Suchbegriff:

Adalbert Stifter - Bunte Steine - Referat



Adalbert Stifter – Bunte Steine

1) ADALBERT STIFTER (1805-1869)

Biographie
23.10. 1805 Geburt von Albert Stifter

1818 Eintritt ins Gymnasium des Benediktinerstifts in Kremsmünster

1826 Beginn des Studiums an der juristischen Fakultät der Universität Wien

1828 Veröffentlichung von Gedichten in Zeitschriften unter Pseudonym

15.11.1837 Heirat mit Amalie Mohaupt

ab1840 Ständige Arbeit an seiner schriftstellerischen Karriere, die Kunst tritt in den Hintergrund
Seine Werke werden meist von Gustav Heckenast verlegt

1847 Amalie und Adalbert nehmen Amalies Nichte Juliane als Pflegekind auf

1848 Stifter wird von seinem Wohnbezirk in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt

1849 Gründung und Eröffnung einer Realschule in Linz
Stifter wird Schulrat und Inspektor der oberösterreichischen Volksschulen sowie der Linzer Realschule

1852 Stifter wird zum Konservator für Oberösterreich ernannt
Veröffentlichung von „Bunte Steine“

1853 Verfassung eines „Lesebuchs zur Förderung humaner Bildung“ zusammen mit Johannes Aprent; vom Ministerium abgelehnt

25./26.01.1868 In der Nacht schneidet er sich mit einem Rasiermesser in den Hals  endgültiger Tod am 28. Januar

30.01.1869 Beerdigung auf dem St. Barbara Friedhof in Linz


2) EPOCHE

Auf Grund seiner Lebensdaten lässt sich Stifter sowohl dem Biedermeier, als auch dem poetischen Realismus zuordnen.
Bunte Steine wurde 1852 veröffentlicht, aber die enthaltenen Stücke sind alle schon älter und wurden schon vorher in Zeitschriften und ähnlichem veröffentlicht. Für Bunte Steine wurden sie aber noch mal neu überarbeitet. Sie sind also zur Zeit des Biedermeiers entstanden.
Im Allgemeinen wird mit dem Biedermeier ja immer der Rückzug ins Private, spießige, überschaubare Themen und Geselligkeit verbunden. Der Biedermeier hat auch den Ruf eher auf konservative Tendenzen in der Kultur und der Literatur zu beharren. Die Autoren haben die sittlichen Ideale der Zeit verarbeitet, z. B. stille Unterordnung unter das Schicksal, Streben nach Gleichmaß und innerem Frieden und Zufriedenheit. Aber trotz der ganzen idyllischen Themen hat man damals einen Zwiespalt zwischen Ideal und der Wirklichkeit empfunden. Man war sich sehr wohl bewusst, dass diese Idylle bedroht war.
Genau diese Themen tauchen auch bei Stifter auf.


3) BUNTE STEINE

Das Buch gliedert sich in zwei Bände. Vor dem ersten Band stehen die berühmte Vorrede und die Einleitung. Im ersten Band stehen die Erzählungen Granit, Kalkstein und Turmalin und im zweiten Band stehen Bergkristall, Katzensilber und Bergmilch.

 EINLEITUNG
In der Einleitung wird erklärt wie die einzelnen Erzählungen zu ihrem Namen gekommen sind. Stifter hat schon als kleiner Junge die Natur geliebt und immer Steinchen, Zweige, Blätter usw. mit nach Hause gebracht und deswegen seine Geschichten danach benannt. In der Einleitung lässt er offen, wie viele Erzählungen letztendlich in das Buch Bunte Steine kommen, denn er könnte ihnen unendlich viel Titel geben, weil es ja unendlich viele Steine in der Natur gibt, nach denen er Geschichten benennen könnte.

 VORREDE
Die Vorrede ist eine Reaktion Stifters auf eine Anschuldigung des Schriftstellers Friedrich Hebbel. Der hat nämlich über die alten und neuen Naturdichter (gemeint sind Brockes, Geßner, Stifter, Kompert und andere) Folgendes gesagt:


„Wisst ihr, warum euch die Käfer, die Butterblumen so glücken?
Weil ihr die Menschen nicht kennt, weil ihr die Sterne nicht seht!
Schautet ihr tief in die Herzen, wie könntet ihr schwärmen für Käfer?
Säht ihr das Sonnensystem, sagt doch, was wär euch ein Strauß?
Aber das musste so sein; damit ihr das Kleine vortrefflich liefertet,
hat die Natur klug euch das Große entrückt.“

Der Friedrich Hebbel hat ja hier schon die Begriffe „groß“ und „klein“ verwendet und in seiner Vorrede geht Stifter darauf ein und definiert die Begriffe so, wie er sie versteht.
„Groß“ steht bei ihm für „bedeutend“ und für bedeutend hält er alltägliche Erscheinungen in der Natur, wie z. B. das Rieseln des Wassers, das Wehen der Luft oder das Wogen des Meeres.
Der Begriff „klein“ bezeichnet dann logischerweise alles Unbedeutende, beispielsweise Vulkanausbrüche, Erdbeben, Gewitter oder Stürme.
Das ganze begründet er folgendermaßen: Ereignisse wie Erdbeben kommen nur an bestimmten Stellen für eine kurze Zeitspanne vor, aber rieselndes Wasser gibt es überall zu jeder Zeit. Außerdem ist ein Vulkanausbruch nur das Ergebnis einer einseitigen Ursache. Nur weil Erscheinungen wie Erdbeben und Überschwemmungen viel augenscheinlicher sind als Wind und ähnliches, heißt es nicht, dass sie auch größer bzw. bedeutender sind.
An einem Beispiel erklärt er, dass man die großen Zusammenhänge auf der Welt nur erkennen kann, wenn man sich über die einzelnen kleinen Details im Klaren ist und sich über diese Einzelheiten herantastet. Das große Ganze, was man sich aus den vielen kleinen Details erschließt, ist dann ein Naturgesetz, welches er als „welterhaltend“ bezeichnet.

Die Begriffe „groß“ für bedeutend und „klein“ für unbedeutend wendet er auch auf das menschliche Leben bzw. auf die „innere Natur“, wie er es nennt, an: Ein Leben in Einfachheit, Gerechtigkeit und Sinn für Soziales und Schönes ist für ihn „groß“. „Klein“ ist für ihn Zorn und die Begierde nach Rache, weil sie auch wieder nur von einseitigen Kräften hervorgerufen werden. Das ganze lässt sich dann in einem „menschenerhaltenden“ Sittengesetz formulieren, das den Fortbestand der Menschheit versichert.

Das welterhaltende Naturgesetz und das menschenerhaltende Sittengesetz lassen sich zum „Sanften Gesetz“ zusammenfassen. Das SG kennt jeder von uns und es ist in uns verankert, genauso wie das Sittengesetz von Kant. Wenn ein Mensch ungerecht behandelt wird oder in seinem Leben eingeschränkt wird, dann setzen wir uns für ihn ein, damit für jeden gewährleistet ist, dass er sein Leben so leben kann, dass es auch lebenswert ist. Für Stifter ist das „Sanfte Gesetz“ das einzig erhaltende und nie endende, deswegen, nennt er es auch „menschenerhaltend“. Es wirkt auch in allen Völkern und allen sozialen Schichten und ist somit für jeden verbindlich.
Genauso wie die Natur- und Sittengesetze wirken, ohne dass man sich groß darüber Gedanken macht, wirkt auch das „Sanfte Gesetz“ in jeder kleinen einzelnen Handlung, die im Leben unter den Menschen stattfindet und es liegt in der Liebe und im Miteinander der Menschen.
Außerdem hat das SG auch Auswirkungen auf den Staat und die Rechtssprechung. Die Auswirkungen des SG auf den Menschen zeigen sich darin, dass jedem Menschen Achtung und Ehre gebührt.
Die Auswirkungen des SG in der Natur lassen sich beispielsweise darin erkennen, dass man etwas kleines Unscheinbares betrachtet und sich darin das Höchste widerspiegelt, wobei das Höchste von Gott kommt und er der Ursprung allen Herrlichen ist.
Um diese Herrlichkeit Gottes zu beschreiben, beschreibt Stifter die Natur oft als glänzend und bringt Farbeinflüsse und Lichtspiele in seine Werke ein.



 BAND 1 + 2
Weiterhin erwähnt er in der Vorrede, dass dieses Buch für Kinder und Jugendliche gedacht ist, aber im Nachhinein muss man sagen, dass es doch Geschichten für Erwachsene sind, da sie ja nicht extra für Kinder verfasst worden sind, sondern schon vorher unter anderem Namen in Zeitschriften für Erwachsene erschienen sind.
Trotzdem spielen Kinder eine große Rolle im Buch, weil sie meistens die Hauptpersonen sind:
In Granit, Bergkristall und Katzensilber geht es um die Rettung von Kindern, Bergmilch ist eine historische Erzählung, die von den napoleonischen Kriegen handelt und in Kalkstein und Turmalin geht es um sonderbare Menschen.

• TURMALIN
Ich erzähle jetzt den Inhalt von Turmalin, das ist die letzte Geschichte aus dem ersten Band und hat den Namen eines seltenen Halbedelsteins, der dunkel bis schwarz ist, weil auch die Geschichte dunkel ist, so beschreibt es Stifter.
In Wien lebt ein sonderbarer Mann, ca 40 Jahre, zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter. Er hat sein ganzes Zimmer mit Bildern von berühmten Männern tapeziert und wenn Freunde zu Besuch kommen schauen sie sich die immer genau in Ruhe an.
Der Mann beschäftigt sich mit Musik, Malerei und dem Schreiben, aber ansonsten geht er nie auf Arbeit, was ihm auch seinen Spitznamen gebracht hat: die andern Hausbewohner nennen ihn nämlich Rentherr, weil er anscheinend von einer Rente lebt.
Seine Frau ist sehr hübsch, hat aber nur wenig Kontakt zur Außenwelt und kümmert sich meistens um ihr Baby.
Ein Bekannter des Rentherrn namens Dall ist ein berühmter Schauspieler am Theater und kommt ihn oft besuchen. Eines Tages fängt Dall ein Verhältnis mit der Frau des Rentherrn an, aber die Frau beichtet es ihrem Mann nach einer Zeit. Daraufhin verschwindet Dall für einige Zeit aus Wien, weil ihn der Rentherr dafür zur Rechenschaft ziehen will. Irgendwann beruhigt sich der rentherr und Dall kommt zurück nach Wien.
Danach verschwindet aber die Frau des Rentherrn und er sucht sie überall, auch bei Dall, aber dort ist sie auch nicht. Er kann sie nirgends finden und da verlässt er mit seiner kleinen Tochter die Wohnung ohne irgendetwas mitzunehmen. Da er nie mehr auftaucht werden die Möbel nach 2 Jahren versteigert und bald darauf dachte auch niemand mehr in Wien an die Familie des Rentherrn.

Hier kommt jetzt ein Perspektivenwechsel, vorher wurde die Geschichte von einem allwissenden Erzähler erzählt und jetzt erzählt sie eine Frau.
Die Frau macht mehrere merkwürdige Feststellungen im Laufe der Zeit, z. B. als sie ihre Hausarbeit verrichtet, sieht sie einen komisch gekleideten, fremden Mann mit einem Kind, das einen sehr großen Kopf hat.
Ein anderes Mal macht sie mit ihrem Mann einen Abendspaziergang und hört seltsames Flötenspiel, das irgendwie fremdartig klingt, aber sie sehen nirgendwo einen Flötenspieler.
Einige Zeit später möchte sie im Nachbarshaus etwas abgeben, als sie dort einen Pförtner trifft, den sie nicht kennt du auch die Bewohner des Hauses wussten teilweise gar nicht, dass sie überhaupt einen Pförtner haben.
Wieder ist einige Zeit vergangen, als der Sohn der Frau nach Hause kommt und von einem Raben erzählt, den er streicheln wollte und dann von einem seltsamen Mädchen mit großem Kopf geschimpft wurde, das aus der Kellerwohnung des Nachbarhauses herauf geschaut hat.
Die Frau schöpft den Verdacht, dass der komische Mann und das Kind mit dem großen Kopf, das sie einmal bei der Hausarbeit gesehen hat, im Nachbarshaus wohnen. Sie will mehr über die beiden herausfinden, aber das ist ziemlich schwierig, weil niemand die beiden kennt.
Eines Tages gibt es Aufruhr auf der Straße, weil der Pförtner des Nachbarhauses von der Leiter gefallen ist und tot ist. Die Frau bietet sofort ihre Hilfe an und darf mit den Amtsdienern ins Haus hinein. Sie unterhält sich mit dem Mädchen und nimmt sie mit zu sich nach Hause, um sie zu versorgen. Die Frau und ihr Mann organisieren auch die Beerdigung und übernehmen die Vormundschaft für das Mädchen.
Das Mädchen will ständig in die alte Wohnung zurück und versteht auch nicht, dass ihr Vater tot ist, obwohl sie es selbst der Frau erzählt hat.
Mit der Zeit gewöhnt sie sich an ihre neue Familie und die Frau forscht immer mehr in ihrer Vergangenheit nach.
Das Mädchen kann Bibelsprüche aufsagen und spricht perfektes Hochdeutsch, trotzdem ist sie geistig zurückgeblieben und kann nicht einmal einfachste Arbeiten verrichten.
Auch körperlich ist sie verkümmert, was schon ihr großer Kopf zeigt, weil sie den ganzen Tag eingesperrt war und nur mit ihrem Raben gespielt hat.
Ihr Leben bei der Nachbarsfamilie tut ihr aber gut, sie erholt sich und lernt dazu.
Als die Familie endlich alle Papier vom Gericht bekommen hat, wird geklärt, dass sie die Tochter des Rentherrn
ist. Als sie damals mit ihrem Vater aus Wien weggegangen ist, sind sie durch Vorstädte gezogen und haben sich mit Flöte spielen und betteln über Wasser gehalten.

An dieser Erzählung zeigt sich ganz deutlich, dass es im Biedermeier nicht nur um die schönen und überschaubaren Dinge im Leben geht, sondern dass man auch ernstere Themen verarbeitet hat. Die Charaktere in Turmalin sind keine perfekten Menschen; durch das komische Verhalten des Rentherrn wird seine Tochter in ihrer Entwicklung geschädigt, aber die Frau hilft ihr nach dem Tod ihres Vaters ein normaleres Leben zu führen. Sie verkörpert das „Sanfte Gesetz“, durch das jedem Menschen Ehre und Achtung zukommt, egal wie er ist. Stifters „Sanftes Gesetz“ wird vor allem in Personen wie dem Rentherrn und seiner Tochter und allgemein Sonderlingen und Außenseitern deutlich.



• BERGKRISTALL
So, jetzt erzähle ich noch den Inhalt von Bergkristall, das ist die berühmteste und wichtigste Erzählung aus Bunte Steine und wurde auch erst letztes Jahr verfilmt.
Ein Bergkristall ist ein glasheller Quarzstein, der vielleicht von der Farbe her auf den Schneesturm und den Gletscher, die eine wichtige Rolle in der Erzählung spielen, schließen lässt.
Die Erzählung beginnt mit einer allgemeinen Beschreibung von Weihnachten als kirchliches Fest. Er erzählt von der Freude der Kinder bei der Bescherung und von Besuchen der Verwandten und Freunde am Fest.
Dann geht er zur Beschreibung des Hochgebirgsdorfes Gschaid und dem Gletscher, der Gschaid und Millsdorf voneinander trennt, über. Der Gebirgskamm mit dem Gletscher ist sehr gefährlich, es sind schon einige Unglücke passiert; an diese Unglücke erinnert eine Gedenksäule, die Unglückssäule, die an einer Weggabelung im Wald, der Gschaid und Millsdorf voneinander trennt, steht.
Dann kommt er zu den Hauptpersonen des Stückes, nämlich die Kinder Konrad und Sanna des Schusters aus Gschaid. Die Mutter der Kinder kommt aus Millsdorf und wird deswegen in Gschaid nicht so recht akzeptiert, da damals noch jedes Dorf eigenständig war und allen Neuerungen und Fremden allgemein kritisch gegenüber stand. Auch die Kinder haben eigentlich nicht so richtig zu einem Dorf gehört und waren deswegen auch öfter in Millsdorf, um die Großeltern mütterlicherseits zu besuchen. Als die Kinder alt genug waren, durften sie auch alleine zu ihren Großeltern nach Millsdorf laufen, auch wenn der Weg weit und gefährlich war.
Auch an Heiligabend erlaubt es ihnen die Mutter ihre Großeltern zu besuchen, weil es ein milder Tag war. Aber sie sollten gut aufpassen und rechtzeitig aufbrechen, damit sie noch vor der Dunkelheit daheim sind.
Sie laufen nach Millsdorf und es fällt ihnen schon auf dem Hinweg auf, dass die Unglückssäule umgestürzt war, was schon ein Fingerzeig auf das folgende Geschehen ist.
Sie verbringen einen schönen Nachmittag bei den Großeltern.
Auf dem Rückweg fängt es zu schneien an und innerhalb kürzester Zeit befinden sie sich in einem Schneesturm und bleiben stehen. Um seine kleine Schwester zu schützen gibt Konrad Sanna seine Klamotten. Sie gehen weiter, merken aber bald, dass sie sich verlaufen haben. Sie befinden sich schon im Gletscher und finden keinen Ausweg mehr, sie sind von Eis umringt.
Am Rand des Gletschers sind einige Felsbrocken zu einer Art Schutzhütte aufgeschlichtet und dort wollen sie die Nacht verbringen. Sie versuchen nicht einzuschlafen, damit sie nicht erfrieren und trinken den starken Kaffee, den ihnen die Großmutter für die Mutter mitgegeben hat, um wach zu bleiben.
Am nächsten Morgen wollen sie wieder aus dem Gletscher raus und endlich nach Hause kommen, aber sie sind so weit entfernt, dass sie nicht mal das Gschaider Tal sehen können.
Sie laufen kreuz und quer durch das Eis, kommen aber nicht weiter. Plötzlich sehen sie eine rote Fahne und ein Suchtrupp von Männern aus Gschaid kommt auf sie zu. Sie gehen mit ihnen auf eine Schutzhütte, wo sie noch weitere Suchtrupps, die den ganzen Berg und den Wald abgesucht haben treffen. Dort bekommen sie zu essen und stärken sich und dann werden sie wieder sicher nach Gschaid gebracht, wo die Freude natürlich groß ist. Schließlich feiern sie noch das Weihnachtsfest nach und bekommen ihre Geschenke.
Bei der Suche nach den Kindern haben die Millsdorfer und die Gschaider zum ersten Mal in der Geschichte etwas zusammen gemacht und zusammen geholfen, auch weil die Kinder irgendwie zu beiden Dörfern gehören. Das Unglück der Kinder hat also dazu beigetragen, dass sich endlich die benachbarten Dörfer ein bisschen näher gekommen sind.


In dieser Erzählung wird der Zwiespalt zwischen Ideal und Wirklichkeit deutlich, denn am Anfang beschreibt Stifter die beiden idyllischen Dörfer, den Wald und den Bergkamm, durch den sie getrennt sind. Das ist das schöne Ideal, in dem alle Menschen glücklich leben könnten, aber dann zeigt sich in der Wirklichkeit, dass das alles gar nicht so idyllisch ist: Die Bewohner der beiden hübschen Dörfer können sich nicht leiden und der schöne Wald und der Berg können nicht nur im Winter tödlich sein, wenn man sich nicht auskennt.

Auf die Idee für diese Geschichte ist Stifter gekommen, als er mit dem Naturforscher Friedrich Simony auf einem Spaziergang zwei Kindern begegnet ist und danach eine Zeichnung Simonys von einem Gletscher gesehen hat.



4) SPRACHE

Stifter verwendet die normale Alltagssprache seiner Zeit und benutzt sowohl kurze als auch längere Sätze. Auffällig ist, dass er bei Aufzählungen keine Kommas benutzt, was manchmal ein bisschen verwirrend ist.
Seine Landschaftsbeschreibungen sind sehr ausführlich und genau. Er geht auf die Details ein und übermittelt so das Bild der ganzen Umgebung. Dass er von den Details ausgeht, entspricht genau der Art und Weise, wie er sie in seiner Vorrede für die Erschließung von Naturgesetzen erklärt hat.
Vor allem in Bergkristall benutzt er häufig Wiederholungen, die auffälligste ist, dass das Mädchen Sanna zu allem, was ihr Bruder Konrad sagt, antwortet: „Ja Konrad“.
Diese Antwort kommt in der ganzen Geschichte 17x vor.
Andere Beispiele für Wiederholungen sind:

„Es war Eis –lauter Eis.“ S.206
oder
„In der ganzen Höhlung war es blau, so blau, wie gar nichts in der Welt ist, viel tiefer und viel schöner blau, als das Firmament, gleichsam wie himmelblau gefärbtes Glas…“ S. 208

Das letzte Zitat hat auch schon gezeigt, dass er öfter Vergleiche einbaut, als Beispiel:

„… es lagen Hügel da, die wie zusammengeschobener Schaum aussahen, …“
S. 206 oder
„Eine Wohltat war es, dass der Schnee so trocken war wie Sand…“ S.206


5) AUFBAU

Stifter beschreibt erst allgemein die Situation, die Umstände und die Umgebung und wird dann immer konkreter bis die eigentliche Handlung beginnt. Man wird als Leser genau in das Geschehen eingeführt und es bleiben eigentlich keine Fragen offen, das liegt vor allem daran, dass er eben so viele kleine Einzelheiten einbaut. Dadurch wird in einigen Passagen die Erzählzeit viel länger als die erzählte Zeit, z. B. könnte man die Beschreibung der Wohnung vom Rentherrn viel kürzer fassen, aber Stifter beschreibt ganz genau, was sich an welchem Platz befindet, wieso und weshalb usw.
6) WIRKUNG STIFTERS

Zu Lebzeiten war Stifter mäßig erfolgreich, seine Studien waren das bedeutendste Werk. Seine letzten Veröffentlichungen wurden teils gar nicht verstanden und nur kritisiert.
Zu Bedeutung kam er erst nach dem ersten Weltkrieg, als seine Werke, vor allem Der Nachsommer und Witiko, von der Bevölkerung entdeckt wurden.
Heute gilt er als bedeutendster Schriftsteller Österreichs.

Viele Schriftsteller hat Stifter nicht beeinflusst, aber Nietzsche war von ihm begeistert und Thomas Mann hat über ihn gesagt:

„Stifter ist einer der merkwürdigsten, hintergründigsten, heimlich kühnsten und wunderlich packendsten Erzähler der Weltliteratur.“


______________________________________________________


Adalbert Stifter
Bunte Steine


Gliederung des Referats:

I. Zum Autor Adalbert Stifter
II. Einordnung in die Epoche
III. Bunte Steine
1) Einleitung
2) Vorrede
3) Turmalin
4) Bergkristall
IV. Sprache und Aufbau
V. Wirkung Stifters


Quellenangaben:

Deutsche Dichter Band 5, Reclam
Kindlers Neues Literaturlexikon Band 15
Sammlung Metzler – Realien zur Literatur Band 186
Texte und Methoden, Lehr- und Arbeitsbuch Deutsch
Microsoft Encarta Enzyklopädie
www.literaturwelt.com
www.adalbertstifter.at

______________________________________________________

Handout:

Adalbert Stifter – Bunte Steine

Zu Adalbert Stifter:

 23.10.1805 in Oberplan (Böhmen)
 28.01.1869 in Linz
Er brach sein Jurastudium ab und arbeitete als Lehrer in Adelshäusern, später wurde er Schulrat und Konservator für Denkmäler in Oberösterreich. 1848 wurde er in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Zudem widmete sich Stifter der Landschaftsmalerei. Ab 1853 erkrankte er schwer, außerdem war er depressiv. Zwei Tage vor seinem Tod schnitt er sich mit einem Rasiermesser in den Hals.

Wichtigste Werke:

Studien (Kurzgeschichten und Novellen, z. B. „Der Hochwald“, „Die Mappe meines Urgroßvaters“)
Bergkristall (aus Bunte Steine), 1845
Lesebuch zur Förderung humaner Bildung (mit Johannes Aprent), 1854
Der Nachsommer, 1857
Witiko, 1865-1867

Zu „Bunte Steine“, 1852:

Vorrede (über das „Sanfte Gesetz“) und Einleitung
Granit (vorher: Die Pechbrenner), 1849; Kalkstein (vorher: Der arme Wohltäter), 1848; Turmalin (vorher: Der Pförtner im Herrenhause), 1852
Bergkristall (vorher: Der heilige Abend), 1845; Katzensilber (wurde als einziges Werk für „Bunte Steine“ verfasst); Bergmilch (vorher: Wirkungen eines weißen Mantels), 1843

 Vorrede
Mit seiner Vorrede reagiert Stifter auf eine Anschuldigung Friedrich Hebbels. Er legt dar, dass er sich nicht als Dichter sieht, sondern mit seinen Schriften lediglich interessierten Menschen „eine vergnügte Stunde“ bereiten will. Weiterhin definiert er die Begriffe „groß“ und „klein“: Alltägliche Naturerscheinungen, wie Wind und das Wachsen der Pflanzen hält er für groß (=bedeutend), wohingegen Erdbeben und Vulkanausbrüche für ihn als klein (=unbedeutend) gelten. Das überträgt er auf den Menschen: „Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit Einfachheit Bezwingung seiner selbst […] verbunden mit einem heiteren gelassenen Sterben halte ich für groß: mächtige Bewegungen des Gemütes furchtbar einherrollenden Zorn die Begier nach Rache […] halte ich nicht für größer, sondern für kleiner, da diese Dinge so gut nur Hervorbringungen einzelner und einseitiger Kräfte sind“.
Stifter spricht auch vom „Sanften Gesetz“, welches der Mensch in sich trägt und Natur- und Sittengesetze vereint. Es zeigt sich in jeder unscheinbaren, alltäglichen Handlung der Menschen und in der gegenseitigen Liebe zueinander und sichert den Fortbestand der Menschheit, es ist „menschenerhaltend“.

 Turmalin
Ein Mann mit dem Spitznamen Rentherr lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Wien. Seine Frau betrügt ihn mit einem Freund der Familie, gesteht und beendet jedoch das Verhältnis. Einige Zeit später verschwindet sie spurlos und wird nie aufgefunden. Auch der Rentherr verschwindet schließlich mit seiner Tochter und lebt jahrelang unerkannt in den Vorstädten Wiens von seinem virtuosen Flötenspiel. Erst nach seinem Tod, als seine geistig zurückgebliebene Tochter von einer Nachbarfamilie in Pflege genommen wird, kann seine Identität geklärt werden.

 Bergkristall
Die Kinder des Schusters aus Gschaid, Konrad und Sanna, besuchen oft ihre Großeltern in Millsdorf auf der anderen Seite eines Bergkamms. Auch an Heiligabend machen sie sich auf den Weg und verbringen einen schönen Tag bei ihren Großeltern. Den Heimweg treten sie wegen der nahenden Dunkelheit früh an. Auf ihrem Weg durch den Tannenwald und über den Bergkamm fängt es zu schneien an und bald verlaufen sie sich im Schneetreiben. Sie finden sich im Gletscher wieder und kehren um bis sie zu einer steinernen Schutzhütte kommen. Dort verbringen sie die Nacht und halten sich gegenseitig wach, um sich vor dem Erfrierungstod zu schützen. Am nächsten Morgen suchen sie einen Weg nach unten und werden von Suchtrupps aus beiden Dörfern gefunden. Zurück in Gschaid holen sie das Weihnachtsfest nach.



Dieses Referat wurde eingesandt vom User: astY




Kommentare zum Referat Adalbert Stifter - Bunte Steine: