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Atheismus - 2.Version - Referat



Der Begriff Atheismus, welcher aus dem griechischen kommt und so viel wie „ohne Gott" bedeutet, stammt aus der Antike. Als die sehr einflussreiche philosophische Bewegung der Sophisten eine unglaubliche Dynamik entwickelte und Skeptiker sowie auch die ersten Atheisten anzog, wurde diese Lehre, die jegliche Existenz des Übernatürlichen leugnet,im antike Griechenland geboren. Dabei darf man nicht vergessen, dass Jahrhunderte später die ersten Christen ebenfalls als Atheisten bezeichnet wurden, weil sie uralte Traditionen, wie die Beschneidung oder Tier und Menschenopfer ablehnten und so ganze Nationalkulte (Zeusverehrung, Apoll Kulte usw.) Infrage stellten, um sie dann als Paganismus ganz abzuschaffen. Der Atheismus in Griechenland überlebte die Christianisierung jedoch nicht, auch in den sehr wichtigen Metropolen wie Alexandria und Rom kam es immer wieder zu öffentlichen Ermordungen von Atheisten durch Christen, die in dieser philosophischen Richtung, die eben alles Übernatürliche ablehnt, den Keim für nihilistische und staatsfeindliche Gesellschaftsmodelle sahen. Am Anfang des Mittelalters gab es Menschen die solche Ansichten vertraten nur in Byzanz, als das letzte Überbleibsel antiker Traditionen, konnte man nur dort auf solche Lehrmeinungen treffen. In Westeuropa dagegen gab es nur Christen, Juden oder Heiden. Erst mit der Renaissance, als alles antike wiederbelebt wurde, begann sich auch der Atheismus neu zu formieren. Einer der ersten war da Giordano Bruno, der von einem unendlichen Universum schrieb und damit der Kirchenlehre widersprach, nach der alles einen Anfang und ein Ende haben muss. Bruno wurde als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, doch seine Lehre fand in Gelehrtenkreisen der späteren Jahrhunderte großen Anklang und wird heute nur von den kreationistischen Wissenschaftlern bestritten. Der Atheismus erhielt weiter Auftrieb durch die Schriften von Descartes, der zwar zwei Gottesbeweise lieferte, doch mit seinem stark rationalistischen Denken eher den Atheismus förderte als den christlichen Glauben. Sein Denken das das Leben mit mathematischer Genauigkeit erfassen wollte, stellte den Glauben zwar nicht offen in Frage, lieferte den Feinden der Kirche jedoch die philosophische Grundlage die sie brauchten. Seine Schriften waren lange auf dem Index der katholischen Kirche. Überhaupt ist der moderne Atheismus oder der Atheismus an sich ein Produkt sophistischen Denkens, dass eine grundlegend skeptische Einstellung allem gegenüber predigte. Mit der Aufklärung und dem Siecle Lumiere wurde der Atheismus immer konkreter und entfaltete sich in Frankreich fast schon zu etwas wissenschaftlichem. Es wurde offen über Demokratie, Meinungsfreiheit und Atheismus auf Versammlungen gebildeter Bürger gesprochen. Doch die aller meisten Aufklärer waren keine Atheisten, Voltaire und Kant distanzierten sich ganz klar von jeglicher antikirchlicher Rhetorik und waren eher das was wir heute Kreationisten nennen würden. Nur David Hume bildete da eine Ausnahme. Inspiriert waren diese glaubensfeindlichen Aufklärer von einem Mann namens Matthias Knutzen, der Ende des 17. Jahrhunderts eine unglaubliche Dynamik entfaltete, um dann für immer in Vergessenheit zu geraten.

Seine Schriften sind heute nur Experten der Kirchengeschichte bekannt. Weil er die Abschaffung der Kirche und des Staates forderte und auch jeglicher Autorität, das was sich heute in Ansätzen im Marxismus wiederfinden lässt. Doch der Atheismus hatte immer noch keine Erklärung für die Entstehung der Welt (im Gegensatz zu den Religionen) was ihn auf eine Stufe mit Pseudo-Wissenschaftlern und Träumern stellte. Das änderte sich aber mit dem Aufkommen der darwinistischen Evolutionstheorie, die zwar einen Schöpfergott nicht gänzlich ausschloss, doch aber ein Gegenmodel zur Schöpfungslehre bot, das jetzt auch als wissenschaftlich bezeichnet werden konnte. Der Darwinismus machte den Aufstieg des Marxismus somit erst möglich, da seinem sonst atheistischen Weltbild die wissenschaftliche Grundlage gefehlt hätte. Mit der Oktober Revolution in Russland wurde der Atheismus zum ersten Mal staatlich, was ein großes Experiment darstellte, das aber scheiterte und nach dem Zerfall des Kommunismus zu einer moralischen Lücke in vielen Gesellschaften Ost und Mitteleuropas führte, die jetzt aber wieder mit der fortschreitenden Rechristianisierung beinahe wieder geschlossen scheint. Es stellte sich heraus dass dem Atheismus die moralische Tiefe genauso wie die philosophische breite fehlte, um den Platz einer Religion einzunehmen. Er
erwies sich eher als eine philosophische Strömung die ergänzend einige kulturelle Aspekte erläutern oder aufzuzeigen vermag, nicht aber zu einer Grundlage für eine Ideologie taugt. Heute biete der Atheismus nur in wenigen Ländern eine Basis für eine Staatsdoktrin, heute gehört er eher zum westlichen Mainstream, der sich die Aufklärung auf die Fahnen geschrieben hat, von der aber fälschlicherweise behauptet wird, sie sei atheistisch gewesen. Wie dem auch sei, der Nicht-Glaube erfreut sich immer in Friedenszeiten und auch immer in gebildeten Kreisen am ehesten einer Beleibtheit, was eine Studie des CIA aus den 90er Jahren aber nicht bis zum Schluss belegen konnte. Danach waren knapp 50 % aller amerikanischer Wissenschaftler Atheisten und die anderen 50 % gaben an religiös zu sein. Der Atheismus ist also keine Modeerscheinung, sondern vielmehr eine Denkrichtung die nur den Gegenbeweis für die von Descartes gelieferte Annahme bietet, wonach alle Menschen den gleichen Verstand haben. Dies scheint wohl nicht der Fall zu sein, zurzeit gibt es auf der Welt 262 Millionen Atheisten, zum Vergleich, sind es ungefähr 2 Milliarden Christen und 1,2 Milliarden Muslime, aber auch 1,1 Milliarden Agnostiker. Doch der Trend der letzten Jahrzehnte scheint wohl eher zum Religiösen zu gehen. Das heutige Gesellschaftsmodel im Westen ist so ausgerichtet, dass es jedem eine freie Wahl gibt sich für ein Weltbild zu entscheiden, Ausnahmen sind da die Neofaschistischen oder Islamistischen Ideologien, der Atheismus an sich ist nicht radikal, kann es aber in Zusammenhang mit dem Marxismus-Leninismus oder dem Anarchismus werden, genauso wie er auch immer wieder als Zielscheibe für Religionen dient, die ihn ihm auch eine Form der Dekadenz sehen und eben auch einen Grund für staatlichen Zerfall. Doch anzunehmen die Wissenschaft öffne dem Atheismus Tür und Tor ist falsch. Waren doch die größten Denker der Physik oder der Mathematik keine bekennenden Atheisten, sondern im Gegenteil eher mittelalterliche Mystiker die an einen unsterblichen Geist als den Ursprung jeder Materie glaubten. Newton, Einstein oder Heisenberg, alle waren von der Existenz einer göttlichen Macht überzeugt die der Ursprung aller Dinge ist. Der Atheismus wiederum muss keiner ethischen Grundlage entbehren, wie das viele existenzialistische Widerstandskämpfer in Frankreich während des 2. Weltkrieges zeigten, ist aber von einem latenten Werteverfall nicht zu trennen, der in atheistischen Gesellschaften immer dann einsetzt, wenn liberales Gedankengut auf diese projiziert wird. Die Atheisten sind keine Wertegemeinschaft wie die Christentum, Buddhisten oder Juden, sie verbinden nur einzelne Traktate und Schriften prominenter Denker aus allen Zeiten, und doch sind sie mehr als nur eine Interessengemeinschaft oder eine Gruppe von Menschen, die die selben Überzeugungen teilt, die Atheisten sind und waren zu jeder Zeit eine Schicksalsgemeinschaft, deren wirklicher Glaube genauso im Dunkeln liegt wie ihr Ursprung.




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