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Walter Helmut Fritz Kurzgeschichte „Augenblicke“ - Referat



Textbeschreibung

In Walter Helmut Fritz‘ Kurzgeschichte „Augenblicke“ handelt es sich um eine junge Frau namens Elsa, die noch bei ihrer Mutter lebt. Es wird eine Begegnung zwischen beiden im Badezimmer geschildert; Elsa, die Tochter, geht unter einem Vorwand hinaus. Offensichtlich erträgt sie das Zusammenleben mit ihrer Mutter nicht mehr. Kurz darauf verlässt sie das Haus, ohne ihrer Mutter tschüss zu sagen und fährt in die Stadt, um eine Wohnungsvermittlung zu suchen.

Die Suche ist umsonst: Ohne eine genaue Adresse kann sie die Wohnungsvermittlung nicht finden. Statt nach Hause zu gehen, läuft Elsa stundenlang in der Stadt umher, mit dem Ziel spät heimzukommen, um ihrer Mutter nicht mehr gute Nacht sagen zu müssen. Auf dem Heimweg wird deutlich, in welcher Lage sich Elsa befindet. Ihre Mutter lebt seit dem Tod ihres Mannes allein und empfindet oft Langeweile. Deshalb will sie mit ihrer Tochter sprechen und weil sich die Gelegenheit selten ergibt, versucht sie ihre Tochter im Bad zu erreichen. Elsa macht das aber wahnsinnig und darum hat sie vor sich gleich nach Weihnachten eine Wohnung zu nehmen, schließlich ist sie zwanzig und arbeitet schon. Als sie aber in ihr Zimmer zurückkehrt, ist von ihren Zukunftsplänen nicht mehr die Rede; stattdessen denkt sie daran, dass ihre Mutter alt und oft krank ist und sie sie nicht alleine lassen kann.

Die Erzählung schildert in knappen, lakonischen Worten den Konflikt einer Mutter-Tochter Beziehung. Elsas Zustand ist bis zum Äußersten angespannt: Jedes Mal wenn ihre Mutter zu ihr ins Bad kommt, während sie sich schminkt, muss sie sich beherrschen nicht auszurasten. Trotz der heftigen Gefühle, die sie bewegen, bleiben alle Gesten merkwürdig ruhig und kontrolliert. Es kommt zu keinerlei Diskussion zwischen Elsa und ihrer Mutter. Vielleicht ist es gerade das Ausbleiben einer Aussprache, was die Anspannung weiter steigert, denn beide verstecken ihre Gefühle dem Anderen gegenüber und so distanzieren sie sich immer mehr voneinander. Im Bild des Badezimmers und ihres eigenen Zimmers kommt zum Ausdruck, dass sich ihre Mutter nach ihr sehnt und nur Gelegenheiten sucht, mit Elsa ins Gespräch zu kommen. Elsa fühlt sich von ihrer Mutter beobachtet und von ihren Blicken bedrängt. Nicht zufällig trägt die Kurzgeschichte den Titel „Augenblicke“: Es sind die Augenblicke, die alles so verzwickt machen. Die Augenblicke, in denen die Mutter mit der Tochter reden möchte oder einfach nur bei ihr sein will, die Augenblicke, in denen die Tochter allein sein will und die Augenblicke, in denen beides zusammenkommt. Es gibt auch nicht viele Augenblicke, die beide miteinander teilen, da Elsa versucht ihrer Mutter so gut es geht aus dem Weg zu gehen. In ihrem nächtlichen Ausgang
verschafft sie sich eine Auszeit von ihrer Mutter und nimmt sich vor eine eigene Wohnung zu nehmen. Dann holt sie aber wieder der Gedanke an das Leben ihrer Mutter ein und dass sie sie nicht alt und krank alleine zurücklassen kann. Ihre ganze Ausweglosigkeit mündet am Schluss in einen unartikulierten Schrei. So bleibt ihr nur noch die Resignation.

Die Erzählung erlaubt es dem Leser, an den Gefühlen der Hauptfigur teilzuhaben. Das Erzählverhalten ist auktorial, der Erzähler hat Überblick über das Geschehen, weiß aber auch, was im Inneren der Figuren vor sich geht. Außerdem sind Kommentare und Einmischungen bemerkbar, zum Beispiel „behext, entsetzt, gepeinigt […]“ (Z.11). Im zweiten Teil überwiegt im Satzbau die Parataxe. Es spiegelt sich darin Elsas Entschlossenheit wider, die Situation zu ändern. Der Schluss greift mit wenigen Sätzen den Stil des Anfangs wieder auf. Sie kehrt zum Ausgangspunkt zurück, denn sie ist sich im Klaren, dass es so weitergehen wird, wie bisher, da sie ihre Mutter nicht verlassen kann. Somit endet die Geschichte für Elsa in der Ausweglosigkeit.

Es wird in dieser Erzählung auf eindringliche Weise geschildert, wie die Lage zwischen Elsa und ihrer Mutter ist. Sie reden nie richtig miteinander und so können die beiden ihre Situation auch nicht ändern. Elsa fühlt sich nämlich für ihre Mutter verantwortlich und kann deshalb nicht wegziehen, aber weiterhin so in der Wohnung zu leben wie bisher, würde sie auch nicht glücklich machen. Die Mutter will mit Elsa reden, die hat aber nie Zeit für sie und geht ihr aus dem Weg. Eine Lösung für das Problem wäre, dass beide einmal miteinander sprechen würden, denn keiner weiß, was im Anderen vor sich geht.




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