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Anna Freud - Referat



Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Ihr Leben
Methode der Psychoanalyse
Die Abwehrmechanismen
Fazit
Quellenangabe

Einleitung
Wenn man an die Psychoanalyse denkt, kommt einem Sigmund Freud in den Sinn. Dabei neigt man dazu, seine Tochter, Anna Freud, zu übersehen, obwohl sie auch einen beachtlichen Teil zur Psychoanalyse geleistet hat.
Anna Freud wuchs in einer grossen jüdischen Familie zu einer Zeit auf, in der Frauen noch nicht gleichgestellt waren gegenüber den Männern. Dies hatte einen grossen Einfluss auf sie. Sie war ihrem Vater, Sigmund Freud, in vieler Hinsicht sehr ähnlich, allerdings konnte sie ihrem Bestreben, in der Psychoanalyse zu forschen, wegen ihres Geschlechts zunächst nicht nachgehen, doch dann führte sie die Psychoanalyse nach ihrem Vater als Vorbild weiter. Sie ging stets von seinen Basisannahmen aus Dabei ging es zum einen darum, dass bestimmte psychische Vorgänge im Bewusstsein verborgen seien, sich jedoch auf das Erleben und Verhalten auswirken. Zudem würde das menschliche Verhalten durch Triebe erzeugt und gesteuert werden. Das Verhalten sei psychisch bedingt und lasse sich nur aus der individuellen Lebensgeschichte eines Menschen erschliessen. Ausserdem seien die psychischen Kräfte und Motive, die das Verhalten einer Person steuern, in der Regel nicht bewusst.
Sie spezialisierte sich auf die Psychoanalyse bei Kindern und schrieb einige Abhandlungen darüber. Ihre erste Publikation war „Einführung in die Technik der Kinderanalyse“, danach folgten noch „Einführung in die Psychoanalyse für Pädagogen“ und „Das Ich und die Abwehrmechanismen“, wobei dieses Werk von ihr im hinteren Teil dieser Facharbeit eine wichtige Rolle spielt.
Später sorgte sie sich um ihren Vater, als dieser an Krebs erkrankte, und war für ihn eine Art Sekretärin und Assistentin gleichzeitig.

Hauptteil
Ihr Leben
Anna Freud wurde am 3. Dezember 1895 in Österreich-Ungarn geboren. Ihr Geschlecht fand wenig Erfreuen bei ihrem Vater und so galt ihre Geburt auch weniger Aufmerksamkeit. Als Vergleich: Wäre Anna als Junge geboren worden, hätte Sigmund sogar ein Telegramm bezahlt, um diese erfreuliche Nachricht seinem besten Freund mitzuteilen, er hätte das Kind auch nach ihm benannt, aber so erwähnte er sie nur in einem seiner zahlreichen Briefen. Ein Sohn wär von grösserem Wert gewesen; diese benachteiligte Position, in die Anna geboren worden ist, spielte eine markante Rolle in ihrem Leben.
Ihr Vater, Sigmund Freud, war mit seinen Forschungen immer sehr beschäftigt, somit war die Erziehung und das Versorgen der Kinder die Aufgabe ihrer Mutter. Allerdings hatte Annas Mutter, Martha Freud, noch fünf andere Kinder, so war sie wohl auch nicht sehr erfreut über ein weiteres Kind. Sich um so einen grossen Haushalt zu kümmern war mit vielen Anstrengungen verbunden. Deswegen bekam Anna nicht so viel Aufmerksamkeit von der Mutter, wie sie gerne gehabt hätte. Ungefähr zurzeit von ihrer Geburt kam allerdings ihre Tante Minna, die Schwester von Martha Freud, dazu. Dies erleichterte die Situation. Anna Freud war ein sehr aktives Kind, sie galt als ein freches und schlimmes Mädchen. Dies veränderte sich zwischen ihrem vierten und sechsten Lebensjahr, denn sie wurde zu einem stillen Kind. Nachdem das Wissen der Psychoanalyse bei ihr angewandt wurde, erkannte man diesen Wandel als eine Art spontane Heilung von ihrer Schlimmheit, sie wurde zu einem Musterkind, vielseitig interessiert, brav, ordentlich und gut in der Schule.
Durch die Distanz zu seinen Kindern wurde Sigmund Freud zu einem Ferienvater. Er wurde zu einem makellosen Idol für Anna, zum Element ihrer Träumereien.
Anna Freud ging auf ein privates Lyzeum, so konnte sie nur Lehrerin werden und nicht an einer Universität studieren. Später wurde sie Lehrerin am Lyzeum, wo sie früher zur Schule gegangen ist. Sie begann schon früh, sich für die Forschungen ihres Vaters, der Psychoanalyse, zu interessieren, doch sie merkte rasch, dass das zur Männerwelt gehörte und sie als Frau darin kein Platz hatte. Dies führte dazu, dass Anna noch mehr mit sich zu kämpfen hatte, mit dem, was sie sein wollte, was sie machen wollte, und dem, was sie zu sein hatte.
Sie erlebte den Beginn des Ersten Weltkrieges auf ihre eigene Weise. Sie war auf einer Reise in England, als ihr Heimatland Serbien den Krieg erklärte. Durch die Hilfe von englischen Freunden der Psychoanalyse konnte sie ihre Reise ohne Probleme beenden, obwohl sie Jüdin war. Bei ihrer Rückkehr war sie das einzige Kind von Sigmund Freud, das noch bei den Eltern lebte, denn ihre Brüder waren in den Krieg gezogen und ihre Schwestern waren verheiratet. Sie begann, sich mehr mit der Psychoanalyse zu beschäftigen, so konnte sie auch ihre Kindheit, ihre Träumereien von damals, besser verarbeiten. Gleichzeitig arbeitete sie als Lehrerin und durch die Psychoanalyse verstand sie die Kinder auch besser. Durch den Krieg war eine Heirat für sie unwahrscheinlich, weswegen nichts ihre Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse störte.
So setzte Anna Freud sich auch mit sich selber auseinander und darauf bauend entstand auch ihre Kinderanalyse.
Anna Freud starb am 9. Oktober 1982 in London.

Methode der Psychoanalyse
In der Psychoanalyse geht man von bestimmten Grundannahmen aus, den Basisannahmen. Diese definieren unser Erleben und Verhalten. Man geht davon aus, dass bestimmte Vorgänge, wie zum Beispiel unangemessene Wünsche, dem Bewusstsein verborgen und somit unbewusst sind, aber einen Einfluss auf das Verhalten und die Entwicklung des Charakters hat, wobei sich hier bestimmte Gesetzmässigkeiten feststellen lassen.3.1
Nach der Theorie der Psychoanalyse, lässt sich unsere Psyche in drei Teile aufteilen. In der Analyse untersucht man diese Teile einzeln und ihre Beziehungen zueinander und zur Aussenwelt. Diese drei Teile werden das Ich. Das Es und das Über-Ich genannt. Beim Ich untersucht man zum Beispiel, woraus es besteht, wie weit es reicht, was seine Funktionen sind wie weit es von der Aussenwelt oder von den anderen beiden Teilen, also dem Über-Ich und dem Es, abhängig ist. Untersucht man das Es, bedeutet das, dass man ebenfalls beschreibt, woraus es besteht, also den Trieben. Ausserdem untersucht man die Triebumwandlungen.
In der Psychoanalyse kommt man durch Beobachtungen zu Erkenntnissen, wobei man das Es nur indirekt erkennen kann. Das Es ist das Unbewusstsein, von hier kommen die Triebe, die Wünsche und die Bedürfnisse und versuchen, durch das Ich, dem Bewusstsein, eine Aktion auszulösen. Allerdings kann das Ich diese Triebe abwehren durch die sogenannten Abwehrmechanismen. Dies kann bewusst und unbewusst geschehen. Auch das Über-Ich hat einen bedeutsamen Einfluss auf das Ich. Das Über-Ich ist der moralische Teil unserer Psyche, gebildet von den Einflüssen der Aussenwelt, also eigentlich ist das Über-Ich der Teil
von uns, der durch die Erziehung entsteht. Die Auswirkung des Über-Ichs zeigt sich im Ich als unser Gewissen.
Daraus lässt sich folgern, dass das Ich als Vermittler zwischen dem Über-Ich und dem Es steht, vom Über-Ich zugelassene Wünsche und Triebe in Tat umsetzt und nicht zugelassene Wünsche und Triebe abwehrt. Zudem überprüft das Ich auch die Realität, es führt zu einem realistischen Kompromiss zwischen den Einflüssen des Über-Ichs und dem Es.
Anna Freud spezialisierte sich auf die Psychoanalyse bei Kindern. Sie war Auffassung, die Kindheit sei von grosser Bedeutung, man müsse die Entwicklung analysieren, da man die Individualität der Psyche als Entwicklung sehen muss.
Die Erkenntnisse der Psychoanalyse zeigen sich auch als sehr hilfreich in der Pädagogik.
"Als Psychologie erweitert sie die Menschenkenntnis, als Kritik setzt sie sich mit bestehenden Erziehungsformen auseinander, als Kinderanalyse bemüht sie sich, Schäden auszubessern."2
Ihr Vorgehen bei der Analyse bestand darin, Erwachsene von ihrer Kindheit und ihren Kindheitswünschen und –fantasien erzählen, oder wenn es Kinder waren, von ihren momentanen Phantasien, Wünschen und Erlebten berichten zu lassen. Nur durch dieses Erzählen lässt sich ein Blick auf das erleben des Menschen werfen.
Sie analysierte das Erzählte, indem sie diese in die verschiedenen Entwicklungsphasen, die von ihrem Vater, Sigmund Freud, definiert wurden, einordnete und darin bestimmte kindliche Bedürfnisse und Triebe erkannte. Sie suchte dafür den Zusammenhang zwischen den einzelnen Faktoren und zwischen den Faktoren und den Aktionen des Kindes.
Das Erlebte konnten auch Aktionen sein, die sie durch die Erzählung aus der Sicht des Kindes auch einen Zusammenhang von dem, wie das Kind auf etwas von der Aussenwelt wahrnimmt und seine Reaktion darauf findet und somit das nicht-ersichtliche, also die Zwischenprozesse, erkennt. Daraus erkennt sie Gesetzmässigkeiten und definiert sie als Triebe und Bedürfnisse.

Die Abwehrmechanismen
Anna Freud schrieb in ihrem Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“, wie der Titel schon sagt, über die Abwehrmechanismen. Dabei verwendet sie Beispiele, um diese Mechanismen zu erklären.
Im ersten Beispiel erzählt Anna Freud von einer Frau. Sie ist das mittlere Kind und hat viele Geschwister. Hier geht es um ihre Feindseligkeit gegenüber ihrer Mutter. Um den Hass gegen die eigene Mutter abzuwehren, überträgt sie ihren Hass auf eine zweite, wichtige, weibliche Person.
Der erste Abwehrmechanismus ist die Projektion. Den Hass, den sie für ihre Mutter oder diese zweite Person empfunden hat, wandelt sie um in die Überzeugung, dass sie selbst von ihnen gehasst wird. Das erleichtert ihr Ich von den Schuldgefühlen. Somit lässt sich die Projektion folgendermassen definieren: Eigenschaften, wie zum Beispiel Gefühlsregungen, Bestrebungen und Bewertungen, die man selbst nicht wahrhaben möchte oder kann, werden anderen Personen zugerechnet.
Ausserdem erkennt man eine Wendung gegen die eigene Person. Die Feindseligkeit gegenüber ihrer Mutter wendet sie gegen sich selber und verursacht dadurch Minderwertigkeitsgefühle und Selbstvorwürfe. Auch im erwachsenen Alter benachteiligt sie sich. Die Wendung gegen die eigene Person als Abwehrmechanismus zeigt sich also, indem aggressive Impulse gegen sich selber gerichtet werden und so nicht die Person treffen, die sie eigentlich betrifft.
Die Folge ist ein weiterer Abwehrmechanismus, die Sublimierung. Das aggressive Mädchen wird überzärtlich, sie sorgt sich sehr um ihre Mutter, Neid und Eifersucht wird zu Selbstlosigkeit und Fürsorge für andere. Wünsche und Triebe, die vom Über-Ich nicht zugelassen wurden, werden durch Handlungen ersetzt, die mit dem Über-Ich übereinstimmen bzw. die moralisch und sozial wünschenswert sind.
Das zweite Beispiel handelt ebenfalls von einer Frau, die gegen den Neid gegenüber ihrem Vater und gewalttätige, orale Phantasien ankämpfen muss. Bei letzterem handelt es sich um den Wunsch, ihm ein bestimmtes Körperteil abzubeissen.
Hier setzt eine Reaktionsbildung ein. Der Wunsch, es abzubeissen, wird durch eine allgemeine Unlust zu beissen ersetzt, was zu einer Essstörung führt. Die Reaktionsbildung sichert die Verdrängung, indem im Ich das Gegenteil zum Verdrängten festgehalten wird. Trotzdem bleibt die Aggressivität, bis sich das fortschreitende Über-Ich moralisch dagegen wehrt. Es wird zu einer speziellen Form von Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit.
Des Weiteren werden Abwehrmechanismen wie die Isolierung, das Ungeschehenmachen und die Introjektion erwähnt, jedoch nicht genauer definiert.
Ein weiterer, wichtiger Abwehrmechanismus wird allerdings schon vor den Beispielen definiert. Es ist die Verdrängung und es handelt vom Ziel, das Ich gegen unerwünschte Triebansprüche zu schützen. Er verhindert das Eindringen unerwünschter oder gefährlicher Impulse in das Bewusstsein, allerdings kann dieser Vorgang nicht endgültig sein.
Zudem gibt es noch Abwehrmechanismen wie zum Beispiel die Fixierung, bei dem man auf einer bestimmten Entwicklungsphase aus der frühen Kindheit stehen bleibt, oder die Regression, bei der man auf eine bereits überwundene Entwicklungsphase zurückfällt.

Fazit
Anna Freud war sehr überzeugt von ihrem Vater, ich bezweifle, dass sie jemals wirklich seine Sichtweise kritisiert hat. Dennoch bin ich der Meinung, dass Freuds Sicht nicht vollkommen ist, denn seine Psychoanalyse sieht den Menschen als ein Wesen, das ausschliesslich von seinen Trieben und der Erziehung gesteuert wird. Er, und demzufolge auch Anna, geht davon aus, dass jedes Verhalten von sexullen oder aggressiven Triebimpulsen gelenkt wird. So lässt sich durch die Psychoanalyse jede Annahme, man könne das eigene Verhalten selber steuern, ausschliessen.
Ich sage hiermit nicht, dass ich nach dieser Facharbeit der Überzeugung bin, die Psychoanalyse sei überholt, ich bin nur der Meinung, dass sie nicht die ganze Psyche des Menschen beschreiben kann.

Quellenangabe
1. Freud, Anna; 2009; Das Ich und die Abwehrmechanismen; Fischer Taschenbuch Verlag. S.Fischer Verlag GmbH
2. Salber, Wilhelm; 1985; Anna Freud; Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
3. Hobmair, Hermann; 1998; Pädagogik/Psychologie für die berufliche Oberstufe; Verlag H. Stam




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