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Bildinterpretation „Susanna und die Alten“ - Referat




Grundlage meiner Interpretation ist das Gemälde „Susanna und die Alten“ von Jacopo Tintoretto. Es wurde um 1557 mit Öl auf eine 146,6x193,6cm große Leinwand gemalt. Tintoretto selbst wurde im Jahre1518 in Venedig geboren und starb im Mai 1594 im Alter von 76 Jahren. Sein Name war eigentlich Jacopo Robusti, doch da sein Vater „tintore“, ein Tuchfärber war, gab man ihm schon früh den Beinamen Tintoretto, welchen er als Künstlername benutzte. Seine Anfänge suchte er als Malereischüler in der Werkstatt von Tizian, dem damals namhaftesten Meister Venedigs, er wurde jedoch wegen seiner unterscheidenden Ausdrucksart, die Tizian anscheinend mißfiel, nach wenigen Wochen hinausgejagt. Von Anfang an suchte er beharrlich nach Ausdrucksmitteln, die ihm selbst die unvergleichliche Kunst Tizians nicht zu geben vermochte. Nach vielen mühseligen Versuchen gelangte er zur Bestätigung seines individuellen Stils. Mit 21 war er ein selbstständiger Meister. Sein 1. dokumentarisch belegtes Werk stammt von 1540. Er schuf hauptsächlich mythologische Bilder und Porträts. Das Gemälde „Susanna und die Alten“ gehört zur Malerei der Hochrenaissance, des Cinqueccento. Es stellt eine nackte Dame als Hauptperson dar. Sie hält sich in einem Garten wahrhaft manieristischer Prägung auf, inmitten kunstvoller Rosenhecken, zahmer Tiere und verstreuten kostbaren Gegenständen, ein Ambiente, vergleichbar den Beschreibungen der Dichtung dieser Zeit, in der die Farben von Blumen und der Glanz von Kleinodien die unvergleichliche Schönheit einer großen Dame unterstreichen sollten. Im Gegensatz zu Tizian stellte Tintoretto schöne Frauen nicht allzu häufig dar. Seine Susanna ist ein kräftiges, muskulöses Mädchen aus dem Volk. Er bemühte sich, den Zauber einer aristokratischen Schönheit Venedigs wiederzugeben: den herrlichen, hellhäutigen Körper, das komplizierte Geflecht der Frisur, das subtile Profil und die Zeichnung der versonnen blickenden Augen. Man verglich diese Susanna mit einer „schimmernden großen Perle“. Sie ist eine Gestalt, die eigenes Licht auszusenden scheint. Zwar gehört sie zu der oft dargestellten Rasse von Venezianerinnen, aber trotz körperlicher Üppigkeit und der Fülle blonder Haare ruft sie einen ganz anderen Eindruck hervor, sie ist lyrisch, ruhig und rein, versunken in Betrachtungen ihrer Schönheit und gleichzeitig auf das Rauschen der Blätter und auf das Plätschern des Wassers, des Teiches im Hintergrund, lauschend. Sie scheint geboren in ihrem paradiesischem Garten. Während sie ein Bein erholsam im wohl kühlen Wasser des kleinen Teiches baumeln läßt, winkelt sie das andere an, um mit ihrer einen Hand den Fuß sanft zu berühren. In der anderen Hand hält sie weißen, seidenen Stoff, vorstellbar, dass dieser zu ihrer edlen Bekleidung, der sie sich ja, wie ihrem Schmuck, entledigt hat, gehört. Dies stellt den Hauptteil des Bildes dar, welcher scheinbar durch eine Rosenhecke abgetrennt ist. Somit füllen die Gestalt der Susanna, ihr eingenommener Platz, der Hintergrund, mit dem Teich und Bäumen, und die Rosenhecke nur etwa ¾ der gesamten Bildfläche. Das Bildnis der Dame und ihrer Gegenstände ergibt eine Dreieckskomposition und damit ein für diese Zeit typisches Stilmittel, die bildliche Abtrennung dieses Bereiches ist jedoch äußerst untypisch. Außer der Dame zeigt das Bild noch zwei weitere Personen, die den Eindruck der ruhigen Einsamkeit für Susanna jedoch nicht stören. Es sind 2 alte Männer, die sie versuchen zu beobachten, jedoch einen gesengten Blick und eine zurückhaltende Stellung zeigen, da sie wahrscheinlich beabsichtigen, nicht entdeckt zu werden. Obwohl sie weite, rote Gewänder, die den umgehängten Tüchern von Geistlichen ähneln, tragen, sehe ich keinen
erstrangigen biblischen Bezug, da die beiden spionierenden Greise abseits erscheinen, so dass eine spannungsvolle Handlung nicht beabsichtigt erscheint. Trotzdem scheinen beide weniger die Natur, mehr die Anwesenheit der nackten Schönheit zu genießen. Tintoretto verzichtet in diesem Bild auf starke Beleuchtungseffekte. Zerstreutes goldfarbenes Licht läßt aus dem Halbdunkel die Umrisse des weiblichen Körpers und die Silhouetten der Bäume hervortreten; es erlischt in den grünlichen, feuchten Schatten des Gartens und entzündet sich erneut im Widerschein auf der dunklen Tafel des Teiches, der matten Oberfläche des Spiegels und den Wölbungen des silbernen Salbgefäßes. Der helle Farbton Susannas Haut strahlt förmlich und zeigt sie als Hauptperson an. Die realistische Perspektive ermöglicht dem Betrachter, die wahre Größe des Gartens wahrzunehmen, der weitaus größer erscheint als das dargestellte Fleckchen. Das Bild läuft nach hinten in einen gemeinsamen Fluchtpunkt zusammen und erzeugt so den angesprochenen Eindruck von Weite. Die Konturen sind bei den Personen und den Gegenständen der Dame besonders scharf und heben diese hervor, hingegen sind die Umrisse einzelner Naturelemente unschärfer und verursachen daher eine Einheit der zusammenhängenden Bestandteile von Bäumen, Hecke, Büschen und Gräsern. Das Wasser wirkt klar und ruhig, es reflektiert die Umgebung und das einfallende Licht, was an der Färbung zu merken ist. Als Gesamtbild erzeugt das Gemälde einen schönen, sehr ruhigen, einsamen, jedoch wohligen und natürlichen, wie paradiesischen Eindruck. Alle dargestellten Lebewesen erscheinen in Harmonie und in vollkommener Zufriedenheit, sowohl die genießende und sich betrachtende Schönheit, als auch die Schönheit beobachtenden Greise, sowie die lebendige und doch Ruhe schenkende Natur und die zahmen Tiere, die in ihr leben und sich von menschlichen Besuchern nicht stören lassen. Bildnisse einer oder mehrerer schöner auch nackter Damen, die von Männern umringt werden, waren damals nicht ungewöhnlich, eher häufig. Zahlreiche Gemälde der Venus und anderer weiblicher Schönheitsideale schmückten die Malerei der Renaissance. Auch gab es Bilder auf denen die Männer nicht nur beobachtet haben, sondern auch die Damen berührten oder gar beglückten, daher war dieses Bild wohl kaum etwas neues für die damalige Gesellschaft. Eher konnte es mit seiner wunderschönen Naturdarstellung und dem kräftigen Ausdruck beeindrucken.

Dieses Referat wurde eingesandt vom User: herrlocke




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