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Bildanalyse zu dem Gemälde - Referat



Bildanalyse zu der Farbwirkung von „Herbstmeer VII“ (1910) Emil Nolde

Das von dem expressionistischen Maler Emil Nolde erstellte Ölgemälde „Herbstmeer VII“ aus 1910 ist eine auffällige und farbenfrohe Landschaftsdarstellung.
Es zeigt ein Meer und einen bewölkten Himmel, welcher etwa 2/3 des Bildes einnimmt. Beide verlaufen in den Hintergrund und treffen sich am Horizont.

Im Vordergrund wurde sehr viel gelb verwendet, im Hintergrund überwiegend dunkle Rottöne, was aber nicht die Farbintensität verringert.

Durch die mit gelb umrandeten Wolken, scheint es so, als ob die Sonne an ihnen vorbeistrahlt und sich dann etwas dunkler im Meer wiederfindet. Dies wird verstärkt, durch die überwiegend warmen Farben, die Nolde in seinem Gemälde verwendet hat. Rot und gelb dominieren und auch der violette Hintergrund wurde so gemischt, dass er trotz seines eigentlich kalten Ansehens, warm erscheint und sich den anderen Farben anpasst. Auf grün wurde ganz verzichtet und mit schwarz, weiß und blau wurden einige wenige Akzente am Himmel und in dem bewegten Meer gesetzt. Höchstwahrscheinlich ist ein wenig grün in den pigmentären Mischungen vorhanden, wenn der Künstler nicht ausschließlich mit Primärfarben gearbeitet hat.

Grüntöne würden vielleicht auch zu sehr an Frühling und Frische erinnern, wo hingegen diese angewandten Farben den berüchtigt bunten Herbst darstellen, welcher im Titel benannt ist. Man könnte denken, dass der Künstler sich von Laub hat inspirieren lassen. Laub steht im Gegensatz zum frischen Frühling, welcher für das Wachsen und Neuanfänge steht, für altes, Vergänglichkeit und Tod, da die abgestorbenen Blätter im Herbst zu Boden fallen. Viel rot in einem Bild kann aggressiv wirken, gilt aber auch oft als allegorische Darstellung des Todes. Auch die Tatsache, dass hier ein Sonnenuntergang zu sehen ist, was an dem dunklen Abendhimmel erkenntlich wird, zeugt von Vergänglichkeit, etwas Schönem das vorbei geht. Hier hat der Künstler es aber geschafft, die Farbe so zu nutzen, dass es nichts schlechtes ein muss, sondern eher so, die letzten Momente, welche die schönsten sind, zu genießen, bevor die Sonnen vollständig weg ist. Der verwendete dunkle Rotton gibt die die Wärme des Sonnenlichtes wieder. Ein helleres rot würde aggressiv sein und an eine Warnfarbe erinnern.

Obwohl die Farben sehr intensiv sind, gibt es keine großen ausgefüllten Flächen. Eine Farbe wird durch hell und dunkel abgestuft, um dies zu verhindern. Dies deutet darauf hin, dass sie gemischt sind und diese eigenständige Buntheit erst auf der Leinwand erzeugt wurde. Im hinteren Bereich des Meeres wurde zum Beispiel dunkelrot eingesetzt, und weiß, welches nur an wenigen Stellen richtig weiß ist, weil es sich zu einem hellen rosa vermischt.

Die Objekte werden mit dem natürlichem Sonnenlicht beleutet, allerdings wird es an einigen Stellen durch z.B. Wolken abgedeckt. An den Wellen im Wasser sind Schatten erkennbar, an den Punkten, wo das Licht nicht hingelangen kann.

Der pastose Farbauftrag verstärkt diese Wirkung. Das ewig bewegte Meer, aber auch die brausenden Wellen und die wandelnde Wolkenformation werden nicht nur durch die Schatten sichtbar, sondern auch durch die dynamische lebhafte
Pinselführung. Der dicke Farbauftrag trägt außerdem dazu bei, dass die Distanz zwischen Bild und Betrachter verringert wird. Der Farbenreichtum des Meeres, welches das andere Drittel des Gesamten einnimmt, vertieft dies und macht das Bild interessant. Der Betrachter wird inmitten des Geschehen befördert, auf das Meer mit dem Blick in die unendliche Weite.

Diese Weite wird auch durch Linienführung zum zentralen Punkt am Horizont ermöglicht. Diese Anwendung verstärkt außerdem die Leuchtkraft der Farben, was einer der Hauptmerkmale dieses Gemäldes ist.

Auffällig sind auch die kontrastreichen Übergänge, die durchaus wichtig für das Gemälde sind und räumliche Wirkung erzeugen. Besonders der Komplementärkontrast zwischen dem blau-violetten Himmel, der in den Hintergrund rückt und die gelb umrandeten Wolken nach vorne lotst. Dieser Warm-Kalt-Kontrast ist der einzige in dem Kunstwerk, was es aber noch farbiger erscheinen lässt. Auch an dem Punkt beim Horizont, an dem der Himmel und das Meer gleichzeitig aufeinandertreffen und ineinander übergehen, wird dies mit Hilfe des Kontrastes aufgezeigt. Der Himmel hat intensive, auffällige Farben, welche sich im Wasser erneut zeigen, aber vermehrt gemischt sind und kleinflächiger aufgetragen wurden. Hier wirken eher die Helligkeits-Kontraste.

Das Meer zeigt auch einige Richtungskontraste in den Linien, besonders an den Stellen, wo Wellen aufeinanderstoßen.

Die Farbe rot dominiert eindeutig in dem Bild, aber genau durch diese Abstufungen erscheint es viel bunter.

Die kurzen Linien, die enden bevor eine neue Farbe beginnt, tragen außerdem dazu bei. Der Blick des Betrachters wird von der rechten unteren Ecke quer über das Bild bis zum linken Horizont gelenkt und von dort aus quer zurück über den ganzen Himmel. Besonders die schrägen teilweise ausschwellenden Linien machen das Ganze lebendiger.
Die Farben insgesamt haben eine bewusst ästhetische und in Szene gebrachte Wirkung, welche nicht die Wirklichkeit zeigen, sondern das Empfinden beim Betrachten des Realen. Dadurch wirkt es in der Farbgebung an einigen Stellen leicht übertrieben, aber harmonisch im Zusammenhang des Ganzen.




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