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Dekorative Elemente im multimedialen Lernen - Referat



In der Praxis hat sich für Lehrkräfte die kombinierte Anwendung von Text und Bild, zur Dekoration von Lernmaterialien, als beliebtes Stilmittel etabliert. Statt Lerntexte für sich alleine stehenzulassen, werden diese gemeinsam mit Grafiken dargeboten, mit dem Ziel, dass diese einen positiven Lerneffekt auf Lernende haben. Doch stimmt es, dass Bilder die Lernleistung steigern? Und was versteht man unter dekorativen Elementen, die in vielen Lernmaterialien wiederzufinden sind?

Aus Studien geht hervor, dass Lernende mit verbalen und bildlichen Darstellungen besser lernen, als nur mit verbalen Repräsentationen (Mayer, 2010). Carney und Levin (2002) weisen auf fünf unterschiedliche Funktionsweisen von Bildern hin, wovon vier das Lernen direkt unterstützen sollen: Repräsentation, Organisation, Interpretation und Transformation. Die fünfte Funktion bezieht sich auf den dekorativen Aspekt von Bildern und beinhaltet keine Relation zum Inhalt des Lernmaterials. Schneider (2017) ordnet Bilder, die für das Unterrichtsziel relevant sind, den sogenannten informativen Bildern zu, wohingegen Bilder, bei denen dieser Bezug fehlt, den dekorativen Bildern zugeordnet werden. Dekorative Bilder sind Elemente innerhalb von Lernmaterialien, die für das wesentliche Lernziel irrelevant sind und primär einen ästhetischen Zweck erfüllen (Takahashi, 1995). Wenn Bilder also lediglich darauf ausgerichtet sind, das Lernmaterial ästhetisch ansprechend zu gestalten, statt lernrelevante Informationen zu vermitteln, handelt es sich um dekorative Elemente. Daraus wird folgende Definition abgeleitet: Dekorative Elemente sind visuelle Elemente eines Lernmaterials, die keinen (meta-)kognitiven Zweck erfüllen (irrelevant für das Lernziel), sondern eher zur Steigerung der Ästhetik oder des Interesses dienen.

Wie Wirkung dekorative Elemente aber nun in der Praxis? Dekorative Bilder können die kognitive Belastung und Ablenkungstendenz von Schülern erhöhen und somit deren Lernleistung beeinträchtigen (Harp & Mayer, 1998). In der Studie von Harp und Mayer (1998) waren eingesetzte Bilder für das eigentliche Lernziel irrelevant, regten aber das Interesse der Schüler an. Der Wirkung dekorativer Bilder und der Seductive-Detail-Effekt, der besagt, dass interessante, aber für das eigentliche Lernthema irrelevante oder unwichtige Zusätze die Lernleistung verschlechtern, wurden bisher zahlreich untersucht und von Rey (2012) in einer Meta-Analyse zusammengefasst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Behaltens- und Transferleistung, durch Einbindung seduktiv wirkender Bilder, negativ beeinflusst wird (Rey, 2012). Ein Beispiel für die Wirkungsrichtung zeigen Harp und Mayer (1998), in deren Experiment einem Lerntext dekorative Illustrationen hinzugefügt wurden. Probanden mit dekorativen Bildern schnitten schlechter in der Lernleistung ab, als deren Vergleichsgruppe ohne dekorative Bilder. Bartsch und Cobern (Studie 2; 2003) konnten diesen Befund anhand eines experimentellen Aufbaus mit PowerPoint-Folien untermauern. Probanden lernten mit PowerPoint-Folien, die entweder nur Text, Text und relevante Bilder oder Text und irrelevante Bilder enthielten. Jene Versuchspersonen, deren Lernmaterial irrelevante Bilder enthielten, schnitten in der Lernleistung am schlechtesten ab (Bartsch & Cobern, 2003). Weiterhin fanden
Sanchez und Wiley (2006) heraus, dass dekorative Bilder die Aufmerksamkeit von Lernenden ablenkt. Außerdem konnte aufgezeigt werden, dass dekorative Bilder für Lernende mit geringem Vorwissen besonders beeinträchtigend wirken (Magner et al., 2014).

Mayer, R. E. (2010). Learning with technology. In H. Dumont, D. Istance & F. Benavides (Hrsg.), The nature of Learning: Using research to inspire practice, educational research and inno-vation. Paris: OECD Publishing.
Carney, R. N. & Levin, J. R. (2002). Pictorial illustrations still improve students' learning from text. Educational Psychology Review, 14(1), 5-26.
Schneider, S. (2017). The impact of decorative pictures on learning with media (Dissertation). Technische Universität Chemnitz, Chemnitz, Deutschland.
Takahashi, S. (1995). Aesthetic properties of pictorial perception. Psychological Review, 102, 671-683.
Harp, S. F. & Mayer, R. E. (1998). How seductive details do their damage: A theory of cognitive interest in science learning. Journal of Educational Psychology, 90, 414-434.
Rey, G. D. (2012). A review of research and a meta-analysis of the seductive detail effect. Educa-tional Research Review, 7, 216-237.
Bartsch, R. A. & Cobern, K. M. (2003). Effectiveness of PowerPoint presentations in lec-tures. Computers & education, 41(1), 77-86.
Sanchez, C. A. & Wiley, J. (2006). An examination of the seductive details effect in terms of working memory capacity. Memory & Cognition, 34, 344-355.
Magner, U. I., Schwonke, R., Aleven, V., Popescu, O. & Renkl, A. (2014). Triggering situational interest by decorative illustrations both fosters and hinders learning in computer-based learning environments. Learning and Instruction, 29, 141-152.



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