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BIP pro Kopf - Referat



BIP pro Kopf und die Kritik

Teilt man diese Gesamtsumme des BIP durch die Anzahl der Einwohner eines Staates, so erhält man die Maßzahl – Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (abgekürzt BIP pro Kopf).

Es gibt Volkswirtschaften, die beinahe dieselben Entwicklungsstandards haben,
jedoch weisen sie unterschiedliche Bruttoinlandsprodukte auf. Zum Beispiel
haben die Vereinigten Staaten im direkten Vergleich zu Österreich ein höheres
BIP. Daraus darf man nicht folgern, dass der Wohlstand der Bewohner ein
Höherer ist. Diese Problematik wird mit der Kennzahl BIP pro Kopf umgangen
um die verschiedenen Einwohner des jeweiligen Staates korrekt zu vergleichen.

Dass das BIP nur in einem geringen Ausmaß dafür tauglich ist, unseren
Lebensstandard zu beschreiben, ist unter Ökonomen schon seit langem
Konsens. Das BIP pro Kopf ist ein zuverlässigeres Maß für den Prozess einer
Gesamtwirtschaft. Es zeigt an, wie viel Güter Einwohner einer Wirtschaft
durchschnittlich erbringen können. Doch auch dieser Gradmesser hat seine
Schwächen.

Statistische Pro Kopf Angaben, haben die Beschwernis, dass starke Verzerrungen
auftreten können. Vor allem in Staaten, in denen es massive Vermögens- und
Einkommensungleichheiten gibt.

Des Weiteren treten Zweifel am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf, da der
Indikator ein Problem damit hat, die Verdichtung der sozialen Komponenten
darzustellen. Man kann aus hoher Lebenserwartung schließen, dass ein höherer
Lebensstandard vorliegt. Außerdem tragen zum Beispiel reichhaltige
Rohstoffvorkommen oder günstige klimatische Bedingungen dazu bei, dass
Einwohner eines Landes zufriedener sind. Aber wie soll man klimatische
Bedingungen, hohe Rohstoffvorkommen und den Lebensstandard
gegeneinander aufrechnen, wenn ein Land unterschiedlich hohe, für uns
relevante, Komponenten hat, wie die schon erwähnten Rohstoff – oder
Klimamodalitäten.

Außerdem beschreibt das BIP pro Kopf nur den Durchschnitt einer
Volkswirtschaft und sagt nichts aus über die, zum Beispiel, personelle Verteilung
der Einkommen. Welche aber eine wesentliche Bedeutung in der Berechnung
des Wohlfahrtsniveaus und des sozialen Friedens hat.

Viele Faktoren können einfach nicht abgebildet, zum Beispiel, wie groß das
Armutsrisiko ist, wie hart oder wie viel Menschen für ihr Geld arbeiten müssen,
oder gar die Anzahl der Verbrechen in einem Land. Die Ökonomen, Charles
Jones und Peter Knelow, der Stanford University haben eine neue Vermessung
des Lebensstandards veranlasst um Staaten besser vergleichen zu können.
Dabei handelt es sich um ein Gedankenexperiment. Man stelle sich vor, wie
hoch der Lebensstandard eines Menschen wäre, würde er durch Zufall als
Einwohner eines Landes geboren werden. Und daraus resultierend untersucht
man das Konsumverhalten, das Angebot an Freizeit, die zu erwartende
Lebensdauer oder das Risiko in die Armut zu entgleiten.
The National Bureau of Economic Research definiert ihre
neue Vermessung wie
folgt:

„We propose a summary statistic for the economic well-being of people in a country. Our
measure incorporates consumption, leisure, mortality, and inequality, first for a narrow set
of countries using detailed micro data, and then more broadly using multi-country data
sets. […] Western Europe looks considerably closer to the U.S., emerging Asia has not
caught up as much, and many developing countries are further behind. Each component
we introduce plays a significant role in accounting for these differences, with mortality
being most important.“ (o.V., Beyond GDP)

Die Daten wurden von 134 Ländern erhoben, wobei es die Reihenfolge der
Auflistung der armen und reichen Länder nicht wesentlich verändert hat. Aber es
zeigt wie undeutlich der Lebensstandard gemessen wird, wenn man das
Hauptaugenmerk nur auf das pro Kopf Einkommen legt. Das etwa zeigt, dass
der Lebensstandard in Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika
vergleichbar ist. Ein Amerikaner verfügt im Durchschnitt ein deutlich höheres
Einkommen als der Franzose, jedoch muss er im Durchschnitt 240 Stunden mehr
Arbeitszeit im Jahr aufbringen. Dabei steigt auch das Risiko der
Armutsgefährdung.

Es ist auch zu verzeichnen, dass ein Franzose im Mittel 3 Jahre länger lebt.Diese Faktoren, wie kürzere Arbeitszeiten, eine steigende
Lebenserwartung und eine gleichrangige Gesellschaft, lässt die europäischen
Staaten immer mehr an die USA heranrücken. Erwartungsgemäß wird der
Abstand zu den ärmeren Ländern immer größer.
Staaten des afrikanischen Kontinentes kämpfen mit zunehmender Ungleichheit
und einer relativ geringen Lebenserwartung, was wiederrum zur Senkung des
Lebensstandards beiträgt. In Ländern, in denen zurzeit sehr viel investiert wird,
beispielsweise Singapur, besteht ein hohes Wirtschaftswachstum, jedoch hängt
der Konsum der Einwohner hinten nach. Langfristig ist Singapur ein Profiteur
davon, doch kurzfristig gesehen, zeigt die Jones und Klenow Berechnung,
welchen Preis die Bevölkerung dafür zahlen muss.




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