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Beobachtung einer Gorillafamilie - Referat



Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Leben des Gorillas
1.1. Die Lebensweise in freier Wildbahn
1.2. Das Verhalten des Gorillas
1.2.1. Das Balzverhalten
1.2.2. Das Fortpflanzungsverhalten
1.3. Die Ernährung
1.4.1. Sprache des Gorillas
2. Beobachtungen ausgewählter Tiere

2.1. Einleitung
2.2. Population des Geheges
2.3. Verhalten der Mutter und des Kindes
3. Auswertung
4. Vergleich der Beobachtungen im Zoo
mit Literatur
5. Fazit
Ist die Verhaltensbeobachtung von
Menschenaffen im Zoo für eine
Facharbeit geeignet?
1. Einführung in das Leben des Gorillas
Es gibt 3 Arten von Gorillas:
Der westliche Flachlandgorilla ( Gorilla gorilla gorilla ) lebt am Golf von Guinea zwischen dem Niger und dem Kongo.
Der östliche Flachlandgorilla ( Gorilla gorilla graueri ) ist am östlichen Rand des Kongobeckens in Zaire angesiedelt.
Der Schwerpunkt dieser Facharbeit liegt jedoch bei dem Berggorilla ( Gorilla gorilla beringei ). Dieser bewohnt die nebelfeuchten Wälder Afrikas in 2000 – 4000m Höhe.

1.1. Die Lebensweise in freier Wildbahn
Da die Rodung des Regenwaldes und die Gorillajagd zunehmen, gibt es zur Zeit einen Berggorillabestand von 630 Tieren. Die Virunga Mountains sind ein geeignetes Rück-zugsgebiet der Berggorillas, denn dort gibt es regendurchweichte, in Wolken gehüllte Berghänge, flechtenbehangene Bäume und ausreichend Verstecke für ihre Schützlinge. Sie leben in Familienverbänden von 3 bis über 30 Tieren zusammen. Als Anführer ist der Silberrücken, das älteste und erfahrenste Männchen, bekannt. Er bestimmt den Tages-ablauf, sucht die Futterplätze aus und schaut sich nach Schlaf- und Rastplätzen um. Unter dem Silberrücken stehen 3 –7 Weibchen mit ihren Kindern und Halbwüchsigen. Die Stillzeit der Jungtiere liegt bei 4 Jahren, nachdem die Mutter sie 8,5 Monate getragen hat.
Die Weibchen sind mit 10 Jahren ausgewachsen und werden ca. 1,50m ( im Stand ) groß und 140kg schwer. Die Männchen sind mit 15 Jahren ausgewachsen, sie werden bis zu 2m
(im Stand) groß und 260 kg schwer, wohlgenährte Tiere in Gefangenschaft erreichen sogar 350 kg. Die Armspannweite übertrifft die Körperlänge und kann bis zu 2,75 m betragen.

1.2. Das Verhalten des Gorillas
Unter idealen Lebensbedingungen, wie beispielsweise eine ausreichende Pflanzenwelt, führen Gorillas in freier Wildbahn ein geruhsames Leben. Sie nehmen den halben Tag nur Nahrung zu sich, die andere Hälfte des Tages ruhen sie. Ist das Nahrungsangebot reichlich vorhanden, beträgt die Fresswanderung täglich nur 500 bis 1000 Meter. Das Wohngebiet, in dem sie sich bewegen, misst im Jahr nur 5 bis 10 Quadratkilometer.

1.2.1. Das Balzverhalten
Gorillas bleiben nur selten in ihren ursprünglichen Gruppen zusammen. Wenn benachbarte Gruppen aufeinander treffen, läuft die Begegnung meist ruhig ab. Die erwachsenen Tiere fressen nebeneinander und Jungtiere spielen miteinander. Gorillamännchen verlassen ihre Familien; wenn sie 10 Jahre alt sind, versuchen sie sich eine neue aufzubauen, indem sie alleine umherziehen und Weibchen aus anderen Familien abwerben. Auch Gorilla-weibchen verlassen ihre Familien und schließen sich entweder den umherziehenden Männ-chen an oder sogar den benachbarten Familien; so kann es durchaus vorkommen, dass es bei Nachbarschaftstreffen zu Kämpfen kommt. Einzelgängerische Männchen können nur Weibchen gewinnen, jedoch keine verlieren. Der Silberrücken hat die Verantwortung und das Pflichtbewusstsein auf seine Jungtiere Acht zu geben, indem er in ritualisierten Gebärden und Lauten seine Kraft ausdrückt.

1.2.2. Das Fortpflanzungsverhalten
Geschlechtsreif sind Gorillamännchen mit 10 Jahren, wenn sie versuchen sich von ihrer Familie abzukoppeln. Erkennen kann man die Reife des Männchens an seinem Rücken. Dort bildet sich bei den Berggorillas ein silberner Sattel. Das Gorillaweibchen ist schon mit 8 Jahren geschlechtsreif. Alle 3 bis 4 Jahre kann eine Gorilladame ein Junges zur Welt bringen. 5 Monate wird es umsorgt, bis es dann erst selbstständig auf allen Vieren gehen kann, erst nach dem dritten Jahr in Begleitung der Mutter löst es sich von ihr.

1.3. Die Ernährung
Gorillas ernähren sich fast ausschließlich von Pflanzen, von denen ein Gorilla am Tag un-gefähr 15 kg isst. Sehr beliebt sind Bambusmark und –sprosse sowie verschiedene Rebe- bzw. Nesselarten. Auf dem Speiseplan stehen aber auch Blätter, Schösslinge, Kletterpflanzen, Krautgewächse, Rinde und Pilze. An die nötigen Mineralstoffe gelangen sie durch die Erde, die sie gelegentlich als Ausgleich verzehren. Für das Protein müssen die Ameisen herhalten. Ohne Werkzeug zu besitzen haben Gorillas auch Techniken, ihre Nahrung zu sich zu nehmen. Die Zähne werden beispielsweise als Rechen zur Entfernung von Wurzelhäuten genutzt. In dieser Tierwelt geht es sehr gesittet zu. Auch dort wird kein altes oder verdorbenes Obst verzehrt. Gorillas sind insoweit zukunftsorientiert, als sie die Pflanzen niemals ganz abreißen oder vollständig essen. Wenn relativ wenig abgebrochen wird, erholt sich die Pflanze schneller und kann nachwachsen, was für die Gorillas mehr Nahrung bedeutet.
1.4. Sprache des Gorillas
Den Gorillas dient als Verständigungsmittel eine Sprache, die sich aus 15 verschiedenen Heul-, Brüll-, Hust-, und Knurrlauten zusammensetzt.
„ (....)machte mir Gedanken über unsere Versuche, Affen eine Sprache beizubringen. Unsere Sprache. Wozu? Es gibt doch genügend Mitglieder unserer eigenen Spezies, die in und mit dem Wald leben und diese Sprache kennen und verstehen. Denen hören wir doch auch nicht zu. Wie kommen wir also darauf, dass wir uns ausgerechnet das anhören würden, was uns ein Affe zu sagen hätte?(.....)“, Dian Fossey.1
Typisch für den Gorilla sind die dicken Augenbrauenwülste. Sie lassen ihn ernst oder traurig wirken, wobei dies oft trügt. Der Gorilla sieht sehr kräftig oder gar böse aus, doch ist er ein „sanfter Riese“.

2. Beobachtung ausgewählter Tiere

2.1. Einleitung
Da es weltweit nur noch einen Berggorillabestand von 630 Tieren gibt, dürfen sie nicht in geschlossenen Gehegen gehalten werden. Dies führte zu der Untersuchung der Flach-landgorillas, welche sich jedoch kaum von der Art des Berggorillas unterscheiden. Der wissenschaftlich untersuchte Aspekt ist die Körpergröße, welche bei den Flachlandgorillas geringer ist als bei den Berggorillas. Das Sozialverhalten, wie auch die Rollenaufteilung in einer Gruppe sind identisch.
Das am 27.03.05 im Kölner Zoo untersuchte Gehege der Gorillas besteht aus 2 Räumlichkeiten, in denen sich die Gorillas wechselweise aufhalten können. Der erste Raum umfasst ca. 20 qm, er besitzt Lianen und Klettermöglichkeiten. Der zweite Raum ist ca.50 qm groß und
bietet ausreichend Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Hängematten dienen als Schlaf- und Rastplatz, Lianen als Spielzeug und Ecken als Verstecke für die kleinen Mitbewohner. Der ganze Bereich ist umgeben von Glasscheiben, durch welche man die Tiere beobachten kann. Die Bodenfläche ist aus Kunststoff und vollständig belegt mit Heu. Dies verstärkt das Gefühl des Wohlbefindens. Der Nachteil ist allerdings, dass die Bremsfähigkeit der Gorillas abnimmt, da die Extremitäten auf der Oberfläche ins Rutschen geraten.

2.2. Population des Geheges
In dem Gehege befinden sich 7 Gorillas. 6 Weibchen und ein männlicher Gorilla namens KIM; er ist der Silberrücken der Gruppe. Aus Inzuchtvermeidungsgründen wurde der eigentliche Silberrücken der Familie einem anderen Zoo überliefert, und ersetzt durch KIM.
Es gibt 2 Mutter- Tochter- Beziehungen, eine Mutter trägt ein 1 Jahr altes Baby mit sich, die andere Mutter hat ein Kind, welches 4 Jahre alt ist.2
Die zwei anderen Gorilladamen kommen aus Kamerun und hielten sich überwiegend nicht bei der Familie auf.

2.3. Verhalten der Mutter und des Kindes
In den Morgenstunden sind das Weibchen GINA und ihr Junges KITO im ersten Raum immer beieinander und lassen nicht voneinander ab. KITO sitzt neben ihr und spielt mit dem Heu. Das Junge geht nicht weiter als einen Meter von ihr weg. Trotz Rückenlage der Mutter gibt sie auf ihr Kind Acht und behält es unter ständiger Kontrolle3. Auch KIM ist im Raum und passt auf beide auf, er als Vater und als Silberrücken kümmert sich um die Unversehrtheit der Mutter und des Kindes.
N`DADWA, die Mutter des Jungtieres N`GAMBE, hält sich im zweiten Raum auf; doch das schon 4-jährige Kind strotzt vor Aktivität und bemüht sich mit Baby KITO zu spielen, indem es sich ihm nähert und versucht es anzufassen.
Auch die beiden anderen Gorilladamen, KIBI und ULCA, befinden sich im großen Raum des Geheges und haben keine Beschäftigung, sie ruhten in den Ecken und bewegten sich nicht.
In den Mittagsstunden verhielten sich alle Gorillas sehr ruhig. Sie waren in Ecken oder auf Hängematten des zweiten Raumes zu finden und schliefen. Der Silberrücken war der einzige, welcher wach war. Er hielt sich ziemlich in der Mitte des Geheges auf, von wo er die Lage überblicken konnte und sich darum sorgte, dass keinem Gorilla etwas zustößt. Sobald sich jemand regte oder eine Reaktion zeigte, war er zur Stelle und Herr der Situation. Beispielsweise KIBI, welche aufstand und sich durch das Gehege bewegen wollte. KIM lief zu ihr, machte einen Kurrlaut, sodass sie sich verschreckt in die Ecke zurückzog.

Interessant zu beobachten war das Verhalten der Familienmitglieder zueinander, die Mutter, wie sie sich um ihr Junges kümmert; der Vater, wie er aufpasst, dass sich niemand den beiden nähert und das zweite Kind, welches den Kontakt zum anderen Jungen sucht. N`GAMBE versuchte Aufmerksamkeit dadurch zu bekommen, dass sie mit flachen Händen an die Scheiben klopfte; doch dies ist in der Welt des Gorillas ein Zeichen von Machtdarstellung. Der Silberrücken präsentiert auf diese Weise seine untergebene Familie. Versucht dies ein anderer Gorilla, wie N`GAMBE, so fühlt er sich bedroht und signalisiert durch Gesten, tiefböse Blicke und genau wie das Junge durch Klopfen gegen das Fenster, dass er der Herr im Gehege ist. Doch sein Poltern ist erheblich eindrucksvoller als das der 4- jährigen.

4. Vergleich der Beobachtungen im Zoo mit Literatur

Im Allgemeinen werden Gorillas als sehr sanfte Tiere bezeichnet, welche den ganzen Tag nur essen und schlafen. Meine Beobachtungen konnten dies bestätigen. Der erste Teil der Beobachtung ( 9:40 – 12:00 ) war die aktivste Zeit der Gorillas. In dieser hatten sie zwar keinen Kontakt zueinander, doch waren gemeinsame Aktionen ein Bestandteil ihres Verhaltens. Ob sie eine Menge von 15 kg Pflanzen täglich zu sich nehmen, konnte ich weder kontrollieren noch erfahren, da ich weder zu den Morgenstunden noch zur Mittagszeit einen Pfleger des Geheges zu Gesicht bekommen habe.
Während des zweiten Teils meiner Beobachtung ( 13:00 – 15:30 ) schliefen die Gorillas, was zeigt, dass Gorillas ruhige Tiere sind und sich, wie in der Literatur beschrieben, nur bei Gefahr ihre Kraft einsetzen. Der Silberrücken spielt die wichtigste Rolle im Gehege, indem er eine Kontrollfunktion gegenüber der Familie übernimmt, er beobachtet die Familie während der gesamten Zeit und kontrolliert das Wohlergehen der Weibchen.
Die Mutter- Kind- Beziehung bei den Gorillas ist vorgegeben. Das Junge verlässt die Mutter in den ersten vier Jahren nicht. Erst dann beginnt es selbstständig zu laufen und sich von der Mutter zu entfernen; dies bestätigen auch meine Beobachtungen.

5. Fazit
Ist die Verhaltensbeobachtung von Menschenaffen im Zoo für eine Facharbeit geeignet?

Das größte Problem dieses Themas war, dass der Bestand der Berggorillas so gering ist, dass diese Art nicht im Zoo gehalten werden darf. Selbst bei der Analyse von Flachlandgorillas besteht das Problem, dass diese noch nicht ausreichend erforscht worden sind. Der Vergleich mit der Literatur konnte deshalb nicht ausführlich genug gemacht werden. Die Erforschung der Berggorillas ist hauptsächlich Dian Fossey zu verdanken, sie lebte jahrelang mit Gorillas im Urwald zusammen und hatte so die Möglichkeit, sich mit ihnen über längere Zeit zu beschäftigen.
Ein weiteres Problem bei der Analyse von Tieren ist die Zeit; es benötigt viel Zeit, Ver-gleiche mit der Literatur machen zu können. Ein Tag reicht nicht aus, um Behauptungen über das Verhalten von Tieren aufstellen zu können. Sie sind zu vage, die Beobachtung des Verhaltens sollte wiederholt werden, damit es als Behauptung verifiziert und gedeutet werden kann, besonders bei Menschenaffen, über die im Vorfeld geschrieben wurde, sie seien sehr ruhige Tiere, deren Aktivität sehr gering ist.

6. Literaturverzeichnis


http://www.sgg-bingen.de/allgemeines/ruanda/Aufsatz/Berggorillas.htm
23.03.2005

http://www.intakt-reisen.de/index.htm?/afrika/uganda/uganda_trekking_gorillas_schimpansen.htm
23.03.2005

The Dian Fossey Gorilla Fund International
23.03.2005

http://www.markuskappeler.ch/tex/texs/berggorilla2.html
23.03.2005

http://www.berggorilla.com/faq/dvers/fragen/fressen.html
23.03.2005

http://www.janegoodall.ch/m2_afrika2_3_add.htm
23.03.2005

http://www.kindernetz.de/oli/tierdbdateien/druckversion.php?tid=89&reiter=steckbrief
23.03.2005

http://www.meinhard.privat.t-online.de/frauen/fossey.html
23.03.2005

Dieses Referat wurde eingesandt vom User: Iris



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