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Analyse des Sachtextes „Wozu überhaupt Interpretation?“ - Referat



In dem Kommentar „Wozu überhaupt Interpretation?“ geschrieben von Hans-Dieter Gelfert 1990 geht es um die Frage, ob Lyrik und Gedichtinterpretationen vom Deutschunterricht gestrichen oder weiterhin als wichtiges Bestandteil beibehalten werden sollte. Zu dieser Thematik teilen sich die Meinungen, weswegen der Autor zu diesem Problem Stellung nimmt.

Im folgenden wird die Analyse und die Interpretation des Kommentars aufgeführt. Anfangs wird die Lyrik, vor allem die Interpretation dieser als sehr qualvoll für die Schüler und Studenten dargestellt. Weswegen die Frage entsteht, ob aufgrund der abschreckenden Einstellung der Schüler der Lyrik gegenüber diese aus dem Deutschunterricht gestrichen oder als wichtigen Bestandteil beibehalten werden sollte. (Z. 1-11)

Deswegen erläutert der Autor die Konsequenz, dass die Lyrik aus der Gesellschaft allmählich komplett verschwinden würde, wenn Schüler nicht motiviert werden solche Werke im Unterricht zu behandeln. Dies wäre ein unersetzlicher Verlust, weil die Lyrik als essentielles Kunstwerk für die Gesellschaft gilt und es hierbei keine annäherungsweise vergleichbare Kunst gibt. Aus diesem Grund wünscht sich der Autor, dass die Lyrikinterpretation für die Schüler interessant gestaltet werden sollte. (Z.11-38)

Um die Meinungen der Schüler aufzuzeigen berichtet der Autor deren abwertende Sicht auf Gedichtinterpretationen. Diese ist, dass die Kunst der Lyrik ohne Worte die größte Wirkung auf den Einzelnen hat und somit eine Interpretation dieser überflüssig wäre und das Gefühl wegnehme. (Z. 34-38)

Demzufolge ist die Versprachlichung von Gedichten fast unmöglich wegen der eindrucksvollen Wirkung auf den Menschen. In Worte zu fassen, was das Individuum in der Lyrik ausdrücken will, ist aufgrund der Variation dieser sehr komplex. Der Mensch denkt rational und möchte alles durch Sprache verstehen, deswegen ist das verbale Austauschen über Gedichte notwendig, um die Intensionen dahinter verstehen zu können. (Z.39-51)

Durch das Versprachlichen der Wirkung der Lyrik nimmt es den Glanz und die Unschuld des Gedichts, weswegen der Verlust des Gefühls besteht. Dieser Verlust ist jedoch durch den neuen Erkenntnissen, die durch die Interpretation gewonnen wird mehr als überwogen. Durch die Vielfalt der Individuen der Lyrik entsteht somit für die Gesellschaft ein intellektuelles Vergnügen, welches essentiell notwendig ist. (Z. 51-61)

Bei diesem Text handelt es sich um einen Kommentar, weil der Autor subjektiv wertende Testpassagen verwendet, um den Leser von seiner Meinung zu überzeugen wie beispielsweise „Noch betrüblicher, geradezu niederschmetternd ist es zu hören, […] restlos verleidet worden sein.“ (Z. 4-6) Der Autor verwendet hier Adjektive, die seinen Frust ausdrücken, weil die Lyrik für Schüler und Studenten die unbeliebteste Gattung ist und das durch das Interpretieren von Gedichten nur noch verstärkt wird. Seine Ausdrucksweise ist sehr übertrieben dargestellt, um diese Problematik zu dramatisieren und somit den Leser als großes Problem für die Gesellschaft aufzuzeigen.
Ein weiteres Merkmal, was ein Kommentar ausmacht ist die argumentative Sprache. In dem Text sind Passagen aufgeführt, die zuerst eine These „Eine so radikale Konsequenz würde freilich bedeuten,daß […]“ (Z.11-14), dann die dazugehörige Begründung zeigt „[…] denn erst an der Literatur erweist sich, ob Literatur für den Leser überhaupt noch den Status eines Kunstwerks hat“ (Z. 15-17) und dies durch zahlreichen Beispielen, die andere Gattungen kritisiert untermauert. Er bezeichnet als solches, dass Romane und Theateraufführungen als „Lesefutter“ (Z.17) und dass sie lediglich der Unterhaltung dienen und deswegen der „(d)er Kunstcharakter […] gar nicht wahrgenommen wird“.

Als abschließende Charaktereigenschaft eines Kommentars äußert der Autor durch einen Wunsch seine Meinung, indem er einen Verbesserungsvorschlag für den
Deutschunterricht gibt. Die Gedichtinterpretation soll für den Schüler lustvoller gestaltet werden, um somit die Freue an der Interpretation zu stärken. (Z.31-33) Die Intension von Herr Gelfert ist, dass die Lyrik dadurch nicht aus dem Unterricht gestrichen wird, sondern durch Spaß den Schülern die Wichtigkeit für die Gesellschaft zeigt und somit die Lyrik bestehen bleibt. Das zeigt den Leser, dass er nicht nur die Absicht hat das Problem zu kritisieren, sondern sich als kooperativ zeigt und Verbesserungsvorschläge gibt.
Die Gattung der Lyrik ist ein Komplexes Geflecht, bei dem es sehr schwer sein kann dies zu interpretieren oder zu verstehen. Deswegen werden in dem Text einige Fachbegriffe verwendet wie „ästhetische Individualität“ (Z.41) oder „intersubjektiv“ (Z.51) , um das Komplex der Lyrik auszudrücken. Zudem ist ein hypotaktischer Satzbau (Z.58-61) erkennbar, der diese Wirkung bestärkt. In den Passagen, in denen der Autor Hypotaxe verwendet, beschreibt er die Herrlichkeit und die Notwendigkeit der Lyrik für „mehr intellektuelles Vergnügen“ (Z.60) für die Gesellschaft, wodurch die Zeit im Flug vergeht.

Um die klar wertende Stellung des Autors erkennbar zu machen, verwendet er viele Adjektive wie „[...]betrüblich, geradezu niederschmetternd“ (Z.5) und „abschreckende“ (Z.6). Diese sind absichtlich dramatisch dargestellt, um den Leser auf das Problem aufmerksam zu machen und somit die Meinung derer zu beeinflussen. Somit wird zugleich belegt, dass es sich um einen Kommentar hält.

Neben den vielen Fachbegriffen, die der Autor verwendet, kommen auch Textpassagen mit Umgangssprache vor, dass der Text die Jugendlichen besser anspricht. Worte wie „[…] besudeln“ (Z. 38) soll die negative Einstellung der Schüler und Studenten gegen die Lyrikinterpretation zeigen. Indem er deren Meinung in jugendlicher Art und Weise darlegt, zeigt er dem Leser, dass er sich ausgiebig mit der Problematik befasst hat und gewinnt somit seine die Glaubwürdigkeit.

Die Allgemeine Absicht von Herr Gelfert ist auszudrücken, wie wichtig Lyrik für die Gesellschaft ist. Es ist essentiell dieses kulturelle Vergnügen beizubehalten und bietet Möglichkeiten, wie sein Ziel erfüllt werden kann. Im Deutschunterricht soll Lyrik, vor allem deren Analyse attraktiver für die Schüler gestaltet werden, sodass sie kein Leid, sondern Freue an Gedichten haben. Somit ist auch seine hauptsächliche Zielgruppe deutlich, weil Lyrik in unserer Gesellschaft meistens Schüler und Studenten betrifft. Natürlich ist der Text auch an weitere Erwachsene gerichtet mit der Hoffnung, dass deren Motivation zur Lyrik positiv entwickelt und ausgebaut wird.

Trotz jeglicher Bemühung des Autors den Leser von der Notwendigkeit der Lyrik zu überzeugen, reicht dies nicht aus, um die Lyrik von in der Gesellschaft bei jedem beliebt zu machen. Zumal diese heutzutage so vielfältig ist, dass es kaum möglich ist ein gemeinsames Interesse hervorzurufen. Dies gilt genauso im Klassenzimmer. Trotzdem ist es wichtig Gedichte zu interpretieren, um auf deren Intension zu kommen und um diese auch schriftlich wiederzugeben. Das hat den Vorteil, dass sich in der Interpretation im Schreibfluss mehr Aspekte finden lassen, als wenn die Wirkung des Gedichts lediglich aufgenommen wird. Schlussfolgernd ist es wichtig seine Interpretation schriftlich darzulegen, um den Horizont vom Sinn des Gedichts zu erweitern.

Doch um sich ein besseres Bild über die Notwendigkeit der Lyrik, insbesondere der Lyrikanalyse machen zu können, müssen andere Sachtexte betrachtet werden. Folgend wird der Kommentar von Iris Radisch „Nie wieder Versfüßchen“ 2007 veröffentlicht, erschlossen und interpretiert, um diesen mit dem Kommentar von Hans-Dieter Gelfert zu vergleichen.

Anfangs wird die Verständlichkeit sowohl von hermetischen, als auch von neuzeitigen Gedichten stark kritisiert. Die Kritik tangiert jedoch mehr zu den hermetischen Gedichten, weil auch die positive Seiten der neuzeitigen Lyrik aufgezeigt wird. (Z.1-18)

Lyrik ist heutzutage auch wichtig, um auf bestimmte Probleme in der Welt
oder Gesellschaft zu zeigen. Verschiedenste Natur- und Terrorkatastrophen werden in Gedichten verpackt, deswegen ist der Wille, dass spezielle Werke verstanden werden nicht stark, weil die Menschen nicht mit den schlimmen Ereignissen konfrontiert werden sollen. Somit stellt sich eine wichtige soziale Aufklärung der Lyrik dar. (Z.19-28)

Folgend wird die Anfangskritik gegenüber hermetischen Werken wiederaufgenommen. Gründe für das Aussterben älterer Gedichte ist, dass sie wenig Importtanz für die Gesellschaft zeigen, weil sich diese keinen guten und passend Bezug auf die heutige Zeit haben. (Z. 29-50)

Abschließen zeigt Frau Radisch dem Leser die Ursachen und Faktoren, welche Menschen dazu führen ein Gedicht zu sympathisieren und zu bevorzugen. Sie untermauert dies, indem sie ihre eigenen Erfahrungen bezüglich ihrer Vorliebe von bestimmten Gedichten vorstellt. (Z. 51-75)

m auf die Erfahrung und somit auf die Kenntnisse von Iris Radisch aufmerksam zu machen, verwendet sie persönliche Beispiele untermauert mit ihren Gefühlen. Das zeigt, dass sie sich mit dem Thema umfassend befasst und somit vertrauenswürdig ist. Somit soll das zur Überzeugung des Lesers dienen. (Z.60-67)

Um ihre Glaubwürdigkeit zu verstärken, verwendet sie umfangreiche Beispiele, die einerseits zur besseren Veranschaulichung, als auch zur Beeinflussung der Leser dienen. Durch diese werden ihre Thesen bewiesen, was somit auch ihrer Vertrauenswürdigkeit verstärkt. (Z. 13.18)

Der Leser wird sofort am Anfang des Kommentars in die Meinung der Autorin gestürzt, weil als Einstieg eine rhetorische Frage gestellt wird, die die Verständlichkeit der Gedichte nur auf Dichter beschränkt. Es soll ausdrücken, dass Lyrik meistens nur von einem engeren Kreis der Autoren verstanden werden kann und soll somit unter Beeinflussung des Lesers in die Problematik einführen. (Z.1-3)

Um die Glaubwürdigkeit ihres Textes zu bestärken untermauert sie anhand einiger Beispielen ihre Kritik an die Verständlichkeit von Gedichten und begründet dies auch nach bestimmten Fakten.(Z.13-18) Dadurch möchte die Autorin, dass der Leser darüber nachdenkt und ihr, durch die nachvollziehbaren Begründungen ihre Meinung vertritt.
Als direktem Einstieg wird der Leser von der Meinung der Autorin konfrontiert. Es stellt sich die rhetorische Frage, warum lyrische Werke meist nur von ihren Schreibern und dessen damaligen Kollegen verstanden wurden. Die Verständlichkeit von sowohl hermetischen als auch von neuzeitiger Dichtung wird stark hinterfragt und mit Beispielen untermauert „.[...]außer ein paar Dichterkollegen niemand verstehen wird?“ (Z.2-3). Das Ziel ist den Leser sofort in eine Grundeinstellung zu führen, indem er die Verständlichkeit mancher Gedichte in Frage stellt und während des Lesens beibehält.

Um die Problematik aufzuzeigen, dass manche Gedichte in einem schwer verständlichem Stil geschrieben sind, werden dieser „Als verlockendes, kaum zu lösendes Silbenrätsel[...]“ (Z.36-37) Diese ironische Textpassage wird verwendet, um die Sinnlosigkeit komplizierter Gedichte zu verdeutlichen. Zudem soll es darstellen, dass solche Gedicht meistens gemieden werden und somit auch aussterben.

Als solch schwer verständliche Gedichte zählen auch einsilbige Werke. Die Stellung und Meinung der Autorin zu vermitteln, verwendet sie bildhafte Metaphern, um dem Leser die Emotionen zu zeigen, wenn solche Gedichte gelesen werden „[…] gefängnishaft anmutendes Sprachgitter“ (Z.34) Es verdeutlicht, dass in komplizierter Lyrik der Inhalt und die Intension des Autor nicht oder auch nur schwer herausgelesen werden kann. Sprache soll Inhalte und Gefühle vermitteln und diese nicht, wie in einem Gefängnis verschlüsseln.

Die Absicht der Autorin mit dem Text ist aufzuzeigen welche Probleme die Lyrik bezüglich ihrer Verständlichkeit mit sich bringt. Es werden hermetische also ältere Dichtungen, als auch neu zeitige Werke in diesem Punkt kritisiert. Dieser Kommentar spricht hauptsächlich Studenten und Schüler an, weil die aktuellen Bezug oder langjährige Erfahrungen mit dieser Problematik vertraut sind. Diese können sich mehrheitlich mit diesem Text identifizieren. Das Problem besteht nämlich nicht nur auf die hermetische Werke, die meist in einem anderen altertümlichen Schreibstil verfasst sind, sondern auch moderne und aktuelle Werke. Somit zeigt sich Frau Radisch glaubhaft, weil sie die Lyrik beider Epochen analysiert und deren Schwierigkeit und Schwächen aufzeigt.

Die beiden Sachtexte stehen in einigen Punkten im Widerspruch. Herr Gelfert beschreibt in seinem Kommentar „Wozu überhaupt Interpretation?“ die Lyrik als essentielles Mittel in der Gesellschaft. Es dient der Kultur als Kunstwerk mit Charakter. Er fasst das Thema meist subjektiv zusammen und versucht somit den Leser in seiner Meinung zu beeinflussen.

Im Gegenzug der Sachtext von Frau Radisch „Nie wieder Versfüßchen“ wird die Lyrik als unverständlichen, jedoch gefühlausdrückendes Mittel behandelt. Sie kritisiert die Verständlichkeit der Lyrik für normale Bürger, währenddessen diese für deren Dichter als Kunst bezeichnet wird. Aus diesem Text lässt sich die Meinung der Autorin herauslesen, wenn die Verständlichkeit nur für deren Künstler besteht, währenddessen die Bürger in Ungewissheit leben, es keinen ersichtlichen Grund für diese Sorte von Dichtung gibt.

Eine Gemeinsamkeit beider Autoren ist, dass sie anhand an persönlichen Erfahrungen oder Beispielen ihre Vorliebe zur Lyrik präsentieren. Es werden Kriterien genannt, warum Gedichte emotional, vollkommen und zufriedenstellend für den Menschen sein kann.

Die Lyrik enthält selbstverständlich Elemente, die für den Leser emotional sind und ein bestimmtes Thema oder ein Problem der Gesellschaft in Hintergrund behandeln. Deswegen ist es wichtig, nicht nur die erste Wirkung des Gedichts zu spüren, sondern diese auch schriftlich zu analysieren. Somit kommen Fehlinterpretationen des Werkes seltener vor, weil die detaillierte Einarbeitung in das Gedicht zum Sinneswandel führen kann. Trotzdem könnte bei eindeutigen Werken, bei denen es keine Zweifel der Interpretation gibt diese auch weggelassen werden. In solchen Fällen ist die Wirkung essentiell und die ausgedrückten Gefühle stehen im Vordergrund. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass bei anspruchsvollerer Dichtung eine Interpretation Notwendig ist für die Vergewisserung, das Gedicht richtig verstanden zu haben und somit die Intension des Künstler in seiner Epoche besser nachvollziehen zu können. Bei Werken mit eindeutigem Sinn ist eine Interpretation redundant, weil der Sinn und die Absicht des Dichters ersichtlich ist und sich somit mehr auf die Gefühle bezogen werden kann.




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