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Aggressionstheorien - Referat



• Krisen im Jugendalter
• Für Erikson sind Jugendkrisen notwendiger Bestandteil im Entwicklungsprozess
• Jugendliche müssen in dieser Lebensphase ihre Identität ausbilden
• Erfahrungen der Kindheit wirken sich in dieser Lebensphase nachhaltig aus
• Jugendliche könnten versuchen Defizite durch gewalttätiges Auftreten zu kompensieren

Freud
• Aggression als Folge von Unlusterfahrung
• Mensch als triebbestimmtes Wesen
• Mensch muss lernen, Triebe zu kontrollieren bzw. zu unterdrücken
• Mensch strebt immer danach Triebe und Bedürfnisse zu befriedigen
• Wird man daran gehindert, entsteht Unlust und daraus Gefühle von Hass und Aggressionen
• Aggressionen richten sich bald gegen den Unlustverursacher
• Freud hält Aggressionen für unvermeidbar
• Bei freier Entfaltung aller Triebe ist ein soziales Zusammenleben kaum möglich
• Alle Menschen müssen lernen Unlust auszuhalten
• Destruktionstrieb / Todestrieb ist angeboren
• Destruktionstrieb lenkt sich auf Mitmenschen
• Wird zum Aggressionstrieb, der nie ausgeschaltet, sondern nur kontrolliert werden kann
• Mensch muss lernen, diesen Trieb im Prozess des Zivilisation zu regulieren
• Bei aggressiven Menschen findet man Persönlichkeitsstörungen
• Ursprung der Störungen: in frühkindlichen Entwicklungsbedingungen
• Aggressive Menschen haben meist schwere Traumatisierungen erfahren
• Traumatisierungen resultieren aus: soziale Instabilität, Beziehungsabbrüche
• Traumatisierungen führen zu Ängsten und Abwehrmechanismen
• Folgen der Entwicklungsbedingungen: große Instabilität in sozialen Beziehungen und eine starke aggressive Besetzung der Bilder von Mitmenschen
• Ich-strukturelle Störungen, die sich in Impulsausbrüchen äußert
• Betroffen: Abwehrformationen, Realitätsprüfung, vorrausschauende Funktionen, Reizschutz
• Schutz der Persönlichkeit : Erhaltungsmechanismen
• Erhaltungsmechanismen beeinträchtigen die Entwicklung ( Realitätsbezug geht verloren, Erfahrungen für soziale Integration fehlen)
• Erhaltungsmechanismen beeinträchtigen Angst- und Spannungstoleranz
• Weitere Störung: spezifische Störungen des Über-Ichs
• Extreme Selbstentwertung
• Störungen des Ich-Ideals: extreme Ansprüche
• Folgen: Versagen

Konrad Lorenz
• Aggressionen als Ausdrucksform biologisch gegebener Aggressivität
• Angeborener Aggressionstrieb
• Menschliche Aggression ist Produkt der Evolution
• Aggression ist lebenserhaltend und sinnvoll (Verteidigung von Revieren)
• Aggression ist in der Natur ein Teil der system- und lebenserhaltenden Organisation aller Wesen ( Rudelverhalten, unterwerfen)
• Aus Aggressionen können auch Fehlformen entstehen (Tötungshemmung)
• Wichtig ist, den Trieb nicht zu unterdrücken sondern zu kontrollieren lernen, sonst kommt das Begehren nach aggressiven Akten
• Problem: heutige Menschen erleben keine Tötungshemmung mehr (Pistolen)
• Aggressivität muss regelmäßig abgebaut werden, z.B. durch Sport
• lernen mit Aggressionen konstruktiv umzugehen, anstatt Jugendliche zu nicht aggressiven Menschen zu erziehen

John Dollard
• glaubt nicht an einen angeborenen Aggressionstrieb
• Aggressionen sind immer Folge von Frustrationen
• Aggressivität steigert sich bei weiteren Frustrationen
• Frustrationserfahrungen müssten vermieden werden, was unrealistisch ist
• Aggressionen sollen umgelenkt werden, um zu verhindern, dass sie wächst
• Viele Menschen, die Frustration erfahren haben, sind nicht gewalttätig geworden
• Menschen dürfen nicht zu viel Frustration erfahren
• Bei weniger Enttäuschungen würde die Jugendgewalt massiv zurückgehen
• Drei Arten von Frustrationen:
• 1. Hindernisfrustration (Störung einer Aktivität: bei grün bleibt ein Auto stehen, vordrängeln)
• 2. Provokationen( Belästigungen)
• 3. Physische Stressoren

Albert Bandura
• Aggression als Folge von Modelllernen
• Aggression wird innerhalb sozialer Lernprozesse gelernt ( Belohnung, Bestrafung)
• Verhaltensweisen werden angeeignet durch Beobachtung und Nachahmung
• Wenn Kinder sehen, dass Vorbilder aggressiv handeln, handeln Kinder auch aggressiv
• Wird aggressives Verhalten des Vorbilds belohnt, nimmt Aggressivität der Kinder zu
• Werden Kinder für aggressives Handeln belohnt, nimmt Aggressivität nochmal zu
• Aggressives Verhalten entsteht, weil Vorteile erwartet werden
• Kinder dürfen keine aggressiven Modelle erleben
• Aggressive „Vorbilder“ in Spielfilmen oder PC-Spielen können fatale Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder haben
• Erleben Kinder gewalttätiges Verhalten mit negativen Folgen, orientieren sie sich weniger daran
• Bumerang-Effekt: Gewalt mit Gewalt bestrafen
• Ziel ist eine Erziehung zu einem aggressionsarmen Verhalten

John Paul Scott
• Aggression als Folge von Störungen in ökologischen Systemen
• Ökologisches Modell
• Fünf Ebenen, die den Menschen beeinflussen:
1. Genetische Ebene
2. Physiologische Ebene (Hormone, Pubertät)
3. Organismische Ebene ( psychische Zustände)
4. Soziale Ebene
5. Ökologische Ebene (Lebensbedingungen)
• Beachtet zusätzlich historische Ebene, Kulturtraditionen
• Die ersten 4 Ebenen müssen im Kontext zur ökologischen Ebene betrachtet werden
• Es müssen mehrere Ebenen betroffen sein, damit Gewalt entstehen kann

Götz Eisenberg
• Aggression als Folge sozialer und emotionaler „Kälte“
• Kinder erleben früh unzureichende Zuwendung und Desinteresse der Eltern
• Viele Kinder wachsen ohne Vater auf (Vaterlosigkeit)
• Kindern fehlt erwachsener Partner, den sie bewundern
können
• Mütter versuchen Kinder zu nah an sich zu binden oder vernachlässigen sie
• Kinder bauen kein Urvertrauen auf
• Kinder erfahren zu wenig konturierte Persönlichkeiten, die ihnen Sicherheit geben
• Kinder sind auf der Suche nach innerer Geborgenheit
• Kompensieren dieses Defizit mit grandiosen Erfahrungen (Drogen, Amoklauf, Killerspiele geben Gefühl von Stärke und Macht)
• Theorie trifft nicht auf alle Jugendliche zu

Ferdinand Sutterlüty
• Aggression als Kompensation von Ohnmachtsgefühlen
• Ausüben von Gewalt verschafft innere Befriedigung
• Jugendliche erleben Gewalt als eine Art „Offenbarung“
• Vor allem wenn sie aufgrund familiärer Gewalt Ohnmachtsgefühle haben
• Gefühle können ins Gegenteil umgekehrt werden
• Epiphanische Erfahrung (wundersame Erscheinung) verändert gesamtes Leben ins Positive
• Gewaltbereitschaft nimmt zu
• Mit Ausübung von Gewalt erleben Jugendliche, dass sie Dinge bewegen können
• Sie werden zu Akteuren und müssen ihr Schicksal nicht mehr passiv hinnehmen
• Man muss Jugendlichen Erfolgserlebnisse und Erfahrungen ermöglichen, innerhalb derer sie sich als Akteure ihrer Wirklichkeit fühlen können

Wilhelm Heitmeyer
• Aggression als Folge von Erfahrungen der Perspektivlosigkeit
• Jugendliche werden den Anpassungsanforderungen nicht gerecht
• Jugendliche haben mehr Entscheidungsfreiheiten (Mobilität) aber auch Entscheidungszwänge, die sie bewältigen müssen
• Wenn sich dabei soziale Beziehungen auflösen, dann können „Desintegrationspotenziale“ entstehen
• Wert- und Normvorstellungen können sich auflösen
• Abnahme der Teilnahmebereitschaft an gesellschaftlichen Institutionen
• Durch die daraus resultierende Verunsicherung zeigt sich oft in Gewalt
• drei Arten von Gewalt:
• 1. Expressive Gewalt: Durch Tabubrüche Aufmerksamkeit erlangen und Einzigartigkeit unterstreichen, Opfer sind beliebig
• 2. Instrumentelle Gewalt: Geplante Gewalt, die auf bestimmte Folgen abzielt
• 3. Regressive Gewalt: an nationale und ethnische Kategorien ausgerichtet um eigene Desintegrationspotentiale aufzuheben
• Jugendliche müssen mehr berücksichtigt werden

Das sozialisationstheoretische Konzept
• Subjekt verhält sich gegenüber der Realität aktiv, gestaltend, selektiv suchend und passiv hinnehmend
• Führt zu Veränderungen der realen Situation und des Subjekts (Sozialisation)
• Subjekt ist produktiv realitätsverarbeitend
• Verarbeitung von Erfahrungen und Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Bedingungen führt zu Aufbau von Orientierungsmustern und Handlungsweisen
• Heitmeyer: Realitätsverarbeitung, Individualität
• Parsons/Mead: Rolle, festgelegtes System

Individualisierung
• Biografie des Menschen aus Fixierungen gelöst, Entscheidungsoffenheit steigt, jeder Einzelne wird zum „Gestalter seines eigenen Lebens“
• Motoren:
• 1. Pluralisierung: Steigerung des materiellen Lebensstandards (ermöglicht mehr Individualität in Konsum und Lebensstile)
• 2. Soziale und geografische Mobilität der Bevölkerung: Lösen aus Traditionen und eingefahrene Lebensweisen; neue Chancen auf gleichberechtigte Beziehungsmuster
• 3. Bildungsexpansion: längere Schullaufbahn begünstigt Selbstfindungsprozess, Lebensweg= Resultat eigener Leistungen, soziale Ungleichheit= Privilegien (Haus, Familie, Bildung) und Deprivation (Verlust eines Familienmitglieds, Entzug der Individualität)
• Interpersonelle Ebene: Auflösung traditioneller Lebensweisen(Familie, Verwandtschaft), Verlust traditioneller Sicherheit(religiöse Orientierung)
• Individuelle Ebene: Probleme eine autonomieorientierte Identität auszubilden aufgrund zu wenig Ressourcen
• Gewalt ist die Lösung für Handlungsprobleme

Fazit:
• Zunahme von Entscheidungsfreiheiten und gleichzeitig Entscheidungszwängen
• Ambivalenz der Individualisierung

Desintegrations-Verunsicherungs-Gewalt-Konzept

Desintegration:
• Bedeutsame Desintegrationspotenziale :
1. Auflösung/ Gefährdung von sozialen Beziehungen
• Primäres Sozialisationsumfeld: Familie
• Abwesenheit der Eltern erhöht den Autonomiespielraum
• Jugendliche haben mehr Verantwortung für Konsequenzen von Entscheidungen
• Folge: Verlust der Sorglosigkeit
• Offene Desintegrationspotentiale: Gewalt in der Familie
• Verdeckte Desintegrationspotentiale: Zuwendung durch Noten
• Gleichaltrigengruppe hat viel Bedeutung (Anerkennung)
• Paradoxer Prozess: Vereinzelung in der Gruppe
• Bisher war Geschwisterrivalität Lernort um Kompromisse zu schließen
• Durch Individuelle Zeitrechnung geraten Probleme und Wünsche der Kinder in Gefahr
• Soziale Verankerung fehlt: keine Beachtung für Folgen des Handelns
2. Auflösung der Verständigung gemeinsamsozialer Werte und Normen
• Jugendliche werden zu Trägern von Entscheidungen
• Begründung von Entscheidungen werden subjektiver, weil immer weniger durch Tradition, Milieus festgelegt ist
• Unsicherheitsgefühl steigt, wird durch Modernisierung aufgelöst
3. Auflösung der Teilnahmebereitschaft an gesellschaftlichen Institutionen
• Durch Auflösung von gemeinsamen Wert- und Normvorstellungen kommt es zur Abnahme der Teilnahmebereitschaft

Verunsicherung:
• Ergebnis aus Individualisierung und Desintegration
• Emotionale Komponente: Zukunftsangst, Unsicherheitsgefühle
• Handlungsunsicherheit: Orientierungs- und Entscheidungsprobleme
• Verunsicherung bei: Unlösbarkeit, Unberechenbarkeit, Unklarheit, Diskrepanzen zwischen Selbstwert und Erwartungen, Ratlosigkeit und Versagen
• Verunsicherung kann zu konstruktiven Umgang mit Problemen führen, kann lähmen oder kann zu Gewalt führen

Gewalt:
• Expressive Gewalt: erhöht Anerkennung, Opfer beliebig
• Instrumentelle Gewalt: Statussicherung
• Regressive Gewalt: politische Motive




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