsche Reich“6 auf dem Heldenplatz in Wien verkündete.
Rein Formal ließ sich Hitler die Vereinigung noch mit einer Volksabstimmung bestätigen. Am 10.April 1938 stimmten im Deutschen Reich, dem Altreich, 99,08% für den Anschluss, in Österreich, von nun an als Ostmark bekannt, waren es 99,73%. Von nun an waren Österreicher offizielle Bürger des Deutschen Reichs.

6 Vgl. Domarus, Max: Hitlers Reden von 1932 bis 1945, Dortmund, Löwit Verlag, 1971


2.2 Die „Donau- und Alpenreichsgaue“
im zweiten Weltkrieg

Jeglicher Hinweis auf eine historische Existenz Österreichs sollte ausgelöscht werden, da Österreich Hitlers Wortlaut zufolge eine „Mißgeburt der Geschichte“7 sei. Die Bezeichnung Ostmark wurde schon 1942 durch „Donau- und Alpenreichsgaue“ abgelöst. Diesen Namen sollte Österreich noch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges beibehalten. Das ehemalige Österreich wurde nach deutschem Muster neu organisiert: Alle Reichsgaue unterstanden direkt der Berliner Zentralbehörde. Erschreckend erscheint die Tatsache, dass die Diskriminierung, Entrechtung und Beraubung der jüdischen Bevölkerung, die im Deutschen Reich Schritt für Schritt über 5 Jahre durchgeführt wurde, innerhalb weniger Wochen nachgeholt wurden. Konkrete Luftangriffe auf Österreichischem Boden fanden erst ab August 1943 statt, da es, aufgrund der großen Entfernung zur Front in dieser Hinsicht gut geschützt war. In der unmittelbaren Umgebung Wiens war der Krieg bereits Mitte April 1945 beendet, lediglich abgelegenere Landesteile blieben noch bis Mai von den Alliierten unbesetzt.
Schon 1943 wurde von den Kriegsgegner des Dritten Reichs in der Moskauer Deklaration erklärt, dass „Österreich nach Kriegsende wieder als eigenständiger, von Deutschland unabhängiger Staat errichtet werden“8 sollte. Gleichzeitig wurde hier Österreich als „erstes Opfer der Aggression Hitlers“ angesehen; aber auch auf die „Mitverantwortung“8 vieler Österreicher für die Taten des Regimes wurden festgehalten.

7 http://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss_%28%C3%96sterreich%29#Eingliederung_in_das_.E2.80.9EGro.C3.9Fdeutsche_Reich.E2.80.9C
8 http://de.wikipedia.org/wiki/Moskauer_Deklaration#.C3.96sterreich

3. Analyse der Kontroverse

3.1 Österreich: erstes Opfer Hitlers?

Schon 1943 wurde in der Moskauer Deklaration festgeschrieben, dass „Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll.“8 Fakt ist auch, dass sich Österreich ab der Machtergreifung Hitlers zunächst dem nationalsozialistischen Deutschen Reich gegenüber abgeneigt war und sich letztendlich dem „Heim ins Reich“-Wahn Adolf Hitlers ergeben musste. Die im gesamten Großdeutschen Reich durchgeführte Volksabstimmung stellte nur eine pseudodemokratische Fassade dar; etwa 400.000 Gegner des Regimes (vorwiegend Juden) waren von der Abstimmung ausgeschlossen. Ferner wurden durch dadurch auch dem Nationalsozialismus eher fern stehende Bevölkerungsgruppen angesprochen und „emotional in das Regime integriert“9 Aber es gab auch Widerstandskämpfer, die mutig genug waren, sich dem totalitären Regime entgegen zu stellen. Grob lässt sich hier zwischen zwei Lagern unterscheiden: die organisierten Arbeitergruppen und die Kommunisten Österreichs. Widerstand wurde zunächst auf politische Tätigkeiten, wie etwa der Bildung von Organisationen und Verbreitung von Propaganda, beschränkt, erwies sich aber mehr als verlustreich, denn als wirksam. Auch die eigentlich verbotene KPÖ arbeitete im Untergrund weiter und forderte „die Wiederherstellung eines freien und demokratischen Österreichs“ Revolutionäre oder klassenkämpferische Ziele wurden erstmal in den Hintergrund verschoben. Auf propagandischem Gebiet war der kommunistische Widerstand der aktivste. Auch Verhaftungen und gar Todesurteile konnten den Widerstand nicht brechen. Der aktive sozialistische Widerstand beschränkte sich eher auf die Hilfe von Flüchtlingen. Zwar wurde offiziell ein „Nein“ bei Hitlers Volksabstimmung ausgerufen, doch sollte der „Anschluss“ an das Deutsche Reich zunächst nicht rückgängig gemacht werden, viel mehr sollte das nationalsozialistische Großdeutsche Reich in ein sozialistisches Deutschland umgewandelt werden.

9 Tomkowitz, Gerhard: Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Der 'Anschluß' Österreichs 1938, Piper Verlag, 1988

3.2 Österreich: Mittäter im Naziregime

Neben der Festhaltung als erstes Opfer Hitlers wurde in der Moskauer Deklaration aber auch an eine „Verantwortung an der Teilnahme am Krieg an der Seite Hitler- Deutschlands“8 erinnert. Österreich selbst eine Mitschuld am Krieg zu geben, ist allerdings falsch, da der Staat Österreich de facto nicht mehr existierte. Überproportional hoch war dagegen der Anteil Österreicher in leitenden Positionen des Regimes. Bekannte Kriegsverbrecher aus Österreich waren Arthur Seyß-Inquart, der als Bundeskanzler den „Anschluss“ ausübte, Irmfried Eberl, zunächst Leiter der „Euthanasie“-Anstalten in Brandenburg, später erster Leiter des Vernichtungslagers Treblinka, Odilo Globocnik, SS-Obergruppenführer und Generalleutnant der Polizei und Adolf Eichmann, Leiter des Reichsicherheitshauptamtes, welche für dieVertreibund und Deportation von Juden zuständig war.

3.3 Fazit

Es ist schlicht nicht möglich; eine definitive Antwort, ob Österreich Opfer oder Mittäter ist, lässt sich nicht geben. Man kann nicht jeden Österreicher, genauso wenig wie jeden Deutschen verurteilen, Schuld an den geschehenen Taten zu haben. Der Wunsch nach einem Großdeutschen Reich war in Österreich definitiv vorhanden, allerdings distanzierte man sich eben auch zunächst von der nationalsozialistischen Politik Hitlers. Der „Anschluss“ selbst war auf Druck des Deutschen Reiches schließlich doch durchgeführt worden und fand im Groß der Bevölkerung zunächst auch großen Andrang, da so endlich wieder ein Mitwirken auf europäischer Bühne, was so nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr möglich war, erhofft wurde. Allerdings sollten die vielen österreichischen Kriegsverbrecher nicht verschwiegen werden. Österreich ist, wie schon in der Moskauer Deklaration verlautbart, sowohl Opfer als auch Mittäter.















4. Österreich heute

Mit der Niederlage des Großdeutschen Reiches im zweiten Weltkrieg wurde Österreich als unabhängige, gewaltenteilende, repräsentative, parlamentarische und föderalistische Demokratie wiederhergestellt. Karl Renner proklamierte als provisorischer Staatskanzler die „Wiedervereinigung der zweiten Republik“. Am 27.Juli 1955 erlangte Österreich mit einem Bekenntnis zur Neutralität und der Verpflichtung, keinen erneuten Anschluss an Deutschland anzustreben die vollständige Souveränität. Im Dezember trat Österreich der UNO bei. Die 1955 beschlossene Neutralitätspolitik wurde nach dem Beitritt Österreichs in die EU gelockert, da nun Bündnissen mit den Partnern der EU nicht mehr auszuweichen sind. 2002 wurde der Euro als Währung eingesetzt. Österreich gilt, auch ohne große Akzeptanz im eigenen Land, als äußert aktiv in der politischen Mitarbeit der EU.



4.1 Deutsche und Österreicher heute

Deutschland und Österreich verbindet in der Gegenwart neben der gemeinsamen EU- Mitgliedschaft auch die direkte Nachbarschaft und die gemeinsame Sprache. Beide Staaten sind in politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen eng miteinander verknüpft, da sich eine Vielzahl ähnlicher politischer wie auch sozialen Herausforderung gebildet haben. Generell wird eine zwischenstaatlich vertrauensvolle Beziehung unterhalten.












5. Literaturverzeichnis

Fachbücher:

Bahr, Frank (Hrsg.): Horizonte II, Geschichte für die Oberstufe, Von der Französischen Revolution bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, Braunschweig 2006, Westermann Verlag
Domarus, Max: Hitlers Reden von 1932 bis 1945, Dortmund 1971, Löwit Verlag
Garscha, Winfried R., Der Weg zum „Anschluss“,Wien 1988, Siegwald Ganglmair Verlag
Maser, Werner, Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Geschichte, Auszüge, Kommentare. 8.Auflage,Esslingen 1995, Bechtle Verlag
Tomkowitz, Gerhard: Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Der 'Anschluß' Österreichs 1938, 1988, Piper Verlag

Internetadressen:

http://de.wikipedia.org/

http://www.doew.at/

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Startseite.html

http://www.galerien.mediathek.at/




Kommentare zum Referat Deutsche und Österreicher - Ein Volk - Ein Reich - Ein Führer?: