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BSE - 4.Version - Referat



Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE), auch als Rinderwahnsinn bezeichnete degenerative Gehirnerkrankung bei Rindern. Typische Symptome der Krankheit sind Bewegungsstörungen, Lähmung und Blindheit, die auf das Absterben von Nervengewebe sowie eine Durchlöcherung der Hirnrinde zurückzuführen sind. Das Gehirn (griechisch enképhalon) des Rindes (lateinisch bos) degeneriert zu einer schwammartigen Masse (griechisch spóngos: Schwamm).
Seit Entdeckung dieser Krankheit im November 1986 bis Anfang 1997 wurden in Großbritannien 171 000 Fälle registriert, in der Schweiz 230, in Irland 188, in Portugal 51 und in Frankreich 26. In Deutschland wurde im Januar 1997 nach zwei Jahren erstmals wieder ein BSE-Fall nachgewiesen, betroffen war ein britisches Galloway-Rind; dies ist (seit dem ersten Auftreten 1992) der fünfte in Deutschland bekannt gewordene BSE-Fall. BSE bricht bei Rindern in der Regel im Alter von drei bis zehn Jahren aus. Sehr wahrscheinlich ist auch eine Übertragung vom Muttertier auf das Kalb möglich. Es wurde eine Meldepflicht für diese Krankheit eingeführt und die Tötung infizierter Tiere sowie die Vernichtung der Kadaver angeordnet.

Die Symptome des in Auflösung begriffenen Gehirns erinnern an die beim Menschen seit mehr als 100 Jahren bekannte relativ seltene Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Insbesondere eine neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wurde mit BSE in Verbindung gebracht. An dieser Variante waren bis Februar 1997 insgesamt 15 Menschen gestorben, in Deutschland ist bis zu diesem Zeitpunkt kein derartiger Fall aufgetreten.

1996 wurden Forschungsergebnisse britischer Wissenschaftler publiziert, wonach Prionen mit BSE infizierter Tiere - das sind Proteine, die als Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gelten - erhebliche Übereinstimmungen zu dem neuen Creutzfeldt-Jakob-Typus aufweisen. Prionen gibt es in einer normalen und einer infektiösen Version, letztere haben eine degenerierte Form und können - so die derzeit am weitesten verbreitete Theorie - gesunde Prionen anstecken, indem sie diesen gewissermaßen ihre räumliche Faltung aufzwingen. Als Folge tritt eine Verklumpung von Nervenzellen auf. Französische Forscher veröffentlichten allerdings 1997 Forschungsergebnisse, wonach es außer Prionen einen weiteren Erreger der Seuche geben müsse: Im Gehirn von Mäusen, die experimentell mit Gewebe BSE-kranker Rinder infiziert wurden, ließen sich trotz Auftretens von BSE-Symptomen nur in der Minderzahl der Fälle veränderte Proteine nachweisen.
Die von Schafen bekannte Scrapie-Krankheit (oder Traberkrankheit) zeigt ähnliche Symptome wie BSE. Vermutlich infizierten sich britische Rinder durch Proteinzusatz im Futter, der aus Gehirnen infizierter Schafe gewonnen worden war. Anfang der achtziger Jahre verringerten englische Tiermehlfabriken ihre Verarbeitungstemperaturen aus Gründen der Sparsamkeit auf etwa 80 °C. Sehr wahrscheinlich wurden dadurch die Scrapie-Erreger verendeter Schafe nicht zerstört. Als dieses Tiermehl an Rinder verfüttert wurde, entstand die Krankheit BSE.

Aufgrund
dieser Erkenntnisse wurde im Juli 1988 jeglicher Zusatz tierischer Proteine im Rinderfutter in Großbritannien untersagt. Mitte 1992 konnte das Landwirtschaftsministerium eine Abnahme der Fälle von BSE feststellen. Auch in Deutschland wurde das Verfüttern von Tiermehl an Rinder verboten, Geflügel und Schweine dürfen hier nach wie vor mit Tiermehl gefüttert werden. Eine Übertragung des BSE-Erregers auf Geflügel und Schweine findet nach 1996 publizierten britischen Forschungsergebnissen offenbar nicht statt. Aufgrund der Ungewissheit, ob BSE durch den Verzehr infizierten Fleisches auf den Menschen übertragen werden kann, ging der Rindfleischkonsum auch in Deutschland stark zurück. Der Verzehr von Muskelfleisch gilt allerdings als ungefährlich, infektiös sind Gehirn, Rückenmark und bestimmte Teile des Darmes. Wie die Europäische Kommission in Brüssel 1997 mitteilte, werden BSE-Erreger bei dem derzeit zugelassenen Herstellungsverfahren für Gelatine nicht vollständig zerstört; nur Gelatine aus nicht infizierten Rindern sei sicher.

Die Ansicht des britischen Landwirtschaftsministeriums, dass verseuchte Futtermittel zu einer Ausbreitung der Krankheit beitrugen, ist sowohl von der tiermedizinischen Abteilung der Europäischen Kommission, als auch von der entsprechenden Weltkontrollbehörde (Fédération Internationale des Epizooties, FNE) übernommen worden. 1996 bestätigte ein englisches Gericht die Auffassung, ein 20jähriger Student habe sich durch den Verzehr von Rindfleisch mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit infiziert: Zwar sei dieser Zusammenhang wissenschaftlich nicht nachzuweisen, doch gebe es keine andere vernünftige Erklärung, warum ein junger Mensch an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erkranken könne.




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