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Barock - 3.Version - Referat



Barock in der Musik

Barock (portugiesisch barroco: unregelmäßig, schief) ist eine Stilbezeichnung für die europäische Kunst, die anfänglich abwertend gegenüber der Architektur der Renaissance, später allgemein gebraucht wurde. Der Stilbegriff wurde jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt. Bestimmend für diese Kulturepoche war in erster Linie die Architektur, in der sich das im Entstehen begriffene Bürgertum mit den Elementen der technischen Fortentwicklung manifestieren konnte (Französi-sche Kirche in Potsdam von Knobelsdorff, Dresdner Zwinger von M. D. Pöppel-mann). Dazu kam auch das entsprechende Lebensgefühl für eine zahlenmäßig ständig wachsende Bürgerschaft, das sich in der Malerei und in den Kompositionen widerspiegelt. Das Ende des Barock mit dem fließenden Übergang zum Rokoko war gleichzeitig das gesellschaftliche Ende des Feudalsystems.
In der europäischen Musik ist es etwa die Epoche zwischen 1600 und 1750. Die Musik hat zwar mit den angrenzenden Epochen einige Merkmale gemeinsam, doch wird der Beginn des Barockzeitalters durch die stilistischen und technischen Innovationen gekennzeichnet. Am Ende dieser Epoche zeichnen sich bereits Elemente ab, die die zur Klassik hinführende Phase der Instrumentalmusik und der Oper einleiteten. Das Neue in der Musik des Barock, bei der die Generalbasspraxis und das Concertoprinzip charakteristisch sind, war hauptsächlich die Zunahme der sinnlichen Wirkung. Der Name Barock wurde zunächst abwertend gebraucht: Im 18. Jahrhundert galt die Musik der vorangegangenen Epoche als schwülstig und unnatürlich. Die Barockzeit kann in drei Phasen unterteilt werden: Früh-, Hoch- und Spätbarock.

Frühbarock (ca. 1580 bis 1620)
Die Schaffung der Oper stellt einen Neubeginn in der Geschichte der musikalischen Formen dar. Während der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts wurde die Oper als durchgehend gesungenes musikalisches Drama von der „Camerata“ in Florenz (einem Kreis von Musikern, Dichtern, Philosophen und gelehrten Angehörigen des Adels) als neue Gattung begründet. Das Ziel war es, die Empfindungen des Menschen nach dem Vorbild des antiken griechischen Theaters zu erregen. Um die musikalischen Mittel für einen ausdrucksstarken und beweglichen Solovortrag bereitzustellen, mussten neue Formen und Techniken entwickelt werden, insbe-sondere ein gehobener Stil des begleiteten Gesangs, die Monodie (der Einzelge-sang, der dem Sinn- und Affektgehalt der Sprache untergeordnet ist). Dies wieder-um setzte die Schaffung flexibler Formen für die Begleitung des Solisten voraus. In dieser Funktion gewann der „Basso continuo“ (Generalbass) an zentraler Bedeu-tung. Die Begleitung durch den „bezifferten Bass“, die halbimprovisierte Ausführung eines vorgegebenen Akkordgerüsts, prägte das kompositorische Schaffen für die nächsten eineinhalb Jahrhunderte. Deshalb wird die Epoche des Barock auch als Generalbasszeit oder als Epoche des konzertierenden Stiles bezeichnet, dessen zentrales Kompositionsprinzip der Kontrapunkt war.
Ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Oper als Genre war die Entstehung von Opernhäusern (im Gegensatz zur Wanderbühne) in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts in Venedig. Diese Theaterhäuser standen unter der Schirmherr-schaft der reichen Familien Venedigs, waren aber der Öffentlichkeit zugänglich. Ebenso wichtig war der schöpferische Beitrag von Claudio Monteverdi, der die Oper zu einem künstlerisch geschlossenen Genre formte, zunächst während seiner Tätigkeit in Mantua mit den Werken L’Orfeo (1607) und Arianna (1608), deren Musik fast gänzlich verloren ging, besonders aber in seinen venezianischen Spätwerken, den Opern Il ritorno d’Ulisse in patria (1640, Die Heimkehr des Odysseus) und L’incoronazione di Poppea (1642, Die Krönung der Poppea). Ausdrucksvolle dramatische Deklamation, gestützt auf reiche Instrumentation und kühne Harmonik, bildete die Grundlage des „bewegten“ Stiles (stile concitato), wie Monteverdi ihn nannte.
Ein weiteres wichtiges Ereignis der Wende zum Barock war die Veröffentlichung der instrumentalen Sacrae Symphoniae von Giovanni Gabrieli in Venedig im Jahr 1597. In diesem Werk waren große Ensembles in Gruppen aufgeteilt, die man beliebig gegenüberstellen und kombinieren konnte. Die Übertragung dieser Idee auf die Instrumentalpartitur (ein aufgeschlossenes Instrumentalstück) wurde möglich, als den Barockkomponisten schließlich große Orchester zur Verfügung standen.

Hochbarock (ca. 1620 bis 1680)
Mitte des 17. Jahrhunderts verschob sich der Brennpunkt der innovatorischen Kraft von Italien nach Frankreich, wo Jean-Baptiste Lully eine neue Art der Oper entwarf. Während der Solosänger in den italienischen Opern immer mehr in den Vorder-grund gestellt wurde, wurde in den französischen Opern der Tanz besonders betont, sowie den Chor und spektakuläre Bühneneffekte. In beiden Stilrichtungen bildeten sich zwei neue Formen heraus: das Rezitativ (lateinisch recitare: vorlesen) als eine handlungstragende, erzählende Partie und die Arie als ein dramaturgischer Ruhepunkt innerhalb der Handlung, an dem die Affekte und Stimmungen der handelnden Figur geäußert werden.
Durch die Verbesserung der Ausbildung bei den französischen Hofmusikern legte Lully in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch den Grundstein für das moderne Orchester. In dieser Zeit erhielten Oboe, Trompete und Fagott einen festen Platz im Orchester. In der Entwicklung der Musik für Streicherensembles jedoch übernahm Italien Ende des Jahrhunderts wieder die Führungsrolle. Dort hing das „Goldene Zeitalter des Geigenbaues“ eng zusammen mit der Entwicklung eines gehobenen Kompositionsstiles, der von Komponisten wie Giuseppe Torelli und Giovanni Battista Vitali eingeleitet wurde. Parallel zur Ausdehnung der Arien-form vergrößerten die italienischen Komponisten auch den Umfang der einzelnen Sätze, so dass die Abfolge kurzer Abschnitte, die charakteristisch für die frühe Sonatenform war, schließlich abgelöst
wurde. Die Verbreitung des neuen italieni-schen Instrumentalstiles vollzog sich schnell und durchgreifend, teils durch den Erfolg italienischer Musiker in ganz Europa, teils aufgrund des aufnahmebereiten Marktes für Konzert- und Sonatenliteratur. Venedig, Amsterdam und später London wurden Hauptzentren der Veröffentlichung von Musikliteratur, und die Popularität italienischer Kompositionen führte dazu, dass sich die italienische Musikterminolo-gie (Abfolge, Art der Musik) für Tempo und Dynamik bei den Musikern in ganz Europa als einheitliche Fachsprache durchsetzte.
Gegen Ende des Hochbarock war die Unterscheidung zwischen „italienischem“ und „französischem“ Stil allgemein: So wurde etwa die „Französische Ouvertüre“ eine Kompositionsmöglichkeit für das Vorspiel italienischer Opern, während der italieni-sche Vokal- und Orchesterstil die Entwicklung der deutschen protestantischen Kirchenmusik beeinflusste. So boten die Choräle, die inzwischen in der Kultur der Reformation fest verwurzelt waren, den deutschen Komponisten eine reiche Quelle für Kompositionen, sowohl für die Kirchenkantate als auch für die Orgelmusik. Diese Übernahme weltlicher italienischer Musikformen in die deutsche Kirchenmu-sik trat besonders im Schaffen von Heinrich Schütz hervor.
Parallel zur Oper war in Italien des 17. Jahrhunderts das Oratorium entstanden. Es war für die Darstellung geistlicher Inhalte vorgesehen und bediente sich ähnlicher Formen und Musikstile wie die Oper, wurde jedoch meistens in kleinerer Besetzung als die Oper aufgeführt. Daneben entstanden in dieser Zeit auch das geistliche Konzert und das Sololied.
In England war Henry Purcell der wichtigste Komponist des Hochbarock. Er verschmolz die überlieferte englische Tradition mit neuen europäischen Einflüssen, zunächst in seinen eigenen Hymnen und Oden für den Hof, dann in einer Veröffent-lichung einer Sammlung von Triosonaten im Jahr 1683, in der er – nach eigener Aussage – „die berühmtesten italienischen Meister nachahmte“.

Spätbarock (ca. 1680 bis 1750)
Die Musik des Barock erreichte mit Domenico Scarlatti und Antonio Vivaldi in Italien, François Couperin und Jean-Philippe Rameau in Frankreich, Henry Purcell und Georg Friedrich Händel in England, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann in Deutschland ihre Spätphase. Die italienische Oper hatte zu Beginn des 18. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht.
In der Instrumentalmusik spielte in den letzten zwei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts der italienische Komponist und Geiger Arcangelo Corelli eine wichtige Rolle. Seine „Concerti grossi op. 6“ waren in ihrer mehrsätzigen Struktur und ihrem eleganten, harmonischen Stil als vollendete Werke in der Musik für Streichorchester anerkannt. Neben Corelli hatte der italienische Komponist und Geiger Antonio Vivaldi, der eine große Anzahl an Opern, Kirchenmusikwerken und Konzerten komponierte, einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Instrumentalmusik. In diesen Werken wurde der harmonische Zusammenhang durch die Dur-Moll-Harmonie bestimmt.
Der Spätbarock brachte auch wichtige Errungenschaften in der Musik für Tastenin-strumente hervor. Exquisite Instrumente verschiedenen Typs wurden von deut-schen, französischen und italienischen Cembalobauern gebaut. Cembalo und Orgel waren die vorherrschenden Tasteninstrumente der Epoche. Die verschiede-nen Klangcharaktere, für die einige Orgelbauer und ihre französischen Zeitgenos-sen standen, spiegeln sich in der Orgelmusik von Komponisten wie Dietrich Buxtehude, William Croft, Johann Pachelbel und Louis Marchand wieder.
Den Höhepunkt des Spätbarock stellen vor allem zwei Komponisten dar: Johann Sebastian Bach in Deutschland und Georg Friedrich Händel in England. Ihre Musik fasst alle Stiltendenzen des späten Barock zusammen, wobei diese bei beiden Komponisten in einer individuellen Synthese mit ihrer künstlerischen Laufbahn und ihrer schöpferischen Persönlichkeit verwoben waren: Bach als der protestantische Kirchenmusiker und Kapellmeister, Händel als theaterorientierter Komponist. In seinen Kirchenkantaten und Passionen verschmolz Bach den italienischen Ge-sangsstil mit einem ernsteren, „deutschen“ Ansatz, während seine Suiten für Tasteninstrumente eine gelungene Synthese mit dem französischen Stil dokumen-tieren.
Händels grundlegende musikalische Ausrichtung galt der italienischen Oper. Nach einer beachtlichen Karriere mit italienischen Opern in London wandte er sich der Entwicklung einer neuen Gattung, dem Oratorium, zu. Diese neue Richtung gab ihm auch die Gelegenheit, seine Stärke als Arienkomponist mit dem kraftvollen Stil der Chorkomposition zu vereinen, der früher bereits seine Kirchenmusik charakteri-siert hatte. Als Komponisten im Sinne der „Konstruktion“ sind Bach und Händel die zentralen Figuren des Spätbarocks.

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